Rettet den Dollar

27.3.2015 – von Patrick Barron.

Patrick Barron

Wenn wir vom Dollar als Reservewährung sprechen, meinen wir seine Verwendung durch andere Länder für die Abwicklung ihrer internationalen Zahlungsgeschäfte. Wenn Kanada z.B. chinesische Produkte kauft, lässt sich China lieber in US Dollar bezahlen als in kanadischen. Der US Dollar ist in internationalen Geschäften „marktgängigeres“ Geld, die meisten Länder akzeptieren ihn als Zahlungsmittel, weshalb China diese Dollar für Käufe in anderen Ländern nutzen kann und nicht nur in den USA. Mit kanadischen Dollar könnte das anders sein, und China müsste die kanadischen Dollar halten, bis es in Kanada etwas zu kaufen findet. Verallgemeinert man dieses Szenario auf alle Länder der Welt, die eigenes Geld emittieren, wird deutlich, dass ohne eine Währung mit weltweit breiter Akzeptanz der internationale Handel gebremst würde und sich verteuerte. In mancher Hinsicht wäre die Wirkung mit der Einführung von Handelsbarrieren vergleichbar, wie etwa den berüchtigten Smoot-Hawley-Zöllen von 1930, die zur großen Depression beitrugen.

Viele sehen eine kausale Beziehung zwischen dem Zusammenbruch der internationalen Handelsbeziehungen und Krieg. Der große französische Ökonom Frédéric Bastiat meinte „wenn Güter nicht mehr die Grenzen passieren, machen es Soldaten“. Kein Land ist in der Lage, in Autarkie einen vernünftigen Lebensstandard zu erreichen, also einer Selbstgenügsamkeit in allen Dingen. Wenn es nicht in der Lage ist, durch Handel an die benötigten Güter zu gelangen, sieht es sich genötigt, bei seinen Nachbarn einzumarschieren und die Güter zu stehlen. So gesehen ist eine allgemein akzeptierte Währung für den Weltfrieden ebenso grundlegend wie für den Wohlstand.

Die wirkliche Bedeutung von „Reservewährung“

Der Ursprung des Begriffs der „Reservewährung“ besteht allerdings gar nicht mehr. Ursprünglich bezog sich der Ausdruck „Reserve“ auf das Versprechen, dass die Währung durch ein Gut gedeckt war und in dieses zu einem festen Kurs eingetauscht werden konnte. Die erste wirklich globale Reservewährung war das britische Pfund. Weil das Pfund als „so gut wie Gold“ erachtet wurde, war es in der Zeit des Goldstandards für einige Länder praktischer Pfund zu halten als Gold. Die großen Handelsnationen verrechneten ihren Handel mit Gold, aber es wurde auch das Pfund akzeptiert im Vertrauen darauf, dass die Bank von England diese auf Wunsch zu einem festen Kurs gegen Gold tauschen würde. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm der Dollar diese Rolle auf Grundlage der Vereinbarungen von Bretton Woods. Die USA häuften bereits vor Kriegseintritt als „Arsenal der Demokratien“ den Löwenanteil der weltweiten Goldbestände für die Alliierten an. (Noch heute besitzen die USA die mit Abstand größten Goldbestände mit 8133,5 t gegenüber 3384,2 t des zweitplazierten Deutschland.)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erhielt u.a. die explizite Aufgabe, die Einhaltung der Bretton-Woods-Verpflichtungen durch die Federal Reserve zu überwachen und so sicherzustellen, dass die Fed den Dollar nicht inflationiert, sondern die Eintauschpflicht von 35$ je Feinunze Gold jederzeit erfüllen kann. Deshalb vertrauten die Länder darauf, dass ihre Dollar so „gut wie Gold“ waren, genau wie zuvor das britische Pfund.

Die Entwicklung zu einer gesetzlichen Reservewährung

Die Fed hielt sich aber nicht an die Abmachungen von Bretton Woods und der IWF versuchte nicht, sie zum Halten einer hinreichenden Menge Goldes zu zwingen, um die Einlösepflicht von 35$ je Feinunze Gold zu gewährleisten. Während der 60er Jahre finanzierten die USA den Vietnamkrieg ebenso wie Präsident Lyndon Johnsons Krieg gegen die Armut durch Gelddrucken. Der Bestand ausstehender Dollar überstieg den von Gold zu 35$ je Feinunze. Ende der 60er Jahre wurde die Fed zuerst durch Frankreich, dann durch andere Länder auf die Probe gestellt.

