Die lange Geschichte des Gold-Geldes

1. Mai 2019 – Der nachfolgende Aufsatz gibt in kurzer und knapper Form einen Überblick über die lange Geschichte des Goldgeldes.[1] Sie reicht weit zurück und hält viele Lehren bereit. Ihre zentrale Botschaft ist: Das Gold ist das „natürliche“, ist das gute Geld; die Entscheidung, Gold durch ungedecktes Papiergeld zu ersetzen, ist ein verhängnisvoller Fehler.

von Thorsten Polleit

Thorsten Polleit

Als Einstimmung in das Thema beginne ich mit einigen elementaren, wissenswerten Fakten über das Gold.

Symbolisch steht das Gold für Schönheit, Unvergänglichkeit, für Göttlichkeit, Macht, für das Beste – und das seit Jahrtausenden, über viele Kulturen und Religionen hinweg.

Physikalisch gesehen ist Gold ein chemisches Element. Es hat das Elementsymbol AU (lateinisch Aurum) und die Ordnungszahl 79.

Im Periodensystem steht es in der 1. Nebengruppe (Gruppe 11), die auch als Kupfergruppe bezeichnet wird.

Gold ist ein Edelmetall. Das heißt, dass es in natürlicher Umgebung unter Einwirkung von Luft und Wasser dauerhaft chemisch stabil ist.

Auch von Säure, mit Ausnahme des “Königswassers“, wird Gold nicht angegriffen. Gold hat eine hohe Dichte: 19,30 g/cm3 (Gramm pro Kubik-Zentimeter). Silber kommt nur auf 10,49 g/cm3.

Der Schmelzpunkt des Goldes liegt bei 1064 Grad Celsius. Zu kochen beginnt es ab 2700 Grad Celsius.

Gold ist leitfähig, und es ist relativ weich und damit gut formbar.

Aus einem Gramm Gold kann ein mehr als drei Kilometer langer Draht mit einem Durchmesser von 0,006 Millimeter hergestellt werden – ein Menschenhaar ist zehnmal dicker, etwa 0,06 Millimeter.

Eine Feinunze Gold (sie entspricht 31,1034768 Gramm) lässt sich in Blattform ausschlagen mit einer Fläche von ungefähr 9 Quadratmetern.

Ende 2017 gab es auf der Welt überirdisch gut 190.000 Tonnen Gold, so die Schätzung, unterirdisch weitere 54.000 Tonnen.

Die Menge des überirdischen Goldes entspricht damit einem Würfel mit einer Kantenlänge von 21,4 Metern.

Wie ist Gold entstanden?

Wie ist Gold entstanden? Man geht davon aus, dass das Gold vor langer, langer Zeit entstanden ist, und zwar aus der Kollision und Verschmelzung von Neutronensternen.

Als die frühe Erde noch keine feste Kruste hatte, ist das Gold aufgrund seiner hohen Dichte in den Erdkern gewandert.

Wir kommen heute nur noch an das Gold heran, das nach der Krustenbildung auf die Erde gelangt ist, das
beispielsweise durch vulkanische Prozesse wieder an die Oberfläche befördert wurde, oder das durch Meteoriten auf die Erde gelangte.

Wie und wo wird Gold gefördert?

Im Jahr 2018 lag die weltweite Goldfördermenge bei 3.346,9 Tonnen.

Die derzeit bedeutendsten Goldförderländer sind China, Australien, Russland, die USA und Kanada.

Gold wird meist gewonnen, indem es aus dem umgebenden Gestein gelöst wird.

Durch Fortschritte in der Gewinnung lohnt sich bei aktuellen Preisen der Abbau von Gestein, das weniger als 1 Gramm Gold pro Tonne Gestein enthält.

In den letzten 119 Jahren war das Wachstum der geförderten Goldmenge relativ trendstabil: Es betrug etwa 2 Prozent pro Jahr.

Warum Edelmetalle als Geld?

Gold wird für viele Zwecke nachgefragt: Die Industrie fragt Gold nach; auch Schmuckhersteller fragen Gold nach; es wird zudem in Medizin und Technik eingesetzt, und auch für monetäre Zwecke nachgefragt.

