Schafft die Zentralbanken ab

29.4.2015 – „Monetäre Reform: Ein besseres Finanzsystem für Island“ – eine Kritik

von Patrick Barron.

Patrick Barron

Islands Premierminister beauftragte kürzlich Frosti Sigurjonsson (nachfolgend „Herr S.“ genannt) mit einer Studie zur Empfehlung eines besseren Geld- und Bankensystems für Island. Der gerade veröffentlichte Bericht rekapituliert die traurige Geschichte des Geld- und Bankendisasters in Island und identifiziert als Hauptschuldigen die Institution des ungedeckten Papiergelds, das eine unkontrollierte Aufblähung des Geldangebots ermöglichte. Herr S. empfiehlt dessen Abschaffung. Applaus dafür und ich hoffe, dass der Premierminister diese Empfehlung akzeptiert und die Legislative Islands drängt, entsprechend zu handeln.

Meine Unterstützung der wichtigsten Empfehlung der Studie bedeutet nicht, dass Herr S. m.E. Geld- und Bankwesen wirklich im österreichischen Sinne versteht. Nichts desto weniger stellt seine Empfehlung bei aller Begrenztheit einen riesigen Schritt in die richtige Richtung dar. In diesem Sinne ist sie mit meinen auf der Mises Kanada Konferenz „Preise und Märkte“ vorgebrachten Empfehlungen völlig vereinbar, die für eine Abschaffung der ungedeckten Papiergeldwährung, die Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäften und für eine Ende der Einlagensicherung plädierten. Herr S. befürwortet dasselbe für Island.

Herr S. liegt völlig richtig mit seiner Einschätzung, dass die Zentralbank in den Jahren bis 2008 die Kontrolle über das Geldangebot verlor, während die Banken ihre Überschussreserven für Kreditvergaben nutzten und so neue Bankeinlagen quasi aus der Luft kreierten. Es klingt allerdings sehr nach Zentralbankern der Weimarer Republik oder aus Zimbabwe, wenn er feststellt, dass die Zentralbank Islands (CBI) verpflichtet war, „die Banken mit Reserven zu versorgen, um nicht die Kontrolle über die Zinsen zu verlieren oder gar eine Liquiditätskrise unter den Banken zu verursachen.“ Er wirft den Banken vor, Kredite für spekulative statt für werthaltige Zwecke vergeben zu haben, wobei er sich hinsichtlich dieses wirkungsvollen ökonomischen Hebels in den Händen der Regierung keine Sorgen macht. Er vertraut darauf, dass eine Zentralbank die Geldmenge ausweiten oder einschränken würde, ganz zum Vorteil der Gesellschaft und dass die Regierung neues Geld nur zum Nutzen der Nation ausgibt. Donnerwetter!

Ein derartiges monetäres Regime entspräche weitgehend dem der USA während des Bürgerkrieges (1861 – 1865), als der Norden ungedecktes Papiergeld einführte. Bei den „Greenbacks“ – so genannt,  weil sie auf einer Seite grün waren – handelte es sich um reines, uneinlösbares Papiergeld, das vom Finanzminister emittiert wurde. Zu dieser Zeit gab es in den USA noch keine Zentralbank, dank der  Weitsicht und des Mutes von Präsident Andrew Jackson, der eine Erneuerung des Gesetzes über die „Second Bank der Vereinigten Staaten“ im Jahr 1837 zu verhindern wusste. Nach dem Sieg des Nordens im Bürgerkrieg, löste er die Greenbacks letztlich doch in Gold ein. Die Lehre liegt auf der Hand – einer der Hauptgründe, warum Regierungen Geld entwerten, besteht im Kriegführen. Der Norden sah sich außerstande, den Krieg durch Steuern oder vertrauenswürdige Schuldtitel zu finanzieren, weshalb er zur Konfiszierung per Geldpresse griff. Sind Islands Führer etwa anders? Sie mögen keinen Krieg anstreben, aber immerhin verwickelten sie sich in den 1950ern und 1970ern wegen Streitigkeiten über Fischfangrechte mit Großbritannien in Muskelspiele der jeweiligen Marinen, den sogenannten Kabeljaukriegen. Man weiß also nie…

