Drehbuch für den Untergang – die krausen Ideen des Club of Rome

16.9.2016 – von Andreas Tögel.

Andreas Tögel

Wer erinnert sich noch an die 1972 präsentierte, damals aufsehenerregende Studie „The Limits to Growth“, in der ein an Düsternis kaum zu übertreffendes Bild der Zukunft der Erde gemalt wurde? Als Mastermind hinter dieser apokalyptischen Prophezeiung des Club of Rome fungierte damals der US-Ökonom Dennis Meadows, der aufwendige Computermodelle bastelte, mithilfe derer er die ihm passend erscheinenden Daten in die Zukunft projizierte und – Überraschung – prompt das Gewünschte dabei herauskam. Wäre auch nur eine der damals von ihm getätigten Vorhersagen eingetreten (wie z. B. das globale Versiegen natürlicher Ressourcen wie Öl, Gas und verschiedener wichtiger Mineralien), wäre es bei weitem schlechter um die Zukunft der Menschheit bestellt, als das auch so schon der Fall ist. Vor allem aber gäbe es immerhin einen berechtigten Anlass dafür, die rezenten Hervorbringungen des Club of Rome ernst zu nehmen.

Dort ist man offenbar kürzlich zur Überzeugung gelangt, dass das Ausmaß der zu erlangenden allgemeinen Aufmerksamkeit (und die Intensität der Zustimmung von staatsverliebten Feinden der Marktwirtschaft und Regulierungsfanatikern) unmittelbar mit der Abartigkeit der erhobenen Forderungen korreliert. In dieser Hinsicht sind die Nachfolger von Dennis Meadows mit einem jüngst präsentierten Papier zur wirtschaftlichen Entwicklung zu einer kaum zu überbietenden Höchstform aufgelaufen.

Einige Highlights aus dem Bericht sind etwa die Forderung nach einem auf ein Prozent begrenztes Wirtschaftswachstum, die (steuerfinanzierte) Belohnung der Kinderlosigkeit(!), rigorose Beschränkung des Freihandels, erhöhte Besteuerung des CO2-Ausstosses und Zuckerkonsums und eine allgemeine Erhöhung der Steuerlasten für „Reiche“ und Unternehmen. Harmonisch abgerundet wird der Hochglanzkatalog mit der Forderung nach einer 100prozentigen Erbschaftssteuer. Die linken Meinungsbildner und Dressureliten dieser Welt – von Papst Franziskus bis Sahra Wagenknecht – werden entzückt sein. Es handelt sich um ein wahres Wunschkonzert von Forderungen, wie sie typischerweise von weltfremden Bürokraten, die sich ihr Lebtag lang niemals in ein wertschöpfend tätiges Unternehmen verirren, erhoben werden.

Besonders kurios erscheint ihre Kritik an der angeblich weltweit herrschenden „marktradikalen Ideologie“. Allein an diesem Befund wird deutlich, dass die Autoren des Berichts offensichtlich peinlich bemüht waren, den Elfenbeinturm ihrer „Wissenschaft“ in den letzten paar Jahrzehnten niemals zu verlassen. Wäre es anders, könnten sie schwerlich ein – weltweit – auf immer höhere Staatsquoten und immer mehr Regulierungsdichte zutreibendes System als „marktradikal“ brandmarken. Kungeleien zwischen Big Government und Big Business, Korporatismus und Staatsinterventionismus, die das Wesen des rezenten Weltwirtschaftssystems kennzeichnen (CETA und TTIP sind hochaktuelle Beispiele dafür), haben mit auf einem freien Markt herrschenden Regeln nicht das Geringste zu tun. Dort bestimmen nämlich Individuen und nicht mehr oder weniger autoritäre Verbände das Geschehen.

Den Freihandel zu beschränken, um damit die naturgemäß bösen Unternehmer daran zu hindern, unter für sie günstigen Bedingungen zu produzieren (und in der Folge auch für Geringverdiener erschwingliche Waren zu liefern), ist eine Idee, wie sie nur in den Köpfen totalitär denkender Etatisten entstehen kann.

Eine Kostprobe gefällig? „Meine Tochter ist das gefährlichste Tier der Welt“, so Jørgen Randers, einer der Autoren der Studie. Der Sager bildet den Hintergrund zu einem erschreckenden Aufruf zur Kinderlosigkeit in der Ersten Welt, der mit dem hohen Ressourcenverbrauch dortselbst begründet wird. Keine westliche Gesellschaft, die nicht – angesichts sinkender Geburtenzahlen – vor dem Problem der Rentenfinanzierung steht. In dieser Lage auch noch „Nichtgebärprämien“ ausloben zu wollen, trägt geradezu groteske Züge (von der perversen Lebensfeindlichkeit dieses Gedankens ganz abgesehen). Die Vorstellung, eine (von keinem Bürokraten zu beeinflussenden) Geburtenexplosion in der Dritten und Vierten Welt mit einem Autogenozid der Ersten beantworten zu wollen, ist einfach bizarr und verdient keine weitere Aufmerksamkeit.

Allerdings zeigt dieser Punkt deutlich die „hidden agenda“, die hinter allen Aktivitäten steckt, die von vorgeblich konsequenten Rettern des Planeten entfaltet werden: Die Überzeugung nämlich, dass Menschen gefährliche Schädlinge sind und daher – wenn schon nicht ausgerottet – so doch zumindest radikal dezimiert werden müssen. Jede von „deep ecologists“ – und die Aktivisten des „Club of Rome“ zählen zweifellos dazu – geführte Debatte läuft am Ende darauf hinaus, die Kopfzahl der Menschen drastisch reduzieren zu wollen. „Eine Milliarde“ scheint eine geradezu magische Zahl zu sein, die immer wieder genannt wird.

Und da die in der (westlich) zivilisierten Welt lebenden Individuen (die keine 20 Prozent der Erdbevölkerung stellen) einen angeblich 30mal größeren „ökologischen Fußabdruck“ hinterlassen als die Wilden, muss klarerweise zunächst hier aufgeräumt werden. Die bloße Belohnung der Kinderlosigkeit dürfte dafür allerdings schwerlich ausreichen, da ja bekanntlich die Zeit drängt (man denke an den anthropogenen Klimawandel!). Es wird also möglicherweise ein bisschen nachgeholfen werden müssen, um dem Ziel einer Entvölkerung der Nordhalbkugel (plus Australiens und Neuseelands) möglichst rasch näherzukommen.

An diesem Punkt der Debatte angelangt, weicht die Beredsamkeit der Damen und Herren Weltenretter gewöhnlich betretenem Schweigen, denn klar auszusprechen, auf welche Weise man das angepeilte Ziel (maximal eine Milliarde Menschen auf Erden!) zu erreichen wünscht, könnte allzu leicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Wer möchte sich schon gerne eine Anklage wegen eines Aufrufs zum Völkermord einhandeln?

Wie heißt es im Sprichwort? Wer einmal lügt – siehe „Limits to Growth“ – dem glaubt man nicht…(allerdings kann beim vorliegenden Bericht von Wahrheit ohnehin keine Rede sein).

Zusammenfassend lässt sich über den jüngsten Vorstoß des Club of Rome dasselbe sagen, wie über die Thesen des Papstes in seiner Enzyklika „Laudato Si“ (in der Franziskus sich zur Überraschung der Fachwelt als Experte für den Klimawandel präsentiert): Das Leben ist einfach zu kurz, um es auf die Lektüre derart geballten Unsinns zu verwenden.

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Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist gelernter Maschinenbauer, ausübender kaufmännischer Unternehmer und überzeugter “Austrian”.

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