Die Medienberichte über Corona sind nicht ausgewogen

9. Dezember 2020 – von Dr. Jayanta Bhattacharya

Dr. Jayanta Bhattacharya

Medien freuen sich über negative Nachrichten. Je furchteinflößender die Nachrichten, umso mehr Aufmerksamkeit erregen sie – das gilt immer noch, und vielleicht war es noch nie so wahr wie in der COVID-19-Ära. Tag für Tag wird in den Nachrichten die Verbreitung des Virus herausgestellt und über die traurigen Geschichten einiger seiner Opfer berichtet.

Und doch schenkt ein Großteil der Medien den guten Nachrichten bezüglich verbesserter Behandlungen und Überlebenschancen von Patienten mit dem Coronavirus nicht genügend Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu den internationalen Medien ist die amerikanische Presse in ihrer COVID-Berichterstattung unerbittlich negativ, selbst wenn es gute Nachrichten zu vermelden gibt. Diese Negativität ist Teil dessen, was eine Kultur der Angst schürt, die lokale, staatliche und Bundespolitiker und die von ihnen getroffenen Entscheidungen beeinflusst.

Dabei gibt es eine Menge guter Nachrichten, über die es sich zu berichten lohnt. Die Zahl der durch das Virus verursachten Todesfälle ist seit März stark zurückgegangen. Die Überlebensrate der Infizierten liegt bei 99,95 Prozent bei Menschen unter 70 Jahren, und bei 95 Prozent bei Menschen über 70 Jahren. Die Krankenhäuser sind für den Umgang mit den Patienten viel besser gerüstet, mit verbesserten Beatmungsprotokollen, einem verbesserten Management mit ambulanten Patienten und neuen therapeutischen Strategien, die für Linderung und Genesung sorgen. Darüber hinaus könnte es dank mehrerer laufender, klinischer Studien auf der ganzen Welt bald einen sicheren und wirksamen Impfstoff geben.

Im Gegensatz zu ihrem Fokus auf die COVID-Todesfälle haben die Medien die enormen medizinischen und psychischen Schäden, die sich aus den Lockdown-Maßnahmen zur Verlangsamung der Pandemie ergeben, kaum Beachtung geschenkt. Und trotz der enormen Kollateralschäden, die die Lockdowns verursacht haben, verschärfen England, Frankreich, Deutschland, Spanien und andere europäische Länder ihre Maßnahmen noch einmal.

Unter Lockdowns verstehen wir – allen allzu bekannt – geschlossene Schulen und Universitäten, geschlossene Spielplätze und Parks, stille Kirchen und bankrotte Geschäfte und Unternehmen, die in den letzten Monaten zum Symbol des amerikanischen Bürgerlebens geworden sind. Der relative Mangel an Berichten über die durch die Abriegelungen verursachten Schäden ist bemerkenswert, da die dadurch verlorenen Menschenleben nicht weniger wichtig sind als die durch die COVID-Infektion verlorenen Leben. Doch haben sie viel weniger Aufmerksamkeit in den Medien erhalten.

Die durch die Lockdowns verursachten Schäden sind katastrophal. Bedenken Sie die psychischen Schäden. Wenn Sie diesen Beitrag lesen, während Sie sich in einem „Lockdown“ befinden, ist Ihnen zweifellos bewusst, was Isolation und Einsamkeit bedeuten, die diese Politik durch das Abschalten typischer Wege für soziale Interaktion verursachen kann. Im Juni schätzte das Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dass einer von vier jungen Erwachsenen ernsthaft über Selbstmord nachgedacht hat. Todesfälle durch Opiate und andere Drogen befinden sich in einem scharfen und wenig überraschenden Anstieg.

Die Lasten durch diese Politik betreffen dabei unverhältnismäßig stark einige der am stärksten gefährdeten Personen. Beispielsweise führte die Isolation zu einem 20-prozentigen Anstieg der demenzbedingten Todesfälle unter unserer älteren Bevölkerung. Darüber hinaus zeigt eine retrospektive Analyse der Lockdowns in den Vereinigten Staaten, dass Patienten Krebsvorsorgeuntersuchungen, Impfungen bei Kindern, Diabetes-Untersuchungen und sogar die Behandlung von Herzinfarkten unterlassen haben.

International haben die Lockdowns 130 Millionen Menschen an den Rand des Verhungerns gebracht, 80 Millionen Kinder dem Risiko für Diphtherie, Masern und Polio ausgesetzt und 1,8 Millionen Patienten dem Risiko, an Tuberkulose zu sterben. Die Lockdowns in den Industrieländern haben die Armen in den armen Ländern schwer getroffen. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass die Lockdowns weitere 150 Millionen Menschen in extreme Armut stürzen werden, 125-mal so viele Menschen, wie an COVID gestorben sind.

Obwohl es eine gewisse Berichterstattung über Lockdown-Schäden gegeben hat, haben die Medien diesem Thema nicht die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wie den COVID-Todesfällen. Wenn es einen COVID-Todes-Zähler gibt, sollte es daneben auch einen Lockdown-Todes-Zähler geben.

Das Fehlen einer ausgewogenen Medienaufmerksamkeit für die guten Nachrichten über das Virus und die Kosten für die Lockdowns des Systems haben ihre eigenen Kosten. Ohne einen ausgewogenen Umgang mit Nachrichten über COVID-19 kann sich die Öffentlichkeit kein fundiertes Urteil über die COVID-Politik bilden, wie z.B. Schulschließungen. Selbst ein sorgsamer Bürger kann nicht in Kenntnis der Sachlage entscheiden, ob es klug ist, die Lockdowns fortzusetzen, wenn nur ihre Vorteile hervorgehoben und ihre Kosten heruntergespielt werden. Die Medien haben die Pflicht, beides zu zeigen.

Schließlich führt die Vernachlässigung der guten COVID-Nachrichten zu Panik und Angst, was niemals eine gute Strategie für die öffentliche Gesundheit ist. Die Öffentlichkeit sollte wissen, dass die Pandemie nicht für immer da sein wird. Während dies herausfordernde Zeiten sind – und für viele Familien lebensverändernde Zeiten – wird die COVID-19-Pandemie wie jede andere Pandemie in der Geschichte der Menschheit ein Ende haben. Mit klugen und fundierten politischen Entscheidungen können wir die Zahl der Todesopfer und das menschliche Leid verringern.

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Der Originalbeitrag mit dem Titel Facts – Not Fear – Will Stop the Pandemic ist am 6.12.2020 auf der website des American Institute for Economic Research erschienen.

Jay Bhattacharya ist Professor für Medizin an der Universität Stanford. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am National Bureau of Economics Research, Senior Fellow am Stanford Institute for Economic Policy Research und am Stanford Freeman Spogli Institute.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

 

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