Freihandel – die Hoffnung für Afrika

24. Mai 2019 – von Alexander Hammond

Alexander Hammond

Afrika hat mit dem Freihandel gerade seine Zukunft gesichert.

Nachdem das westafrikanische Gambia im April die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone (AfCFTA) ratifiziert hat, ist nun die notwendige Anzahl von 22 Ländern für das Inkrafttreten des Handelspaktes erreicht. Das ist eine gute Nachricht für Afrika, denn eine sich über den Kontinent erstreckende Freihandelszone wird nicht nur die Wirtschaft der Region ankurbeln, sondern ist auch wichtiges Zeichen einer ideologische Abkehr vom Sozialismus, der seit der Unabhängigkeit einen Großteil des Kontinents heimsuchte.

Leider nahmen die meisten afrikanischen Nationen das Wirtschaftsmodell des Sozialismus vollständig an, als sie von ihren Kolonialherren befreit wurden. Wie der Präsident der Free Africa Foundation, George Ayittey, feststellt, „wurde der Kapitalismus mit dem Kolonialismus identifiziert, und da dieser böse und ausbeuterisch war, war es auch der Kapitalismus“. Die Sache schien also klar: Der Sozialismus wurde „als einziger Weg zum Wohlstand Afrikas befürwortet“.

Afrikas kollektivistische Wurzeln

Das sozialistische Experiment Afrikas begann 1957, als Ghana als erste Nation auf dem Kontinent seine Unabhängigkeit erhielt. Ghanas erster Staatschef Kwame Nkrumah war ein selbsternannter „Marxistischer Sozialist“ und ermutigte andere afrikanische Staaten, ebenfalls ihre Unabhängigkeit zu erlangen und nach „vollständiger Verantwortlichkeit des Staates für die Wirtschaft“ zu streben.

Viele afrikanische Führer folgten dem sozialistischen Beispiel Nkrumahs: Modibo Keita aus Mali, Sekou Touré aus Guinea und Leopold Senghor aus Senegal – um nur einige zu nennen. Diese Herrscher wurden oft als „die Hauptarchitekten des afrikanischen Sozialismus“ bezeichnet. Aber trotz ihres frühen sozialistischen Einflusses öffnen sich heute alle vier Länder mit der AfCFTA für die Freiheit.

Wenn das Abkommen noch in diesem Jahr umgesetzt wird, sollte dies als Zeichen dafür angesehen werden, dass Afrika mit dem Freihandel eine neue, erfolgreiche Zukunft anstrebt.

1963 wurde die Organization of African Unity (OAU) – die Vorgängerorganisation der African Union (AU) – vor allem auf Initiative von Nkrumah und Julius Nyerere, dem Präsidenten von Tanganyika und dem damaligen Tansania, gegründet. Sie glaubten, „ein vereintes sozialistisches Afrika (sei eine) notwendige Voraussetzung für die Verwirklichung einer afrikanischen Persönlichkeit“. Die marktfreundliche Politik, die die AU heute verfolgt, könnte nicht weiter von Nkrumahs und Nyereres sozialistischen Absichten im Rahmen der OAU entfernt sein.

Die AfCFTA, ein Projekt der AU, wurde im März 2018 von Paul Kagame, dem Präsidenten Ruandas und (damals) Leiter der AU, vorgestellt. Ideologisch beschreibt sich Kagame selbst als begeisterter Befürworter des Freihandels und Schüler von Lee Kuan Yew, dem ersten Premierminister der Freihandelsnation Singapur. Die kapitalistischen Ansichten von Kagame stellen keine Ausnahmeerscheinung mehr dar und nach der Vorstellung des Planes einer Handelszone haben 44 der 55 AU-Nationen das Abkommen sofort unterzeichnet, um ihre Unterstützung zu signalisieren. Inzwischen fehlen lediglich noch die Unterschriften von drei Ländern.

