Ludwig von Mises – der Film

25. Oktober 2019 – von Enno Samp

Enno Samp

Ein Film über Ludwig von Mises? Halleluja. Welch großartige Idee. Das war auch längst überfällig. Den Algorithmen von Facebook, Google und Co sei Dank, dass ich durch diese von dem Filmvorhaben erfahren habe. Vor längerer Zeit schon hatte ich so die Webadresse www.misesthemovie.com entdeckt. Eine tolle Sache. Da könntest du auch mal spenden, sagte ich zu mir selbst. Bei Gelegenheit. Erst mal ein Lesezeichen speichern und später dann noch mal anschauen. Bestimmt werden ja auch die einschlägigen libertären Kanäle noch darüber berichten.

Nun, bis heute haben diese einschlägigen Kanäle noch nicht berichtet. Anscheinend, weil es noch kaum jemand mitbekommen hat. Als ich kürzlich die Webseite und die zugehörige Facebook-Seite wieder anschaute, sah ich, dass die Realisierung bereits in vollem Gange, ja sogar schon fast abgeschlossen ist. Leider mit der minimalen Budgetvariante. Das kann doch nicht sein. Da muss man doch etwas tun und unterstützen. Darüber müssen die Libertären in Deutschland doch schnellstens informiert werden, denn bestimmt gibt es hier viele Menschen, die eine solche Idee gerne großzügig unterstützen.

Der Film wird produziert von der polnischen Freedom and Entrepreneurship Foundation („Fundacja Wolności I Przedsiębiorczości“). Ich gestehe, dass ich diese Einrichtung bisher nicht kannte. Die 2012 gegründete Stiftung hat das Ziel, die politischen und unternehmerischen Führungskräfte der nächsten Generation(en) in Polen mit liberalen Grundsätzen auszubilden. Der Politologe Marcin Chmielowski, im Hauptberuf Rektor der engagierten kleinen Business-Universität ASBiRO im polnischen Lodz, ist seit der Gründung stellvertretender Vorsitzender der Stiftung. Chmielowski hat für die Stiftung bereits eine Reihe von Videos produziert. Im Gespräch erklärt er freimütig, dass er in Sachen Film Autodidakt ist. Aber mit reichlich Erfahrung und einem guten Team ist er zuversichtlich, abgesehen vom libertären Inhalt auch einen unter filmischen Gesichtspunkten handwerklich guten Film über Ludwig von Mises zu produzieren.

„Es gibt meines Wissens nur einen einzigen Dokumentarfilm über Ludwig von Mises. Dieser Film ist gut und interessant, aber er ist schon einige Jahre alt. Und das sieht man auch an der filmischen Gestaltung“, sagt Chmielowski. „Wir haben das Ziel, einen optisch ansprechenderen Film zu machen. Und wir sprechen mit anderen, sehr interessanten Persönlichkeiten über ihn und seine Lehre – in Europa wie auch in den USA.“ Auch dieser englischsprachige Film, den das amerikanische Mises Institute 2005 produziert hat, scheint in Deutschland nahezu unbekannt zu sein. Er ist auf der Webseite des Mises Institute wie auch bei Youtube verfügbar unter dem Titel „Liberty and Economics. The Ludwig von Mises Legacy“.

Marcin Chmielowski zeichnet als Regisseur und Drehbuchautor verantwortlich und plant seinen Film als Kombination aus biographischen Informationen und Vermittlung der wesentlichen Erkenntnisse aus Mises‘ Lehre. Ähnlich wie der Film des Mises Institute zeigt er historische Bilder und spricht mit Experten über Mises. Die erste wichtige Station war selbstverständlich Wien, wo Mises‘ berühmtes Privatseminar stattfand, sowie die Begegnung mit seinem wichtigsten und später erfolgreichsten und bedeutendsten Schüler Friedrich August von Hayek. Gemeinsam haben Mises und Hayek 1926 in Wien das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung gegründet. Weitere Abschnitte des Films widmen sich Mises‘ Zeit in New York sowie seinem Hauptwerk „Human Action“.

