Ein Geldmonopol ist „unnatürlich“

25.5.2016 – von Patrick Barron.

Patrick Barron

Zwei Wege der Geldschöpfung

Der heutige Fiat-Dollar wird auf zwei Wegen erschaffen. Zum einen entsteht neues Geld, wenn die Zentralbank (die Fed) Vermögenswerte ankauft. Dieses Geld wird der Bank, die der Fed diesen Vermögenswert verkauft, als neue Überschussreserve, gehalten auf einem Konto bei der Fed, gutgeschrieben. Außerdem kann im Teilreservebanksystem aus diesen neuen Reserven durch multiple Geldschöpfung neues Geld entstehen – wie in einem Schneeballsystem. Wenn die Bank einen Kredit vergibt, erschafft sie eine Sichteinlage auf der Passiv-Seite und einen Kredit auf der Aktivseite. Historisch gesehen waren Banken die größten Geldproduzenten. Das lag am Hebeleffekt des Teilreservesystems.

Der Moment der Geldschöpfung

Die Fähigkeit zur Geldschöpfung der Banken hängt von der Macht der Zentralbank ab, Reserven zu erschaffen. Daher lässt sich sagen, dass die Macht der Banken zur Geldschöpfung eine sekundäre und abhängige Macht ist, obwohl die Auswirkungen auf die Geldmenge von großer Bedeutung sind. In dem Moment, in dem sich die Zentralbank entschließt, Reserven bereitzustellen, wird Geldschöpfung möglich. Selbst wenn die Banken bei der Neuvergabe von Krediten – wodurch neues Geld ensteht – zögerlich sind, kann die Zentralbank immer noch selbst durch das Injizieren von Reserven die Geldmenge erhöhen. Diese Macht ist nicht anders als das, was von den sogenannten „Greenbackern“ empfohlen wurde. Die Forderung der Greenbacker war: Das amerikanische Finanzministerium (Department of the Treasury) solle die Währung selbst drucken, wie es die Lincoln-Regierung im amerikanischen Bürgerkrieg tat. Wenn die Fed einen Vermögenstitel erwirbt, agiert sie tatsächlich genau wie ein „Greenback“-Drucker. Das Geld, mit dem sie die Vermögenstitel erwirbt, ist aus dem Nichts erschaffen worden.

Keynesianer stehen für die Erschaffung von Fiatgeld

Eine implizite Rechtfertigung für die fortlaufende Unterstützung einer Zentralbank oder eines Finanzministeriums, das Geld drucken kann, ist, dass es sich bei Geld um ein besonderes Gut handeln würde – dass also Geld nicht wie Weizen und Automobile ein Marktgut sei – und es bestimmte Umstände gäbe, in denen Gelddrucken angemessen sei. Es ist ein Grundsatz der keynesianischen Orthodoxie, dass es einen Kreditgeber letzter Instanz (Lender of last resort) gibt, um im Bedarfsfall eine deflationäre Todesspirale, also fallende Preise, aufzuhalten. Wer wünscht, dass irgendeine Behörde eine Fiatgeld-Druckerpresse besitzt, sei es das Finanzministerium oder die Zentralbank, ist also gewissermaßen ein Keynesianer, da er davon überzeugt sind, dass es bestimmte Umstände gibt, die eine Fiatgeld-Druckerpresse erfordern. Die einzigen Unterschiede zwischen ihm und einem Keynesianer sind die Ansichten darüber, was diese Umstände sind.

Selbst Fed-Ikonen druckten Geld

Viele von uns „Oldtimern“ sehnen sich nach Paul Volcker, Leiter der Fed von 1979 bis 1987, der sich weigerte, Geld zu drucken, und damit der extremen Inflation einen Pfahl durchs Herz rammte. Manche noch ältere „Oldtimer“ wie David Stockman sehnen sich nach William McChesney Martin, Leiter der Fed von 1951 bis 1970. Aber lassen Sie mich sagen, dass keiner dieser beiden mutigen Herren eine vollständige Kontrolle über die Reserven, die Bausteine des Fiatgeldes, behielt. Beide arbeiteten unter dem politischen Druck der Inflationierung. Martin hatte das Glück, Fed-Chef unter Präsident Dwight Eisenhower zu sein, einem Konservativen und Inflationsgegner. Aber nachdem Eisenhower 1960 das Amt verließ, geriet auch er erst durch Präsident Kennedy und dann durch Präsident Johnson unter Inflationsdruck. Am Ende von Martins langer Amtszeit begann der Ansturm auf die Goldreserven der Fed und nur ein Jahr später warf Präsident Nixon das Handtuch und verabschiedete sich vom letzten Rest des US-amerikanischen Goldstandards.

