Rothbards Antwort auf den Klimawandel

31.3.2017 – von Curtis Williams.

Im Jahr 1982 veröffentlichte Murray N. Rothbard (1926 – 1995) einen längeren Artikel mit dem Titel „Gesetz, Eigentumsrechte und Luftverschmutzung“, in dem er einen marktwirtschaftlichen, auf Privateigentum basierenden Ansatz für Umweltfragen darlegte. Zum Thema Luftverschmutzung schrieb Rothbard:

„Wenn A die Luft von B verschmutzt und dies nachgewiesen werden kann, dann ist dies eine Aggression und der Schaden sollte bezahlt werden.“

Aus seiner Sicht ist das Rechtssystem, nicht die Regulierung von Seiten des Staates, dafür verantwortlich, Umweltprobleme zu lösen:

„In der libertären Theorie ist es nur zulässig, zwangsweise gegen jemanden vorzugehen, wenn er erwiesenermaßen der Aggressor ist, und diese Aggression muss vor Gericht (oder vor Schiedsgerichten) zweifelsfrei bewiesen werden. Jede gesetzliche oder administrative Regulierung macht zwangsläufig Maßnahmen illegal, die vorher keine Verbrechen waren.“

In Wirklichkeit gibt es keine „Umweltprobleme“. Es gibt nur einen menschlichen Konflikt über den Einsatz knapper Ressourcen. Wenn ich zum Beispiel anfange, giftige Chemikalien in Ihren See zu werfen, und Sie damit ein Problem haben, ist dies nicht wirklich ein Umweltproblem. Vielmehr ist es ein Streit über den Besitz des Sees. Wenn ich den See besitze, kann ich damit tun, was ich möchte. Allerdings, wenn ich einen See, der von jemand anderem besessen wird, beschädige, habe ich dessen Eigentum beschädigt und sollte haftbar gemacht werden. Diese Schlussfolgerung hat weitreichende Konsequenzen. Anstatt sich auf staatliche Regulierung zu verlassen, um eine vage definierte „Umwelt“ zu retten, wäre es Aufgabe der Opfer der Verschmutzung, zu beweisen, dass ihnen Unrecht geschah.

Mehrere Jahrzehnte später ist der neue Schlachtruf der Umweltschützer der „Klimawandel“. Bernie Sanders lässt uns glauben, dass dies in der Tat die größte Bedrohung für die nationale Sicherheit sei und sogar moderate Politiker unterstützen Politiken, die einen großen Teil der Welt in Armut stürzen würde. Ob man mit der zugrundeliegenden Klimaforschung einverstanden ist oder nicht, die Analyse von Rothbard ist nützlich, um eine Antwort auf die vermuteten Ursachen des Klimawandels zu schaffen.

In der Theorie könnte – mit dieser libertären Rechtsordnung, welche Eigentumsrechte schützt – ein Mütterchen aus Fort Lauderdale, die unter Gezeitenfluten leidet, einen der großen Verursacher von Kohlenstoffemissionen verklagen.

Betrachten wir zum Beispiel Chevron – den größten, privaten Emittent von Kohlenstoff in der Welt (obwohl Regierungen dazu neigen, selbst die schlimmsten Verschmutzter zu sein). Offensichtlich kann aufgrund der kumulativen Natur des Klimawandels kein einziger Angeklagter für die vollen Kosten der Behebung von Frau Jones‘ ruinierten Garten verantwortlich gemacht werden. Aber wenn Chevron 3,5% der Wirkung verursacht, sollten sie für 3,5% der Schäden haften. Fall abgeschlossen? Rothbard schreibt:

Um Schuld und Haftung zu etablieren, muss die Kausalität der Aggression, die zu Schaden führt, die strenge Prüfung des Beweises über einen angebrachten Zweifel hinaus erfüllen.

Zwischen einem Angreifer und einem Opfer muss ein strenger Kausalzusammenhang bestehen. Es muss strikte Kausalität herrschen, nach dem Konzept der strengen Beweise für den Fall, dass A B verletzt.

Jetzt hören wir oft vom vermeintlichen Konsens von 97% der Klimaforscher. Würde dies als Beweis gelten? Das Problem mit diesem Konsens ist, dass er nur besagt: „Es gibt einen globalen Erwärmungstrend und die Menschen sind die Hauptursache hierfür.“ Selbst der eifrigste Klimaforscher würde nicht ernsthaft behaupten, dass wir definitiv Frau Jones überfluteten Garten auf Chevrons Verschmutzung zurückführen können. Der Großteil der Klimaforschung beruht auf statistischer Korrelation, die vor Gericht fast bedeutungslos wäre.

Das bedeutet nicht, dass die Opfer des Klimawandels niemals Schadenersatz bekommen könnten. Tatsächlich können die strengen Beweise, die in einer gesetzlichen Regelung erforderlich sind, die Wissenschaft einen Punkt erreichen lassen, wo wir eine strenge Kausalität, wenn auch nicht heute oder morgen, aber dann auf ganzer Linie nachweisen könnten. Der Punkt ist, dass staatliche Regulierung nicht die einzig tragfähige Lösung für die Bekämpfung eines sich erwärmenden Planeten ist; ein libertäres Rechtssystem bietet die Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels, ohne die belastenden Regulierungen, und ohne die Parteien zu bestrafen, die in den behaupteten Ursachen keine Rolle spielen.

Dieser Ansatz mag dem hartnäckigen Umweltschützer unwirksam erscheinen, aber er ist in Wahrheit der Ansatz, der die Verschmutzung, wenn Beweise vorliegen, viel stärker bestraft. Allerdings müssen Verursacher, wie alle Angeklagten, unschuldig bleiben, bis sie sich als schuldig erwiesen haben. Wie Rothbard bemerkt:

Bei Unsicherheit ist es besser, eine aggressive Handlung durchzulassen, als Zwang einzusetzen und deshalb selbst Aggressor zu werden. Ein grundlegender Grundsatz des hippokratischen Eides, „keinen Schaden zu begehen“, sollte auch für Rechts- oder Justizbehörden gelten.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass es nichts Unvereinbares vom Glauben an den Klimawandel und dem Glauben an freie Märkte gibt. Rothbard selbst hat uns einen allgemeinen Rahmen gegeben, um komplexe Umweltprobleme wie diese zu bewerten. Die Forderung nach einem Beweis über vernünftige Zweifel hinaus lässt Raum für eine gesunde Dosis von Skepsis, ohne die Wissenschaft zu verleugnen. Der Libertarismus hat nichts über die wissenschaftliche Debatte über den Klimawandel an sich zu sagen, aber er sagt sehr viel über irgendwelche politischen Debatten über die richtige Antwort einer Regierung (oder ein Mangel davon) zum Klimawandel.

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Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ziegner. Der Originalbeitrag mit dem Titel Rothbard Explains the Proper Response to Climate Change ist am 9.3.2017 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Curtis Williams ist Student der Volkswirtschaft an der San Diego State University.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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