Die Planbewirtschaftung des globalen Klimas

18.5.2015 – von Ryan McMaken.

Ryan McMaken

Ich bin kein Mensch, der die Debatte um den Klimawandel oder die Klimawissenschaft im Detail verfolgt. Ich bin auch niemand, der in die Diskussionen um Temperaturmessungen oder Klimatrends involviert ist. Aber ich empfinde es als eine sehr schlechte Idee, die Wirtschaftswissenschaften und die politische Ökonomie den Klimawissenschaftlern und ihren Freunden in der Politik zu überlassen, die beklagenswerte Defizite im Wissen um die Funktionsweise einer Marktwirtschaft aufweisen und nicht verstehen, wie knappe Güter und erreichte Standards bewahrt, erhalten oder erzeugt werden.

Es sieht so aus, als sei es für die Vertreter der globalen Erwärmung ausreichend, die Kontrolle der Weltwirtschaft in die Hand von staatlichen Zentralplanern zu geben und alles kommt wieder ins Lot. Ihrer Meinung nach muss die Maschinerie des Staates nur in Bewegung gesetzt werden und es wird alles mit gerechter Präzision unternommen, um durch eine Erhöhung der Energiekosten und einem Beschneiden der wirtschaftlichen Aktivitäten den klimatologischen Status Quo zu erhalten. Die Kosten einer solchen Unternehmung, ob monetär oder in Menschenleben und Wohlstand gerechnet, brauchen niemals in Betracht gezogen werden, weil, so heißt es, die einzige Alternative in der totalen Zerstörung unseres Planeten liegt.

Natürlich ist diese “Friß-oder-Stirb” Nummer ein propagandistischer Traum, denn im echten Leben, wo rationalere Köpfe – manchmal jedenfalls – obsiegen, müssen die Kosten einer vorgeschlagenen staatlichen Handlung gegen die Kosten der Alternativen abgewogen werden. Grundsätzlich gilt dabei, dass die Beweislast auf Seiten derjenigen liegt, die staatliche Eingriffe befürworten, da ihr Plan die Verwendung staatlicher Gewalt zum Erreichen ihrer Ziele vorsieht.

Nehmen wir an dieser Stelle einfach einmal an, dass ein globaler Klimawandel stattfindet und dass der Meeresspiegel ansteigt. Trotzdem bleiben noch einige Fragen offen, die von den Klimawandel-Enthusiasten zu beantworten sind:

  1. Wie hoch sind die Kosten eures Planes für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in Bezug auf den Lebensstandard und Menschenleben?
  2. Sind die Kosten eures Planes höher oder niedriger als die Kosten für andere Lösungsansätze, wie etwa die graduelle Umsiedlung von Einwohnern von Küstengebieten?
  3. Könnt ihr zeigen, dass euer Plan mit einer hohen Wahrscheinlichkeit umsetzbar ist und wenn nicht, warum wir ihn trotzdem umsetzen sollen, wenn wir die gleichen Ressourcen auch für andere sinnvollere und dringendere Bedürfnisse wie etwa sauberes Wasser, Nahrung und andere Grundbedürfnisse verwenden können?

Viel zu häufig sind die Reaktionen auf Fragen solcher Art wütende Tiraden darüber, dass wir jetzt handeln müssen. Letztlich ähnelt so eine Haltung einer Person, die plötzlich den Winter näher rücken sieht und verlangt, dass jeder unmittelbar einen Unterschlupf nach ihren speziellen Vorstellungen zu errichten hat. “Könnt ihr denn nicht sehen, dass es kälter wird?”, sagt derjenige. “Wenn wir nicht den Unterschlupf auf meine Art und Weise bauen, werden wir alle erfrieren.” Wenn dieser jemand mit Fragen konfrontiert wird, ob sein Plan für einen Unterschlupf wirklich der beste Weg der Umsetzung ist oder ob vielleicht vielmehr eine andere Form von Unterschlupf kosteneffizienter ist oder ob andere einen Unterschlupf nach ihren eigenen Vorstellungen errichten sollten, verkündet er verärgert: “Euch Winterleugner interessiert es also nicht, ob wir alle sterben.”

Wenn nun die Gruppe dem Plan des streitlustigen Ratgebers folgt, findet sie sich unter Umständen in der Situation wieder, dass der Unterschlupf nicht die Kälte abhält oder bauliche Mängel aufweist. In diesem Fall ist die Gruppe weitaus schlimmer dran, weil sie mit hohem Aufwand wertvolle Ressourcen verbraucht hat, die sie anderweitig hätten einsetzen können.