Sie werden nun vielleicht fragen: Warum sollten Edelmetalle, warum Gold (und auch Silber) als Geld verwendet werden? Gibt es nichts Besseres?

Nun, damit „etwas“ als Geld – also als das allgemein akzeptierte Tauschmittel – verwendet wird, muss dieses
„etwas“ bestimmte Eigenschaften haben.

Es muss zum Beispiel knapp sein, homogen (also von gleicher Art und Güte), haltbar, transportabel, teilbar und prägbar, und es muss einen hohen Wert pro Einheit aufweisen und allgemein wertgeschätzt sein.

Im Wettbewerb um die Geldfunktion haben sich in der Vergangenheit immer wieder die Edelmetalle durchgesetzt, insbesondere Gold und Silber, weil sie am relativ besten die genannten Eigenschaften erfüllen, die „gutes Geld“ ausmachen.

Zur Geldentstehung

Das führt zur Frage: Wie ist Geld eigentlich entstanden? Geld ist im freien Markt entstanden, und zwar spontan und aus einem Sachgut.

Das erklärte der österreichische Ökonom Carl Menger (1840 – 1921) bereits 1871 in seinem Buch Grundsätze der Volkswirtschaftslehre.

Mengers Theorie wurde von Ludwig von Mises (1881 – 1973) nachfolgend, im Jahr 1912, mit einer logischen Begründung versehen.

Damit „etwas“ zu Geld werden kann, muss es bereits einen Marktwert besitzen; und zwar einen Marktwert, der sich allein aufgrund der nicht-monetären Eigenschaften dieses „etwas“ erklärt.

Der nicht-monetäre Marktwert ist der Anfangspunkt, an dem sich der Tauschwert des Gutes, wenn es zu Tauschzwecken eingesetzt wird, festmacht, und von dem sich der Tauschwert des Gutes (weiter)entwickelt.

Der Blick in die Währungsgeschichte zeigt, dass Geld in der Tat stets ein Sachgut war: in Form von Vieh, Muscheln, Salz, Zigaretten, vorzugsweise aber in Form von Edelmetallen wie Gold und Silber.

Edelmetalle, allen voran das Gold, haben nämlich die Eigenschaften, die es zu einem geradezu perfekten Geld machen. Und deshalb wurden sie auch stets, wenn es den Menschen freistand, als Geld ausgewählt.

Anfänge des Goldgeldes

Die für uns Menschen nachvollziehbare Geschichte des Goldes reicht weit zurück – man schätzt bis auf etwa 4475 Jahre vor Geburt Christi.

Die frühesten Hinweise, dass Edelmetalle als Geld verwendet wurden, finden sich im Codex Hammurapi des Königs von Babylon, 1870 Jahre vor Geburt Christi.

In China verwendete man bereits 1100 Jahre vor Christi Geburt Gold als Geld, und zwar in Form kleiner Würfel.

Die Anfänge der Münzprägung finden sich im östlichen Mittelmeerraum etwa 800 Jahre vor Christi Geburt. Viele der frühen Münzen bestanden aus Elektrum: einer natürlichen Legierung aus Gold und Silber, die später auch künstlich hergestellt wurde.

Lassen Sie uns nun einen großen zeitlichen Sprung machen, und zwar geradewegs zum Ende des 18. Jahrhunderts.

Goldgeld in England

Ende des 18. Jahrhunderts war Großbritannien die wirtschaftlich und militärisch mächtigste Nation der Welt. Zu dieser Zeit hatten die Briten einen Bimetallismus: Das hieß, sie verwendeten Gold und Silber als Geld.

Das Britische Pfund (dessen Ursprung bis in das 8. Jahrhundert zurückreicht) war allerdings bis dato nur in Silber definiert.[2] Und dennoch wurden Gold und Silber als Geld verwendet. Warum?

Das kam so: Der Mathematiker und Physiker Issac Newton (1643 – 1727) wurde 1699 zum Herrn der Britischen Münze (Master of the Royal Mint) berufen.

Er sollte die Währungsverhältnisse ordnen, und dazu setzte er im Jahr 1717 das Silber-Goldpreis-Verhältnis auf 15 ½ : 1. Das heißt, 15 ½ Feinunzen Silber entsprachen einer Feinunze Gold.

