Keine gute Idee: Währungsabwertung zur Exportförderung

9.3.2015 – von Frank Hollenbeck.

Frank Hollenbeck

Die Absicht der Europäischen Zentralbank (EZB), mit dem Drucken von über einer Billionen neuen Euro zu beginnen, hat die Sorgen über einen Währungskrieg neu entfacht. Im Verlauf der letzten sechs Monate verlor der Euro nach zahllosen Andeutungen der EZB fast 20% an Wert.

Wir befinden uns in einem Währungskrieg und das seit 2008. Unser internationales Währungssystem liegt trotz Internationalen Währungsfonds (IWF), der zur Förderung der monetären Kooperation und Stabilität gegründet wurde, von Grund auf im Argen. Gleichwohl blieb der IWF die letzte Zeit auffällig still, was bei seinen Brotgebern nicht unbemerkt blieb.

Nach geltendem ungeschriebenen Recht der Wechselkurspolitik sind direkte Interventionen unzulässig, indirekte hingegen werden akzeptiert, solange der Wechselkurs nicht das primäre Ziel der Politikmaßnahme darstellt. Aber diese Sicht der Dinge gleicht der, den Abwurf einer Tausend Kilo Bombe auf einen Terroristen, wobei gleichzeitig eine komplette Grundschule ausgelöscht wird, mit den Worten zu kommentieren: “Kein Problem, schließlich ging es uns ja primär um den Terroristen.“

Es ist schlicht unverantwortlich, bei Politikmaßnahmen nur die direkten und nicht auch die indirekten Folgen zu berücksichtigen. Das quantitative easing der USA im Verlauf der letzten sechs Jahre zwang die aufstrebenden Entwicklungsländer, Kapitalkontrollen und andere Währungsrestriktionen einzuführen, sowie die jeweils eigene Geldpresse anzuwerfen. Die aktuelle Geldpolitik Japans, die den Yen schwächt, sorgt bei den Nachbarn in China und Korea für ernsthaften Unmut. Die People’s Bank of China senkte kürzlich ihre Reserveanforderungen und beabsichtigt, die Kursspanne der eigenen Währung auszuweiten. Wir sollten das Kind beim Namen nennen: das sind »Weltweite Währungskriege mit Maßnahmen der Vergeltung und Eskalation«.

Hilft eine Abwertung den Exporteuren denn wirklich?

Diese Aktivitäten basieren natürlich wieder einmal auf einem populären, durch Ökonomen verbreiteten  Missverständnis:  Eine Abwertung erlaubt es Exporteuren, im Ausland ihre Preise zu senken und hilft ihnen so, ihre Marktanteile auszuweiten und ihre Gewinne zu steigern, zum Vorteil der heimische Wirtschaft. Der Fehler dieser Sicht besteht darin, dass sie nur die direkten Auswirkungen im Blick hat und die indirekten ignoriert.

Ein einfaches Beispiel zur Verdeutlichung: Angenommen der Wechselkurs steht bei einem Dollar je Euro. Ein europäischer Exporteur verkauft sein Produkt für 100 $, die er in 100 € umtauschen kann, bei Produktionskosten von 80 €. Wenn nun der Euro auf 1,5 € je Dollar abwertet, kann der Exporteur seine Ware für 66,66 $ anbieten, um zu Hause die gleiche Menge an Euro zu erhalten wie vor der Abwertung. Er hat gegenüber seinen ausländischen Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil erhalten, wovon die heimische Wirtschaft profitiert.

An dieser Sichtweise besteht zuallererst das Problem, dass viele Exporteure ihre Wechselkursrisiken mittels neuer Finanzinstrumente wie Swaps und Futures langfristig gesichert haben können und entsprechende Kursverpflichtungen eingegangen sind.

