Captain America – Der Kampf um die Freiheit – Teil 1

25. Januar 2019 – [Lesen Sie nachfolgend den ersten Teil des Beitrages „Captain America – Der Kampf um die Freiheit“. Teil 2 wird am 1. Februar veröffentlicht.]

von Andreas Tiedtke

Andreas Tiedtke

Den beiden großen Produzenten von Superhelden-Filmen MARVEL (Disney) und DC Comics (Warner Media) gelingt in den 2010er Jahren ein Block Buster nach dem anderen. Die letzten beiden „großen“ Filme waren Aquaman (DC) und Avengers – Infinity War (MARVEL). Während es beim letzten DC-Film Aquaman noch um die althergebrachte Frage ging „Wer soll Kalif sein anstelle des Kalifen“[1], also darum, wer der bessere Herrscher ist, geht es in der Avengers-Reihe schon um die Frage, ob Herrschaft überhaupt gut sein kann, und um weitere brandaktuelle Fragen wie: Ist die totale Überwachung der Anfang oder das Ende der Freiheit? Oder: Können Überbevölkerungsängste und Umweltschutzwünsche eine Politik der Bevölkerungsregulierung „rechtfertigen“? Eine Sonderrolle innerhalb der Avengers nimmt dabei der Held Steve Rogers ein, aka Captain America. Wie ein roter Faden zieht sich seine Einstellung durch das Avengers-Epos: Zwang und Gewalt können nur gerechtfertigt sein, wenn sie zum Zwecke der Verteidigung eingesetzt werden; sonst ist es mit der Freiheit vorbei.

Für die Nicht-MARVEListen zunächst eine Einführung zur Person des Captain America: Steve Rogers ist ein junger schwächlicher Mann aus Brooklyn (NY) in den Jahren des zweiten Weltkrieges. Nicht auf Grund seiner körperlichen, sondern wegen seiner charakterlichen Eigenschaften wird er von einem Wissenschaftler, der für das US-Militär arbeitet, ausgewählt, an einem Superhelden-Experiment teilzunehmen, das ihm außerordentliche körperliche Fähigkeiten verleihen soll. Doch welche charakterlichen Eigenschaften werden gezeigt? Zunächst: Steve Rogers steht auf gegen „Bullies“. Bullies sind Menschen, die andere bedrohen, zwingen, verletzen oder töten, ohne dass die anderen hierfür einen Anlass geliefert hätten. Es sind Menschen, die sich so verhalten, als wären andere Menschen minderwertig. Sie bewirtschaften andere Menschen, indem sie sie erpressen, berauben, bestehlen oder verletzen. Obwohl Steve Rogers ein schwächlicher kleiner Mann ist, steht er auf gegen solche Bullies, verteidigt sich und lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn dies mit schmerzhaften Erfahrungen einhergeht.

Zum anderen hat Steve Rogers selbst keine Lust, ein Bully zu sein. Der Wissenschaftler fragt ihn: „Hast du Lust, Nazis zu töten?“ Woraufhin Rogers sinngemäß antwortet, er habe generell keine Lust, irgendjemanden zu töten, aber er möge keine Bullies. Eine weitere Eigenschaft wird deutlich, als sein militärischer Vorgesetzter in die Mitte der Kandidaten für das Superhelden-Programm eine Fake-Handgranate wirft, um die Männer zu testen. Während sich alle anderen in Sicherheit bringen, wirft sich Steve Rogers mit seinem Körper auf die Granate und schreit, dass sich alle in Sicherheit bringen mögen. Er ist also jemand, der nicht nur andere in Ruhe lässt, sondern auch jemand, der sein Leben für die Sicherheit anderer zu opfern bereit ist: Er ist ein Held.

Die totale Überwachung

In dem Avengers-Film Winter Soldier geht es darum, dass eine internationale Superbehörde namens S.H.I.E.L.D. den Bau von Super-Hovercrafts plant, die mit Überwachungskameras und Maschinengewehren Menschen aus der Luft aus großer Entfernung töten können, die eine Gefahr für die „internationale Sicherheit“ oder das „Gemeinwohl“ darstellen. Dabei erkennt Steve Rogers, nunmehr Captain America, dass solche Maschinen das Ende der Freiheit wären, die totale Überwachung. Zwar sollen sie nur von „den Guten“ eingesetzt werden, um „die Bösen“ auszuschalten, aber eben nicht nur zu verteidigenden Zwecken, sondern auch zur Durchsetzung von „legitimer Herrschaft“, also von dem, was die meisten Menschen heute für legitime Herrschaft halten, also etwa Regeln, die Menschen in Parlamenten oder Gremien der UNO beschließen. Jedoch können solche Supermaschinen auch in die „falschen Hände“ gelangen, und in dem Film wird dies auch dargestellt: Die Kommandoebene der Superbehörde S.H.I.E.L.D. ist von Mitgliedern eines Geheim-Kults namens HYDRA durchsetzt, und dieser Kult hat sich dem Meliorismus verschrieben, also dem Erschaffen einer „besseren Welt“. Im Verlaufe des Filmes wird Captain America, zusammen mit den Super-Helden Tony Stark (Iron Man) und Natasha Romanova (Black Widow) die gigantischen Überwachungs- und Exekutions-Maschinen zerstören und die Superbehörde S.H.I.E.L.D. beenden.

