Warum bestraft die Fed meine Eltern?

10.4.2015 – von Shawn Ritenour.

Shawn Ritenour

Im September 1993 versicherte Präsident Bill Clinton den Hörern seiner Radioansprache: „Wer hart arbeitet und sich an die Regeln hält, wird mit einem guten Leben belohnt, sowie mit besseren Chancen für seine Kinder.“ Achtzehn Jahre später nahm Präsident Barak Obama dieses Thema wieder auf, indem er versprach, dass “Amerikaner, die hart arbeiten und sich jeden Tag an die Regeln halten, eine Regierung und ein Finanzsystem verdienen, die dasselbe tun.“ Leider besteht das Problem gerade darin, dass weder die Regierung noch das durch die Fed gestützte Finanzsystem Leute wie meine Eltern belohnen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben und sich dabei an die Regeln hielten, um nun zu sehen, wie ihre Ersparnisse dahinschwinden.

Ganz in Gegenteil arbeitet die Federal Reserve (Fed) zusammen mit den sie unterstützenden Intellektuellen permanent daran, das Leben der Leute schwieriger zu machen und ihnen Angst genau davor einzujagen, was Einkäufer täglich suchen – niedrigere Preise. Deflation, so ihre Warnung, sei für die Wirtschaft desaströs. Sie befürchten, dass niedrigere Preise die Gewinne schwinden lassen mit Werksschließungen und Entlassungen als Folge und dass für die Menschen die Bedienung ihrer Schulden schwieriger wird.

Allerdings belegen sowohl solide ökonomische Theorie wie auch die Geschichte, dass das Gemeinwesen sich vor sinkenden Preisen nicht zu fürchten braucht. Sinken die Preise aufgrund gestiegener Produktivität, ist dies uneingeschränkt positiv zu bewerten. Sofern die Preise zurückgehen, weil die Menschen weniger ausgeben, besteht offensichtlich ein Bedürfnis nach höherer Kassenhaltung. Der Preisrückgang hilft, diese Wünsche zu verwirklichen und genau darin besteht ja der Zweck aller ökonomischer Aktivitäten.

Niedrigere Preise und Löhnen können die Rückzahlung von nominal fixierten Schulden erschweren. Dies wirkt allerdings als hervorragender Anreiz, Schuldenaufnahme möglichst zu vermeiden, so wie es meine Eltern unter großer Opferbereitschaft praktizierten. Bevor nun weiteres Geld gedruckt wird zur Abwendung fallender Preise, sollte man zumindest die ethischen Konsequenzen derartiger Maßnahmen in Betracht ziehen.

Viele Männer der Generation meines Vaters ähneln durchaus John Adams, der einst seiner Frau schrieb, dass er „Politik und Krieg studieren muss, damit unseren Söhnen die Freiheit erwächst, Mathematik und Philosophie zu studieren.“ Mein Vater sorgte für seine Familie, indem er in einem Betrieb für Fleischverpackung zwanzig Jahre lang hart arbeitete bis er und seine Arbeitskollegen ihre Anstellung verloren durch überzogene Lohnforderungen der Gewerkschaft. Als seine Fabrik Mitte der 80er Jahre geschlossen wurde, startete er eine zweite erfolgreiche Karriere, indem er zusammen mit meiner Mutter über zwanzig Jahre lang ein Barbecue-Geschäft betrieb. Ich erlebte aus erster Hand, wie sie vor der Herausforderung standen, bei hoher Qualität die Kosten niedrig zu halten und bei ständig unsicherer Nachfrage erstklassiges Grillfleisch und Sandwiches herzustellen. Ich erinnere mich noch gut an den Stress im Gesicht meiner Mutter in der ersten Zeit, als nach einer Woche mal bloß 15 $ übrig blieben; und das vor Steuern. Mein Vater „studierte“ also Fleischverpacken und Barbecue zumindest teilweise, damit ich aufs College gehen und Ökonom und College-Professor werden konnte.

Darüber hinaus besaßen meine Eltern die Weitsicht und die Charakterfestigkeit, den nötigen Verzicht zu üben, um schuldenfrei zu bleiben. Sie entsprachen regelrecht Paul Krugmans schlimmsten Alptraum – eine Familie, die entschlossen war, nicht über ihre Verhältnisse zu leben. Mittlerweile im Ruhestand, versuchen sie wie viele ihrer Generation, das Beste aus einem Leben bei einem fast fixen Einkommen zu machen. Da sie schuldenfrei sind, war ihnen bisher ein Leben ohne nennenswerte Nöte möglich. Die Inflationspolitik der Fed macht ihnen das Leben aber zunehmend schwierig, weil die permanente Inflation tagtäglich etwas an ihrer Lebensgrundlage nagt. So stieg der Konsumentenpreisindex seit 2009 um über 9%. Dieser Wert verschleiert aber erheblich größere Preissteigerungen bei relevanten Lebensnotwendigkeiten. Molkereiprodukte verteuerten sich seit 2009 um fast 17%, Benzin ist trotz des jüngsten Preisrückgangs immer noch 11% teurer. Die Preise für Fleischprodukte, Fisch und Eier stiegen seit 2009 gar um sage und schreibe 26%. Höhere Preise helfen Menschen wie meinen Eltern nun überhaupt nicht. Sie wirken eher wie Diebstahl, der ihnen Vermögen wegschnappt durch Minderung ihrer Kaufkraft. Sie erhoffen sich eine Wertsteigerung ihrer Ersparnisse. Weit davon entfernt niedrigere Preise als Ursache für wirtschaftliche Not zu fürchten, erkennen sie diese als Segen.

Sowohl solide Ökonomik als auch ethische Argumente verlangen deshalb, dass wir die Anti-Deflationsrhetorik sowie die dadurch befeuerte Inflation beenden. Denn es ist mit Nächstenliebe unvereinbar, die Herzen der Massen zu verängstigen, um sie für immer weiter steigende Preise weich zu klopfen. Die Federal Reserve sollte aufhören, Menschen wie meine Eltern, die ihr ganzes Leben hart gearbeitet und sich an die Regeln gehalten haben, zu bestrafen. Was haben sie Leuten wie Greenspan, Bernanke und Yellen denn eigentlich angetan?

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Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Bernhard Pieper. Der Originalbeitrag mit dem Titel Why Is the Fed Punishing My Parents? ist am 30.3.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Foto-Startseite: © adamparent – Fotolia.com

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Shawn Ritenour lehrt Ökonomie am Grove City College und ist Autor von Foundations of Economics: A Christian View.

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