Seit dem 12. Jahrhundert hatte jedoch das Austauschverhältnis zwischen Silber und Gold bei etwa 12 : 1 gelegen.

Newton trifft damit eine folgenreiche Entscheidung. Sie führt nämlich zu einer offiziellen Unterbewertung des Silbers und zu einer Überbewertung des Goldes. Daraufhin zeigte das sogenannte Greshamsche Gesetz[3] Wirkung.

Es besagt, dass bei festen Wechselkursen das überbewertete Geld das unterbewertete Geld verdrängt. Und so kam es auch. Newtons Entscheidung führte dazu, dass das Gold als Geld umlief, und dass das Silber gehortet wurde. Somit befand sich Großbritannien de facto auf einem Goldstandard.[4]

Mit dem Ausbruch des ersten Napoleonischen Krieges hebt jedoch die britische Regierung 1797 die Einlösbarkeit des Britischen Pfundes in Edelmetall auf und geht auf ein ungedecktes Papiergeldsystem über.

Der Grund: Man will die Kriegsausgaben mit inflationärem Geld finanzieren. Die Bank von England gibt ungedecktes Geld heraus. Es kommt zur Inflation.

Chronisch steigende Güterpreise kennen die Briten bis dato nicht. Der britische Ökonom David Ricardo (1772 – 1823) bringt jedoch Licht ins Dunkel mit seinem berühmten Aufsatz „The High Price of Bullion“ aus dem Jahr 1809.

Die Inflation, so erklärt Ricardo, ist ein monetäres Phänomen. Ihre Ursache ist die Ausgabe von neuem Geld, in diesem Falle Geld, das nicht durch Gold oder Silber gedeckt ist.

1816 beschließen die Briten zur Edelmetalleinlösbarkeit des Pfunds zurückzukehren – und zwar ab dem Jahr 1821. Allerdings soll das Pfund fortan nur noch in Gold, nicht mehr in Silber einlösbar sein.

Das Silber wird entmonetisiert, und von da ab ist Großbritannien offiziell auf einem Goldstandard.

Goldgeld in den USA

Blicken wir nach Amerika. Dort wird durch das Münzgesetz vom 2. April 1792 (,,Coinage Act‘‘) der Dollar zur
amerikanischen Währungseinheit erklärt.

Der Dollar wird in Gold und Silber definiert. Genauer: 1 US-Dollar entspricht 371,25 Gran Feinsilber (480 Gran = 1 Feinunze = 31,1034… Gramm) oder 24,75 Gran Feingold. Das feste Austauschverhältnis zwischen Silber und Gold liegt damit bei 15 : 1.

Damit entspricht eine Feinunze Gold 19,3939 US-Dollar, eine Feinunze Silber 1,2929 US-Dollar.

Die USA sind so offiziell auf einem Bimetall-Standard, auch Bimetallismus genannt.

Das gesetzlich fixierte Austauschverhältnis zwischen Silber und Gold führte jedoch schon bald zu einem ernsten Problem.

Im freien Markt steigt die Silber-Gold-Tauschrelation auf über als 15 : 1. Das bedeutet, dass Silber nun offiziell überbewertet ist gegenüber Gold (und dass das Gold unterbewertet ist gegenüber Silber) – und das Greshamsche Gesetz macht sich bemerkbar.[5]

Das überbewertete Silber verdrängt das unterbewertete Gold. Und so läuft bis 1833 Silbergeld, nicht Goldgeld um. Die USA sind de facto auf einem Silberstandard.

Im Jahr 1834 wird jedoch die Münzgesetzgebung geändert und dabei die offizielle Silber-Gold-Tauschrelation auf 16 : 1 gesetzt. Das Goldgewicht des US-Dollar wird dabei auf 23,22 Gran gesetzt, und fortan entspricht eine Feinunze Gold 20,671835 US-Dollar (= 480/23,22).

Allerdings liegt die Silber-Gold-Tauschrelation im freien Markt bei 15,625 : 1, so dass bei der offiziellen Tauschrelation bei 16 : 1 nun also das Silber offiziell unterbewertet und das Gold überbewertet ist.

Wieder wirkt das Greshamsche Gesetz: Das überteuerte Gold verdrängt das unterbewertete Silber – und die USA sind ab 1834 de facto auf einem Goldstandard.

