Ist »privat« teurer als »staatlich«?

11.2.2015 – von Predrag Rajsic. 

Predrag Rajsic

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein talentierter Automechaniker und möchten eine neue Autowerkstatt eröffnen. Sie möchten den weniger zahlungskräftigen Mitgliedern der Gesellschaft einen Basisservice zu erschwinglichen Preisen anbieten. Sie verlangen das absolute Minimum für Ihre Arbeit und kaufen gebrauchte (aber dennoch ordentliche) Ersatzteile. Dieser Service wäre toll für diejenigen, die ihre Autos einfach nur ein paar Jahre länger am Leben halten wollen – nichts bahnbrechendes, nur reine Funktionalität.

Nehmen wir an, Ihr Nachbar will ebenfalls eine Autowerkstatt eröffnen, hat aber ein anderes Geschäftsmodell im Sinn. Er hat es geschafft, die örtliche Regierung davon zu überzeugen, dass Basis-Reparaturdienstleistungen ein menschliches Grundrecht sind und dass sie jedem kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Da niemand davon profitieren kann, seine Dienste kostenlos anzubieten, muss es eine Möglichkeit geben, diesen „kostenlosen“ Dienst zu finanzieren. Die Regierung und Ihr Nachbar lassen sich etwas einfallen. Die Regierung erhebt jetzt von jedem in der Nachbarschaft die „Autovorsorgesteuer“ – unabhängig davon, welche Art von Autoservice sie benötigen – und gibt das Geld Ihrem Nachbarn. Und Ihr Nachbar verkündet, dass er jedem, der sie braucht, diese kostenlosen Reparaturdienste anbietet.

Jetzt haben Sie ein Problem. Obwohl Sie nur, sagen wir mal, 10 Euro die Stunde für Ihre Arbeit verlangen und die günstigsten Ersatzteile kaufen – sodass es Ihre Kunden beispielsweise nur 50 Euro kostet, einen vorderen Stoßdämpfer zu ersetzen –, wäre das immer noch sehr viel teurer als die 0 Euro, die von Ihrem Nachbar für eine ähnliche Dienstleistung verlangt werden.

Sie können versuchen, Ihren Service billiger zu gestalten, indem Sie noch weniger für Ihre Arbeit verlangen, aber selbst wenn Sie Ihre Arbeit kostenlos anbieten, müssen Sie immer noch Ersatzteile kaufen. Und langfristig betrachtet brauchen Sie eine Einkommensquelle. Sie können Ihre Arbeit also nicht ewig kostenlos bereitstellen.

Den Preis Ihrer Dienste zu reduzieren macht Sie nicht wettbewerbsfähiger als Ihr Nachbar. Sie müssen etwas anderes anbieten – etwas, wofür die Leute bezahlen würden. Sie können versuchen, Basis-Reparaturen bereitzustellen, bieten dabei aber gleichzeitig einen besseren Kundenservice. Zum Beispiel könnten Sie zu Ihren Kunden höflicher sein als Ihr Nachbar; Sie könnten ihre Arbeit zügiger fertigstellen; Sie könnten eine Garantie ausstellen, etc.

Aber würden Ihre Kunden für diese Vorzüge, sagen wir, 50 Euro extra bezahlen? Vielleicht würden es einige von ihnen tun, aber es ist wahrscheinlicher, dass die meisten von ihnen eher kostenlos einen minderwertigen Service in Anspruch nehmen, statt 50 Euro für einen qualitativ besseren zu zahlen. Erinnern Sie sich: Das sind Leute, die nur pure Funktionalität wollen. Denen sind die Extras egal, die Sie bieten.

An diesem Punkt erkennen Sie, dass Sie sich auf eine andere Kundennische konzentrieren müssen. Sie brauchen Leute, die mit den Diensten Ihres Nachbarn nicht glücklich wären, selbst wenn diese kostenlos sind. Sie brauchen Leute, die neue Fahrzeuge fahren, die neue Teile eingebaut haben wollen und die auch Ihre Gefälligkeiten und Ihre Pünktlichkeit genug wertschätzen, um dafür zu zahlen. Natürlich wird diese Art von Service teurer sein als das Minimal-Paket, das Sie anfangs anbieten wollten. Sie verabschieden sich von Ihrem Plan, grundlegende Dienste bereitzustellen, und eröffnen stattdessen eine „High-End“-Werkstatt, die gut zahlenden Kunden Dienste der höchsten Qualität bietet.

Jetzt haben wir zwei Autowerkstätten in der Nachbarschaft: der Laden Ihres Nachbarn, der jedem kostenlos grundlegende Dienste bereitstellt, aber eine Steuer von jedem in der Nachbarschaft erhebt, und Ihr Laden, der besser zahlenden Kunden qualitativ hochwertigere Dienste bietet.

Wenn man diese Situation betrachtet, ohne Ihren Entscheidungsfindungsprozess zu kennen, könnte man glauben, dass private Autowerkstätten schon von Grund auf an teuer sind und dass sie weniger zahlungsfähigen Kunden keine Dienste anbieten wollen. Aber das ist eine Fehlinterpretation. Zieht man den ungesehenen Entscheidungsfindungsprozess in Betracht, versteht man, dass die Existenz der steuerfinanzierten Werkstatt den privaten Anbieter dazu bewegte, sich von seinen Plänen, billige Dienste bereitzustellen, zu verabschieden. In diesem Beispiel ist die private Autowerkstatt nicht von Natur aus teuer. Ihre Möglichkeit, günstig zu sein, wurde durch die Existenz der steuerfinanzierten Werkstatt verhindert.

Ich verwende das Beispiel einer Autowerkstatt, aber es geht hier nicht nur um Autowerkstätten. Die Botschaft geht weit darüber hinaus. Wenn wir diese Argumentationskette auf so ziemlich jedes Produkt und jeden Dienst ausweiten, sehen wir ähnliche Ergebnisse. Die Existenz eines steuerfinanzierten Basisdienstes verdrängt das private Angebot einer gleichen (oder besseren) Dienstleistung und führt dazu, dass sich private Produzenten auf eine besser zahlende Kundschaft konzentrieren. Das lässt private Dienste grundsätzlich teurer aussehen, aber das ist nur ein oberflächlicher Eindruck.

Sobald man die Logik der menschlichen Entscheidungen versteht, die zu diesem Ergebnis geführt haben, versteht man, warum wir uns von diesem oberflächlichen Eindruck nicht in die Irre führen lassen dürfen.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel Why Private-Sector Services Seem to Be More Expensive ist am 26.1.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen

Foto-Startseite: © Kurhan – Fotolia.com

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Predrag Rajsic ist promovierter Forscher am Institut für Nahrungsmittel-, Agrar- und Rohstoffwirtschaft an der University of Guelph in Ontario, Canada.

 

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