Freie Märkte helfen den Menschen aus der Armut

15.1.2016 – von Ryan McMaken.

Ryan McMaken

Kürzlich gab die Weltbank bekannt, die Welt habe einen neuen Meilenstein erreicht. Die extreme Armut, erklärte die Bank, wird im Jahr 2015 voraussichtlich weniger als 10% weltweit betragen.

Extreme Armut, wie von der Weltbank definiert, ist eine Situation, in der jemand von weniger als $ 1,90 pro Tag lebt. Oder anders ausgedrückt, wir reden hier von echter aufreibender Armut, und nicht von einem Lebensstil an der Armutsgrenze im Westen, wo die Bedürftigen Handys und Klimaanlagen besitzen. Mit anderen Worten, dieses Armutsmaß ist kein relatives Maß, wie es oft von der UNO benutzt wird, zum Beispiel in ihren Berichten zur Kinderarmut.

Zitat der Weltbank:

Die Weltbank prognostiziert, dass sich die Zahl der Menschen, die in globaler Armut lebt, von 902 Millionen Menschen oder 12,8% der globalen Bevölkerung im Jahr 2012 auf 702 Millionen Menschen oder 9,6% der globalen Bevölkerung im Jahr 2015 reduziert haben wird.

Ein Rückgang von extremer Armut ist natürlich eine gute Sache, aber die Frage, die man sich stellen muss, lautet, warum das Niveau der extremen Armut zurückgegangen ist. Die Weltbank behauptet, der Rückgang sei aufgrund der hohen Wachstumsraten vergangener Jahre in den Entwicklungsländern sowie aufgrund von Investitionen in die Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsysteme, die einen Rückfall der Menschen in die Armut verhinderten, zustande gekommen.

Dieser Rückschluss ist soweit richtig. Naturgemäß wird das Einkommen einer Gruppe erhöht, wenn diese Transferzahlungen von einer anderen Gruppe erhält; zumindest auf kurze Sicht. Des Weiteren sind erhöhte Investitionen in Bildung und Gesundheit eine gute Sache. (Es ist schwer zu sagen, ob mit „Investitionen“ reale Privatinvestitionen oder einfach nur Staatsausgaben gemeint sind.)

Allerdings bleibt die Tatsache bestehen, dass, bevor Wohlstand umverteilt werden kann, dieser zuvor von jemand anderem erzeugt werden muss, und zwar unabhängig davon, was jemand von sozialen Netzen oder Staatsausgaben hält. Eine Gesellschaft, die nicht in der Lage ist, die Arbeitsproduktivität durch Ersparnisse und Kapitalakkumulation zu erhöhen, erwirtschaftet keine neuen Überschüsse zum Verteilen. Wir können den Wohlstand umverteilen, wie wir wollen, aber wenn zuvor nicht wenigstens ein paar Arbeiter und Unternehmer wirklichen Wohlstand erzeugt haben, wird am Ende lediglich die Armut umverteilt.

Wem ist also der gerade stattfindende Rückgang der schlimmsten Form von Armut zu verdanken?

Um ein besseres Gefühl für die Ursachen der zurückgehenden Armut zu bekommen, sollten wir uns zuerst anschauen, wo in der Welt extreme Armut immer noch vorherrscht.

Zunächst gilt festzuhalten, dass die reichsten Länder dieser Welt die extreme Armut bereits überwunden haben. Es gibt keine Menschen in den USA, Kanada, Australien oder Westeuropa, die von $ 1,90 pro Tag leben müssen. In diesen Ländern gibt es keine nennenswerte Anzahl an Menschen, die in Lehmhütten hausen, kilometerweit gehen müssen, um in den Genuss von Trinkwasser zu kommen und keinen Zugang zu einem modernen Gesundheitssystem haben. Selbst in Osteuropa, wo bis in die 90er Jahre Sozialismus sowjetischen Stiles vorherrschte, findet man kaum Gesellschaften, in denen mehr als 1% der Bevölkerung in extremer Armut lebt.

Wir müssen uns also Lateinamerika, Asien und Afrika zuwenden, um Bevölkerungen zu finden, die nach wie vor in extremer Armut leben.

