LvMID Jahreskonferenz 2014: „Ist das Papiergeldsystem noch zu retten?“ Ein Rückblick

16.5.2014 – von Thorsten Polleit und Andreas Marquart.

Am 10. Mai 2014 fand zum zweiten Mal die Jahreskonferenz des Ludwig von Mises Institut Deutschland (LvMID) im Königssaal im Bayerischen Hof in München statt. Das Thema der diesjährigen Konferenz lautete: „Ist das Papiergeldsystem noch zu retten?“. Knapp 200 Besucher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zog es in den prunkvollen Saal des traditionsreichen Münchener Hotels.

Andreas Marquart

Nicht nur die Freude über eine neuerliche Konferenz des liberalen-libertären LvMID trug zur Hochstimmung der Gäste, Vortragenden und Unterstützer bei. Vor allem auch die professionelle Durchführung der Konferenz, die wie im vorangegangenen Jahr in den bewährten Händen von Andreas Marquart, Vorstand des LvMID, lag, trug zum überaus gelungenen Tagesablauf bei.

Der Präsident des LvMID, Thorsten Polleit, eröffnete die Konferenz mit eindrücklichen Worten, die nicht nur die bisherigen Erfolge des Instituts hervorhoben, sondern auch den Expansionsdrang des LvMID erkennen ließen. Das LvMID hat noch viel vor, so Polleit, wenn es gilt, marktwirtschaftliche und freiheitliche Lehren, die besseren Ideen, im deutschsprachigen Raum zu verbreiten.

Die Wortbeiträge auf der Konferenz wurden gefilmt und werden in Kürze als Videos und Ipods frei verfügbar auf der Website des LvMID und auch youtube abrufbar sein.

„Experimentelle versus regelgebundene Geldpolitik“

Den ersten Vortrag des Tages hielt Professor Jürgen Stark – ehemaliger Chefvolkswirt und Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB). Bekannt als Kritiker der aktuellen EZB-Politik und Anhänger des staatlichen geführten Zentralbanksystems, wurden seine Ausführungen mit großem Interesse erwartet. Er „fühle sich der Österreichischen Schule“ nahe, ließ Professor Stark die Zuhörer zu Beginn seines Vortrages wissen. Und gleich zu Beginn bezog er sich auf eine Einsicht, die Ludwig von Mises betonte: Man dürfe nicht nur die kurzfristigen, sondern müsse auch die längerfristigen Folgen der Politik in Betracht ziehen.

Jürgen Stark

Als in der Tradition der Deutschen Bundesbank stehender Zentralbanker betonte Stark die Wichtigkeit des richtigen institutionellen Rahmens wie zum Beispiel die abgesicherte politische Unabhängigkeit der Zentralbank und eine regelgebundene geldpolitische Strategie, um für niedrige Inflation sorgen zu können. Aus diesem Blickwinkel heraus rationalisierte er seine Kritik an der laufenden EZB-Politik, die er ab Herbst 2011 nicht mehr mittragen konnte. Den Zuhörern konnte nicht entgehen, dass Stark sich höchst besorgt zeigte mit Blick auf die möglichen Folgen der aktuellen EZB-Geldpolitik.

Seine kritischen Anmerkungen richteten sich jedoch auch auf die Zeit vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise, in der die Zentralbanken dies- und jenseits des Atlantiks eine zu laxe Geldpolitik verfolgt hätten. Mit gewissem Humor verwies Stark auf zwei EZB-Zinserhöhungen – und zwar im Sommer 2008 und Anfang 2011 –, die maßgeblich durch seinen Insistieren erfolgten – die aber jeweils rasch vom EZB-Rat wieder zurückgenommen wurden. Einen bleibenden Eindruck hinterließ sicherlich Starks Hinweis, das heutige Geld sei nicht etwa Papiergeld, sondern „Baumwollgeld“, bezugnehmend auf seine materielle Beschaffenheit, was zur allgemeinen Erheiterung beitrug.