Aus Silber werden nur noch kleine Münzen geprägt, und der Silberpreis in US-Dollar beginnt zu fallen. Die Gold-Silber-Preisrelation steigt. Daran ändern auch die Goldfunde in Kalifornien in den 1840er Jahren und in Australien in den 1850er Jahren nichts.

Das „Verbrechen von 1873“

Im Jahr 1873 kommt es zu einer Reform des Münzgesetzes in den USA, durch die das Silber de facto entmonetisiert wird: Der US-Dollar wird fortan nur noch in Gold, nicht mehr in Silber definiert.

Die Befürworter des Silbergeldes sprechen vom „Verbrechen von 1873“ – denn das Silber verliert nun offiziell seinen Geldstatus. Doch nicht nur in den USA wendet man sich zu dieser Zeit vom Silbergeld ab, auch anderswo.

Frankreich, das seit 1803 einen Bimetall-Standard hat, demonetisiert das Silber in den Jahren 1873-1874. Das gleiche geschieht in den anderen Mitgliedsländern der Lateinischen Münzunion.

Dänemark, Norwegen, Schweden, die Niederlande und Preußen folgen in 1875 – 1876, Österreich in 1879. Die Folge: Der Silberpreis verfällt. Betrug er 1834 noch 1,2929 US-Dollar pro Feinunze, sind es Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch 0,5 US-Dollar pro Feinunze.[6]

Zäsur: Der erste Weltkrieg

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges im August 1914 markiert eine große Zäsur im weltweiten Geldsystem.

Im deutschen Kaiserreich war die Mark (auch: Goldmark) seit 1871 gültige Währung. 1 Mark entsprach 0,358423 Gramm Feingold, und als Kurantmünze wurde sie zu 5, 10 und 20 Mark geprägt.

Bei Kriegsausbruch wird sogleich die Goldeinlösbarkeit der Mark aufgehoben. Die Mark wird zur ungedeckten Papiermark, die sich beliebig vermehren lässt. Grund: Die deutsche Regierung will auf inflationäre Weise – durch die Inflationssteuer – einen Teil der Kriegskosten bezahlen.

Die Papiermark wird inflationiert, übersteht aber den Krieg, nicht jedoch die Weimarer Republik, die neue
Demokratie. Die Papiermark wird nach Ende des Krieges derart stark vermehrt, dass sie im Sturm einer Hyperinflation untergeht. Sie wird im November 1923 durch die Rentenmark ersetzt.[7]

Die internationale Währungsordnung ist nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zerrüttet. Denn nicht nur
Deutschland, sondern de facto alle großen Länder wie Großbritannien und Frankreich haben die Goldeinlösbarkeit ihrer Währungen aufgehoben.

Die Ausnahme sind die USA. Zwar erlassen auch die Amerikaner Anfang 1917 kurzzeitig ein Goldexport-Embargo. Aber nach wie vor entsprechen 20,67 US-Dollar einer Feinunze Gold, und Goldgeld läuft um.

Mit der Währungskonferenz im italienischen Genua im Jahr 1922 sollen die Währungsverhältnisse geordnet werden. Dort einigen sich 34 Länder – die USA nehmen nicht daran teil – aber nur auf eine halbherzige Lösung, den Gold-Devisen-Standard.

Gold-Devisen-Standard

Der Gold-Devisen-Standard sieht vor, dass sich das Britische Pfund in Gold und US-Dollar einlösen lässt. Die übrigen europäischen Währungen sind nicht in Gold, sondern in Britische Pfund einlösbar.

Das Pfund ist dabei allerdings nicht mehr in Goldmünzen, sondern nur noch in großvolumige Barren einlösbar. Dadurch kann der Normalbürger seine Währung beziehungsweise das Pfund nicht mehr in physisches Gold umtauschen.

Der Gold-Devisen-Standard ist ein großer Etikettenschwindel. Er läuft auf eine Pyramidisierung der US-amerikanischen Goldreserven hinaus. Mit fatalen Folgen, wie sich später herausstellt.

Der Britische Premierminister Winston Churchill entscheidet 1925, dass Großbritannien wieder zum Goldstandard zurückzukehrt. Das Pfund soll dabei mit der Vorkriegsparität von 4,87 US-Dollar pro Pfund an das Gold angebunden werden.

