Wie lange wird der US-Dollar noch Reservewährung sein?

18.10.2013 – von Patrick Barron.

Patrick Barron

Wenn wir den Begriff „Reservewährung“ benutzen, weisen wir damit auf die Bedeutung des Dollars bei der Abwicklung internationaler Handelsgeschäfte hin. Wenn etwa Kanada Güter aus China importiert, ist es gut möglich, dass die Rechnung in US Dollar und nicht in Kanadischen Dollar beglichen wird, und vice versa. Der eigentliche Grund, weswegen sich dieser Begriff herausbildete, existiert jedoch nicht mehr. Heute wird der Dollar als „Reservewährung“ bezeichnet, weil viele Länder große Mengen an Dollardevisen halten, lediglich um den internationalen Handel zu vereinfachen.

Die erste Reservewährung war das Britische Pfund Sterling. Da in der Zeit des Goldstandards das Pfund als „genauso gut wie Gold“ angesehen wurde, fanden viele Länder es vorteilhaft, Pfund Sterling anstelle von Gold zu halten. Die weltweit führenden Handelsnationen wickelten Geschäfte in Gold ab, doch man konnte ebenso gut Pfund Sterling verwenden, da allgemeines Vertrauen in die Bank of England herrschte, die Gold zu einem festen Wechselkurs im Tausch gegen das Pfund herausgab. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Abkommen von Bretton Woods übernahm der US Dollar diese Rolle. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde mit dem erklärten Ziel gegründet, die amerikanische Zentralbank (FED) zu überwachen und die Einhaltung der Bretton Woods Verträge sicherzustellen. Die FED sollte den Dollar nicht inflationieren und jederzeit bereit sein, eine Feinunze Gold zum festen Wechselkurs von $35 herauszugeben. So erlangten andere Länder das Vertrauen, dass ihre Dollarreserven im internationalen Handel „genauso gut wie Gold“ seien, so wie einst das Pfund Sterling.

Allerdings hielt sich die FED nicht an das Abkommen von Bretton Woods und der IWF zwang sie nicht, genügend Goldreserven zu halten, um dem vereinbarten Tauschverhältnis von $35 Dollar je Feinunze Gold gerecht zu werden. In den 1960er Jahren wurde die FED zunächst von Frankreich und schließlich auch von anderen Ländern aufgefordert, Devisen in Gold einzutauschen, bis ihre Reserven letztlich so niedrig waren, dass nur noch eine Neubewertung des Dollars durch eine Erhöhung des Wechselkurses oder die komplette Verwerfung des Eintauschversprechens übrig blieben. Zu seiner ewigen Schande entschied sich Amerika für letzteres und verließ den Goldstandard im September 1971.

Dennoch hielten die großen Handelsnationen weiterhin Dollarreserven, denn er erfüllte immer noch eine nützliche Funktion in der Abwicklung internationaler Geschäfte. Es gab keine andere Währung, die den Dollar hätte ablösen können, trotz seiner „Entkopplung“ vom Gold.

Es gibt zwei Eigenschaften, die eine Währung im internationalen Handel nützlich machen: Erstens, sie wird von einer großen Handelsnation selbst herausgegeben, und zweitens, sie hält im Zeitverlauf ihren Wert gegenüber anderen Waren. Diese zwei Aspekte rufen die Nachfrage hervor, eine Währung als Reserve zu halten. Auch wenn der US Dollar inflationiert wurde und seinen Wert gegenüber anderen Waren verlor, so gab es doch im Zeitverlauf keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Deutsche Mark war zwar stabiler, allerdings stellte das Handelsvolumen Deutschlands nur einen Bruchteil des Handelsvolumens Amerikas dar, d. h. mit Markreserven konnten weniger Güter in Deutschland erworben werden, als mit Dollarreserven in den USA. Also war die Nachfrage für die Mark geringer als für den Dollar. Natürlich spielten auch psychologische Aspekte herein, denn die USA war die große militärische Schutzmacht der westlichen Länder gegen die kommunistischen Staaten.

Heute beobachten wir den Anfang einer Wende. Die FED hat den Dollar massiv inflationiert und seinen Wert gegenüber anderen Waren erheblich gesenkt. Das zwingt andere Handelsnationen gelegentlich zum Gebrauch anderer Währungen im internationalen Handel. Ich weiß aus verlässlicher Quelle, dass das Unternehmen DuPont viele seiner internationalen Geschäfte in chinesischen Yuan oder Euro abwickelt. Es mag noch weitere Währungen geben, die für den internationalen Handel von anderen Ländern nachgefragt werden. Ein Aspekt, der dem Dollar bislang half, seine Reservestellung zu bewahren, ist, dass eben auch andere Währungen inflationiert wurden. So hat etwa Japan seinen Yen noch stärker inflationiert, im verrückten Bestreben seine stagnierende Wirtschaft durch eine Abwertung der eigenen Währung anzukurbeln. Der finanzielle Selbstzerstörungswahn ist also nicht allein ein amerikanisches Phänomen!

Der US Dollar ist gefährdet, seine Reservestellung an die erste große Handelsnation abzugeben, die aufhört, die eigene Währung zu inflationieren. Es gibt Belege dafür, dass China verstanden hat, was hier auf dem Spiel steht. Es hat bereits seine Goldreserven erhöht und außerdem Goldausfuhrkontrollen erhoben. Sollte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, und eine der führenden Handelsnationen, seine Währung tatsächlich an Gold koppeln, so würde die Nachfrage für den Yuan steigen und für den Dollar sinken. Das würde bedeuten, dass die großen Handelsnationen ihre Dollarreserven abbauen würden und dass die im Ausland gehaltenen Dollars in die amerikanische Volkswirtschaft zurückschwemmen, und hier für einen Anstieg der Preise sorgen werden. Wie hoch dieser Anstieg ausfallen wird, ist schwer zu sagen. Aber man sollte sich ins Gedächtnis rufen, dass ebenso viele Dollars im Ausland wie im Inland der Vereinigten Staaten gehalten werden.

Die bevorstehende Ernennung von Karrierebürokratin Janet Yellen zur Chefin der Amerikanischen Notenbank durch Präsident Obama ist Beleg für eine weitere Schwächung des Dollars mittels Quantitative Easing. Ihre Ernennung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs der Dollar-Nachfrage und die deutlicher Preissteigerungen in Amerika, weil große Handelsnationen zur Abwicklung ihrer Geschäfte vermehrt andere Währungen als Reserven nachfragen werden. Vielleicht kann die FED nur durch den Druck einer solchen Maßnahme von Seiten eines souveränen Staates wie China wachgerüttelt werden, damit sie die Konsequenzen ihrer Handlungen erkennt und zu einem Ende ihrer Quantitative Easing Politik gezwungen wird.

Aus dem Englischen übersetzt von Karl-Friedrich Israel. Der Originalbeitrag mit dem Titel How Much Longer Will the Dollar be the Reserve Currency?  ist am 12.10.2013 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto Startseite: © Roman Sigaev – Fotolia.com

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Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

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