Herr S. lebt in der Vorstellung, eine Regierung benötigte die Möglichkeit, neues Geld einzuführen, um den Bedürfnissen einer wachsenden Wirtschaft gerecht zu werden, und dass die Zentralbank wie auch die Regierung diese Macht nur zum Wohle der Nation und nicht zu privaten Zwecken einsetzen. Auf jeden Fall, so glaubt er, müsse die Geldmenge wachsen, um ein Expandieren der Wirtschaft zu ermöglichen. In dieser Hinsicht handelt es ich bei Herrn S. um einen Anhänger Friedmans durch und durch, ohne das nötige Verständnis von den negativen Auswirkungen eines auch nur geringen Geldmengenwachstums auf die Produktionsstruktur. Ganz im Gegenteil erachtet er eine Ausweitung der Geldmenge als Voraussetzung für Wirtschaftswachstum und ist voll Vertrauen, dass die Regierung neu geschaffenes Geld ausschließlich für diesen Zweck ausgibt. Offensichtlich hat er entweder noch nie etwas von der „Public-Choice-Theorie“ gehört oder er teilt deren Thesen nicht.  Wer kann heute noch ernsthaft glauben, dass Regierungen, die sich schließlich aus den fehlbarsten Personen der Gesellschaft zusammensetzen, erstens in ihren Ausgabeentscheidungen völlig altruistisch agieren und zweitens überhaupt wissen, was am besten ist? Ich verweise Herrn S. auf die hervorragende Nobelpreisrede von F.A. Hayek, in der er seine Theorie des eingebildeten Wissens klar darstellt.

Herr S. beschließt seine Vorschläge mit einem Plädoyer für ein sogenanntes „souveränes Geldsystem“.  Man erkennt sofort, dass er kein Vertreter der österreichischen Schule ist, wenn er feststellt: „Die CBI wird genügend Geld bereitstellen, um nicht-inflationäres Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.“ Er möchte die Geldschöpfung von der Geldallokation trennen. Eine Kommission für Geldschöpfung würde entscheiden, wie viel Geld zu schöpfen wäre, während beim Parlament die Entscheidung über das Wofür läge. Das neue Geld sollte fünf Zwecken dienen: Die Finanzierung neuer Regierungsausgaben, Senkung der Steuern, Rückzahlung der Staatsschuld, Bereitstellung eines Bonus für Bürger, vermehrte Kredite an Unternehmen. Das Geld basierte nicht auf Schulden, vielmehr handelte es sich um einen aus freiem Willen geschaffenen souveränen Vermögenstitel.

Dieser Vorschlag beendet die Fähigkeit der Banken zur Geldmengenausweitung im Rahmen von Kreditvergaben. So weit so gut. Dies aber nur, um diese Macht auf die Regierung zu übertragen. Es erlaubt der Regierung, auszugeben, was immer sie möchte, solange die Geldschöpfungskommission mitmacht und Falschgeld in gewünschter Menge druckt. Die Regierung brauchte keine Steuererhöhungen und keine Ausgabe neuer  Schuldtitel. Halleluja! Der Traum eines jeden Geldfälschers. Ebenso ein typischer Traum von Regierungen. Irgendwie habe ich geringes Vertrauen darauf, dass die Kommission für Geldschöpfung nicht dem folgt, was immer das Parlament an Ausgabewünschen vorbringt. Das wäre ein sicherer Weg in die Hyperinflation.

Wie dem auch sei, Island wird hoffentlich den Teil der Vorschläge von Herrn S. umsetzen, der von Banken eine 100-prozentige Reservepflicht auf Sichteinlagen verlangt. Darüber hinaus beseitigte eine Trennung von Einlagen- und Kreditgeschäften die Notwendigkeit einer Einlagensicherung. Vielleicht üben Islands Zentralbank und Regierung ihre Möglichkeiten zum Gelddrucken ja lange genug verantwortungsvoll aus, um den Rest der Welt von den Vorteilen einer Abschaffung eines ungedeckten Papiergeldsystems und eines Übergangs zu einem Geldwesen mit 100-prozentiger Reservepflicht zu überzeugen.

Danach können wir den nächsten Kampfplatz eröffnen – den Zentralbanken eine Geldangebotsausweitung zu verbieten und schließlich die Währung an ein Warengeld mit gesetzlich festgelegter Einlösepflicht zu binden. Ist das erreicht, kann bei Abschaffung der Zentralbanken die Geldproduktion vollständig in private Hände gelegt werden.

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Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Bernhard Pieper. 

Foto Startseite: © dima_pics – Fotolia.com

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Patrick Barron ist selbständiger Berater im Finanzwesen. Er lehrt an der Graduate School of Banking an der Universität Wisconsin, Madison. Außerdem unterrichtet er die “Österreichische Schule der Nationalökonomie” an der Universität Iowa, Iowa City. Seine Website ist: http://patrickbarron.blogspot.de/

 

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