Kann es „gerechte Herrschaft“ überhaupt geben?

Aus handlungswissenschaftlicher Sicht noch spannender wird es im übernächsten Avengers-Film: Civil War, indem es darum geht, ob die Avengers, ein Team aus Superhelden, unter staatliche beziehungsweise supranationale Aufsicht der Vereinten Nationen (UNO) gestellt werden sollten. Dazu sollen die Helden eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnen, die sie der UNO unterstellt. Das spaltet das Lager der Superhelden in eine Etatisten-Gruppe um Tony Stark (Iron Man) und eine Selbstbestimmungs-Gruppe um Steve Rogers (Captain America). Folgender Dialog zwischen den beiden zeigt die Fronten auf:

Tony Stark: „Hier gibt es nichts zu entscheiden. Wir brauchen jemanden, der über uns steht. In welcher Art und Weise auch immer: ich bin dabei. Wenn wir keine Einschränkungen unseres Handlungsspielraums akzeptieren, wenn wir unbegrenzt sein wollen, dann sind wir nicht besser als die ‚bösen Jungs‘.“

Steve Rogers: „Wer, wenn nicht wir, soll die Verantwortung für unser Handeln übernehmen können? Dieses Dokument schiebt doch nur die Verantwortung jemand anderem zu.“

Oberst-Leutnant James Rhodes [Mitglied der Etatisten-Fraktion]: „Sorry, Steve, aber das, was du sagst, ist gefährlich arrogant. Wir reden hier über die UNO, und nicht über S.H.I.E.L.D. oder HYDRA.“

Steve Rogers: „Mag sein, aber es sind ganz normale Menschen, die dort Entscheidungen treffen, Menschen, die ihre eigenen Ziele verfolgen, und solche Ziele können sich ändern.“

Tony Stark: „Gut! Deswegen bin ich hier. Als ich merkte, was meine Waffen in den falschen Händen anrichten könnten, hab ich die Produktion eingestellt.“

Steve Rogers: „Tony, du hast gewählt, so zu handeln. Wenn wir dieses Dokument unterzeichnen, dann geben wir unser Recht auf, selbst zu wählen. Was, wenn uns dieses Gremium wohin schickt, wohin wir nach unserer Meinung nicht gehen sollten? Was, wenn wir nach unserer Meinung wo eingreifen müssten, aber man lässt uns nicht? Wir mögen nicht perfekt sein, aber am besten aufgehoben sind unsere Fähigkeiten immer noch in unseren eigenen Händen.“

Über diesen Streitpunkt kommt es zwischen den Avengers sodann zum Civil War, also zum „Bürgerkrieg“ untereinander.

Environmentalismus – Zwang und Gewalt im Namen der Umwelt

Im bislang letzten Teil der Avengers-Reihe tritt der intergalaktische Super-Schurke Thanos auf, der ein etatistisches Ziel verfolgt, das auch heute brandaktuell ist: Überbevölkerung und Umweltschutz zu regulieren. Viele Menschen glauben daran, dass die Erde die derzeitige oder eine künftige Bevölkerungsmenge an Menschen nicht „tragen“ könnte, obwohl das Gegenteil bislang der Fall gewesen ist. Wie der schwedische Arzt und Professor für internationale Gesundheit Hans Rosling (1948 – 2017) in seinem Buch „Factfulness“ darstellt, ist es zwar der Fall, dass noch nie so viele Menschen wie heute auf der Erde gelebt haben, aber gleichzeitig haben auch noch nie so viele Menschen auf derartig hohem Wohlstandsniveau gelebt wie heute; die Versorgung der Menschen mit materiellen und immateriellen Gütern, die medizinische Versorgung, die Lebenserwartung und die Situation der Frauen in nicht-westlichen Ländern haben sich in den letzten Jahrzehnten mit der Zunahme des Kapitals und der internationalen Arbeitsteilung dramatisch verbessert. Dies entspricht auch den ökonomischen Gesetzen des „Mehrertrags der Arbeitsteilung“ und der „Zunahme der Grenzproduktivität der Arbeit bei vermehrtem Kapitaleinsatz“, wie sie der österreichische Ökonom Ludwig von Mises (1881 – 1973) zum Beispiel in seinem Hauptwerk Human Action (1949) dargestellt hat.