Den wirtschaftlichen Liberalismus annehmen

Die Hinwendung Afrikas zu einer Liberalisierung der Wirtschaft ist eine gute Nachricht für den Kontinent, denn, wie Professor Ayittey feststellt, führte die historische Liebesaffäre Afrikas mit dem Sozialismus nur zu „wirtschaftlichem Ruin, Diktatur und Unterdrückung“.

Bisher haben 22 AU-Mitgliedstaaten die Freihandelszone ratifiziert, und es wird erwartet, dass in den kommenden Monaten weitere hinzukommen werden.

Im Gegensatz zum wirtschaftlichen Ruin und zur Unterdrückung durch den Sozialismus wird die Umsetzung der AfCFTA den regionalen Handel in wenigen Jahren um geschätzte 52 Prozent ansteigen lassen. Diese Zahl könnte sich dann noch einmal verdoppeln, wenn die letzten 10 Prozent der Zölle auf „sensible“ Waren auslaufen. Dieser Handelsschub wird der Wirtschaft des Kontinents Milliarden bringen.

Ein weiterer Vorteil des AfCFTA liegt darin, viele afrikanische Staaten in einem gemeinsamen Markt zu vereinen, was es dem Kontinent erleichtert, mit dem Rest der Welt Handel zu betreiben. Wenn alle AU-Mitgliedstaaten das AfCFTA ratifizieren würden, müsste mit jedem Außenhandelspartner nur ein Handelsabkommen ausgehandelt werden – statt 55 Einzelhandelsabkommen für jede afrikanische Nation.

Eine erfolgreiche neue Zukunft

All das heißt jedoch nicht, dass die Hinwendung Afrikas zur wirtschaftlichen Liberalisierung alle Probleme des Kontinents lösen wird oder dass in Afrika vollständiger Freihandel herrschte. Bisher haben nur 22 AU-Mitgliedstaaten die Freihandelszone ratifiziert, und obwohl in den kommenden Monaten weitere Unterschriften erwartet werden, ist es noch ein langer Weg, bis der gesamte Kontinent eine einzige Freihandelszone sein wird. Nigeria beispielsweise – die größte Volkswirtschaft des Kontinents – lehnt das Handelsabkommen nach wie vor vehement ab.

Doch obwohl der Sozialismus in ganz Afrika weiterhin sein hässliches Gesicht zeigt, sollten wir alle die Tatsache feiern, dass die sozialistische Ideologie, die den Kontinent jahrzehntelang heimgesucht hat, nicht mehr Mainstream ist. Die AfCFTA hat wirklich das Potenzial, die afrikanische Wirtschaft wachsen zu lassen und viele Menschen aus der Armut zu befreien. Wenn das Abkommen noch in diesem Jahr umgesetzt wird, sollte man dies als Zeichen dafür ansehen, dass Afrika seine sozialistische Vergangenheit aufgibt und eine neue, den Wohlstand fördernde Zukunft des Freihandels anstrebt. Die Menschen in Afrika sollten hoffen, dass sich dieser Trend fortsetzt.

*****

Der Originalbeitrag mit dem Titel Africa Just Created a Major Free Trade Bloc That Will Add Billions in Wealth ist am 18.5.2019 auf der website der Foundation of Economic Education erschienen.

Alexander C. R. Hammond ist Forscher an einem Washington D.C. Think Tank und Senior Fellow von African Liberty. Darüberhinaus engagiert er sich bei Young Voices und schreibt regelmäßig zu den Themen Wirtschaftliche Freiheit, zur Entwicklung Afrikas und über Globalisierung.

Hammonds Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und erschienen in Reason, The National Interest, Washington Examiner, CapX, El Cato, FEE, Newsweek USA und dem HumanProgress.org Blog.

*****

Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Fotos: © Goinyk – Fotolia.com

 

Kontaktieren Sie uns

We're not around right now. But you can send us an email and we'll get back to you, asap.

Start typing and press Enter to search