„Papiergeld und die Armut der Nationen“

Jörg Guido Hülsmann

Professor Jörg Guido Hülsmann erläuterte, wie das ungedeckte Papiergeld das Gemeinwesen verarmt. Am Anfang stand die Erkenntnis, dass das ungedeckte Papiergeldsystem inflationär ist. Es verleitet die Menschen unter anderem dazu, ihre Ersparnisse vermehrt auf den Finanzmärkten anzulegen. Nur so können sie auf eine Rendite hoffen, um einer inflationären Entwertung ihres Geldes und ihrer Ersparnisse zu entkommen. Die Folge: Das auf den Finanzmarkt drängende ungedeckte Papiergeld ermutigt die Schuldenwirtschaft. Vor allem die Staaten sind aufgrund des ungedeckten Papiergeldes in der Lage, durch Ausgabe von Schuldpapieren an die Ersparnisse der Bürger zu gelangen.

Doch das Geld, was der Staat sich beschafft, indem er Schuldpapiere ausgibt, die treuherzig von den Bürgern gekauft werden, wird verprasst, verschwendet. Unproduktives wird finanziert zu Lasten produktiver Kapitalverwendung. Die Volkswirtschaft verarmt dadurch regelrecht. Professor Hülsmann wies darauf hin, dass vor allem in Japan und Deutschland der Staat einen sehr großen Anteil der Ersparnisse verzehrt – und eine Schuldenlast aufbaut, die nicht durch produktive Leistungsfähigkeit untermauert ist.

Anhand von „alternativen Statistiken“ zeigte Hülsmann zudem, dass sich die These, ungedecktes Papiergeld verarme die Nationen, vermutlich bereits in den Vereinigten Staaten abbilden lasse: Dass seit einigen Jahren die Einkommen der Amerikaner nicht mehr steigen (wie es die offiziellen Statistiken ausweisen), sondern dass sie vielmehr bereits rückläufig sind.

„Verdeckte Hyperinflation: Die zerstörung des Geldsystems durch die Nationalsozialisten“

Michael von Prollius

Packend war der Vortrag von Dr. Michael von Prollius. Er zeigte, wie die Nationalsozialisten Inflationspolitik betrieben, wie sie die heimische Reichsmark-Geldmenge aufblähten, und mit welch raffinierten Winkelzügen es ihnen gelang, die Preiswirkung der Geldmengenausweitung vor der Bevölkerung zu verschleiern: etwa mittels Preis- und Lohnstopps. Der Kapitalmarkt wurde verstaatlicht, der Zins kontrolliert, die Ersparnisse wurden in die Rüstungsproduktion umgelenkt.

Doch es kam, wie es in einem sozialistischen System kommen musste: Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wurde ruiniert, der Zweite Weltkrieg brachte zudem größte Zerstörung, die ausstehenden Reichsanleihen wurden de facto wertlos. Die aufgestaute Inflation entlud sich nachfolgend in stark steigenden Preisen, die Kaufkraft der Reichsmark war dahin. Die Währungsreform im Jahr 1948, durch die die Reichsmark durch die D-Mark ersetzt wurde, bescherte den Besitzern von Reichsmark nahezu einen Totalverlust.

Von Prollius betonte, dass das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten nicht per se auf Enteignung der Produktionsmittel setzte, sondern danach trachtete, das Privateigentum für staatliche Zwecke einzusetzen und umzuwidmen. Die Parallelen, die sich daraus für die aktuelle Lage ergaben, lies die Zuhörer aufhorchen: Das nationalsozialistische Wirtschaftssystem sei letztlich ein interventionistisches gewesen, in dem der Staat, nicht der Markt, bestimmt, was Produzenten und Konsumenten dürfen und was nicht; und alle Wirtschaftssysteme der entwickelten Volkswirtschaften befinden sich auf eben diesem unheilvollen Pfad des Interventionismus.

