Was grüne Ideologien und Rassismus gemeinsam haben

13.7.2016 – von Jeffrey Tucker.

Jeffrey Tucker

Beim Recherchieren und Schreiben über die Geschichte der Eugenikbewegung fing ich an, gewisse Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen, die man vor hundert Jahren als Umweltschützer bezeichnete und Rassisten festzustellen.

Sie teilen die zutiefst illiberale Ansicht, ein weiser und allmächtiger Staat könne die Zukunft von Mensch und Natur am besten planen. Beide Gruppen gerieten bei der Vorstellung über Fortschritt ohne zentrale Planung in Panik, weil sie annahmen, er könne nur zu Degeneration, Rassenvermischung und Zerstörung führen. Sie träumten von einer Zukunft, in der nicht die „ungewaschenen“ Massen, sondern sie selbst darüber bestimmen würden, wie Ressourcen verwendet und wie die Menschen sich fortpflanzen würden.

Madison Grant rettet die Bäume und die weiße Rasse

Dank Informationen der Umweltschutzgruppe Mother Jones hat sich mein Verdacht bestätigt. In einem Essay auf ihrer Internetseite über Werk und Leben von Madison Grant (1865 – 1937) möchten sie die links-progressive Bewegung dazu bringen, sich ihrer eigenen rassistischen Vergangenheit zu stellen. Der schnauzbärtige Aristokrat Madison war der Held der Umweltschützer während der Ära der Progressiven. Er rettete die Mammutbäume Kaliforniens vor den Holzfällern. Er war der Guru hinter den ersten Nationalparks. Er setzte sich damals am stärksten dafür ein, Spezies vor der Ausrottung zu retten. Er war gutaussehend, weltgewandt, sehr gebildet und gut vernetzt, und „der größte Umweltschützer, der jemals gelebt hat“.

Grant schrieb auch ein Buch, das Adolf Hitler als „seine Bibel“ bezeichnete. Damit ist sein 1916 erschienenes Werk The Passing of the Great Race gemeint – damals jahrelang ein Beststeller, der bei allen angesagten Leuten auf dem Wohnzimmertisch lag, und vermutlich war es das krudeste, verrückteste und blutrünstigste, rassistische Schriftstück aller Zeiten; und es gibt viele Anwärter auf diesen Titel. Er trat für Rassentrennung, Ausschluss, Sterilisierung, Einwanderungsbeschränkungen, einen Sozialstaat (um Frauen vom Arbeiten abzuhalten), hohe Berufseintrittshürden (Mindestlöhne) und aggressive Zentralplanung ein.

The Passing ist wirklich schwer zu lesen. Sie werden mehr erfahren als Ihnen lieb ist über die Unterlegenheit aller Menschen außer denen, die wie Grant sind. Er wollte die Menschen vor der „Rassenvermischung“ warnen, die drohte, weil Juden, Italiener, Slaven, Afrikaner und alle anderen Gruppen außer derjenigen, die angeblich die Zivilisation erschaffen und großgemacht hatte, an Einfluss gewannen. Unkontrollierte Vermehrung wäre unser aller Ruin. Eingestreut sind üble ethnische Karikaturen mit dem Anschein von Wissenschaftlichkeit (der „polnische Jude, dessen Zwergengestalt, merkwürdige Art und rücksichtsloser Fokus auf die eigenen Interessen auf die ganze Nation abfärben…“).

Rassismus ist eine Ideologie

Wenn man einmal beginnt, diese Literatur zu lesen, die etwa zwischen 1880 und 1935 praktisch allgegenwärtig war, fängt man an zu verstehen. Das Wort „Rassismus“, das heute vollkommen inflationär verwendet wird, ist eine exakte Bezeichnung einer ganz bestimmten antiliberalen Ideologie. Es geht dabei nicht um schlechte Witze, Vorurteile oder sogar die Bevorzugung von Menschen der eigenen Rasse. Es handelt sich vielmehr um ein fest definiertes Weltbild, dass Rasse als die wichtigste treibende Kraft der Geschichte sieht, weit vor allem anderen. Diese Ideologie zeichnet ein albtraumhaftes Bild der willkürlichen Rassenvermischung als Folge sexueller Freizügigkeit. Sie bietet auch eine Utopie: eine großartige Nation, bevölkert ausschließlich von reinrassigen Menschen der höchsten Qualität. Sie ist antikapitalistisch, antiindividualistisch und zutiefst antiliberal. Und sie sieht den Staat als Retter.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt betrachtet sind Rassisten vollkommen irregeleitet. Sie sehen Unterschiede zwischen Menschen und gehen von unlösbaren Konflikten aus. Wenn sie sich mit dem beschäftigen würden, was Carlyle als „miserable Wissenschaft“ bezeichnete, würde sich ihnen ein positiveres Bild bieten: Arbeitsteilung, Handel und Assoziationsfreiheit führen dazu, dass die Menschen unabhängig von deren Rasse andere Menschen wertschätzen und ihre Würde erkennen, und sehen, dass es in jedermanns eigenem Interesse ist, zu respektieren, dass alle Menschen die gleichen Freiheiten haben. Deshalb hatte die Wirtschaftswelt im Laufe der Geschichte stets die Tendenz hin zu mehr Integration, Inklusion, Gleichheit und Liberalisierung. Deswegen wendet sich die Ideologie des Rassismus letztendlich auch immer gegen den Liberalismus.

