Das Problem ist der Boom, nicht der Bust

4.4.2016 – von C. Jay Engel.

C. Jay Engel

Das Ende der monetären Manipulationen ist nahe. Seit 2008 taten die Zentralbanken alles, was sie für nötig hielten, um die Märkte wieder von den schmerzhaften Folgen des Crashs zu befreien. Das Problem dabei ist nur, dass Keynesianer und Monetaristen hohe Kurse an den Aktienmärkten als das Ziel ihrer „Politik“ ansahen und prosperierende Vermögenswerte mit Wirtschaftswachstum verwechselten.

Der Feind des Wohlstandes ist aus Sicht der globalen, wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger der Wunsch von Konsumenten zu sparen und dass Unternehmen von Investitionen absehen, selbst wenn dies nur für kurze Zeit der Fall sein sollte. Daher war die „Lösung“ dieser Leute genau jenes Gift, welches die westliche Welt erst krank werden ließ: mehr Kredite, sinkende Zinsen und das Anheizen der „Konsumentennachfrage“.

Die vorherrschende Meinung zerfällt

Aber die „lockere“ Geldpolitik hat lediglich zu einer hochverschuldeten Wirtschaft und zu einer Blase geführt, die sich immer deutlicher als eine komplette Farce offenbart. Die Rückgänge an den Börsen im Januar dieses Jahres gaben einen Vorgeschmack, der die Investoren daran erinnerte, dass etwas, das künstlich hochgehalten wird, nicht für immer hochgehalten werden kann. Selbst wenn die Geldpolitik mit aller Macht negativen Zinsen entgegenstrebt, kann eine solche Geldpolitik nicht das Wundermittel sein, das eine bessere wirtschaftliche Grundlage schafft. Österreichische Ökonomen wissen das seit langem. Der ökonomische Mainstream beginnt erst damit, dies öffentlich einzugestehen.

Der Mythos von der Sparschwemme

Die richtigen Schlüsse haben jedoch weder wirtschaftspolitische Entscheidungsträger noch Finanzexperten gezogen. Vielmehr sind die gefährlichsten ökonomischen Trugschlüsse noch immer die Grundlage ihrer finanzökonomischen Weltanschauung. So zum Beispiel die immer gleiche Thematik, dass es ein „Überangebot an Ersparnissen“ gebe und die Behauptung, eine geringe Konsumentennachfrage sei das Haupthindernis für eine wirtschaftliche Erholung. Martin Wolf schreibt in der Financial Times:

Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich dauerhaft. Die OECD schätzt, dass das Wachstum der Weltproduktion im Jahr 2016 „nicht höher sein wird als 2015, als ohnehin schon die niedrigste Wachstumsrate der letzten fünf Jahre zu verzeichnen war“. Dahinter steckt eine einfache Tatsache: Die globale Sparschwemme (savings glut) – die Tendenz von gewünschten Ersparnissen stärker zu steigen als gewünschte Investitionen – wächst und das „chronische Nachfragedefizit-Syndrom“ verschlimmert sich.

Die richtige ökonomische Denkweise aber gibt weder Ersparnissen die Schuld für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, noch verlangt sie nach einem künstlichen Staatseingriff, um die Menschen zum Konsumieren und „Investieren“ zu verleiten. Vielmehr gilt es bei den derzeitigen wirtschaftlichen Gegebenheiten die Sparer zu rühmen, nicht, sie zu tadeln. Ist doch gerade der Konsumverzicht das einzige Mittel, mit dem Fehlinvestitionen rasch liquidiert werden können.

Für Österreichische Gelehrte ist das Platzen der Blase – und die Blase platzt, wenn Menschen ihr „Geld horten“ und nicht mehr bereit sind, überteuerte Vermögenswerte zu kaufen – die Vorbedingung für zukünftiges Wirtschaftswachstum. Nicht das Platzen der Blase, sondern die Blase selbst ist das Problem. Während der Zeit der Blase kommt es zu Fehlinvestitionen und aufgrund der künstlichen Geldmengenausweitung entsteht ein Ungleichgewicht zwischen den Zeitpräferenzen der Konsumenten und der Ressourcenallokation. Es ist die Verfälschung des Zinssatzes, die Investitionen in Bereichen befeuert, die die Volkswirtschaft insgesamt überfordern.

Auch wenn die Blase kurzfristig Wohlstand und rosige Zeiten verspricht, legt sie in Wirklichkeit den Keim für zukünftige Zerstörungen. Dieser Teil des Konjunkturzyklus‘ ist es, der zerstörerisch ist und zur Verarmung führt. Der Abschwung ist lediglich die notwendig gewordene Anpassung, die der Gesellschaft die wunderbare Möglichkeit einräumt, alles „von neuem zu starten“ und es dieses Mal richtig anzugehen. Unglücklicherweise ist es nie dazu gekommen, die Dinge richtig anzugehen, weil die Wirtschaftslenker in unserem unfreien Marktsystem den Abschwung mehr fürchten als den Aufschwung. Sie verstehen alles genau falsch herum!

Wie das Sparen die Probleme der Blasenbildung kuriert

Der sogenannten „globalen Sparschwemme“ fällt also unter ökonomischen Gesichtspunkten die Rolle zu, die Preise von Kapitalvermögen auf ihr eigentliches Niveau zu befördern. Zugegebenermaßen ist die Weigerung, an der Blase zu partizipieren, schädlich für die weltweit überbewerteten Börsenkurse. Was der Mainstream aber nicht versteht: Überbewertete Börsenkurse sind ein Resultat einer tieferliegenden, systemischen Zersetzung. Die während eines Kollapses erfahrenen Schmerzen werden sicherlich eine ganze Generation von unvorbereiteten Rentnern schwer treffen; besonders jene Rentner, deren Rentenniveaus kurz- und mittelfristig stark von Kursentwicklungen an den Börsen abhängen.

Aber wenn die Wirtschaft jemals die Kruste sämtlicher von Zentralbanken herbeigeführten Fehlinvestitionen abstreifen will, wenn die Wirtschaft sich jemals in Richtung einer soliden und nachhaltigen Grundlage von Kapitalakkumulation bewegen soll, wenn zukünftige Generationen in einer echten florierenden Welt leben sollen, dann ist dieser Schmerz unumgänglich. Märkte künstlich am Leben zu halten und Konsum und Fehlinvestitionen zu befördern, wird der Todesstoß für die westliche Zivilisation sein. Nur kurzfristige, schmerzhafte Mühen erlauben langfristiges Wachstum. Wirtschaftliche Ersparnisse sind das Heilmittel und sollten daher mit offenen Armen begrüßt werden.

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Aus dem Englischen übersetzt von Arno Stöcker. Der Originalbeitrag mit dem Titel We Need the Pain that Comes with More Saving ist am 16.3.2016 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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C. Jay Engel ist Anlageberater bei „The Sullivan Group“, einer unabhängigen Vermögensverwaltung in Nordkalifornien, die sich an der Österreichischen Schule orientiert. Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Vermögenssicherung in einer Ära einer gaunerhaften Zentralbankwesens. Er ist ein begeisterter Leser österreichisch-libertären Literatur und ein engagierter Verfechter von Privateigentum und gutem Geld.

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