Zu diesem Kurs ist das Pfund jedoch überbewertet – denn die Güterpreise in Pfund sind während des Krieges natürlich stark angestiegen, und das Pfund hat entsprechend im Markt mächtig abgewertet.

Das hat zur Folge, dass die britischen Güterpreise sinken müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch Politik und Gewerkschaften verhindern die notwendige Preisdeflation. Die Briten bekommen wirtschaftliche Probleme, vor allem hohe Arbeitslosigkeit.

Im Herbst 1929 nimmt dann, beginnend in den USA, die „Große Depression“ ihren unheilvollen Lauf und breitet sich nachfolgend auf das Weltwirtschafts- und Finanzsystem aus.

Im Mai 1931 wird die österreichische Kreditanstalt in Wien zahlungsunfähig. Es kommt zum „Bank-Run“. Es wird offenkundig, dass der Kaiser keine Kleider anhat: Die Banken haben mehr Geld in Umlauf gebracht, als Kunden Gold bei ihnen eingelagert haben. Sie können die Geldscheine, die die Kunden ihnen vorlegen, nicht mehr in physisches Gold eintauschen.

Die Bank von England sieht sich außer Stande, den anschwellenden Wünschen nach Goldeinlösung des Britischen Pfundes nachzukommen. Im September 1931 beendet sie daher die Goldeinlösbarkeit des Britischen Pfundes. Der Gold-Devisen-Standard ist aufgehoben.

US-Goldverbot

Wie bereits gesagt, im Ersten Weltkrieg und auch danach bleibt der US-Dollar goldgedeckt. Die große Zäsur in den USA kommt 1933, am Ende der Großen Depression.

US-Präsident Franklin D. Roosevelt verbietet den US-Bürgern den Goldbesitz: Das Gold ist bis zum 1. Mai
1933 an den Staat abzugeben, dafür erhalten die Goldbesitzer US-Dollarguthaben und –Noten.

Im Jahr 1934 wertet Roosevelt zudem den US-Dollar gegenüber dem Gold ab: Fortan sind 35 US-Dollar für eine Feinunze Gold zu bezahlen.

Durch diesen Handstreich inflationiert die US-Administration die US-Dollar-Geldmenge und nachfolgend auch die US-Güterpreise.

Der US-Dollar bleibt jedoch, zumindest formal, an das Gold gebunden. Aber es ist nun verschwunden aus dem Tagesgeschäft der Menschen. Das Goldverbot für Private bleibt bis 1974 in Kraft. Erst dann wird es von US-Präsident Gerald Ford (1913–2006) aufgehoben.

Chinas Kommunismus

Doch damit sind wir schon etwas zu weit vorangeschritten. Im Jahr 1933 treffen die Amerikaner eine folgenreiche Entscheidung – und zwar eine, die dazu beigetragen hat, China dem Kommunismus in die Hände zu treiben, wie einige Wirtschaftshistoriker meinen.

Die US-Administration beschließt nämlich 1933, Silber aufzukaufen – um die US-Bundestaaten, die Silber produzieren, zu subventionieren, und um gleichzeitig auch die heimischen Güterpreise in die Höhe zu treiben.

Die US-Münze erhält den Auftrag, Silber zum Preis von 1,2929 US-Dollar pro Feinunze zu kaufen. Der Weltmarktpreis des Silbers steht zu dieser Zeit jedoch bei nur 0,70 US-Dollar pro Feinunze.

Das führt dazu, dass der Marktwert vieler Silbermünzen ihren Nennwert übersteigt. Die Folgen treffen insbesondere China. Denn China ist das letzte Land, das noch auf einem Silberstandard ist. (Indien hat seinen Silberstandard bereits 1893 verlassen und 1899 den Goldstandard angenommen.)

Der gestiegene Silberpreis in US-Dollar verursacht in China, wo Silber als Geld verwendet wurde, nun eine Deflation und Krise. Warum?

Das Silbergeld wird in die USA exportiert und dort eingeschmolzen. Die Silbergeldmenge in China schrumpft und mit ihr sinken die Güterpreise, vor allem in der Industrie und der Landwirtschaft.