Die wahren Kosten der globalen Klimaregulierung

Hier ist ein repräsentativer Auszug aus einer Publikation, die behauptet, den “Mythos” widerlegt zu haben, eine Regulierung der Wirtschaft habe negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung:

Wenn wir die Menge, der immer noch emittierten Treibhausgase nicht drastisch reduzieren, werden uns langfristig sehr wahrscheinlich enorme Kosten aus dem Klimawandel entstehen. Ein Teil dieser Kosten wird aus Anpassungseffekten und unausweichlichen Störungen bestehen. Zum Teil werden die Kosten aufgrund von Turbulenzen und Unsicherheiten im Wirtschaftsleben zusätzlich steigen. Darüber hinaus entstehen Kosten, die sich nicht quantifizieren lassen, insbesondere wenn wir versuchen Menschenleben und deren Verlust zu messen.

Was sind diese “enormen Kosten”? Wie verteilen sie sich auf “Störungen” und “Anpassungseffekte”? Wenn wir ein wenig tiefer in die vorgeschlagenen Pläne blicken, sehen wir, dass die Versuche, solche Kosten zu schätzen, auf hoch spekulativen Computermodellen beruhen. Es ist nicht mehr als die Annahme, dass ihre Vorgehensweise der der anderen überlegen ist. Aber auch hier gilt, dass die Beweislast auf Seiten derjenigen liegt, die staatliche Zwangsmittel gegen andere einsetzen wollen.

Außerdem fällt es selbst Mainstream-Wissenschaftlern auf, dass die vorgeschlagenen Reduzierungen der Kohlenstoffemissionen, wie etwa die Reduzierung der “CO²-Emissionen auf achtzig Prozent des Niveaus von 1990”, rein willkürlich sind. In der Tat müssen sie auch willkürlich sein, weil die Leute, die solche Maßnahmen vorschlagen, keine Idee haben, um wie viel die Kohlenstoffemissionen gekürzt werden müssten oder ob überhaupt durch irgendeine Reduzierung ihre Ziele erreicht werden können.

Was wir hingegen wissen ist, dass fossile Energieträger als Grundlage für den enormen Fortschritt in der entwickelten Welt dienen. Durch sie werden Mechanisierung, Transport und industrialisierte Volkswirtschaften erst möglich. Es ist der Aufstieg von Fabriken und anderen industriellen Verarbeitungsschritten gewesen, der Abermillionen von Chinesen (um ein Beispiel zu nennen) vom Joch der Subsistenzlandwirtschaft befreit hat und sie in Fabriken gebracht hat, wo sie das zehn-fache verdienen können. Diese Arbeiter schicken Geld an ihre älteren Familienmitglieder und ermöglichen so die enormen Sparquoten, die die chinesische Wirtschaft antreibt.

Diese Form der Arbeit ist sicherer, produktiver und ermöglicht den Zugang zu mehr und reichhaltigeren Lebensmitteln, besserer medizinischer Versorgung und besseren Wohnungen, als dies landwirtschaftliche Arbeit vermag. Fossile Energieträger sind der Schlüsselfaktor zu alledem und vorzuschlagen, diesen Menschen den Teppich unter den Füßen wegzuziehen, zeugt von einer Gefühllosigkeit gegenüber der Menschheit, die wirklich verstörend ist.

Nun wenden Vertreter der globalen Erwärmung ein, “die Auswirkungen der globalen Erderwärmung werden ihnen schaden.” Vielleicht. Aber wenn dies der Fall sein sollte, so müssen sie uns zuerst beweisen, dass die Kosten der globalen Erwärmung größer sein werden als die Kosten die dadurch entstehen, die Menschen unproduktiver, ärmer und mittelloser zu machen.

Weniger Energieverbrauch bedeutet weniger sauberes Wasser

Ein zweiter wichtiger Gesichtspunkt hinsichtlich der Bedeutung von Energie ist Frischwasser. Die Trockenheit in Kalifornien hat uns daran erinnert, dass Frischwasser eine knappe Ressource ist, selbst wenn staatliche Stellen so tun, als ob dies nicht so wäre. Da eine größere Bevölkerung noch mehr Wasser benötigt, kann das zusätzlich notwendige Frischwasser mit Hilfe von Energie erzeugt werden, etwa durch den Einsatz von Entsalzungsanlagen und Pumpwasserleitungen.

