Das Geldsystem kinderleicht verstehen mit den Tuttle-Zwillingen

23.4.2018 – von Enno Samp.

Enno Samp

Können Kinder – sogar schon im Grundschulalter – die Probleme unseres Geldsystems verstehen? Können Sie vielleicht sogar schon die Tücken des Fiat-Money-Systems durchschauen? – Ja, das können sie, wenn man es ihnen leicht und verständlich erklärt. Und es geht noch besser, wenn man das Ganze in eine lustige Geschichte verpackt und mit ansprechenden Zeichnungen ergänzt. Connor Boyack gelingt das zusammen mit seinem Zeichner Elijah Stanfield mit dem neuesten Buch aus der Reihe der Tuttle-Zwillinge kongenial.

Nach „Die Tuttle Zwillinge und das Gesetz“ (basierend auf Frédéric Bastiats „Das Gesetz“) und „Die Tuttle Zwillinge und der wunderbare Bleistift“ (basierend auf „Ich, der Bleistift“ von Leonard Read) geht es im dritten Tuttle-Band nun um das Geld. „Die Tuttle Zwillinge und das Ungeheuer von Jekyll Island“ verpackt die Kernbotschaften von G. Edward Griffins „Die Kreatur von Jekyll Island“ in eine lustige und lehrreiche Kindergeschichte.

Zugegeben, die nationale und die europäische Geld- und Wirtschaftspolitik sowie das über zahlreiche komplizierte Mechanismen organisierte Wirken der EZB mit ESM und diversen weiteren Euro-Rettungsmechanismen im Detail zu durchschauen – das ist schon eine eher komplexe Angelegenheit. Es ist sicher ein entscheidender Aspekt dieses Fiat-Money-Systems, dass die Geld- und Wirtschaftspolitik als für „normale“ Bürger beinahe unbegreiflich kompliziert erscheint. Diesen Eindruck unterstützen zahlreiche Kategorien und Unterkategorien, die jeweils von Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten vertreten werden. Und dass sich selbst diese – sogenannten – Experten vielfach nicht einig sind, unterstreicht diesen Aspekt der Undurchschaubarkeit noch eindrucksvoll. Folglich scheint es allgemeine Übereinstimmung in der Ansicht zu geben, dass das Ei des Kolumbus in Sachen Geld- und Wirtschaftspolitik nicht existiert und keiner der zahlreichen Experten eine endgültige und in allen Belangen überzeugende Lösung anbieten kann.

Diese bewusst gesteuerte Verwirrung – bei der die Österreichische Schule im öffentlichen Diskurs nahezu komplett verschwiegen wird – ist bis heute weitgehend erfolgreich, wenngleich die kritischen Stimmen seit einiger Zeit doch deutlich zahlreicher und lauter werden. Aber auch die kritischen Stimmen sind wieder sehr verschieden – von Vollgeld-Anhängern bis zu Zins-Kritikern.

In Kenntnis der Werke von Ludwig von Mises (1881-1973), Friedrich August von Hayek (1899-1992), Roland Baader (1940-2012) und vielen anderen wissen wir, dass es diese einfache, allumfassende Lösung doch gibt: Die Privatisierung bzw. Entnationalisierung des Geldes. Nur konnte sich diese Erkenntnis – obwohl sie eigentlich so leicht zu verstehen ist – bisher erst in einem begrenzten Radius durchsetzen.

Das dritte Buch aus der Reihe der „Tuttle Zwillinge“ von Connor Boyack, das im März in deutscher Übersetzung erschienen ist, kann und möchte hier helfen. Es erklärt das Geld und die Geschichte des Geldes sowie das Wesen von Sparen, Inflation und Zentralbanken kinderleicht. In seiner Kindergeschichte lässt Connor Boyack den Großvater der Zwillinge über Preissteigerungen und über den Wertverlust seiner als Altersversorgung dienenden Ersparnisse klagen, indem er schimpft:

„Daran ist wieder dieses schreckliche Ungeheuer schuld.“

Die Zwillinge hören das ungewollt mit, sie rätseln darüber, was das wohl für ein Ungeheuer sein könnte, und träumen zunächst von einem gefährlichen, Dollarscheine fressenden Riesen-Kraken. Aber mit Hilfe der Eltern und Großeltern wird dieses Rätsel am nächsten Tag gelöst.

