Müssen die Anhänger der freien Marktwirtschaft den Klimawandel leugnen?

15.9.2014 – von Ryan McMaken.

Ryan McMaken

Es wird oft behauptet, dass sich marktwirtschaftlicher laissez-faire nicht mit “wissenschaftlichen Beweisen” verträgt. So wird mit fast schon dogmatischer Vehemenz eine Erwärmung des Klimas postuliert, die inkompatibel mit der freien Entfaltung der Wirtschaft sei. Ein typisches Beispiel liefert David Grimes von der englischen Tageszeitung The Guardian:

Trotz der überwältigenden Menge an Beweisen für den Einfluss des Menschen auf den Klimawandel, tendieren Marktliberale dazu, die Realität globaler Erwärmung zu leugnen. Ihr Motiv ist leicht durchschaubar – wenn man den anthropogenen Faktor im Klimawandel akzeptiert, muss man auch schadensmindernde Interventionen unterstützen. Aber der Gedanke an Interventionismus ist für viele Marktliberale unerträglich.

Unzweifelhaft gibt es einige selbsternannte Fürsprecher freier Märkte, die den menschlichen Einfluss auf das Klima rundheraus ablehnen. Ich selbst bin zu dem Thema neutral eingestellt, aber ich weise die Behauptung zurück, dass die Klimaerwärmung ausgemachte Sache und somit nicht weiter diskutierbar sei. Wer in der Lage ist, logisch zu denken, sollte erkennen können, dass die Befürwortung freier Märkte unabhängig von der persönlichen Meinung zur Klimaerwärmung ist. Nur weil man anerkennt, dass die globale Erwärmung real ist, muss man noch lange keine staatlichen Regulierungen befürworten. So zu argumentieren wäre, als würde man behaupten, jemands Meinung über den Mindestlohn hängt von seiner Akzeptanz der Bering-Straßen-Theorie ab. Grimes‘ Denkweise lässt sich an folgendem Zitat ablesen:

Der Grund hierfür liegt auf der Hand – wenn jemand den menschengemachten Klimawandel akzeptiert, ist es nur konsequent, schadensmildernde Maßnahmen zu unterstützen.

So einfach ist das also: Globale Erwärmung akzeptieren = „Schadensbegrenzung“ akzeptieren = staatliche Regulierung akzeptieren. Fall erledigt.

Grimes bündelt zahlreiche Annahmen in dieser einen Behauptung. Wir wollen uns das einmal näher anschauen:

Wenn jemand akzeptiert, dass die global Erwärmung eine ernsthafte Gefahr darstellt, soll es dennoch notwendig sein, Maßnahmen dagegen zu unterstützen, auch wenn deren Nutzen überhaupt nicht erkennbar ist? Die Beweispflicht liegt eindeutig bei den Befürwortern “schadensmindernder Interventionen”. Sie müssen nachweisen, dass eine bestimmte Intervention eine angemessene Chance auf Erfolg hat. Dies haben die Interventionisten mit Sicherheit nicht getan. In der Tat, viele Klimaforscher meinen, dass es sogar schon zu spät sei, um den Klimawandel zu stoppen. Selbst wenn man zu diesem Zeitpunkt im globalen Maßstab intervenieren würde, wäre der erwartbare Erfolg vernachlässigbar. Man könnte also annehmen, dass es nun sinnlos wäre, weiterhin über Interventionen zu diskutieren. “Zu spät” ist aber ein PR-Desaster für Interventionisten und so hat man die Botschaft in “es ist nicht zu spät, wenn wir jetzt sofort handeln” geändert.

Die Klimaforschung behauptet also nun, dass wir verloren sind, wenn bis 2020 keine globale Kontrolle über Produktion und Energie eingeführt wird. Man kann davon ausgehen, das im Jahr 2020 die Frist auf 2025 verschoben wird.

Es ist wichtig zu erkennen, dass das Argument von der Inkompatibilität zwischen freien Märkten und Klimaschutz auf der Annahme basiert, dass Schadensminderung immer staatliche Zwangsmaßnahmen und Regulierungen bedeuten muss. Kann es nicht auch schadensmindernde Maßnahmen geben, die keine sozialistischen Kommando- und Kontrollsysteme benötigen? Wir wissen, dass die globalen Klimaforscher, die ja zum größten Teil staatlich finanziert sind, derartige Vorschläge für lächerlich halten. Aus ihrer Sicht sind es private Lösungen nicht einmal wert, diskutiert zu werden.

Es gibt unzählige Maßnahmen, wie zum Beispiel verbesserte Argrartechnik, Entsalzung und Bewässerung, die von Marktliberalen unterstützt werden und im Kontext freier Märkte funktionieren – aber nein, nichts davon ist gut genug. Der einzig wahre Klimaschutz besteht für Leute wie David Grimes aus globaler staatlicher Kontrolle über die Nutzung und Produktion von Energie.

