Preiskontrollen verursachen Chaos

29.11.2013 – von George Reisman.

George Reisman

Das wichtigste Prinzip, das es am Sozialismus zu begreifen gilt, ist, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen des Sozialismus im wesentlichen dieselben sind wie die Konsequenzen, die aus allgemeinen Preiskontrollen resultieren. Wird der Sozialismus als Reaktion auf das Chaos eingeführt, das allgemeine Preiskontrollen angerichtet haben, hat er den Erfolg, dieses Chaos zu perpetuieren; wird er ohne die vorausgehende Existenz von allgemeinen Preiskontrollen eingeführt, hat er den Erfolg, eben dieses Chaos in Gang zu setzen. Dieser Zusammenhang entbehrt natürlich insofern nicht der Ironie, als die Regierung das von Preiskontrollen geschaffene Chaos als Begründung für die Sozialisierung des Wirtschaftssystems benutzt. Nichtsdestoweniger sind Sozialismus und allgemeine Preiskontrollen ihrer wirtschaftlichen Natur nach im grundsätzlichen dasselbe und zeitigen deshalb auch dieselben Folgen. Genau dies ist der Grund dafür, dass Sowjetrußland in so konsistenter Weise ausgezeichnete Beispiele für die Konsequenzen geliefert hat, die sich aus allgemeinen Preiskontrollen ergeben.

Die wesentliche ökonomische Identität zwischen Sozialismus und allgemeinen Preiskontrollen beruht auf dem Umstand, dass beide den privaten Besitz an Produktionsmitteln und dessen Schößlinge, das Gewinnmotiv und das Preissystem, zerstören.

Preiskontrollen zerstören den privaten Besitz der Produktionsmittel eben dadurch, dass sie das Recht auf Bieten und Fordern von Preisen zerstören. In einer arbeitsteiligen Wirtschaft, in der das Kaufen und Verkaufen für die Produktion und jede andere Wirtschaftstätigkeit unverzichtbar ist, ist das Recht, Preise zu bieten und zu fordern, ein fundamentales, unverzichtbares Recht des Privateigentums. Ohne dieses Recht sind alle anderen Rechte des Privateigentums bedeutungslos. So ist beispielsweise das Recht, eine Fabrik zu besitzen, bedeutungslos, wenn es dem Besitzer untersagt wird, diejenigen Preise zu fordern oder zu zahlen, die erforderlich sind, um seine Fabrik am Leben zu erhalten. Im wesentlichen sind Preiskontrollen genauso zerstörerisch für die Rechte des Privateigentums wie der Sozialismus selbst.

Und weiter: Der Grund, weshalb Preiskontrollen eben jenes Chaos heraufbeschwören, das wir beobachten, ist genau der Umstand, dass sie in die Eigentumsrechte der Unternehmer eingreifen. Insbesondere untersagen sie es den Unternehmern, ihr Kapital auf die Weise zu nutzen, die für sie selbst am gewinnträchtigsten wäre. Wenn Preiskontrollen nicht in das Recht der Unternehmer eingriffen, ihr Kapital auf die gewinnträchtigste Weise zu nutzen, könnten sie ihre chaotischen Folgen nicht zeitigen. Man versuche, sich vorzustellen, dass die Regierung nicht in die Eigentumsrechte des Unternehmers und in sein Gewinnmotiv eingreift und dass sich trotzdem die Konsequenzen von Preiskontrollen entwickeln. Man denke an die Kapitel III, IV und V zurück und rufe sich die folgenden Elemente des Chaos ins Gedächtnis, die wir als Resultat von Preiskontrollen kennengelernt haben: Knappheiten und die Vernichtung lebenswichtiger Industrien; die Ohnmacht der Verbraucher, verbunden mit Hass zwischen Käufer und Anbieter; die Tendenz zu höheren Kosten; Chaos bei der persönlichen Verteilung der Güter auf die Verbraucher; Chaos bei der geographischen Verteilung der Güter auf die verschiedenen lokalen Märkte; Chaos bei der Verteilung eines Produktionsfaktors auf seine verschiedenen Produkte; Chaos bei der Verteilung von Kapital und Arbeitskraft auf die verschiedenen Industrien.

