Die Tuttle-Zwillinge: Protektionismus kinderleicht erklärt

28. Januar 2019 – von Enno Samp

Enno Samp

Für sein viertes Buch aus der Reihe der Tuttle-Zwillinge hat sich der Autor Connor Boyack an Henry Hazlitts Klassiker „Die 24 wichtigsten Regeln der Wirtschaft“ (im Original: „Economics in One Lesson“) orientiert. Hazlitt erklärt, dass es nur eine entscheidende Lektion ist, die zur Untersuchung von Wirtschaftspolitik und somit auch für einen guten Wirtschaftspolitiker ausreichend ist. Für eine gute Wirtschaftspolitik ist die Beachtung dieser einen Lektion aber unabdingbare Voraussetzung. Sie lautet nach Hazlitt: „Die Kunst des Wirtschaftens besteht darin, nicht nur die unmittelbaren, sondern auch die langfristigen Auswirkungen jeder Maßnahme zu sehen; sie besteht ferner darin, die Folgen jedes Vorgehens nicht nur für eine, sondern für alle Gruppen zu bedenken.“

Für das neue Tuttle-Abenteuer konzentriert sich Connor Boyack dabei beispielhaft auf das Thema Protektionismus. Die beiden Zwillinge erleben diesen sehr direkt, weil sie mit einer Imbisswagenbetreiberin aus ihrer Nachbarschaft befreundet sind, und weil sie außerdem selbst regelmäßig einen Limonadenstand am Straßenrand vor ihrem Haus betreiben.

Alles ist wunderbar und alle machen gute Geschäfte, bis der Stadtrat eine neue Vorschrift erlässt. Mit dieser wird der Betrieb von Imbisswagen in einem gewissen Umkreis von regulären Restaurants untersagt. Davon ist insbesondere der sehr lukrative und von den Besuchern ebenso geschätzte Verkauf vor dem Football-Stadion betroffen. Zahlreiche Imbissstände dürfen demnach künftig nicht mehr dort tätig werden.

Schnell entdecken die Zwillinge, dass eine Kumpanei zwischen dem Bürgermeister und Bob, dem Besitzer einer Barbeque-Kette, die Ursache für diese neue Vorschrift zu sein scheint. Gemeinsam mit ihrem Vater, ihrer Freundin mit dem Imbisswagen und vielen ihrer Imbisswagen-Kollegen organisieren sie eine Demo- und Protestaktion. Wie es sich für ein gutes Kinderbuch gehört, hat diese Aktion natürlich Erfolg. Die umstrittene Vorschrift wird aufgehoben und die Zwillinge werden als Helden gefeiert.

Ein Blick ins Buch:

Im Verlaufe der Geschichte erkennen sie dabei, dass beschützende Vorschriften, die bestimmten Unternehmen helfen sollen (in diesem Falle den Restaurants) immer zum Schaden von anderen Unternehmen (hier die Imbisswagen) sind; vor allem aber, dass sie letztlich immer den Kunden schaden. Denn Protektionismus führt zu weniger Auswahl, schlechterer Qualität und höheren Preisen, während der freie Markt das genau gegenteilige Ergebnis hervorbringt: große Auswahl, bessere Qualität, günstigere Preise, schnellerer Service u.v.m.

Wenn Ethan und Emily Tuttle gemeinsam mit ihrem Vater zugunsten der Imbisswagen aktiv werden, lernen die jungen Leser auch die Grundlagen von politischen Kampagnen kennen: Aufmerksamkeit erzeugen, Öffentlichkeitsarbeit, kreative Aktionen, persönliche Netzwerkarbeit und ein authentischer, überzeugender Auftritt. Im zugehörigen Arbeitsheft, das separat ausschließlich als pdf-Version über den Shop auf www.kinder-der-freiheit.com erhältlich ist, gibt Connor Boyack seinen jungen Lesern Anregungen, wie sie selbst aktiv werden können. Sie können das Buch an Freunde und Verwandte verleihen. Sie können mittels ihrer Social Media-Aktivitäten ihren Bekannten von dem Gelernten berichten und sie können mit Freunden, die das Buch ebenfalls bereits gelesen haben, anhand von Fragen über die Inhalte diskutieren. Diese Aufgaben eignen sich für Kinder aus der dritten oder vierten Schulklasse, die primäre Zielgruppe der Bücher. Für jüngere Leser enthält das Arbeitsheft Ausmalbilder und Rätsel, für Ältere die Anregung zu einem Aufsatz.

Bei Politikern, ebenso wie bei Journalisten und vielen anderen Mitbürgern, ist heutzutage die laut Henry Hazlitt …

„unausrottbare Neigung der Menschen [vorherrschend], nur die unmittelbaren Folgen einer Maßnahme oder nur deren Auswirkungen auf eine bestimmte Gruppe zu sehen. Man versäumt zu fragen, wie sich diese Maßnahme langfristig nicht nur auf diese Gruppe, sondern auch auf alle anderen auswirkt.“

Denn darin liegt der Unterschied zwischen einem gutem und einem schlechten Wirtschaftspolitiker oder Wirtschaftsjournalisten:

„Der Schlechte erkennt nur die unmittelbaren Folgen eines geplanten Kurses, der Gute bedenkt auch die erst später eintretenden und indirekten Konsequenzen. Der kurzsichtige Wirtschaftsexperte überlegt nur den Nutzen einer Maßnahme für eine bestimmte Gruppe, der weitblickende untersucht auch die Auswirkungen auf alle anderen Gruppen.“

Das ist eine weitere wichtige Aussage der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, die Connor Boyack in dieser Kindergeschichte sehr anschaulich, leicht verständlich und schön illustriert vermittelt. Wie immer bei Boyacks Tuttle-Geschichten zeichnet sich das Buch durch einen pädagogischen Dreiklang aus Problembeschreibung, Wissensvermittlung und Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten – gerade auch schon für Kinder – aus. Und was Kindern hilft, kann ja auch für den einen oder anderen noch weniger informierten Erwachsenen nützlich sein.

Enno Samp ist Bankkaufmann und hat Wirtschaftswissenschaften und Musikwissenschaften studiert. Er arbeitet seit über 20 Jahren im Musikmanagement, u.a. für Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen. Seit 2010 widmet er sich daneben intensiv der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. 2017 hat er die englische Kinderbuchserie der Tuttle Twins entdeckt, die er seitdem übersetzt und im deutschsprachigen Raum vertreibt. www.kinder-der-freiheit.com

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Fotos: Die Tuttle-Zwillinge: Ärger um die Imbisswagen

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