Es kommt zur Wirtschaftskrise. Im November 1935 beendet die Zentralbank von China den Silberstandard und führt einen ungedeckten Papiergeldstandard ein.

Das kommt zu einer besonders kritischen Zeit: 1937 beginnt der zweite Chinesisch-Japanische Krieg. Die Kriegsausgaben finanziert die chinesische Nationalregierung unter Führung von Chiang Kai-Shek mit der Notenpresse.

Von 1937 bis 1945 steigt die Yuan-Geldmenge 300-fach (oder 100 Prozent pro Jahr). Es kommt zur Hyperinflation, die der chinesischen Bevölkerung großes Leid beschert, und das treibt sie 1949 den Kommunisten unter Mao Zedong in die Hände.[8]

Zwar wäre es vermutlich auch ohne das US-Silberaufkaufprogramm kriegsbedingt zur großen Inflation in
China gekommen.

Aber hätten die Amerikaner das Silber nicht zu einem künstlich erhöhten Preis aufgekauft, hätte die chinesische Nationalregierung vielleicht noch zwei Jahre mehr gehabt, in denen die heimischen Währungsverhältnisse akzeptabel geblieben wären.

Und wer weiß: Vielleicht wäre dann die Inflation nicht so stark ausgefallen; und der Aufstieg des Kommunismus in China wäre erschwert oder vielleicht sogar verhindert worden.

Das System von Bretton Woods

Doch wir sind nun auf der Zeitachse etwas zu weit vorangeschritten. Lassen Sie uns zum Jahr 1944 zurückkehren.

Vom 1. bis 22 Juli 1944 treffen sich im US-Bundestaat New Hampshire im Ort Bretton Woods die Abgesandten von 44 Nationen und beschließen dort ein Weltwährungssystem für die Nachkriegszeit – das System von Bretton Woods.

Es sieht Folgendes vor: (1) Der goldgedeckte US-Dollar wird zur Weltleitwährung. 35 US-Dollar entsprechen einer Feinunze Gold. (2) Alle Währungen sind konvertierbar in US-Dollar. (3) Es gelten feste, aber anpassbare Wechselkurse zwischen dem US-Dollar und allen anderen Währungen. Auf diese Weise sind alle Währungen einlösbar in physisches Gold.

Das System von Bretton Woods hat zwar Konstruktionsfehler, aber es funktioniert. Dann jedoch beginnen die USA, sich mehr und mehr in einer kriegerischen Außenpolitik zu verzetteln: Korea-Krieg von 1950 – 1953, Vietnam-Krieg von 1955 – 1975.

Zur Finanzierung geben die USA US-Dollar aus, die nicht durch Gold gedeckt sind. Die Inflation zieht an. Dollar-Besitzer wollen nun doch lieber Gold als Dollar halten. Die Nationen beginnen, ihre US-Dollarguthaben bei der US-Zentralbank in Gold einzulösen.

Daraufhin schwinden die amerikanischen Goldbestände. Und bald wird deutlich: Wenn die US-Dollar, die die Ausländer halten, allesamt in physisches Geld eingetauscht werden sollen, ist Amerika zahlungsunfähig.

Das ungedeckte Papiergeldsystem

Am 15. August 1971 zieht US-Präsident Richard Nixon die Notbremse: Er verkündet in einer abendlichen Fernsehansprache, dass der US-Dollar von nun an vorübergehend nicht mehr in Gold einlösbar sei.

Mit dieser unilateralen Entscheidung entzieht die US-Regierung dem US-Dollar die Golddeckung. Der US-Dollar und mit ihm alle anderen Währungen der Welt werden zu nicht einlösbarem Papiergeld.

In der Literatur wird dieses Ereignis häufig beschönigend als das „Schließen des Goldfensters“ bezeichnet. Wahrlich ein Euphemismus: Denn es handelt sich um den wohl größten monetären Enteignungsakt der Neuzeit.

Seither sind alle Währungen der Welt nicht einlösbares Papiergeld. Geld, das intrinsisch wertlos ist, und das in beliebiger Menge ausgegeben werden kann, vorzugsweise durch Bankkredite.

Zwischenfazit

Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zwei, wie ich meine, besonders wichtige Erkenntnisse herauszustellen, die sich aus der Währungsgeschichte ablesen lassen.