Grants Staatstheorie fasst all das gut zusammen:

Die Menschheit erhob sich unter der Führung ausgewählter Individuen aus der Barbarei. Ihre persönlichen Fähigkeiten oder ihre Weisheit verliehen ihnen das Recht, zu führen und die Macht, Gehorsam einzufordern. Solche Anführer waren stets Ausnahmen, aber so lange die Tradition ihrer Vorherrschaft andauerte, waren sie in der Lage, die rohe Kraft der geistlosen Massen als ihre eigene einzusetzen und den blinden Trieben der Sklaven, Bauern oder niederen Schichten eine Richtung zu geben. Solch einem Despoten stand eine gewaltige Macht zur Verfügung, die er, Wohlwollen und Intelligenz seinerseits vorausgesetzt, zum Wohle der Rasse einsetzen konnte, und auch regelmäßig so einsetzte. Selbst diejenigen Herrscher, die diese Macht auf das übelste missbrauchten, gingen rücksichtslos gegen asoziale Elemente wie zum Beispiel Piraten, Briganten oder Anarchisten vor, die den Fortschritt der Gesellschaft hemmten, so wie eine Krankheit oder Verletzung ein Individuum hemmen.

Grant gibt hier die Ansichten von Thomas Carlyle wieder, dem Begründer des Faschismus, zusammen mit der Pseudowissenschaft der Rassenverbesserung, aus denen eine Weltsicht folgt, die der liberalen Tradition von Thomas Jefferson bis F.A. Hayek diametral gegenübersteht. Wird die Geschichte von mächtigen und genialen Zentralplanern bestimmt, oder vom dezentralen Zusammenspiel der persönlichen Entscheidungen vom Millionen individueller Akteure? Es steht außer Frage, wie Menschen wie Carlyle und Grant und die faschistische Tradition diese Frage beantworten. Ihrer Meinung nach ist eine ungeplante soziale Ordnung gleichbedeutend mit Chaos und künftigem Niedergang, vor dem sie nur starke Männer bewahren können.

Mammutbäume und Nordländer

Dank dem Mother Jones-Artikel bot sich mir die Gelegenheit, auch einige der Werke Grants zum Thema Umweltschutz zu lesen, über das er stets schrieb, vor und nach seinen Werken zum Thema Rasse. Dort ist derselbe Geist am Werk. Es geht um die Theorie einer Umwelt, in der die stärksten überleben (man denke an die majestätischen Mammutbäume der Redwood Parks) und die anderen untergehen. Was läuft nun falsch? Die Erfordernisse der Wirtschaft führen dazu, dass dumme Menschen das Ergebnis dieser Evolution zerstören. Es wird ein apokalyptisches Bild gezeichnet, sollte der Staat nicht eingreifen. Aber es gibt auch eine Lösung: der Staat muss alles besitzen und kontrollieren, geleitet von der starken Hand intelligenter Menschen wie ihm selbst.

Es ist wirklich bizarr. Man ersetze die mächtigen Mammutbäume durch die weiße Rasse, und man hat dieselbe Weltanschauung. Der Feind ist derselbe (zu viele minderwertige Menschen tun willkürliche Dinge in ihrem eigenen wirtschaftlichen Interesse). Es werden dieselben Ängste geschürt: Wir werden untergehen, wenn es so weiter geht. Und die Lösung ist ebenfalls dieselbe: Der Staat muss entschieden eingreifen.

Man muss Mother Jones für die Schlussfolgerung loben: „Es lohnt, daran zu erinnern, dass die Bewegung stets mit elitären und exklusiven Elementen in den eigenen Reihen zu kämpfen hatte.“

Aber es geht hier nicht um die finsteren Persönlichkeiten einiger der Monster aus der Zeit der Progressiven. Es geht auch nicht um persönliche Angriffe oder Bloßstellungen. Es geht um das Problem einer Weltsicht, die zutiefst antiliberal ist. Ob wir nun über die Reinheit der Rasse oder der Umwelt reden – Grünen, Braunen und Roten aller Richtungen gemein ist die Verachtung der Freiheit an sich.

Die Feinde der Freiheit nehmen vielerlei Gestalt an. Je eingehender man die Geschichte betrachtet, desto mehr verfließen die Gestalten ineinander. Wir neigen dazu, die verschiedenen autoritären Richtungen als untereinander verfeindet zu betrachten. Es kommt der Realität näher, wenn man sie als unvermeidliche Aufsplitterungen innerhalb derselben Bewegung betrachtet.

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Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne. Der Originalbeitrag mit dem Titel The Link between Extreme Environmentalism and Hard-Core Racism ist am 6.7.2016 auf der website der Foundation of Economic Education erschienen.

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Jeffrey Tucker ist verantwortlicher Director of Content für the Foundation for Economic Education and CLO des Startups Liberty.me. Er ist Autor von fünf Büchern und tausender Artikel. Er spricht regelmäßig beim FEE Sommer Seminar. Sein neustes Buch ist Bit by Bit: How P2P Is Freeing the World.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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