Die Moral von der Geschichte: Dem Druck zur Inflation kann niemand entkommen. Kein Mensch kann sich diesem politischen Druck entgegenstellen. Daher wurde aus der relativ kleinen Ausweitung der Reserven in der Martin- und der Volcker-Ära praktisch ein Helikoptergeld der nachfolgenden Fed-Leiter, die davon überzeugt waren, dass die Umstände fast immer zur Erschaffung neuer Reserven nötigen. Darüber hinaus behaupte ich, dass niemand dem politischen und gesellschaftlichen Druck, die Geldmengen zu inflationieren, Widerstand leisten kann. Offen bleibt nur die Frage des Ausmaßes.

Selbst die „richtigen“ Menschen brauchen keine Macht zur Geldschöpfung

Glücklicherweise muss man sich wegen der Tatsache, dass kein Mensch dem politischen Druck Widerstand leisten kann, keine Sorgen machen. Die Österreichische Schule der Nationalökonomie erklärt, dass Geld ein Produkt des Marktes ist. Märkte sind Einrichtungen, mittels derer auf kurzem Wege Millionen und vielleicht Milliarden individueller, anonymer Handlungen aufeinandertreffen. Geld ist das Gut oder die Güter, die am marktgängigsten sind und daher als Tauschmittel genutzt werden. Es gibt keinen Diskussionsspielraum und keinen Grund dafür, dass irgendjemand Märkte kontrollieren oder dirigieren sollte. Das trifft auch auf Geld zu. Wenn es also keinen Grund gibt, dass irgendjemand die Geldproduktion kontrolliert, warum tolerieren wir dann eine Institution, die verspricht, sich angemessen zu verhalten und nach vorbestimmten Regeln zu spielen? Selbst wenn wir denken würden, dass man die richtigen Leute für solche Positionen finden kann, warum sollten diese Positionen überhaupt existieren?

Es gibt keine logische Begründung für schlechtes Geld

Die österreichische Position, dass Gelddrucken immer unangebracht ist, ist ein aprioristischer und deduktiver Rückschluss, der nicht durch Beweise verifiziert werden muss und nicht durch Beweise falsifiziert werden kann. Sie basiert auf dem nicht widerlegbaren Axiom des menschlichen Handelns. Es ist daher unlogisch und ungerecht, eine Institution zu erschaffen, die nicht den Handelsgesetzen des Marktes unterliegt.

Fazit

Eine ersatzlose Abschaffung der gesetzlichen Zahlungsmittel – also der Gesetze, die die Bürger dazu zwingen, nur eine Währung innerhalb eines monopolisierten, politischen Gebietes zu nutzen – würde zum Gegenteil von Greshams Gesetz führen. Das gute Geld würde das schlechte Geld aus dem Markt drängen. Die Geldproduktion muss wieder Teil des Marktprozesses werden – das Geld muss die Ware sein, die vom Markt großflächig als indirektes Tauschmittel nachgefragt wird.

Es gibt keinen praxeologischen Grund, dass irgendeine Institution eine Monopolmacht über die Geldproduktion haben sollte; daher gibt es keinen Grund dafür, eine solche Institution zu erschaffen, und auch keinen Grund, Gesetze zu verabschieden, die eine solche Institution von der Geldproduktion abhalten sollen. Das ist logisch absurd. Der Markt selbst und ganz normale Handelsgesetze werden sicherstellen, dass sich die besten Geldalternativen durchsetzen.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg.

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Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die “Österreichische Schule der Nationalökonomie” an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

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