(1) Der Staat hat immer wieder in das Geldwesen eingegriffen und damit immer wieder schwere wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Störungen verursacht.

Nicht das Gold- und Silbergeld war das Problem, vielmehr war der Staat das Problem. Er hat immer wieder
das reibungslose Funktionieren des Edelmetallgeldes torpediert.

(2) Mit Blick auf die Währungsgeschichte wird häufig von der Phase des Goldstandards gesprochen. Das verzerrt jedoch die Tatsachen.

In der jüngeren Währungsgeschichte gab es bestenfalls so etwas wie Schein-Goldstandards oder Pseudo-Goldstandards. Keiner von ihnen hat den Namen Goldstandard verdient.

Ein echter Goldstandard zeichnet sich durch eine zentrale Eigenschaft aus: Geld ist zu 100% durch Gold gedeckt. Das aber war nie der Fall.

Denn die Staaten erlaubten es den Banken, Geld per Kredit zu schaffen – also Geld auszugeben (in Form von Banknoten oder Giroguthaben), das nicht 100% durch physisches Gold gedeckt war.

Diese politisch bewusst herbeigeführte Unterwanderung des Goldstandards führte immer wieder zu großen wirtschaftlichen und sozialen Krisen – die dann fälschlicherweise dem Edelmetallgeld in die Schuhe geschoben wurden, nicht aber den staatlichen Eingriffen.

Probleme des ungedeckten Geldes

Dass man heute weltweit ein ungedecktes Geldsystem vorfindet, bei dem die Währungen beim Währungsemittenten in nichts einlösbar sind, ist keinesfalls – und das sollte deutlich geworden sein – mit rechten Dingen zugegangen.

Das Goldgeld wurde nicht etwa abgeschafft, weil es ökonomisch nicht funktioniert hätte. Nein, nein!

Das Goldgeld wurde abgeschafft, weil es den wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen der Staaten und den von ihnen begünstigten Gruppen entgegenstand.

Das heutige ungedeckte Papiergeldsystem wurde durch eine Enteignung der Goldbesitzer durch den Staat aus der Taufe gehoben.

Und so ist es vielleicht nicht ganz verwunderlich, dass das ungedeckte Geld unter schweren ökonomischen und ethischen Defekten leidet – zum Schaden vieler Menschen auf dieser Welt.

Fiat-Geld ist inflationär, es verliert seine Kaufkraft im Zeitablauf. Es bereichert einige in ungerechtfertigter Weise auf Kosten vieler. Fiat-Geld verursacht Wirtschaftsstörungen, die sogenannten „Boom-und-Bust“-Zyklen. Es sorgt dafür, dass die Schuldenlasten der Volkswirtschaften immer weiter in die Höhe steigen.

Und nicht zuletzt lässt das Fiat-Geld den Staat immer weiter anschwellen zu Lasten der bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten – und der „tiefe Staat“ wird zu einer akuten Gefahr für das friedvolle und kooperative Zusammenleben national wie international.

Renaissance des Goldgeldes

Das Ende meines Vortrages über die Geschichte des Goldgeldes rückt näher, nicht aber das Ende der Geschichte des Goldgeldes.

Spätestens seit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 sind die wachsenden Probleme des ungedeckten Geldes für viele Menschen sichtbar geworden, und eine Suche nach besserem Geld hat eingesetzt.

Das Aufkommen der Kryptoeinheiten ist ein Indiz dafür. Die Entwicklung zielt in die richtige Richtung: nämlich einen freien Markt für Geld zu schaffen, in dem es den Menschen frei steht, das Geld zu wählen, das ihren Wünschen am besten genügt.

Das Gold ist im Wettbewerb um das bessere Geld nach wie vor ein ernstzunehmender Kandidat. Es gibt bereits viele unternehmerische Anstrengungen, goldbasierte Zahlungssysteme auf den Weg zu bringen.

Beispielsweise hat die britische Münze, The Royal Mint, die technischen Möglichkeit geschaffen, um das Gold, das bei ihr gelagert ist, per Blockchain handelbar zu machen.

Wer sein Gold bei der Royal Mint einlagert, dem wird ein handelbares digitales Zertifikat in sein elektronisches Portemonnaie (“Wallet”) gebucht. Das ist der Weg zur Digitalisierung des Goldgeldes!

