Die Schweiz befreit den Schweizer Franken

19.1.2015 – von Frank Hollenbeck.

Frank Hollenbeck

Man kann die eigene Währung an eine andere anbinden oder eine unabhängige Geldpolitik führen. Es ist aber nicht möglich, beides gleichzeitig zu tun. In einem spektakulären Schachzug kapitulierte die Schweizerische Nationalbank und räumte ein, dass die Kontrolle über die Geldmenge wichtiger sei als ein fester Wechselkurs zum Euro. Der Franken stieg nach der Entscheidung der Zentralbank, den festen Wechselkurs aufzuheben, innerhalb von Minuten um 30%.

Im September 2011, mitten in der Eurokrise, band die Schweiz den Franken im Verhältnis von 1,2 zum Euro. Um diese Bindung aufrecht zu erhalten, sah sich die Schweizer Zentralbank gezwungen, massive Mengen an Euros mit frisch gedruckten Franken zu kaufen, die sofort in europäische Staatsanleihen konvertiert wurden. Die Auswirkungen auf die Geldmenge waren verheerend. Die Geldmenge M1 stieg in der Schweiz in den letzten drei Jahren um 20% und seit 2008 um ungefähr 130% an.

Die Bilanz der Schweizer Nationalbank wuchs seit Beginn der Bindung um ungefähr 50%. Natürlich führte das zu einem Anstieg der Vermögenspreise und machte Immobilien in der Schweiz immer teurer.

Warum sollte man den Franken an den Euro binden?

Einer der Gründe, warum die Schweizer Zentralbank diese Bindung einführte, war die Ansicht, ihre Währung sei überbewertet und Exporteure litten ungerechterweise am Wertanstieg der Währung. Natürlich handelt es sich bei dem Begriff „Überbewertung“ um geladene Sprache. Schließlich wird der Wechselkurs vom Markt bestimmt. In einer kapitalistischen Wirtschaft werden Preise durch Angebot und Nachfrage auf dem Markt bestimmt – ein Markt, in dem jeder Verkäufer auf einen Käufer trifft. Wechselkurse werden ebenfalls durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Nichts ist über- oder unterbewertet, nicht einmal Währungen.

Die Ansicht, Exporteure würden an einem starken Franken leiden, ist ebenfalls suspekt. Exporteure können sich unzähliger Finanzprodukte bedienen, um sich gegen Fremdwährungsrisiken abzusichern. Außerdem importiert ein Exporteur viele seiner Produktionsmittel. Die Globalisierung zwingt viele Exporteure dazu, den gesamten Globus nach Ressourcen abzusuchen. Ein Anstieg der Wechselkurse hat daher geringere Auswirkungen auf die Profite eines Exporteurs, da er nicht nur die Umsätze des Exporteurs reduziert, sondern gleichzeitig die Kosten der importierten Mittel verringert (Video).

Die Schweizer Zentralbank hätte sich auf die Stabilität der Geldmenge konzentrieren sollen. Sie hätte sich niemals damit befassen dürfen, die Geldpolitik mit der Absicht zu gestalten, eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft – Exporteure – auf Kosten einer anderen Gruppe – Konsumenten – zu begünstigen.

Diese neue Wendung hat die Exporteure aufgrund der Tatsache, dass sie plötzlich und unerwartet war, wirklich beeinträchtigt. Wenn ein Land seine Währung an eine andere bindet, hat ein Exporteur eher wenige Anreize, sich gegen Fremdwährungsrisiken abzusichern. Der Aufschwung des Franken hat die meisten Exporteure unvorbereitet getroffen. Sie vertrauten auf die Bindung und verzichteten darauf, Exportumsätze und Importkosten abzusichern. Das wird manchen Exporteur teuer zu stehen kommen. Manche wird das eventuell sogar in die Zahlungsunfähigkeit führen.

Aufgrund der plötzlichen Änderung sind Exporteure nun gezwungen, drastische Anpassungen vorzunehmen, statt unter einem freien Wechselkurs nach und nach nur kleine Anpassungen durchführen zu müssen. Es ist klar, dass die Schweizer Zentralbank mehr Schaden als Heil angerichtet hat. Das überrascht nicht.

Wir müssen bedenken, dass jede Aktion Gewinner und Verlierer haben wird. Die Schweizer Konsumenten genießen die geringeren Preise. Firmen im Landesinneren, die ihre Mittel importieren und im nationalen Markt verkaufen, werden ebenfalls begünstigt.

Die Kosten der Wechselkursbindung

Theoretisch gesehen hätte die Schweiz die Bindung beibehalten können. Um die eigene Währung vor einem Aufstieg zu bewahren, ist alles was man tun muss: drucken, drucken, drucken. Mit dieser kühnen Aktion hat die Schweiz den Rubikon überschritten. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Sie hat den Spekulanten gezeigt, dass es eine Schmerzgrenze bezüglich der Geldmengenausweitung gibt, die die Schweiz nicht überschreiten möchte. Jeder Versuch, den Wechselkurs neu zu fixieren, wäre für Spekulanten eine sichere Wette.

Indem man die eigene Währung an die eines größeren Nachbarn bindet, überlässt man diesem Nachbarn auch die eigene Geldpolitik. Dubai hat seine Währung, den Dirham, an den Dollar gebunden und importierte so die amerikanische exzessive Geldpolitik, die in Dubai zu der gleichen Immobilienpreisblase wie in den Vereinigten Staaten führte. Mit anderen Worten: Indem man die eigene Währung bindet, zwingt man sich dazu, der verantwortungslosen Geldpolitik des größeren Nachbarn zu folgen.

Mit der steigenden Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank gegen den Maastrichter Vertrag verstoßen und Schulden aufkaufen wird, räumte die Schweiz ein, dass sie genug hat. Jetzt ist davon die Rede, dass die Europäische Zentralbank Anleihen in Billionenhöhe kaufen wird. Um die Wechselkursbindung aufrecht zu erhalten, müsste die Schweiz die Geldmenge um den gleichen Prozentsatz erhöhen, was für solch ein kleines Land eine verantwortungslose Geldpolitik wäre.

Indem sie sich von der Bindung verabschiedete, hat die Schweiz das richtige getan. Sie sollte sich jetzt darauf konzentrieren, die meisten ihrer EU-Schulden in der Bilanz loszuwerden. Es braut sich ein EU-Sturm zusammen, und die Schweiz wird nicht mehr länger zu den unbeteiligten Beobachtern gehören.

Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel Switzerland Frees the Swiss Franc ist am 17.1.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto-Startseite. © Schlierner – Fotolia.com

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Dr. Frank Hollenbeck lehrt Volkswirtschaft an der “International University” in Genf, Schweiz.

 

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