Zweitens berücksichtigt diese Sicht nicht den Aspekt, dass viele Exporteure einen Großteil ihrer Vorleistungen importieren. Ein BMW besteht aus Komponenten aus der ganzen Welt. Die Motoren können aus Großbritannien stammen, die Ledersitze aus China und der Stahl aus Brasilien. Wenn abwertungsbedingt die Vorleistungspreise von 80 € auf 120 € steigen, kann der Exporteur seine Preise in Dollar nicht senken und folglich auch keinen Wettbewerbsvorteil erhalten. Natürlich werden nicht alle Vorleistungen importiert, aber dieses Beispiel veranschaulicht die Problemstellung.

Die Beschäftigten profitieren nicht von einer Abwertung

Passen sich die heimischen Kosten, im wesentlichen Arbeitskosten, nicht an die abwertungsbedingten höheren Importpreise an, erwachsen Gewinne für die Exporteure, aber diese Vorteile resultieren aus den Realeinkommensverlusten der heimischen Arbeiter. Entsprechend verschwinden diese Vorteile wieder, wenn die heimischen Beschäftigten höhere Löhne aushandeln, um ihr Realeinkommen erneut auf das Niveau vor der Abwertung anzuheben. Die Abwertung hätte dann nur einen vorübergehenden Vorteil gebracht.

Nur wenige Journalisten scheinen verstanden zu haben, dass eine Abwertungspolitik in Wirklichkeit eine Maßnahme der Umverteilung darstellt, die Vermögen von Beschäftigten – also der Mittelklasse und der Armen – hin zu den wohlhabenderen Besitzern von Exportunternehmen transferiert. Es handelt sich um ein weiteres Beispiel einer Zentralbankpolitik im Stile eines Anti-Robin-Hoods, der von den Armen nimmt, um es den Reichen zu geben.

Darüber hinaus bestehen eine Reihe weiterer indirekter Wirkungen, die eine Währungsabwertung zu einer schlechten Politikmaßnahme machen. Ludwig von Mises (1881 – 1973) hat dargestellt, dass die übliche Zahlungsbilanzrechnung keine Aussagekraft mehr besitzt, wenn die Recheneinheit verfälscht ist. Selbst wenn die Exporteure höhere Gewinne einfahren, besteht darin kein Anlass zur Freude, wenn höhere Nominalgewinne mit niedrigeren Gewinnen in realer Rechnung einhergehen.

Auch andere Akteure sind durch eine Politik auf Kosten anderer betroffen. Konsumenten tragen die Hauptlast der höheren Preise für Importware. Heimische Anbieter, die Vorleistungen importieren und im Inland verkaufen, werden in der Regel auch geschädigt.

Preisverzerrungen schaden der Wirtschaft

In der Abwertung einer Währung spiegelt sich die Tatsache, dass die Zentralbank des Landes schneller Geld druckt als die der Nachbarn. Dies Gelddrucken schadet allen Unternehmen einschließlich den Exporteuren. Es verändert die absoluten wie auch relativen Preise. Es interveniert in den zentralen Signalmechanismus der Preise, durch den die Wirtschaft erfährt, was und wie sie produzieren soll.

Europa braucht keinen schwächeren Euro, sondern umfassende Strukturreformen. Europa sollte von den Reformerfahrungen Lettlands lernen. Im Zeitraum 2009-2010 reduzierte Lettland die Staatsausgaben von 44% auf 36% des Bruttoinlandproduktes. Es entließ 30% der Staatsbeschäftigten, schloss die Hälfte aller Behörden und senkte den Lohn für öffentlich Bedienstete im Durchschnitt um 26% in einem Jahr. Minister akzeptierten Gehaltskürzungen um 35%. Die lettische Wirtschaft schrumpfte anfangs um 24%, erlebte in der Folge aber einen steilen Aufschwung mit jährlichen Wachstumsraten  von fast 5% während der letzten drei Jahre. Dies alles erfolgte in Lettland, ohne die eigene Währung als Waffe einzusetzen. Der Kurs des Lats gegenüber dem Euro blieb unverändert.

Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Bernhard Pieper. Der Originalbeitrag mit dem Titel Bad Idea: Devaluing Currency to Help Exporters ist am 13.2.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Dr. Frank Hollenbeck lehrt Volkswirtschaft an der “International University” in Genf, Schweiz.

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