Sozialismus ist Zerstörung

18.12.2013 – von Ludwig von Mises.

Ludwig von Mises

Man könnte die Mittel, deren sich die sozialistische Politik bedient, in zwei Gruppen einteilen: in die, die unmittelbar darauf abzielen, die Gesellschaft in den Sozialismus überzuführen, und in die, mit denen dieses Ziel nur mittelbar auf dem Wege über die Zertrümmerung der auf dem Sondereigentum beruhenden Wirtschaftsverfassung angestrebt wird. Jene Mittel bevorzugen die Parteien der Sozialreform und die evolutionistisch und revisionistisch gerichteten Flügel der sozialistischen Parteien; diese sind vornehmlich die Waffen des revolutionären Sozialismus, der vor allem durch Abtragung der alten Kultur Raum für den Aufbau einer neuen zu schaffen wünscht. Mittel der ersten Art wären zum Beispiel die Verstaatlichungen und Verstadtlichungen von Unternehmungen, Mittel der zweiten Art vor allem die Sabotage und die Revolution.

Die Bedeutung, die einer derartigen Unterscheidung zukäme, wird aber dadurch stark herabgemindert, daß die Wirkung beider Gruppen von Mitteln nicht beträchtlich verschieden ist. Auch die Mittel, die unmittelbar dem Aufbau der neuen Gesellschaft dienen sollen, können, wie wir gezeigt haben, nur zerstören, nicht schaffen. So ist das Um und Auf der sozialistischen Politik, die nun seit Jahrzehnten die Welt beherrscht, die Vernichtung. In der Politik der Kommunisten tritt der Willen zum Niederreißen so klar zutage, daß man ihn unmöglich verkennen kann. Doch der Destruktionismus ist im Wirken der Bolschewiken nur leichter erkennbar; im Wesen ist er gerade so in allen anderen sozialistischen Maßnahmen enthalten. Die Einmischung des Staates in das Wirtschaftsleben, die sich als Wirtschaftspolitik bezeichnete, hat nichts anderes erreicht als Vernichtung der Wirtschaft. Die Verbote und Gebote, die da erlassen wurden, haben gehindert und gehemmt; sie haben den Geist der Unwirtschaftlichkeit großgezogen. Diese Politik hat schon im Kriegssozialismus einen solchen Umfang gewonnen, daß eigentlich alle Wirtschaft der Unternehmer als Gesetzesverletzung gebrandmarkt wurde. Nur dem Umstande, daß die destruktionistischen Gesetze und Maßnahmen nicht voll durchgeführt werden, ist es zuzuschreiben, daß überhaupt noch halbwegs rationell produziert wird. Wären sie wirksamer, dann wären Hunger und Massensterben schon heute das Los der Völker.

Unser ganzes Leben ist von Destruktionismus so durchtränkt, daß man kaum ein Gebiet nennen könnte, das von ihm frei geblieben wäre. Destruktionismus verkündet die „soziale“ Kunst, lehrt die Schule, predigt die Kirche. Die Gesetzgebung der Kulturstaaten hat in den letzten Jahrzehnten kaum ein wichtigeres Gesetz geschaffen, in dem nicht zumindest einige Zugeständnisse an ihn gemacht worden wären; manche sind von ihm ganz und gar erfüllt. Eine umfassende Darstellung des Destruktionismus geben, hieße die Geschichte der Jahrzehnte schreiben, in denen sich die Katastrophe des Weltkrieges und der bolschewistischen Weltrevolution vorbereitet und vollzogen hat.

aus “Die Gemeinwirtschaft – Untersuchungen über den Sozialismus” (1922), Verlag Lucius & Lucius, Stuttgart.

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Ludwig von Mises, geb. 1881 in Lemberg, war der wohl bedeutendste Ökonom und Sozialphilosoph des 20. Jahrhunderts. Wie kein anderer hat er die (wissenschafts)theoretische Begründung für das System der freien Märkte, die auf unbedingter Achtung des Privateigentums aufgebaut sind, und gegen jede Form staatlicher Einmischung in das Wirtschafts- und Gesellschaftsleben geliefert. Seine Werke sind Meilensteine der Politischen Ökonomie. Das 1922 erschienene “Die Gemeinwirtschaft” gilt als erster wissenschaftlicher und umfassender Beweis für die “Unmöglichkeit des Sozialismus”. Sein Werk “Human Action” (1949) hat bei amerikanischen Libertarians den Rang einer akademischen “Bibel”. Mises war Hochschullehrer an der Wiener Universität und Direktor der Österreichischen Handelskammer. Ab 1934 lehrte er am Institut des Hautes Etudes in Genf. 1940 Übersiedlung nach New York, wo er nach weiteren Jahrzehnten der Lehr- und Gelehrtentätigkeit 1973 im Alter von 92 Jahren starb.