„Papiergeld und Boom und Bust“

Thorsten Polleit

Der Frage, wie das ungedecktes Papiergeld und Wirtschaftsstörungen („Boom und Bust“) zusammenhängen, widmete Professor Thorsten Polleit sein Referat. Gleich zu Beginn argumentierte er, die Finanzmarkt- und Wirtschaftserschütterungen, die sich 2008 und 2009 international gezeigt haben, seien nicht etwa eine Bereinigung des Papiergeldbooms gewesen. Sie seien vielmehr nur eine „Abwärtsschwingung“ in einer ansonsten nach wie vor intakten Boomphase – eine Bereinigung des Booms stünde vielmehr erst noch aus. Diese Einschätzungen begründete Polleit mit den Erkenntnissen der monetären Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

Aus den Erkenntnissen der Österreicher leitete er Konsequenzen ab, die das unbeirrte Festhalten am ungedeckten Papiergeld mit sich bringen wird: Dass die Marktwirtschaft zerstört wird, dass die Volkswirtschaften in einem interventionistisch-sozialistischen System enden werden; dass das ungedeckte Papiergeld ein System heraufbeschwört, in dem das Privateigentum zwar formal bestehen bleibt, in dem aber die Verfügungsrechte über das Privateigentum immer weiter eingeschränkt werden, ein System, dass Elend und Chaos bringen wird.

Daher hob Polleit hervor, dass es eine der drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen sei, das Geldwesen zu reformieren. Der konsequenteste Weg sei die Privatisierung und Denationalisierung der Geldproduktion und die Etablierung einer marktwirtschaftlichen Geldordnung: Eine Geldordnung, in der das Geld allein und frei durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird, in der es keine Zentralbank und kein Teilreservesystem gibt.

Abschlussdiskussion

Den Vorträgen folgte eine gut einstündige Frage- und Diskussionsrunde mit den Referenten. Erwartungsgemäß richteten zahlreiche Gäste ihre Fragen an Professor Stark, der sich als kritischer Begleiter, aber eben auch Anhänger des Zentralbankwesens in die „Höhle des Löwens“ begeben hatte, wie es Andreas Marquart in seiner Begrüßung formulierte.

Ausgehend von den Publikumsfragen entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zwischen den Referenten, die die unterschiedlichen Positionen sehr deutlich werden ließ. Zum Beispiel bei der Frage, ob Geld ein „Gut wie jedes andere“ sei, wie es die Position der Österreichischen Schule der Nationalökonomie ist, oder ob es sich um „ein besonderes Gut“ handele, das der Obhut des Staates bedürfe, wie Professor Stark argumentierte.

Die Referenten während der Diskussionsrunde: Thorsten Polleit, Jürgen Stark, Jörg Guido Hülsmann, Michael von Prollius

 

Viele Fragen kamen auf: Warum hält sich das Papiergeld noch? Wann kippt der Boom in einen Bust um? Ist ein Währungswettbewerb möglich und wünschenswert? Welche Kosten treten bei einem Übergang vom ungedeckten Papiergeld zum freien Marktgeld auf? Warum wird die Österreichische Lehre an so wenigen Universitäten gelehrt? Allesamt Fragen, die von den Referenten aufgegriffen und vertieft diskutiert wurden.

Die abschließende Diskussionsrunde war – vor allem auch in Verbindung mit den vorangegangenen Wortbeiträgen – nicht nur spannend und lebhaft, sie trug in besondere Weise zum Erkenntnisgewinn bei. Denn der Austausch von Argumenten in einer guten Konferenzatmosphäre hat nicht nur einen besonderen Charme, er hinterlässt Eindrücke und Erkenntnisse, die sich einprägen, die bleiben.

Stimmen der Gäste:

„Ich freue mich jetzt schon auf die Konferenz 2015“

„Großartig, leider ist der Tag viel zu schnell vorüber gegangen.“

„Toll, dass Sie Professor Stark gewinnen konnten.“

„Die Abschlussdiskussion war das Highlight, ich habe viel gelernt.“ 

 

Fotos: Birgit Stöger, blu-NEWS

 

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