Der „Marktsozialismus“ ist eine unmögliche Quadratur des Kreises

21.10.2013 – von Philipp Bagus.

Philipp Bagus

Nach „Die Österreichische Schule – Markt und Kreativität“ und „Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen“ ist jetzt mit „Sozialismus, Wirtschaftsrechnung und unternehmerische Funktion“ ein drittes Werk von Jesús Huerta de Soto in deutscher Sprache erschienen. Das exzellent von Marius Kleinheyer übersetzte Buch erschien erstmals 1992 in spanischer Sprache und ist daher vor den anderen beiden in deutscher Sprache erhältlichen Werken entstanden. In der 300-Seiten starken Abhandlung, die auf Huerta de Soto´s Doktorarbeit in Ökonomie beruht, geht es um die berühmte Sozialismusdebatte.

Zunächst erarbeitet Huerta de Soto eine theoretische Grundlage für seine Analyse, in dem er die Bedeutung der unternehmerischen Funktion, oder das unternehmerische Handeln, erklärt. Dabei leitet er aus typisch österreichischer subjektivistischer Sicht die Elemente menschlichen Handelns wie Ziel, Wert, Mittel, Nutzen, Kosten, Gewinn, Zeit, Unsicherheit, etc. her. Weiterhin analysiert er die Eigenschaften von unternehmerischen Wissen, Kreativität und Koordination. Er erklärt wie Institutionen entstehen, welche Bedeutung sie für die Gesellschaft haben, und dass Wettbewerb ein dynamischer Prozess der Rivalität ist. Damit liefert Huerta de Soto eine kompakte, leicht verständliche Abhandlung elementarer gesellschaftlicher Zusammenhänge.

Auf dieser Grundlage macht er sich im Folgenden an die Sozialismuskritik. Er definiert Sozialismus als „jedes System institutioneller Aggression gegen die freie Ausübung der unternehmerischen Funktion.“ Seine Definition ist damit weiter als die traditionelle, von Mises genutzte Definition, die Sozialismus als System bezeichnete, in dem Gemeineigentum an den Produktionsmitteln besteht. Statt Sozialismuskritik könnte man bei Huerta de Soto daher auch grundlegender von Etatismus- bzw. Staatskritik sprechen. Er zeigt, dass der Sozialismus auf einem schweren intellektuellen Fehler beruht, weil es der Zwangsbehörde theoretisch unmöglich ist, an die Informationen zu kommen, die sie benötigte, um die Gesellschaft zu koordinieren. Huerta de Soto rundet seine Sozialismuskritik mit einer Analyse weiterer theoretischer Konsequenzen des Sozialismus wie Korruption, Größenwahnsinn, moralische Degeneration oder technologische Stagnation ab. Ferner untersucht er die verschiedenen Spielarten des Sozialismus, oder besser Etatismus wie den sowjetischen, den demokratischen, den konservativen oder den syndikalistischen Sozialismus.

Den Großteil des Werks nimmt daraufhin die Debatte über die Möglichkeit der Wirtschaftsrechnung im Sozialismus ein. Huerta de Soto beschreibt die von Mises und später von Hayek vorgebrachten Argumente und lässt dann die Verteidiger des Sozialismus wie Oskar Lange oder Abba Lerner zu Wort kommen. Dabei geht er auf die verschiedenen Vorschläge ein, das Informationsproblem der zentralen Planungsbehörde zu lösen. Mises hatte darauf hingewiesen, dass es bei Gemeineigentum von Produktionsmitteln auch keine Marktpreise für diese Güter geben kann, sodass eine Wirtschaftsrechnung hinfällig wird. Die Verteidiger des Sozialismus hatten mit Vorschlägen, wie der Trial-and-Error Methode geantwortet, in denen Preise immer weiter angepasst werden, bis Überschüsse verschwinden. Oder sie hatten Vorgeschlagen den Managern im Sozialismus mehr Spielraum zu geben und einen Quasi-Wettbewerb zu entfachen. Auf Grundlage seiner theoretischen Ausarbeitungen kann Huerta de Soto nun zeigen, dass all diese Ersatzmittel nicht funktionieren. Der „Marktsozialismus“ ist eine unmögliche Quadratur des Kreises. Wer versucht einen Markt zu simulieren, hat nicht verstanden wie ein dynamischer Markt funktioniert und welche Art von Information im Wettbewerb geschaffen wird.

Es war in der Tat überfällig, dass dieses unabdingbare Standardwerk von Huerta de Soto endlich in deutscher Sprache zur Verfügung steht. Auch wenn der reale existierende Sozialismus in Europa Geschichte ist, floriert der Etatismus in der Praxis auch wegen der Finanzkrise, vor allem in Europa. Er kommt nur in anderem Gewand daher. Daher ist „Sozialismus“ ein Buch, das jedem an Wirtschaft und Politik Interessierte ans Herz gelegt ist.

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Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Zu seinen Forschungsschwerpunkten Geld- und Konjunkturtheorie veröffentlichte er in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Rewiew, American Journal of Economics and Sociology u.a.. Seine Arbeiten wurden ausgezeichnet mit dem O.P.Alford III Prize in Libertarian Scholarship, dem Sir John M. Templeton Fellowship und dem IREF Essay Preis. Er ist Autor eines Buches zum isländischen Finanzkollaps („Deep Freeze: Island’s Economics Collapse“ mit David Howden). Sein Buch „Die Tragödie des Euro“ erscheint in 12 Sprachen. Philipp Bagus ist ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”.

 

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