Sämtliche Daten stammen von der Weltbank und umfassen einen Zeithorizont von 20 Jahren, angefangen von 1992 bis ins Jahr 2012, dem Jahr mit den letzten öffentlich verfügbaren Daten. In dieser Periode ist die extreme Armut weltweit von 34,7% auf 12,7% zurückgegangen.

Lateinamerika ist die am wenigsten arme Region außerhalb des wohlhabenden Westens und Osteuropas. Die größten Länder Lateinamerikas hatten in den letzten 20 Jahren allesamt sehr viel niedrigere Armutsniveaus im Vergleich zum weltweiten Armutsniveau.

Die Armut in Lateinamerika ist nicht nur geringer als der weltweite Durchschnitt, sondern hat sich in 20 Jahren auch wesentlich verringert. Während dieser Zeit ist die extreme Armut in Mexiko von 9,7% auf 2,7% zurückgegangen. In Brasilien ist sie sogar von 20,8% auf 4,9% gefallen. In Kolumbien war der Rückgang zwar geringer, aber immerhin reduzierte sich die extreme Armut dort von 8% auf 6% und liegt somit nach wie vor im Trend.

In Asien sind die Verhältnisse um einiges schlimmer, da man dort nach wie vor extreme Armutsraten jenseits der 40% finden kann. Nichtsdestotrotz kann auch in diesen Fällen eine profunde Verbesserung während der letzten 20 Jahre festgestellt werden. In China, zum Beispiel, ist die extreme Armut von 57% auf 11% zurückgegangen. In Indonesien ist die Rate ebenfalls von 57% auf 15% gefallen. Den geringsten Fortschritt gab es in Bangladesch, aber selbst dort hat sich die extreme Armut um fast 30 Prozentpunkte, von 72% auf 43%, reduziert.

Die schlimmste Situation findet man jedoch in Afrika, wo höhere Armutsraten vorherrschen und am wenigsten Fortschritt beobachtet werden kann.

In den größten Ländern Afrikas ist ein großer Teil der Bevölkerung nach wie vor von extremer Armut betroffen, obwohl in Äthiopien und Südafrika signifikante Verbesserungen verzeichnet werden konnten. In Äthiopien ist zwischen 1992 bis 2012 die extreme Armut von 67% auf 33% zurückgegangen und in Südafrika ist sie von 32% auf 17% gefallen.

Warum also gibt es diese unterschiedlichen Entwicklungen zwischen Regionen und Ländern?

Wenn die Weltbank behauptet, dass sich die Armut aufgrund sozialer Netze und Investitionen in Gesundheit und Bildung reduziert, müssen wir uns fragen, wie eine Bevölkerung genug Überschüsse erwirtschaftet, um sich solche Systeme leisten zu können.

Die Antwort lautet: erhöhte Partizipation am Handel, mehr produktive Arbeit und unternehmerische Tätigkeit. Darüber hinaus ist ein verlässliches Rechtssystem, das die Eigentumsrechte schützt, von existenzieller Bedeutung.

Die Antwort liegt also in erhöhter Freiheit und Sicherheit für die Marktakteure.

In  den entwickelten Ländern zum Beispiel, wo es keine extreme Armut mehr gibt, dominiert die Marktwirtschaft. Dies gilt ebenfalls für die angeblich “sozialistischen” Länder Schweden und Dänemark.

Tatsächlich ist Europa, wenn man Nordeuropa innerhalb eines breiteren, globalen Kontextes betrachtet, zumindest durch teilweise freie Märke charakterisiert. Eine Marktwirtschaft zu haben, wird dort als etwas Positives gesehen. Das zeigte sich beispielsweise kürzlich, als sich der dänische Premierminister darüber beschwerte, dass Bernie Sanders Dänemark ein sozialistisches Land nannte. Dänemark, so der Premier, sei „weit davon entfernt, eine sozialistische Planwirtschaft zu sein. Dänemark ist eine Marktwirtschaft“.

Im Großen und Ganzen liegt er damit richtig. Dänemark teilt kaum Gemeinsamkeiten mit einer Planwirtschaft, die Mitte des 20. Jahrhunderts in großen Teilen der Welt Popularität genoss. Und es ist die relative Offenheit Dänemarks hinsichtlich Handel und Unternehmertum, die es reich gemacht hat.