„Die wenigsten Menschen kennen heutzutage den Namen Ludwig von Mises und erst recht nicht seine herausragenden Leistungen. Das werden wir mit diesem Film ändern“, verspricht Chmielowski. „Denn Ludwig von Mises war ein echter Held. Er verdient es, auch als solcher gezeigt zu werden.“

Sehr interessant ist die Liste der Interviewpartner. Hier finden sich bekannte Namen wie Jörg Guido Hülsmann oder Rahim Taghizadegan. Spannend sind sicher die Gespräche mit dem Präsidenten der amerikanischen Foundation for Economic Education (FEE), Lawrence W. Reed, oder mit Jeffrey Tucker. Marcin Chmielowski hat aber auch Gesprächspartner dabei, die zumindest mir bisher noch unbekannt waren. „Dr. Alexander Linsbichler ist Lehrbeauftragter am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien sowie Fellow im dortigen Initiativkolleg Die Naturwissenschaften im historischen Kontext“, erläutert Chmielowski. „Er ist noch nicht berühmt, aber er gehört für mich zu den führenden Intellektuellen der nächsten Generation. Im Rahmen des Kollegs forscht und arbeitet er über Ludwig von Mises und Otto Neurath.“ Weniger bekannt sind auch die Namen Nancy Upham und Gregory van Kipnis. „Diese beiden heute schon recht betagten Persönlichkeiten waren Teilnehmer von Mises‘ New Yorker Seminaren. Wir sind sehr glücklich, dass wir so mit Menschen sprechen können, die Ludwig von Mises selbst erlebt und gekannt haben. Von ihnen versprechen wir uns authentische Eindrücke über den Menschen Ludwig von Mises“, erklärte Chmielowski wenige Tage vor seiner Abreise zu den Dreharbeiten in den USA. 

Marcin Chmielowski

Jeder weitere Euro verbessert das Projekt

„Selbstverständlich ist unser Film rein privat finanziert. Kein Steuerzahler leidet wegen unserer Arbeit“, versichert der Regisseur schmunzelnd. „Wir sind sehr stolz, dass unser Crowdfunding so erfolgreich war, dass wir das Projekt realisieren können. Allerdings sind wir von unserem eigentlichen Fundraising-Ziel noch ein gutes Stück entfernt. Der Film ist aber noch lange nicht fertig. Jeder Euro, der uns in den nächsten Wochen noch erreicht, wird für den Film eingesetzt und trägt dazu bei, diesen noch besser zu machen. Wir freuen uns sehr, wenn die deutschsprachigen Libertären uns noch unterstützen können. Dieses Geld würden wir insbesondere dafür einsetzen, deutsche Untertitel zu produzieren.“

Auf der Webseite zum Film sind die unterschiedlichen Förderkategorien mit den zugehörigen Gegenleistungen aufgelistet. Bereits ab einer Spende von fünf Euro wird der Name in der Liste der Unterstützer im Abspann genannt. Für höhere Förderbeträge gibt es dann, je nach Betrag, Online-Zugang zu Bonusmaterial, Filmplakate, eine Mises-Biographie im Comic-Format, den Film auf DVD oder USB-Stick bis hin zu einer Einladung zu den Dreharbeiten. Bei genügend großem Interesse und Fördermitteln aus Deutschland möchte Marcin Chmielowski für Deutschland auch eine Filmpremiere in einem deutschen Kino veranstalten. 

Verbreitung der libertären Idee – auch nach China

Die Motivation hinter dem Film ist – wie bei der Freedom and Entrepreneurship Foundation – die Verbreitung der libertären Idee. Möglichst viele Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, sich über die libertären Ideen und einen ihrer wichtigsten Protagonisten zu informieren. Um den Zugang technisch-finanziell so leicht wie möglich zu machen, wird der komplette Film kostenlos bei Youtube verfügbar sein. Neben der Information von Journalisten möchte Chmielowski den Film auch möglichst vielen Politikern schicken. Die Liberalen und Libertären unter diesen wird das sicher freuen. Was wohl die Sozis davon halten? Ob sie es verstehen werden? Wobei die Frage vermutlich eher ist, ob sie es sich überhaupt ansehen werden und ob überhaupt eine Bereitschaft da ist, sich mit den libertären Ideen – und ihrer sozialen Vorteilhaftigkeit – zu beschäftigen.

Überrascht war ich darüber, dass auch chinesische Untertitel geplant sind. Chmielowski erläutert: „China ist mit seiner dynamischen Entwicklung ein sehr spannendes Land. Ich kenne bisher einige Libertäre aus der Mongolei. Aber das sehr viel größere China ist natürlich besonders interessant. Wir haben die Hoffnung, dass dort im Rahmen der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung auch das Interesse an wirtschaftswissenschaftlichen Themen steigt. Bei der enorm großen Bevölkerungszahl Chinas würden wir selbst bei einem nur kleinen Prozentsatz eine sehr große Anzahl von Menschen mit unseren Ideen erreichen.“

Der richtige Wurm für die sozial bis sozialistisch interessierten Angler?