Auch die Analyse der Kosten ist von Bedeutung für die Unterstützung schadensmindernder Maßnahmen. Da sich die globalen Klimaschutzinterventionisten der hohen Kosten ihrer Vorschläge bewusst sind, sind sie gezwungen, die Folgen der Klimaerwärmung in post-apokalyptischen Dimensionen darzustellen. Dadurch sind sie in der Lage zu argumentieren, dass kein Preis zu hoch sei. Aber in der Realität müssen die Kosten immer berücksichtigt werden.

Die meisten der von den globalen Eliten angepriesenen “Lösungen” zum Klimaschutz bewirken durch Beschränkung von Produktion und Verkehr eine umfassende Verarmung großer Teile der Menschheit. Derartige “Lösungen” unterminieren die Fortschritte im Lebensstandard von Milliarden von Menschen, die erst kürzlich der Armut entkommen sind. Die meisten Aktionen der globalen Klimaregulierer (die meisten von ihnen natürlich reiche Menschen in entwickelten Industrienationen) laufen darauf hinaus, den Armen der Welt ihre Autos, Kühlschränke und Waschmaschinen zu verweigern. Für Leute wie Grimes, ein Intellektueller aus einem reichen Land, sind die Folgen solcher Klimaschutzlösungen leicht zu ertragen. Für viele andere ist der Preis deutlich höher.

Die Befürworter von Zwangsmaßnahmen argumentieren, dass Klimaerwärmung viele Gebiete unbewohnbar machen würde und somit die Leute zu verhungernden Streunern werden müssten. Ihre Lösung ist es aber, diese Leute schon jetzt wieder in die Armut zu drücken, damit sie später nicht mehr zu post-apokalyptischen Kannibalen werden können.

Sie argumentieren, zum Beispiel, dass ein großer Teil des amerikanischen Südens zu Wüste werden wird und dass viele Küstenstädte überflutet werden. Sollte dieser Fall tatsächlich eintreten, bedeutet das aber vor allem, dass viele Menschen in andere Gebiete ziehen werden. Die Klimaschützer vergessen zu erwähnen, dass selbst wenn der Süden durch Erwärmung unbewohnbar werden sollte, Kanada, zum Beispiel, bewohnbarer wird.

Die eigentliche Aufgabe liegt also darin, zu belegen, dass eventuelle zukünftige Migrationskosten größer sind als die Kosten, die eine Zerstörung der freien Wirtschaft in der Gegenwart mit sich bringen würde. Dass dies gelingen sollte, ist mehr als unwahrscheinlich. Berücksichtigt man außerdem, dass in der Geschichte der Menschheit Migration durchaus häufig vorkommt, so ist es nicht ganz ehrlich, dies gleich als apokalyptisches Szenario darzustellen.

Im Gegenteil, sollte uns in Zukunft wirklich eine Massenmigration blühen, so müssten wir alles dafür tun, um ökonomisches Wachstum zu fördern. Die Alternative hierzu, welche die Befürworter staatlicher “Schutzmaßnahmen” propagieren, besteht darin, große Teile der Entwicklungsländer wieder in die Armut herabzustoßen – mit den üblichen Konsequenzen wie zum Beispiel Bürgerkriege, Hungersnöte und Epidemien jetzt sofort.

Sollte also die globale Erwärmung wirklich Realität werden, so scheint es sinnvoller, staatliche Regulierungen zu lockern und Steuern zu senken, damit mehr Kapazitäten frei werden für private Investitionen in Wasserentsalzung, Wasserleitungen und Agrartechnik sowie für die durch den wirtschaftlichen Fortschritt bedingte, allgemeine Verbesserung von Produktivität und Lebensbedingungen. In Wüstenstaaten wie Israel und den westlichen USA arbeitet man seit Jahrzehnten an der Optimierung von Wasserfilterung und Bewässerungssystemen. In den Niederlanden lebten schon immer dichte Bevölkerungen in Flutgebieten.

Die Gesellschaften, die über die reichsten Bevölkerungen und kapitalintensivsten Industrien verfügen, werden auch die besten Lösungen für die Probleme des Klimawandels finden. Mit anderen Worten, es sind die freiesten und marktwirtschaftlichsten Länder, die uns die besten Lösungen für den Klimawandel bieten. Aus Venezuela hingegen hört man selten etwas über die neuesten Fortschritte in Energieproduktion, Trinkwassergewinnung und Wohnungsbau.

Derweil scheinen diejenigen, die Klimainterventionismus befürworten, vor allem daran interessiert, genau das System zu zerstören, welches es den Menschen erleichtern wird, mit den Folgen des Klimawandels klarzukommen. Leute wie David Grimes scheinen aus der “Forschung” zu folgern, dass arme Menschen ihre Umwelt besser beherrschen können als reiche. Wenn das “Forschung” ist, können wir nur hoffen, dass die “Anti-Forschung” gewinnt.

Aus dem Englischen übersetzt von Arne Wolframm. Der Originalbeitrag mit dem Titel Must Free-Marketers Reject Global Warming? ist am 29.8.2014 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto Startseite: © Kwest – Fotolia.com

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Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man.

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