Zentralbanken rund um den Globus, die sich auf das Halten von Dollar statt Gold eingerichtet hatten, wurden langsam misstrauisch, ob die Fed ihr Einlöseversprechen würde halten können. Der durch Frankreich während der 60er Jahre angeführte Run auf die Fed führte zu einem dramatischen Rückgang der US Goldbestände von über 20.000 t im Jahre 1958 auf knapp über 8.000 t im Jahr 1970. Angesichts der sich beschleunigenden Goldabflüsse hatten die USA nur die Wahl, entweder den Dollar gegenüber dem Gold abzuwerten oder die Goldbindung ganz aufzugeben. Zu ihrer ewigen Schande entschlossen sich die USA zu letzterem und gaben den Goldstandard im September 1971 auf. (Nach meinen Berechnungen hätte der Dollar von 35$ je Feinunze auf 400 $ je Feinunze abgewertet werden müssen, um hinreichend Goldbestände für die Einlösung umlaufenden Dollar zu haben.) Gleichwohl wurde der Dollar weiterhin von den großen Handelsnationen gehalten, weil er die nützliche Funktion der Begleichung internationaler Zahlungsverpflichtungen immer noch erfüllte. Es gab diesbezüglich einfach keine andere Währung, die dem Dollar ebenbürtig war, obwohl er nicht mehr durch Gold gedeckt war.

Warum der Dollar weiterhin als Reservewährung diente

Zwei Merkmale machen eine Währung für den internationalen Handel besonders tauglich: Erstens sollte es sich um die Währung einer großen Handelsnation handeln und zweitens sollte sie wertstabil sein. Diese beiden Voraussetzungen schaffen eine Nachfrage, sie als Reservewährung zu halten. Obwohl der Dollar durch die Fed inflationiert wurde und gegenüber anderen Gütern im Zeitverlauf an Wert verlor, war er keinem wirklichen Wettbewerb ausgesetzt. Die Deutsche Mark blieb wertbeständiger, aber die deutsche Wirtschaft und ihr Außenhandel machten nur einen Bruchteil derjenigen der USA aus, so dass Halter der Mark in Deutschland weniger zu kaufen fanden als Dollarhalter in den USA. Die Nachfrage nach Mark war also geringer als die nach Dollar. Dazu stützten natürlich noch psychologische Faktoren die Dollarnachfrage, da die USA die militärische Schutzmacht aller westlichen Nationen gegenüber den kommunistischen Ländern darstellten.

Heute beobachten wir erste Anzeichen einer Veränderung. Die Fed hat den Dollar massiv entwertet bzw. seine Kaufkraft reduziert und so andere große Handelsnationen veranlasst, andere und bessere Währungen zu nutzen. Dies ist alles andere als unwichtig, denn sollte der Dollar seinen Status als Reservewährung verlieren, flössen Billionen von im Ausland gehaltenen Dollar zurück in die USA und verursachten Inflation oder Rezession oder beides. So macht z.B. der Anteil des Dollar an den weltweit durch Zentralbanken gehaltenen Devisenreserven aktuell 62% aus, größtenteils gehalten in Form von Staatsanleihen. (Zentralbanken halten bevorzugt verzinsliche Staatstitel gegenüber eigentlichen Dollar.) Gegenwärtig befinden sich US Staatsanleihen im Wert von 6,154 Bill. USD in den Händen von Ausländern, gegenüber einer monetären Basis von nur 3,839 Bill. USD.

Sollte die Auslandsnachfrage nach US-Titeln tatsächlich zurückgehen, könnte die US-Regierung deren Einlösung nur auf drei Wegen begleichen. Erstens könnten die Steuern erhöht werden, um die Auslandsschuld zurückzuzahlen. Als zweites ließen sich die Zinsen zur Refinanzierung der Schulden anheben. Oder man könnte drittens einfach Geld drucken. Natürlich käme auch eine Mischung der drei Varianten in Frage. Sofern die US-Regierung Steuererhöhungen oder einen Zinsanstieg ablehnte und ganz auf Gelddrucken setzte (das wahrscheinlichste Szenario, sofern man sich nicht komplett von keynesianischer Lehre verabschiedete zugunsten der österreichischen), würde die monetäre Basis im Umfang der Schuldenrückzahlung ansteigen. Sollte also die Bereitschaft zum Halten von US-Schuldtiteln um 50% (3,077 Bill. USD) zurückgehen, stiege die monetäre Basis um 75%, was zweifelsfrei zu sehr hoher Inflation führen und der US Wirtschaft dramatisch schaden würde. Unser Lebensstandard steht auf dem Spiel.

