Wollen wir hohe oder niedrige Preise?

24.8.2015 – von Fernando Herrera-González.

Fernando Herrera-González

Auf freien Märkten bilden sich Preise durch Angebot und Nachfrage. Dass Preise sich verändern, ist ganz natürlich. Stetige Veränderungen bei den Preisen sind ein Zeichen für eine funktionierende Wirtschaft, in der die Bedürfnisse von Konsumenten und Unternehmern koordiniert werden – ein Mechanismus, mit dessen Hilfe Käufer und Verkäufer miteinander kommunizieren.

Es ist bedeutsam an dieser Stelle, zwischen „Preisen“ und „Angeboten“ zu unterscheiden. Ein Preis ist das Austauschverhältnis. Preisschilder an den Waren, die wir im Supermarkt sehen, sind zunächst einmal nur Angebote, welche nur beim Kauf zu tatsächlichen Preisen werden. Würde der „Preis“ für einen Apfel zum Beispiel 100 Euro betragen und niemand diesen kaufen, dann wäre es falsch, dem Apfel einen Preis von 100 Euro zuzuschreiben, nur weil der Supermarkt versucht hat, diesen Apfel für die genannte Summe zu verkaufen.

Versuchen wir nun, die folgende Frage zu beantworten: Wird die soziale Wohlfahrt durch fallende oder steigende Preise erhöht? Wenn der Preis eines bestimmten Gutes ansteigt, so haben natürlich diejenigen einen Vorteil, welche das Gut bereits besitzen. Die Menschen, welche die Produktionsmittel für das teurer gewordene Gut haben, werden voraussichtlich davon profitieren. Andererseits werden die Leute, welche das Gut nicht besitzen – insbesondere, wenn sie vorhaben sollten, das Gut in naher Zukunft zu kaufen – schlechter dran sein. Bei einem Preisverfall kehren sich die Szenarien natürlich um.

Preise sind die Signale, aufgrund derer Unternehmer ihre Investitionsentscheidungen treffen. In dieser Signalfunktion sind Preise also ein Indikator für die relative Knappheit eines Gutes im Verhältnis zu seinem Gebrauch. Ein Preisanstieg bedeutet, dass die Gesellschaft dem betroffenen Gut einen höheren Wert beimisst. Somit signalisiert sie den Unternehmern, dass mehr Ressourcen zur Produktion dieses Gutes aufgewendet werden sollten, denn das ist es, wonach die Gesellschaft momentan verlangt. Umgekehrt spiegelt sich ein Wertverlust eines Gutes in fallenden Preisen wider und Ressourcen, welche vorher noch zur Produktion des billiger gewordenen Gutes gebraucht wurden, sollten nun in andere Produktionszweige fließen. Dieser beschriebene Prozess läuft nicht automatisch ab, sondern wird durch Unternehmer in Gang gesetzt, welche Preise als Signale nutzen.

Wenn wir Preise manipulieren

Was passiert, wenn Preise durch Kontrollen oder andere Zwangsmaßnahmen seitens der Regierung manipuliert werden? Der erste Effekt wird natürlich der sein, dass manche Individuen gewinnen und andere verlieren. Wenn Preise zum Beispiel nach oben hin beschränkt werden, verlieren Besitzer und Produzenten des Produktes an Vermögen, während Käufer ihren Wohlstand erhöhen können. Politiker denken normalerweise, das sei gut für „das Volk“, denn – was viele Populisten meinen – Firmen sind „reich“ und der Eingriff verteilt den Wohlstand von „den Reichen“ zu anderen Menschen um.

Für bestimmte Konsumenten und einzelne Transaktionen mag das vorteilhaft sein, doch Menschen sind noch viel mehr als nur Konsumenten. Sie sind möglicherweise Anteilseigner der betroffenen Firma oder besitzen eine Altersvorsorge, welche in diese Firma investiert. Außerdem könnten sie für das Unternehmen oder für dessen Zulieferer arbeiten. Letzten Endes ist es also schwer festzustellen, ob ein bestimmtes Individuum – ganz zu schweigen von der Gesellschaft – von einer Preiskontrolle profitiert oder nicht.

Das größte volkswirtschaftliche Problem der Preismanipulation ist jedoch die Störung des Preissystems, die eine Störung des Signalsystems mit sich bringt. So werden Unternehmer daran gehindert, sinnvoll zu kalkulieren, wie sie Ressourcen für eine bestimmte Unternehmung verwenden sollten. Der unternehmerische Prozess wird zwar weitergeführt, jedoch werden die Ressourcen an falsche Orte gelenkt, was die Gesellschaft mit jeder Investition ein Stück ärmer macht.

Ein weiterer Aspekt sollte ebenfalls berücksichtigt werden: Unternehmer können aufgrund ihrer menschlichen Natur Fehler machen. Ein Unternehmer bietet ein Gut vielleicht zu einem zu hohen „Preis“ an und erkennt dann, dass er nicht dazu in der Lage ist, eine so große Menge dieses Produkts zu verkaufen, dass sich die Investition lohnt. Daraufhin ist er zu einer Preissenkung gezwungen, um den Umsatz zu steigern. Dies heißt nicht, dass der erste Preis falsch und der zweite richtig war. Es bedeutet lediglich, dass der Unternehmer auf die nach dem ersten Versuch erhaltenen Informationen reagiert. Es ist durchaus möglich, dass der Preis nach weiteren Informationen noch einmal nach oben oder unten korrigiert werden muss. Dies ist die Essenz des unternehmerischen Handelns – auf Veränderungen der Umwelt zu reagieren und immer wieder zu versuchen, sich an die neuen von anderen Individuen gezeigten oder antizipierten Präferenzen anzupassen.

Um dieses fundamentale Zusammenspiel zwischen Konsumenten und Produzenten, innerhalb dessen die Konsumenten ihre Macht über den Markt und sogar die Gesellschaft ausüben, zu optimieren, dürfen nicht „hohe“ oder „niedrige“ Preise das Ziel sein, sondern Freiheit bei den Preisen. Manipulationen hindern Preise daran, ihre Aufgabe zu erfüllen, was wiederum den Prozess der Ressourcenallokation erschwert und seine Effizienz mindert. Und das schadet uns allen definitiv.

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Aus dem Englischen übersetzt von Christopher Buhtz. Der Originalbeitrag mit dem Titel Do We Want High Prices or Low Prices? ist am 21.4.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Fernando Herrera-González ist in Spanien zuhause. In seiner Doktorarbeit betrachtete er die Regulierung des Telekommunationsmarktes aus Sicht der Österreichischen Schule. Im Jahr 2012 erhielt er vom Instituto de Estudios Económicos den Victor Mendoza 2012 Award. Er veröffentlicht in zahlreichen Fachzeitschriften.

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