Venezuela sollte sich Chile zum Vorbild nehmen

3. Juni 2019 – von Marian L. Tupy und Alexander Hammond

Marian L. Tupy

Seit Nicolas Maduro im Januar 2019 seine zweite Amtszeit als Präsident Venezuelas antrat, beherrschen Berichte über Unruhen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten aus dem kleinen lateinamerikanischen Land die Schlagzeilen. Im Vorfeld seiner umstrittenen Wiederwahl verhinderte Maduro, dass Oppositionsparteien frei und fair um öffentliche Unterstützung kämpfen konnten. Wegen dieser Wahlmanöver und der darauf folgenden Menschenrechtsverletzungen weigern sich die meisten Venezolaner und auch die meisten westlichen Regierungen, Maduro als Präsident anzuerkennen.

Nahrungsmangel

Während die weit verbreiteten Proteste nun schon vier Monate andauern, ist eines mehr als deutlich geworden: Venezuelas Experiment mit dem Sozialismus ist ein eklatanter Misserfolg. Die jährliche Inflation liegt bei mehr als 80.000 Prozent, und man schätzt, dass inzwischen fast 90 Prozent der Venezolaner in Armut leben. Im Durchschnitt haben die Venezolaner aufgrund von Nahrungsmittelknappheit über 11 kg abgenommen – Maduros Taille wächst derweil weiter. Mordkommandos der Regierung breiteten sich in der gesamten Hauptstadt aus und ermordeten die Gegner des herrschenden Regimes. Dabei ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass die Bedingungen in Venezuela nicht immer so tragisch waren.

Alexander Hammond

Zwischen 1958 und 1999 war Venezuela eine Demokratie – wenn auch eine unvollkommene. Das Land litt unter Korruption, aber die Venezolaner sahen sich nicht mit Nahrungsmittelknappheit konfrontiert, auch nicht mit umfangreichen Menschenrechtsverletzungen. Außerdem hatte Venezuela – auch im regionalen Vergleich – eine relativ freie Marktwirtschaft.

Anfang der 1950er Jahre gehörte das venezolanische Pro-Kopf-Einkommen zu den höchsten der Welt. Es war höher als das in den Vereinigten Staaten und dreimal so hoch wie das in Chile. Bis 1982 war Venezuela das reichste Land Lateinamerikas.

Um den Niedergang Venezuelas vollständig zu erfassen, ist es sinnvoll, das Schicksal des Landes mit den enormen politischen und wirtschaftlichen Verbesserungen der chilenischen Bevölkerung zu vergleichen.

Die Erfolgsgeschichte Chiles begann Mitte der 1970er Jahre, als die Regierung des Landes sich vom Sozialismus abwandte und mit der Umsetzung von Wirtschaftsreformen begann. Im Jahr 2016 lag Chile im Ranking der wirtschaftlichen Freiheit weltweit auf Rang 15. Venezuela ist inzwischen von Rang 15 im Jahr 1975 auf den letzten Platz im Jahr 2016 zurückgefallen (Human Progress hat keine Daten für das notorisch unfreie Nordkorea).

Mit zunehmender wirtschaftlicher Freiheit Chiles stieg auch das Pro-Kopf-Einkommen (bereinigt um Inflation und Kaufkraftparität). Lag es im Jahr 1975 noch bei 32 Prozent des Pro-Kopf-Einkommens von Venezuela, stieg es bis 2019 auf 287 Prozent an. Zwischen 1975 und 2019 wuchs die chilenische Wirtschaft um 293 Prozent, die Wirtschaft Venezuelas dagegen schrumpfte um 54 Prozent.

Mit dem Wachstum der Wirtschaft wuchs auch die Fähigkeit Chiles, seinen Bürgern eine gute Gesundheitsversorgung bieten zu können. 1975 war die Kindersterblichkeit in Chile 29 Prozent höher als in Venezuela. Bis 2017 starben in Venezuela viermal mehr Säuglinge pro 1.000 Lebendgeburten als in Chile.

Mit sinkender Säuglingssterblichkeit und verbessertem Lebensstandard stieg die Lebenserwartung stetig an. 1975 lebten die Venezolaner länger als die Chilenen. Im Jahr 2017 lebte ein typischer Chilene über fünf Jahre länger als der Durchschnittsbürger der Bolivarischen Republik.

Außerdem erreichen im Vergleich zu Venezuela mehr Chilenen beiderlei Geschlechts ein hohes Alter. Und wenn Chilenen in den Ruhestand gehen, genießen sie ein privates Sozialversicherungssystem, das von José Piñera ins Leben gerufen wurde, Senior Fellow beim Cato Institute. Das System erwirtschaftet eine durchschnittliche Rendite von 10 Prozent pro Jahr (statt magerer zwei Prozent des staatlichen Sozialversicherungssystems in den USA).

Abschließend möchten wir auf die Demokratie eingehen. Der in Österreich geborene Ökonom Friedrich A. von Hayek (1899-1992) erklärte in seinem Buch Der Weg zur Knechtschaft aus dem Jahr 1944, dass wirtschaftlicher Interventionismus zu massiven Ineffizienzen und langen Schlangen vor leeren Geschäfte führt. Es kommt zu einer Wirtschaftskrise, die zu Forderungen nach immer umfangreicherem wirtschaftlichem Interventionismus führt.

Wirtschaftliche Freiheit führt zu Wohlstand

Aber eine zunehmende staatliche Kontrolle der Wirtschaft ist der Freiheit abträglich. Erstens kann es in einer freien Gesellschaft keine Einigung über einen einheitlichen Wirtschaftsplan geben. Daher muss die Zentralisierung der wirtschaftlichen Entscheidungsfindung mit der Zentralisierung der politischen Macht in den Händen einer kleinen Elite einhergehen. Zweitens, wenn sich die Wirtschaft abschwächt, müssen autoritäre Regime, die entschlossen sind, an der Macht zu bleiben, die Dissidenten zum Schweigen bringen – durch Inhaftierung und sogar Mord.

Der wirtschaftliche und politische Niedergang Venezuelas folgt dem Muster, das Hayek 1944 beschrieben hat. In Chile hingegen verteilten freie Märkte die Wirtschaftsmacht auf Millionen von Chilenen, und die Militärregierung, die das Land zwischen 1973 und 1990 leitete, wich der Demokratie. Heute ist Chile sowohl wirtschaftlich als auch politisch frei.

 

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Der Originalbeitrag mit dem Titel 5 Reasons Capitalist Chile is Better than Socialist Venezuela ist am 20.5.2019 auf der website der Foundation of Economic Education erschienen.

Marian L. Tupy ist Editor von HumanProgress.org und Senior Policy Analyst am Center for Global Liberty and Prosperity.

Alexander C. R. Hammond ist Forscher an einem Washington D.C. Think Tank und Senior Fellow vonAfrican Liberty. Darüberhinaus engagiert er sich bei Young Voices und schreibt regelmäßig zu den Themen Wirtschaftliche Freiheit, zur Entwicklung Afrikas und über Globalisierung. Hammonds Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erschienen in Reason, The National Interest, Washington Examiner, CapX, El Cato, FEE, Newsweek USA und dem HumanProgress.org Blog.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: © mariana_designer – Fotolia.com

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