Das US-Unternehmen Facebook arbeitet, wie zu hören ist, an einer eigenen Währung. Würde sie goldgedeckt, wäre ihr sogleich ein großer weltweiter Markt geöffnet.

Ob nun aber Facebook, Amazon, Google oder ein anderer Anbieter: Ein freier Markt für Geld ist nicht nur möglich, er würde auch absehbar besseres Geld hervorbringen.

Gold und Freiheit

Die Währungsgeschichte zeigt es, und auch die ökonomische Theorie zeigt es: Ungedecktes Papiergeld, staatlich monopolisiert, ist kein gutes Geld.

Es verträgt sich nicht mit dem Ideal einer dauerhaft friedvollen und produktiven Kooperation zwischen den Menschen, national und international.

Ich möchte daher meinen Vortrag schließen mit einem Zitat, dass Ihnen noch einmal eindrücklich die Bedeutung des Goldes, besser: des guten Geldes, für den Erhalt des Eigentums und damit auch unser aller Freiheit verdeutlichen soll. Es stammt von Alan Greenspan, dem ehemaligen Vorsitzenden der US-Zentralbank, aus dem Jahre 1966:

»Ohne den Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, die Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. (…) Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates verlangt es, dass es für die Besitzer von Vermögen keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, das hinter der Verteufelung des Goldes durch die Verfechter des Wohlfahrtsstaates steckt. Kreditfinanzierte Staatsausgaben sind schlicht und ergreifend ein System zur »versteckten« Enteignung von Vermögen. Gold steht diesem hinterhältigen Prozess im Weg. Es steht für den Schutz des Eigentums. Wenn man das begriffen hat, versteht man auch die Feindschaft der
Etatisten gegen den Goldstandard.«

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

[1] Dieser Beitrag wurde in ähnlicher Form auf einigen Börsentagen in Deutschland Anfang 2019 gehalten.
[2] Siehe Ebeling, R. M. (2017), Economic Ideas: David Ricardo on Wealth, Inflation, and Freedom.
[3] Benannt nach Thomas Gresham (1519 – 1579), britischer Kaufmann, Finanzagent des Britischen Königshauses und Gründer der Londoner Börse.
[4] Wenn im freien Markt Silber zu Gold im Verhältnis 12 : 1 gehandelt wird, die Münze jedoch ein Austauschverhältnis von 15 ½ : 1 festlegt, ist das Silber offiziell unterbewertet. Die Menschen bringen dann 1 Goldmünze zur Münze und bekommen dafür 15 ½ Unzen Silber. Die tauschen sie am Markt gegen Gold ein – und bekommen dafür 1,2917 Feinunzen Gold. Das Gold bringen sie zur Münze und erhalten dort 20,02 Feinunzen Silber. Und so weiter. Das Ergebnis ist: Die Münze hat bald nur noch Gold und kein Silber mehr im Angebot. Goldgeld, nicht Silbergeld läuft um. Das unterbewertete Silber wird durch das überbewertete Gold verdrängt. Das ist das Greshamsche Gesetz.
[5] Siehe Rolnick, A. J., Weber, W. E. (1986), Gresham’s Law or Gresham’s Fallacy?
[6] Siehe Denver Gold Group
[7] Im Juli 1914 waren 4,2 Mark für 1 US-Dollar zu bezahlen. Am 15. November 1923 waren es 4,2 Billionen (4.200.000.000.000) Mark für 1 US-Dollar.
[8] Im Dezember 1941 entsprachen 18,93 Yuan einem US-Dollar. Im Mai 1949 waren 23.280.000 Yuan für einen US-Dollar bezahlen. Siehe Ebeling, R. M. (2010), Inflation Undermined Popular Support Against Communism.

Thorsten Polleit, Jahrgang 1967, ist seit April 2012 Chefvolkswirt der Degussa. Er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, Adjunct Scholar am Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama, Mitglied im Forschungsnetzwerk „Research On money In The Economy“ (ROME) und Präsident des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Er ist Gründungspartner und volkswirtschaftlicher Berater eines Alternative Investment Funds (AIF). Die private Website von Thorsten Polleit ist: www.thorsten-polleit.comHier Thorsten Polleit auf Twitter folgen.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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