Überlegen Sie einmal. Alle diese Elemente des Chaos resultieren aus einem einzigen Umstand: dem Eingreifen in die Eigentumsrechte und das Gewinnmotiv des Unternehmers. Würden die Unternehmer beispielsweise freiwillig ihre Güter zu billig verkaufen und damit Knappheiten hervorrufen? Offensichtlich nicht. Dazu müssen schon ihre Eigentumsrechte verletzt werden, und sie müssen gezwungen werden, dies zu tun. Würden Unternehmer die Produktion lebenswichtiger Güter aufgeben, wenn es ihnen freistünde, rentable Preise für sie zu fordern? Offensichtlich nicht. Würden sie Kunden wegschicken, die ihnen ein rentables Geschäft anböten? Auch nicht. Würden sie die Produktionskosten in die Höhe treiben, wenn diese Kosten vom Gewinn weggingen (was der Fall sein müßte, da es weder Preiskontrollen noch Knappheiten gäbe)? Selbstverständlich nicht. Würden Unternehmer einige Märkte zu niedrigen Preisen sättigen, während sie andere verhungern ließen, die ihnen hohe Preise böten? Würden sie einen Produktionsfaktor dazu verwenden, um bestimmte Produkte im Überschuss zu niedrigen Preisen herzustellen, während sie von anderen Produkten, für die ihnen hohe Preise geboten würden, nicht genug produzierten? Würden sie in bestimmte Industrien zu niedrigen Gewinnen oder bei Verlust überinvestieren, während sie in andere Industrien, die ihnen hohe Gewinne böten, unterinvestierten? Auch auf diese Fragen lautet die Anwort eindeutig: nein. Was die Unternehmer bestimmt, sich in dieser Weise zu verhalten, ist, dass ihre Eigentumsrechte verletzt werden und sie damit daran gehindert werden, das zu tun, was für sie selbst rentabel ist.

Das übergreifende Prinzip, das sich ergibt, ist, dass das gesamte Preissystem mit all seinen Gesetzen und Harmonien von einer einzigen wesentlichen Tatsache abhängt: der Beobachtung der privaten Eigentumsrechte und damit der Freiheit der Unternehmer, im Interesse ihres eigenen Gewinns zu handeln. Private Eigentumsrechte und das Gewinnmotiv sind die Grundlage und die treibende Kraft, die dem gesamten Preissystem zugrunde liegen und es in Schwung halten. Sie sind es, die all jenen wohltätigen Wirtschaftsgesetzen, die wir in unserer Studie über den freien Markt genannt haben, zugrunde liegen und sie tragen, wie etwa das Prinzip der Einheitlichkeit des Gewinns, die verschiedenen Prinzipien der Einheitlichkeit der Preise und der Löhne, das Prinzip der Produktionskosten, das Prinzip, wonach Preise hoch genug angesetzt werden, um die Nachfrage auf den Umfang des Angebots zu beschränken, und das Prinzip, wonach Produktionsfaktoren ihren wichtigsten Verwendungsweisen zugeführt werden. Alle diese Gesetze und alle ihre wohltätigen Konsequenzen sind das Resultat einer einzigen Sache: der privaten Eigentumsrechte und des Gewinnmotivs.

Der Sozialismus zerstört aber alle Eigentumsrechte. Mit ihnen zerstört er die Wirksamkeit des Gewinnmotivs und des gesamten Preissystems.

Der Sozialismus führt zu denselben chaotischen Folgen wie Preiskontrollen, weil er dieselbe Sache wie Preiskontrollen zerstört, nämlich die eine und einzige Quelle der wirtschaftlichen Ordnung und Harmonie in der Welt: die privaten Eigentumsrechte und das Gewinnmotiv.

Die entscheidende Tatsache, die erklärt, warum Sozialismus im wesentlichen identisch ist mit Preiskontrollen, ist, daß er einfach ein Akt der Zerstörung ist. Wie die Preiskontrollen zerstört der Sozialismus das Privateigentum und das Gewinnmotiv, und das ist im wesentlichen alles, was er tut. Er hat nichts an ihre Stelle zu setzen. Der Sozialismus ist mit anderen Worten nicht eigentlich eine volkswirtschaftliche Alternative zum Privatbesitz an Produktionsmitteln. Er ist lediglich eine Negation des auf Privatbesitz basierenden Systems.

aus „Staat contra Wirtschaft“ von George Reisman, Philosophia-Verlag (Seite 240 – 243).

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George Reisman ist Autor des Buches „Capitalism: A Treatise on Economics „(Ottawa, Illinois: Jameson Books, 1996) und emeritierter Professor für Volkswirtschaft der Pepperdine University.

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