Der Weg zur Knechtschaft hat eine Abkürzung und sie heißt Angst – ein Augenzeugenbericht

25. März 2020 – von Philipp Bagus 

Philipp Bagus

Es ist beängstigend, mit welcher Unbeschwertheit die Menschen elementare Freiheitseinschränkungen, wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit hinnehmen, wenn der Staat ihre Unabdingbarkeit erklärt.

Eine Chronologie der Ereignisse von Madrid: Am Sonntag, dem 8. März 2020, wurde in Madrid eine Großdemonstration mit 120.000 Teilnehmern anlässlich des Weltfrauentags und gegen die angebliche Herrschaft des Patriachat durchgeführt, an der auch Regierungsmitglieder teilnahmen. Sie hatten zur Teilnahme aufgerufen. Nur einen Tag später wurde verkündet, dass ab Mittwoch, dem 11. März, Kindergärten, Schulen und Universitäten in Madrid geschlossen würden. Seit Sonntag, dem 14. März, herrscht Ausgangssperre, die mit Polizeigewalt durchgesetzt wird. Fahrradfahrer und Jogger, die sich an frischer Luft fit halten wollten, erhielten vielfach empfindliche Geldbußen. Selbst im privaten Garten unserer Appartmentblocks dürfen wir uns nicht mehr aufhalten, auch wenn die Familien sich mit der Nutzung abwechseln. In anderen Worten: Wir dürfen unseren eigenen Garten nicht mehr benutzen.

Die meisten Menschen scheint es wenig zu stören, wie der Staat ihre Freiheit verletzt. Sie stellen seine Autorität, unsere Freiheit einzuschränken, gar nicht in Frage. Vielmehr denunzieren sie jene, die sich frei bewegen und von ihren Eigentumsrechten Gebrauch machen wollen. Als im Garten des Appartmentblocks einer Bekannten von mir zwei Brüder Fußball spielten, wurde die Polizei gerufen. In unserem Falle wurde per Whatsapp ähnliches in Aussicht gestellt, als wir im Garten spielten.

Man denunziert die der Volksgesundheit schädlichen spielenden Kinder und hängt Plakate mit „Quédate en casa“ (Bleib zu Hause) auf. Blockwartmentalität. Das Beunruhigende ist die hohe Anzahl der willigen Kollaborateure. Die Parallelen zur Vergangenheit werden nicht bemerkt. Es scheint niemanden zu interessieren und wird nicht einmal thematisiert.

Haben die Menschen nur genügend Angst, vertrauen sie sich ohne Murren einer (hoffentlich nur temporären) Diktatur an. Sie geben ihre Freiheit auf, in der Hoffnung, durch weise und von Experten beratene staatliche Führer gerettet zu werden. Angst macht die Menschen beherrschbar. Anstatt gegen die Verletzung ihrer Eigentumsrechte zu protestieren, klatschen sie in Spanien jeden Tag um 20 Uhr auf Balkonen und geöffneten Fenstern in die Hände. Anfangs galt der Applaus vor allem Ärzten und Pflegepersonal, mittlerweile mischen sich auch Hochrufe auf die Polizei darunter.

Die staatlichen Führer planen die Freiheitsbegrenzung zentral. Sie können dabei aber nicht über die notwendigen Informationen verfügen, um eine rationale Antwort auf die Coronakrise zu geben. Sie berücksichtigen zwar die Vorteile der Ausgangssperre und der wirtschaftlichen Selbstabschaltung, die Kosten jedoch nicht. Denn sie sind auch gar nicht quantifizierbar.

Zu den unmittelbaren Kosten zählen jedoch auch  gesundheitliche Kosten. Das Eingesperrtsein in den eigenen vier Wänden und die fehlende Bewegung werden unter anderem zu vermehrten Herz-Kreislauf-Krankheiten, Bluthochdruck, Schlaganfällen und Thrombosen führen. Besonders die psychische Belastung des Eingesperrtseins ist immens, die Kosten nicht abzuschätzen. Durch die Belastung werden vielleicht sogar Ehen geschieden und Familien zerfallen; Traumatisierungen und Depressionen geschaffen.

Auch der wirtschaftliche Zusammenbruch, der durch die politische Reaktion auf das Coronavirus ausgelöst wird, hat gesundheitliche Kosten. Beispielsweise erleiden Unternehmer Herzinfarkte und Arbeitslose verfallen in eine Depression oder dem Alkohol.

Und dann gibt es noch die wirtschaftlichen Kosten im engeren Sinne. Der Lebensstandard wird absinken, vielleicht beträchtlich. Das hängt auch davon ab, wie lange das Wirtschaftsleben abgeschaltet bleibt. Früher oder später werden Lieferketten auch bei lebensnotwendigen Medikamenten und Lebensmitteln gefährdet. Schon heute ist die Produktpalette in spanischen Supermärkten reduziert. Auch das kann Leben kosten. Weltweit wird ein Rückgang des Lebensstandards vor allem die Ärmsten der Armen treffen, deren Versorgung besonders schlecht sein wird.

Welche Hybris, bei diesen nicht quantifizierbaren Kosten auf zentrale Planwirtschaft zu setzen und ein ganzes Land, ja ganze Kontinente lahm zu legen, anstatt auf mehr freiwillige Vorsicht zu setzen. Von dem (hoffentlich nur temporären) gewaltsamen Verschwinden der Freiheit ganz zu schweigen. Der Freiheit scheinen verängstigte Menschen wenige Tränen nachzuweinen. Der Weg zur Knechtschaft hat eine Abkürzung und sie heißt Angst.

Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Zu seinen Forschungsschwerpunkten Geld- und Konjunkturtheorie veröffentlichte er in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Rewiew, American Journal of Economics and Sociology u.a.. Seine Arbeiten wurden ausgezeichnet mit dem O.P.Alford III Prize in Libertarian Scholarship, dem Sir John M. Templeton Fellowship und dem IREF Essay Preis. Er ist Autor eines Buches zum isländischen Finanzkollaps (“Deep Freeze: Island’s Economics Collapse” mit David Howden). Sein Buch “Die Tragödie des Euro” erscheint in 14 Sprachen. Philipp Bagus ist ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”. Hier Philipp Bagus auf Twitter folgen. Im Mai 2014 ist sein gemeinsam mit Andreas Marquart geschriebenes Buch “WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen” erschienen. Zuletzt erschienen, ebenfalls gemeinsam mit Andreas Marquart: Wir schaffen das – alleine!

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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