Freund und Feind beim „Streben nach Glück“

24. Juli 2026 – von Rainer Fassnacht

Das „Streben nach Glück“ ist eine subjektive und individuelle Angelegenheit. Die Wege zum Glück und die für notwendig gehaltenen Mittel, um es zu erreichen, sind dementsprechend vielfältig. Auf den ersten Blick mag es daher verwundern, dass dazu etwas in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 zu finden ist. Sie wird mit folgender Präambel eingeleitet:

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.

(Wir halten diese Wahrheiten für selbstevident, dass alle Menschen gleich geschaffen sind, dass sie von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden, unter denen sich Leben, Freiheit und das Streben nach Glück befinden.)

Dies deutet darauf hin, dass es beim Streben nach Glück auch einen gesellschaftlichen Bezug gibt. Daher lohnt es sich, die verschiedenen Aspekte des Strebens nach Glück, ihre Zusammenhänge sowie Freund und Feind dieser selbstbestimmten Bestrebung genauer zu betrachten.

Das Trennende der nach Glück Strebenden

Wie unterschiedlich das Streben nach Glück ausfallen kann, lässt sich täglich beobachten – beim Blick auf die eigenen Handlungen und diejenigen anderer Menschen. Es kommt hinzu, dass es sich dabei nicht um eine statische Angelegenheit handelt. Das angestrebte Glücks-Ziel kann sich ändern. Und an einem Tag mag dieses, an einem anderen Tag jenes Mittel für notwendig gehalten werden, um dem Glück näherzukommen.

Man könnte es so formulieren, dass jeder Mensch beim Streben nach Glück ein eigenes Ziel vor Augen hat. Die Glücks-Ziele des einen Menschen mögen von anderen Menschen für nicht erstrebenswert gehalten werden, vielleicht werden sie sogar als schädlich für das Glück wahrgenommen – doch diese Außensicht ist für den nach Glück Strebenden nicht entscheidend.

Jeder ist selbst dafür verantwortlich, sein Glück zu suchen und zu finden. Es obliegt dem Einzelnen, wie er sein Glück definiert und anstrebt. Dies trifft selbst dann zu, wenn das Glücks-Ziel andere Menschen mit einbezieht, wie es beispielsweise der Fall ist, wenn des eigenen Glückes Ziel die Gründung einer Familie ist.

Das Gemeinsame der nach Glück Strebenden

Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, dass es beim Streben nach Glück keine Gemeinsamkeiten gäbe. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist der Umstand, dass der Wunsch nach einer Verbesserung der eigenen Situation ganz und gar menschlich und natürlich ist. Auch die Notwendigkeit des Einsatzes von Mitteln, um dem jeweiligen Ziel näherzukommen, verbindet.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass Mittel in diesem Sinne nicht immer materiellen Charakter haben. Ein solcher „Mitteleinsatz“ kann auch darin bestehen, Zeit gemeinsam mit anderen zu verbringen, um soziale Beziehungen zu stärken.

Dass man bei der Einschätzung der geeigneten Mittel nicht immer richtig liegt, ist eine weitere Gemeinsamkeit. Es ist unvermeidlich, dass Menschen Fehler passieren, das geschieht auch beim Streben nach Glück. Aber erfreulicherweise sind wir lernfähig und – in einer freien Gesellschaft – nicht gezwungen, Fehler zu wiederholen.

Freunde beim Streben nach Glück

Die vorangegangene Betrachtung des Gemeinsamen und des Trennenden lässt schon erkennen, dass es beim Streben nach Glück Hilfreiches und Hinderliches gibt. Die hilfreichen „Freunde“ können sowohl innere Einstellungen als auch äußere Umstände oder andere Menschen sein.

Zu den inneren Freunden gehört beispielsweise die Bereitschaft, zu akzeptieren, dass andere Menschen andere Ziele haben. Auch hinnehmen zu können, dass die von anderen gewählten Mittel nicht jenen entsprechen, die man selbst anwenden würde, gehört dazu.

Äußere Freunde können beispielsweise Menschen sein, die einen darauf aufmerksam machen, wenn man in einem Gespräch dabei ist, eigene Vorstellungen zum Maßstab für andere zu machen. Hilfreich ist es unter anderem auch, wenn man in einer Gesellschaft lebt, die freiwillige Handlungen tatsächlich zulässt – wenn man also von Menschen umgeben ist, denen Freiheit wichtig ist.

Feinde beim Streben nach Glück

Auch die hinderlichen „Feinde“ beim Streben nach Glück können innere Einstellungen oder äußere Umstände und Personen sein. Zu den äußeren Feinden gehört eine Gesellschaft, die freiwillige Handlungen – durch friedlichen Menschen aufgezwungene Ge- und Verbote – unterbindet und zahlreiche andere Handlungen erzwingt.

Wobei es diese Gesellschaft nicht als handelndes Wesen, sondern nur als gedankliches Konstrukt gibt. Tatsächlich sind es einzelne Menschen, die sich direkt oder indirekt als Erzwinger betätigen. Regelungen bzw. Befehle, die freiwillige Handlungen verhindern und andere Handlungen erzwingen, werden von konkreten Menschen erdacht, formuliert und „durchgeboxt“. Jeder Einzelne dieser Erzwinger ist ein Feind beim Streben nach Glück und ein Pflasterstein auf dem Weg in die Unfreiheit.

Doch es sind nicht nur äußere Faktoren, die beim Streben nach Glück hinderlich sind. Zu den inneren Feinden zählt beispielsweise die Übertragung eigener Vorstellungen auf andere Menschen. Auch eine Opferhaltung, die stets anderen Menschen oder Umständen die Schuld an der eigenen Situation gibt, ist ein Feind beim Streben nach Glück.

Mises und das Streben nach Glück

Ludwig von Mises (1881 – 1973), der wohl bedeutendste Ökonom und Sozialphilosoph des 20. Jahrhunderts, machte auf Folgendes aufmerksam:

Im strengen Sinne des Begriffs strebt der handelnde Mensch nur ein Endziel an, einen Zustand zu erreichen, der ihm besser gefällt als die Alternativen. Philosophen und Ökonomen beschreiben diese unleugbare Tatsache, indem sie erklären, dass der Mensch vorzieht, was ihn glücklicher macht gegenüber dem, was ihn unglücklicher macht, dass er nach Glück strebt. Glück – im rein formalen Sinn, in dem ethische Theorien den Begriff verwenden – ist das einzige Endziel und alle anderen gesuchten Dinge und Situationen sind bloße Mittel zur Verwirklichung des höchsten Endziels. (Theorie und Geschichte, S. 70)

Macht man sich dies bewusst, wird deutlich, dass die Praxeologie bzw. Handlungslogik nicht nur ein unverzichtbares ökonomisches Werkzeug ist, sondern auch hilfreich beim individuellen Streben nach Glück.

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Rainer Fassnacht

Rainer Fassnacht ist Ökonom und freier Journalist. Er schreibt für verschiedene Printmedien und Onlineplattformen im In- und Ausland. Hauptthema seiner Artikel über ökonomische Themen ist die Bewahrung der individuellen Freiheit.

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