Es ist also durchaus im allgemeinen Interesse, dass die weltweite Nachfrage nach Dollar als internationales Zahlungsmittel weiterhin hoch bleibt. Das ist notwendig zur Verhinderung von Inflation und um den amerikanischen Unternehmen die Kosten zu ersparen aus der Notwendigkeit, ihre Import-/Exportkonten in einer anderen Währung als dem Dollar zu halten.

Gefahren für den Dollar als Reservewährung

Die Ursache für die Bedrohung der Position des Dollar als Reservewährung besteht in der Politik der Fed. Meines Erachtens kann von einer „Verschwörung“, den Dollar anzugreifen, keine Rede sein. Allerdings rückt weltweit immer mehr ins Bewusstsein, dass die USA den Dollar schwächen, durch Maßnahmen wie die Nullzinspolitik oder das „quantitative easing“. Folglich erwächst in anderen Ländern die Neigung, sich nach besseren Möglichkeiten der Begleichung ihrer internationalen Zahlungsverpflichtungen umzusehen, als weiterhin den Dollar zu nutzen. Kurzfristig half dem Dollar, trotz der Inflationspolitik der Fed seine Position als Reservewährung zu halten, dass andere Währungen ebenfalls inflationiert wurden.

Japan z.B. hat in seinem unsinnigen Versuch, seine schwächelnde Wirtschaft durch eine billige Währung anzukurbeln, den Yen noch mehr inflationiert als dies mit dem Dollar geschah. Nun hat auch die EZB mit einer Form des quantitative easing begonnen, scheinbar trotz der Einwände Deutschlands. Die Zentralbanken weltweit scheinen dem irrigen Glauben verfallen zu sein, mit einer Geldmengenausweitung Wohlstand zu schaffen, ohne die Gefahr einer Inflation. Dies widerspricht aber ökonomischen Gesetzen ebenso wie der ökonomischen Realität. Es ist nicht möglich, durch Gelddrucken den Weg zu wirtschaftlicher Erholung oder Wohlstand zu pflastern. Darüber hinaus verschlimmert dieser Irrtum noch einen zweiten Fehler, nämlich den, dass nicht Ersparnisse die Grundlage von Wohlstand bilden, sondern Ausgaben. Dieser Irrglaube zäumt das Pferd von hinten auf.

Ein dritter Fehler besteht in dem Glauben, eine Abwertung der eigenen Währung gegenüber anderen führe zu einer vom Export getragenen Erholung oder zu einem mysteriösen Impuls zu nachhaltiger Erholung. Das ist aber nicht der Fall. Ohne weit auf die österreichische Kapitaltheorie ausholen zu wollen, möchte ich hier nur kurz hervorheben, dass Gelddrucken die Wirtschaftsstruktur verzerrt, durch betrügerische Veränderung des im Kapitalismus durch Preise gesteuerten „Entdeckungsprozesses“. Wenn das passiert, wird Kapital in Vorhaben gelenkt, die sich niemals profitabel zu Ende führen lassen. Blasen entstehen und platzen, Unternehmen werden massenweise ruiniert und so knappes Kapital vernichtet.

Mögliche Zukunftsszenarien

Die Philosophie des Gelddruckens gefährdet die vorteilhafte Stellung des Dollar als Reservewährung gegenüber der erstbesten großen Handelsnation, die der Inflationierung ihrer Währung ein Ende setzt. Anzeichen weisen darauf hin, dass China verstanden hat, was auf dem Spiel steht; es hat seine Goldvorräte aufgestockt und Kontrollen zur Verhinderung von Goldabflüssen eingerichtet. Sollte die zweitgrößte Wirtschaft der Welt und eine der größten Handelsnationen ihre nationale Währung an Gold binden, würde über Nacht die Nachfrage nach Yuan steigen und die nach Dollar abnehmen.