Ein Blick ins Buch…

 

Und so geht es schnell und lustig vom Tauschhandel über frühe Tauschmittel zur Verwendung von Gold und Silber. Erklärt wird auch der Beginn von Inflation, als frühe Herrscher von den Münzen etwas abkratzten, aus dem Staub neue Münzen herstellten mit dem Effekt, dass der König und die Seinen reicher, der Rest der Bevölkerung vergleichsweise ärmer wurde. Weiter geht es mit der – privaten – Gründung der FED, dem staatlich durchgesetzten Annahmezwang für die so entstandenen Dollar-Noten und der Möglichkeit, unbegrenzt neues Geld zu erschaffen. Anhand von Zuckerwatte und Luftballons werden dann auch Inflation und Cantillon-Effekt dargestellt. Schließlich – eigentlich etwas zu knapp, aber dadurch für Kinder im Grundschulalter zumindest annähernd nachvollziehbar – wird auch noch die Subprime-Krise mit ihren katastrophalen Folgen für zahlreiche Immobilienbesitzer erwähnt.

Nach all dem gibt es für Ethan und Emily Tuttle eine ganz einfache Lösung: sie zeichnen die Karikatur eines Bankers, der sich als krakenartiges Ungeheuer verkleidet hat, und werfen diese zerknüllt in den Papierkorb. Wenn es doch auch für uns im realen Leben so leicht wäre, die Zentralbanken und das staatliche Zwangsgeld los zu werden!

Aber auch wenn es in der Realität schwieriger ist, bleibt Connor Boyack in seiner Geschichte positiv und lösungs- bzw. handlungsorientiert. Nach Benennung der Probleme zeigt er Lösungsmöglichkeiten auf. Das sind für ihn einerseits eine reduzierte Verwendung des staatlichen Geldes durch die Nutzung von Tauschbörsen, Garten-Kooperativen und Kryptowährungen. Andererseits ist es – wie schon bei „Die Tuttle Zwillinge und das Gesetz“ – die Aufforderung, dieses durch die Geschichte gelernte Wissen weiter zu erzählen, und auf diese Weise dabei mitzuhelfen, dass das (Fiat Money-)Ungeheuer irgendwann vollends bloßgestellt und dadurch entmachtet werden kann.

Das zugehörige Arbeitsheft unterstützt mit Ausmalbildern für Kleine, leichten Rätseln für größere Kinder und Anregungen zu Aufsätzen, Gruppendiskussionen sowie dem Schreiben von Leserbriefen oder Blogs für ältere Leser dabei, das Gelernte zu vertiefen und bei Freunden und Familie weiter zu verbreiten. Denn das ist der einzige Weg, die bewusst geschaffene Verwirrung über Geld und Ökonomie durch Einsicht und Verständnis abzulösen. Dabei ist es ideal, schon bei den Kindern anzufangen – gerade beim Geldsystem. Denn, wie es Martin Moczarski in „eigentümlich frei“ über „Die Tuttle Zwillinge und das Gesetz“ schrieb, so gilt auch für das neue Buch „Die Tuttle Zwillinge und das Ungeheuer von Jekyll Island“ bzw. für das Fiat-Money-System:

„Es ist nie zu früh, den Samen des Zweifels am herrschenden Steuerräubertum unter demokratischer Flagge [resp. am herrschenden Geldsystem] zu säen.“

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Die Bücher und Arbeitshefte sind bestellbar über die deutsche Webseite der Tuttle-Zwillinge www.kinder-der-freiheit.com.

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Enno Samp, 48, ist Bankkaufmann und hat Wirtschaftswissenschaften und Musikwissenschaften studiert. Er arbeitet seit über 20 Jahren im Musikmanagement, u.a. für Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Seit 2010 widmet er sich daneben intensiv der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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