Heute liegt die eigentliche Herausforderung für Libertäre in der Vermittlung ihrer Inhalte an Menschen, die die libertären oder liberalen Ideen bislang kritisch sehen oder überhaupt noch nicht mit ihnen in Berührung gekommen sind. Für Libertäre ist es natürlich immer interessant, vertiefende Studien und Überlegungen zu speziellen Aspekten oder zu aktuellen Themen zu lesen. Aber mit solchen Publikationen wird vermutlich niemand „bekehrt“. Vielmehr wenden sich solche Texte nahezu ausschließlich an bereits überzeugte Leser. So ist es nur logisch, dass daneben auch immer wieder neue Einführungen in die libertäre Denkweise erscheinen. Besonders zahlreich und geeignet dafür scheint die Thematik des Geldsystems zu sein. Das Armuts-Reichtums-Gefälle hat zugenommen. Die Mieten sind für immer mehr Menschen eine hohe Belastung geworden. Nur wissen wir ja längst, dass vor allem der immer größer gewordene (Sozial-) Staat für all diese Missstände verantwortlich ist und dass es den angeblich verantwortlichen Turbokapitalismus bei über 50 Prozent Staatsquote gar nicht gibt, während das – dem Sozialismus verwandte – korporatistische Gebaren der Großkonzerne sehr wohl ein Problem ist. Beheben lassen sich diese Missstände ausschließlich mit einer freiheitlicheren Lösung. Oder anders gesagt: Ein besseres soziales Ergebnis ist nur mit einer freiheitlicheren Herangehensweise zu erreichen.

Die größte libertäre Herausforderung ist also, den richtigen Köder zu finden, um bei vom starken Sozialstaat überzeugten Menschen zunächst einmal wenigstens etwas Offenheit zu erreichen, sich die libertären Argumente anzuhören. In unserer sehr medialen und vor allem von Videos via Youtube und Facebook geprägten Zeit ist daher ein Film, noch dazu, wenn er kostenfrei via Internet verfügbar ist, auf alle Fälle ein guter Ansatz.

Chmielowski stimmt mir in meinen sozialen Überlegungen übrigens zu. Mit diesem Argument – neben kompetenten Gesprächspartnern, spannenden Orten und leicht nachvollziehbaren Erläuterungen der Kernaussagen von Ludwig von Mises – verfolgt er explizit das Ziel, vor allem Menschen außerhalb der engeren libertären Filterblase mit dem Film anzusprechen. „Dieser Aspekt ist mir sehr wichtig“, erläutert er. „Denn anderenfalls wären die libertären Ideen für künftige Forscher der Wissenschaftsgeschichte nur eine seltsame Variante, die ohne jegliche praktische Relevanz geblieben ist. Wir wollen dazu beitragen, genau das zu verhindern.“

Der Trailer zu „Mises, the Movie“ ist schon sehr vielversprechend – modern anmutend in Kamerabewegungen, Schnitt, mit elektronischer Musik sowie optischen Verzerrungen und Sprüngen. Wobei dieser poppige Ansatz angenehm mit den historischen Gebäuden der Wirkstätten Ludwig von Mises‘ kontrastiert. Dass es schon bald – geplant ist: ab Frühjahr 2020 – eine solche ausführliche filmische Würdigung für Ludwig von Mises gibt, ist eine großartige und sehr unterstützenswerte Sache. Ich bin ungemein gespannt auf das Ergebnis und möchte schon jetzt dem Regisseur und seiner Stiftung für ihr Engagement danken. Ich habe meinen Beitrag zu dem Projekt bereits geleistet – mit diesem Artikel sowie auch mit meiner Spende. Alle Leser lade ich herzlich dazu ein, sich auf www.misesthemovie.com daran ebenfalls zu beteiligen. Und dann treffen wir uns hoffentlich im nächsten Jahr bei der deutschen Kino-Premiere – im VIP-Bereich für die wichtigsten Förderer.

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Dieser Beitrag ist eine leicht gekürzte Version eines Artikels, der im Magazin ‚eigentümlich frei‘ – Ausgabe November 2019 erschienen ist.

Enno Samp ist Bankkaufmann und hat Wirtschaftswissenschaften und Musikwissenschaften studiert. Er arbeitet seit über 20 Jahren im Musikmanagement, u.a. für Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Seit 2010 widmet er sich daneben intensiv der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. 2017 hat er die englische Kinderbuchserie der Tuttle Twins entdeckt, die er seitdem übersetzt und im deutschsprachigen Raum vertreibt. www.kinder-der-freiheit.com

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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