Alternativ könnte die lange schwelende Krise in Europa Deutschland veranlassen, die Eurozone zu verlassen und die DM wieder einzuführen. Seit langem plädiere ich dafür, dass Deutschland dies tut, wodurch zweifelsfrei die Fäulnis der gemeinsamen Währung zu Tage käme, die darin besteht, dass die Hälfte der Länder des Kontinents sie zur Finanzierung ihrer überzogenen Wohlfahrtsysteme ausplündern. Der europäische Kontinent ohne Großbritannien würde im wesentlichen zu einer DM-Zone, und die Mark könnte langfristig den Dollar als Reservewährung ersetzen.

Das zugrunde liegende Problem besteht in der Fähigkeit aller Zentralbanken zum Drucken von Papiergeld, d.h. Geld, das durch keine Werte gedeckt ist und seine Geldfunktion allein den Regelungen zu gesetzlichen Zahlungsmitteln bzw. staatlicher Macht verdankt. Letztlich handelt es sich bei Zentralbanken um nichts anderes als legale Falschgelddrucker der eigenen Währung. Der Druck zur Geldvermehrung entspringt dem politischen Establishment, das sowohl Wohlfahrtssystem als auch militärische Aufrüstung wünscht. Bei beiden handelt es sich um kapitalverbrauchende Aktivitäten, nicht um „Investitionen“, die eine Rendite abwerfen.

Bestehen Rahmenbedingungen mit gesundem Geld, das nicht inflationiert werden kann, kommt die wahre Natur der Ausgaben für Kriegsführung und Wohlfahrtssysteme zu Tage, wodurch eine natürliche Begrenzung der Ausgaben, die die Gesellschaft jeweils bereit ist zu bewilligen, erreicht wird. In einer Welt mit Papiergeld hingegen können Ausgaben für Krieg und Wohlfahrt kurzfristig unkontrolliert zunehmen, weil die nachteiligen Konsequenzen erst später spürbar werden und die Verbindung zwischen konsumptiven Ausgaben und deren Schaden für die Wirtschaft kaum verstanden werden. Deshalb können beide jenseits der bezahlbaren und nachhaltigen Möglichkeiten einer Wirtschaft ausgeweitet werden.

Das beste Heilmittel besteht in der kompletten Abschaffung von Zentralbanken und der Übertragung der Geldproduktion auf private Institutionen, die nur dem üblichen Handelsrecht unterliegen. Gesundes Geld wäre zu 100 % mit Waren mit intrinsischem Wert zu unterlegen wie Gold, Silber usw. Jeder Geldproduzent, der Geldzertifikate oder Sichtgeld einräumt über den zugrundeliegenden Warenbestand bei versprochenem Einlösekurs hinaus, machte sich des Betrugs schuldig und würde entsprechen bestraft, sowohl nach Handels- wie auch nach Strafrecht, genau wie bereits heute Falschgeldproduzenten bestraft werden. Regelungen zu gesetzlichen Zahlungsmitteln, die (im Normalfall) die Nutzung anderer als der staatlichen Währung verbieten, würden abgeschafft, Währungswettbewerb zugelassen. In einem wettbewerblichen Entdeckungsverfahren würden liquide Währungen identifiziert und weniger marktgängige verdrängt, d.h. besseres Geld würde schlechteres ausstechen.

Es ist nötig, das ganze Konzept einer Reservewährung mit neuen Augen zu betrachten, weil dies wichtig ist. Wir sollten es als Privileg und als Verantwortung erachten und nicht als eine Waffe, die wir gegen den Rest der Welt richten können. Wenn wir die Normen über gesetzliche Zahlungsmittel abschaffen oder wenigstens abschwächen und den Preismechanismus zur Entdeckung der besten, gesunden Währung erlauben, wenn wir zulassen, dass unser Dollar eine so gute wie nur irgend mögliche Währung wird, eine wahrhaft gesunde Währung, dann fördert das auch die Chancen zur Verbesserung unseres persönlichen wie auch des sozialen Wohlstands ganz ungemein.

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Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Bernhard Pieper. Der Originalbeitrag mit dem Titel Why It Matters If the Dollar Is the Reserve Currency ist am 7.3.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto-Startseite: © Lizard – Fotolia.com

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Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die “Österreichische Schule der Nationalökonomie” an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

 

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