Aber Rosling weist in seinem Buch auch daraufhin, dass die meisten Menschen dies nicht glauben, entgegen aller Fakten. Sie denken wie Thanos, dabei ist genau das Gegenteil richtig. Die Zunahme der Bevölkerung korreliert mit dem Wohlstand der Menschen – statt umgekehrt. Die meisten Leute aber schätzen die Lage der Menschen viel schlechter ein, so Rosling, und sie unterschätzen ganz massiv die Wohlstandsfortschritte der letzten Jahre. So „warnte“ der britische Thronfolger Prinz William unlängst, dass es „zu viele Menschen auf der Erde“ gebe.[2] (Allerdings ist Prinz William selbst Vater von drei Kindern, sodass wir davon ausgehen müssen, dass er sich selbst und die seinen nicht als „zu viel“ ansieht, sondern andere Menschen damit meint.) Einen wissenschaftlichen Beweis für eine Überbevölkerung gibt es nicht, lediglich einige Hochrechnungen, die unter beliebigen Annahmen getroffen wurden, und sich daher auch beliebig oft als falsch herausgestellt haben, aber es gibt die Angst vor Überbevölkerung.

In Deutschland weit verbreitet ist auch die Angst vor einem menschengemachten Klimawandel, also davor, dass der Mensch sich zu sehr ausbreitet und einen zu großen „Fußabdruck“ hinterlässt und damit die „nachhaltige“ Bewohnbarkeit der Erde gefährde.[3] Dabei ist der Nachweis eines menschengemachten Klimawandels gar nicht erbracht, und die NASA oder das IPCC („Weltklimarat“) sind sich auch keineswegs „sicher“, dass der Klimawandel menschengemacht ist, sondern das IPCC meint, dass es sich lediglich zu 95% sicher sei. Diese 95% sind jedoch nicht errechnet, wie in der Mathematik Wahrscheinlichkeiten errechnet werden, sondern es ist eine Intuition, eine Metapher, eine Analogie zur mathematischen Wahrscheinlichkeit.[4] Aber auch hier ist richtig: Die Angst vor dem menschengemachten Klimawandel ist real.

Die Ziele des Superschurken Thanos – „Regulierung“ der Überbevölkerung und „nachhaltige Entwicklung“ des Universums – mögen deshalb viele Zuschauer selbst für erstrebenswert halten. Natürlich würden sie von dem Mittel, das Thanos wählt, entsetzt zurückschrecken – das hoffe ich zumindest. Er möchte die Hälfte der Universumsbevölkerung im Wege einer Zufalls-Euthanasie völlig schmerz- und diskriminierungsfrei „beenden“. Aber wo ist die Grenze? Empfängnisverhütung als Pflicht? Die Drohung mit Schaden und Schmerz, wenn jemand mehr als ein Kind bekommt (Ein-Kind-Politik)? Abtreibungsgebote zur Durchsetzung solcher Politiken? Das Verbieten und Verteuern der Nutzung von bestimmten Rohstoffen, was sich massiv auf den Wohlstand und damit auch die Familien- und Lebensplanung besonders der Ärmsten auswirkt? Das Verteuern und Regulieren von Wohnungen? Eine hohe Besteuerung von Menschen, sodass sie sich nicht mehr als ein oder zwei Kinder leisten können? Und wer soll über solche Grenzen bestimmen?

Kurzum, während im Avengers-Film Civil War das Thema ist, ob Herrschaft an sich gut sein kann, geht es in Infinity War darum, ob Zwang und Gewalt nicht doch gerechtfertigt sein könnten, wenn es um höhere Ziele des Gemeinwohls, ja des Universums-Wohls geht. Auch Thanos kann es nicht beweisen, dass es eine „Überbevölkerung“ gibt oder geben wird, wenn er nicht einschreitet – oder was eine Überbevölkerung überhaupt sein soll, wer sie feststellt und wer dann vorgibt, was zu tun ist. Genauso wenig können das die heutigen Anhänger des Environmentalismus, also der Entgrenzung und Übertreibung der Idee des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit ins Absurde und Asoziale – eine Entgrenzung insofern, weil es nicht darum geht, dass diejenigen, denen Schaden zugefügt wird, sich gegen den Schaden verteidigen, sondern dass mit der ständigen Wiederholung des Bestehens einer abstrakten Gefahr Ängste geschürt werden, um dann Zwang und Gewalt als Lösung zu verkaufen.

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Hier geht es zu Teil 2.

[1] Wer unter den Lesern die Comic-Serie Isnogood kennt, wird mit dem Zitat etwas anfangen können. In der Serie ging es etwa darum, dass der Großwesir ständig versucht, den Kalifen aus dem Weg zu räumen, um selbst Kalif zu werden.

[2] https://www.telegraph.co.uk/news/2017/11/02/prince-william-warns-many-people-world/

[3] https://www.n-tv.de/politik/Mehrheit-fuerchtet-den-Klimawandel-article19962552.html

[4] https://www.misesde.org/?p=17136

Dr. Andreas Tiedtke ist Rechtsanwalt und Unternehmer.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: youtube

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