Heutzutage sind solche Überlegungen allerdings noch immer unrentabel, da das Problem der Wasserknappheit meist durch billigere Methoden gelöst werden kann, etwa durch den Import von Lebensmittel aus Regionen mit feuchterem Klima und durch den Einsatz von auf Schwerkraft basierenden Wasserleitungen.

In Zukunft jedoch, wo durch den Bevölkerungszuwachs Wasser immer knapper werden wird, werden die am besten geeigneten Lösungen immer energieintensiver werden.

Trotzdem wollen die Vertreter der globalen Erwärmung durch Planwirtschaft und künstliche Beschränkung des Energieverbrauchs den Preis für Wasseraufbereitung erhöhen. Durch Limitierung solcher Methoden verhindern sie zudem den technologischen Fortschritt, der durch praktische Erfahrung mit der Wasseraufbereitung und der Frischwasserproduktion entsteht.

Seltsamerweise sind es meist die gleichen Leute, die behaupten, dass es staatlicher Eingriffe bedarf, da “reiche Leute” sonst das Wasser horten würden, die mit dem dadurch ausgelösten Kostenanstieg bei der Wasseraufbereitung eine viel stärkere monopolistische Struktur bewirken und am Ende jeder höhere Preise zahlen muss.

“Aber die globale Klimaerwärmung verursacht doch erst die Dürre!”, werden nun einige einwenden. Vielleicht ist dies tatsächlich so. Aber diese Leute müssen immer noch beweisen, dass ihr Plan die Dürren beenden wird und genügend Wasser für alle zur Verfügung steht. Sie können aber noch nicht einmal beweisen, dass Dürren wie die kalifornische Dürre der globalen Erderwärmung geschuldet sind. Dabei ist es unnötig darauf hinzuweisen, dass die These, eine weltweite Energiekontrolle würde ermöglichen, dass in einer fernen Zukunft das Wasser von den Berghängen hinunterfließt, reine Spekulation ist. Was wir aber sehr wohl wissen ist, dass die Lebenshaltungskosten für den Normalbürger enorm steigen werden. Mit anderen Worten wollen die Vertreter der globalen Erwärmung, dass die Menschheit die reale Perspektive der Weiterentwicklung der Wasserherstellung gegen die nur theoretische Perspektive einer Zukunft ohne Dürren aufgibt.

Ein Experiment auf dem Rücken der am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen

Fassen wir zusammen: Eine Welt mit Kohlenstoffemissionskontrolle und weiteren zentralistischen Plänen mit dem Ziel, die globale Erwärmung zu verhindern, ist eine Welt mit höheren Ausgaben für Nahrung, Wasser und anderen Grundbedürfnissen, die bei ihrer Herstellung Energie verbrauchen. De facto bedeutet das, dass so gut wie alles hiervon betroffen ist. Selbstverständlich werden die Menschen in den am wenigsten entwickelten und ärmsten Teilen der Welt am meisten darunter zu leiden haben. Die Vertreter der globalen Erderwärmung verweisen dabei gerne darauf, dass ihre Maßnahmen am stärksten auf die reichsten Länder abzielen. Aber wenn sie denken, dass sie damit die Entwicklungsländer verschonen können, beweisen sie nur, dass sie nicht verstehen, wie der globale Welthandel funktioniert. Unterdrückt man die Wirtschaftstätigkeit und den Konsum in dem entwickelten Teil der Welt, führt dies nur zu niedrigeren Löhnen und weniger Wachstum in den sich entwickelnden Ländern.

Wie der Mann, der hysterisch verlangt, dass jeder den Unterschlupf für den Winter nach seinen Vorstellungen baut oder eben sterben muss, denkt der Vertreter der globalen Erwärmung, dass seine hochspekulativen, unbewiesenen, extrem teuren und Armut erzeugenden Pläne, die ultimative Lösung für alles sind. Selbstverständlich wollen sie für ihre Pläne von staatlichen Zwangsmitteln Gebrauch machen, um jeden zu zwingen, sich ebenfalls nach ihren Plänen zu richten. Und wenn Milliarden von armen Menschen einen gepfefferten Preis dafür zu bezahlen haben, sind wohlhabende Akademiker und Aktivisten aus der gehobenen Mittelklasse gerne bereit, die Armen diesen Preis zahlen zu lassen.

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Aus dem Englischen übersetzt von Arno Stöcker. Der Originalbeitrag mit dem Titel The High Cost of Centrally Planning the Global Climate ist am 1.5.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto Startseite: © bluedesign – Fotolia.com

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Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man.

 

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