Das Land könnte sicher reicher sein, gäbe es da nicht eine Vielzahl an staatlichen Regulierungen und Umverteilungspolitiken, aber wenn wir den globalen Kontext mit einbeziehen, fällt es nicht schwer, nachzuvollziehen, warum Dänemark doch so viel reicher ist als beispielsweise Indien, das bis in die 90er Jahre unter extremen regulatorischen Bürden litt. Indien versucht immer noch, zu Dänemark aufzuschließen und wird dafür noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte benötigen.

Lateinamerika seinerseits konnte aufgrund der Annahme der Marktwirtschaft die Armut deutlich reduzieren. Chile ist eine enorme Erfolgsgeschichte und, falls es seinen relativ marktfreundlichen Pfad beibehält, auf dem Weg, eines der weltweit reichsten Länder der nächsten Generation zu werden. Obwohl ärmer als Chile, ist Mexiko ebenfalls ein gutes Beispiel für Erfolg, da die dortige Entstehung einer Mittelschicht während den letzten 20 Jahren Zeichen eines steten Engagements ist, den dominierenden Einfluss des Staates über die Wirtschaft langsam zurückzudrängen. Menschen, die Lateinamerika nach wie vor als “Dritte Welt” bezeichnen, leben also längst hinter’m Mond.

Und natürlich partizipieren Mexiko und Chile, sowie andere lateinamerikanische Staaten, in denen die extreme Armut verschwindet, bereits länger als die meisten Regionen der Welt von der globalisierten Wirtschaft.

Trotz all der Höhen und Tiefen, der Booms und Pleiten: Lateinamerika bewegte sich bereits seit dem 19. Jahrhundert auf die Marktwirtschaft zu. Das kann von Asien und Afrika nicht behauptet werden. Lange Zeit dominierte dort der Marxismus auf der einen und ein ausbeuterisch, kolonialistischer Merkantilismus auf der anderen Seite. Selbst in den vergangen 20 Jahren haben Afrikanische Länder wenig dafür getan, um die wirtschaftlichen Bedingungen zu verbessern. Geplagt von Krieg, Korruption und Ideologien, die privates Eigentum verachten, wie z.B. der Islamismus und der Marxismus, leidet Afrika bis heute unter einer alles dominierenden Armut.

Währenddessen zeichnet sich in Asien ein anderes Bild ab, da China, Indien und Südostasien sich verstärkt zu offeneren Wirtschaften entwickeln und die größeren Länder, mit Ausnahme Bangladeschs, ihre extremen Armutsraten in den letzten 20 Jahren mehr als halbieren konnten.

China hat sich ja bekanntlich bereits in den 80er Jahren einer offeneren Wirtschaft verschrieben, gefolgt von Indien, das sich dann in den 90er Jahren von der “Lizenzwirtschaft” befreien konnte.

Um die Ausbreitung der Marktwirtschaft zu beweisen, genügt es, einen Blick auf die Lawine an linksgerichteten Publikationen zu werfen, die allesamt den Siegeszug des „Neoliberalismus“ anprangern.

Wir Advokaten des Laissez-faire sind jedoch keine Anhänger des Neoliberalismus, weil sich Neoliberale nur zu gerne mit Korporatismus, Subventionsprogrammen und dem “Dritten Weg” arrangieren und so dem Staat eine zu starke Kontrolle über zu viele Bereiche der Wirtschaft einräumen.

Aber das Problem des Neoliberalismus ist nicht sein “Liberalismus”, wie Kapitalismuskritiker gerne behaupten, sondern vielmehr sein „Neo“.

Und obwohl Neoliberalismus die Übel einer staatlich kontrollierten Wirtschaft zementiert, bleibt die Tatsache bestehen, dass – bezogen auf die Armutsbekämpfung – ein wenig Liberalismus immer noch besser ist als gar kein Liberalismus.

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Aus dem Englischen übersetzt von Mathias Nuding. Der Originalbeitrag mit dem Titel Extreme Poverty Worldwide Has Plummeted as Market Economics Has Spread ist am 2.12.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der University of Colorado.

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