Freihandel schafft Frieden und Wohlstand

14. Dezember 2018 – von Jeffrey Tucker

Jeffrey Tucker

In diesem Jahr machte die US-Regierung drei Vorhersagen, die sich als völlig falsch erwiesen.

Erstens hieß es, es werde keine Vergeltungsmaßnahmen für Zölle geben.

Zweitens hieß es, dass Handelskriege leicht zu gewinnen seien.

Und Drittens hieß es, dass amerikanische Exporteure und inländische Produzenten die Sieger sein würden.

Nichts davon ist passiert. In allen drei Fällen trat sogar das Gegenteil ein. Das große Experiment 2018, mittelalterlichen Handel wiederzubeleben und Träume nationaler Autarkie aus der Zeit zwischen den Kriegen zu verwirklichen, war ein großer Misserfolg – genau wie es Tausende von Kaufleuten, die Washington angefleht hatten, dies nicht zu tun, vorhergesagt hatten.

Die letzten Monate waren schließlich geprägt von verschiedenen Taktiken, das Gesicht zu wahren. Der Nafta-Nachfolgepakt ist hierfür ein gutes Beispiel. Er beinhaltet mehr Bürokratie, höhere Kosten und mehr Verfügungen als das, was er ersetzt, aber zumindest ist er etwas anderes als ein totaler Krieg. Was die Stahl- und Aluminiumzölle betrifft, so hat er neben allgemeinen Kostensteigerungen auch die Kosten für die Produzenten erhöht und die Handelsströme verlagert.

Jetzt, wo wir uns dem Ende des Jahres des „Großen Krieges“ nähern, ziehen dunkle wirtschaftliche Wolken auf. Die Finanzwelt leidet und für die amerikanischen Exporteure ist keine Entspannung in Sicht. Und statt einen glorreichen Wirtschaftsboom zu schaffen, gibt es Vorhersagen für eine Rezession.

Die Exportmärkte in der Landwirtschaft sind stark betroffen. Symbolträchtige, amerikanische Unternehmen verlassen die USA und die Ankündigung von General Motors, Fabriken zu schließen, sandte mehr als alles andere Schockwellen durch die Trump-Administration.

„Wartet ab, unsere Politik sollte das Gegenteil bewirken!“

Und jetzt? Die Trump-Administration steht an jeder Front mit dem Rücken zur Wand. Am besten wäre es nun, die verrückte Rhetorik zu stoppen, die Pläne beiseite zu legen, die noch mehr Leid verursachen, einen symbolischen Erfolg zu finden und es endlich gut sein zu lassen.

Das Wichtigste ist Frieden

Das ist die bestmögliche Interpretation der Wiederannäherung zwischen Präsident Trump und Präsident Xi Jinping und der Vereinbarung, den Pauseknopf zu drücken. Es gibt nicht viel Substanz in der Vereinbarung, aber das ist in Ordnung; die Symbolwirkung von Lächeln, Händeschütteln und Verzögerungen bei neuen Tarifen ist eigentlich wichtiger.

Für „Trade Hawks“ – Menschen also, die bereit sind, ihrem eigenen Volk zum Zwecke der politischen Machtdemonstration maximalen Schaden zuzufügen – sind die Besonderheiten des Abkommens wenig beeindruckend, trotz Trumps Behauptung, es würde sich um ein historisches Abkommen handeln. China stimmte einer Senkung der Zölle auf amerikanische Autos zu. Aber es sind nicht die Zölle, die den Exportmarkt stoppen. Es ist die wirtschaftliche Realität.

Nur zwei Prozent der in China verkauften Ford-Modelle werden in den Vereinigten Staaten hergestellt, der Rest wird in Joint Ventures in China selbst produziert. Generell gilt das auch für BMW, Mercedes und General Motors: Die überwiegende Anzahl der in China verkauften Autos wird ebenfalls dort produziert. Umgekehrt werden die meisten in den Vereinigten Staaten verkauften deutschen und koreanischen Autos in den Vereinigten Staaten hergestellt. Selbst wenn China seine Zölle auf null Prozent senken würde, würde sich nicht viel ändern. Es ist sinnvoller, wenn jeder Hersteller aus jedem Land dort baut, wo der Käufer zuhause ist.

Die bürokratische Forderung, dass jedem Gut ein „Herkunftsland“ aufgedruckt werden muss, schafft hier die Verwirrung. Hieraus resultieren irreführende „Handelsdefizit“-Zahlen. Es ist ein Überrest eines vergangenen Zeitalters. Heutzutage wird alles überall hergestellt und das ist wunderbar. Dieser Ansatz des wirtschaftlichen Globalismus verbreitet Wohlstand in der Welt und bietet gleichzeitig mehr Möglichkeiten zu Hause.

Was haben wir also bei diesem großen Experiment von 2018 gelernt? Nichts, was wir nicht schon wussten. Trotz der Rhetorik haben wir gelernt, dass Zölle auf Waren aus China in Wirklichkeit nicht von China bezahlt werden. Sie werden von amerikanischen Produzenten und Verbrauchern bezahlt. Ein Rückzug aus dem Handelskrieg ist also ein Segen für die Amerikaner. Genau wie Donald Boudreaux geschrieben hat:

Während der Waffenstillstände in Handelskriegen erklärt sich jede Seite bereit, sich selbst vorübergehend keinen Schaden zuzufügen […] Verhandlungen in Handelskriegen sind solche, bei denen die Menschen in jedem kriegführenden Land leidenschaftlich hoffen sollten, dass ihre Regierung verliert.

Freundlichkeit gegenüber anderen

Es gibt noch einen weiteren Faktor im Handel, der heutzutage keine Beachtung mehr findet, dies aber sollte. Handel ist gut für andere Nationen. Nun, ich weiß, dass dies im Zeitalter des Nationalismus nicht wichtig sein sollte, aber als Humanisten, die das Beste für die Welt wollen, sollte dieser Aspekt des Handels Ihr Herz höher schlagen lassen.

Hier ist eine Geschichte, um meinen Standpunkt darzulegen. Ich musste einen Flug umbuchen, also telefonierte ich mit einem Call Center, an das ich über die Internetseite meiner Fluggesellschaft verwiesen wurde. Die Dame am Telefon war sehr hilfreich und änderte meine Buchung. Ich war gerade im Auto und hatte etwas Zeit, also fragte ich, wo sie bzw. das Call-Center sei. Sie sagte, sie sei auf den Philippinen und ich fragte sie, wie groß das Call Center sei. Sie antwortete, dass mehrere hundert Menschen in ihrem Büro in Manila arbeiteten.

Sie freute sich über meine Fragen, also erkundigte ich mich weiter. Sie sei eines von fünf Kindern aus einer armen Familie und stehe am Anfang ihres Berufslebens. Sie war begeistert, diesen Job zu haben. Sie arbeite den ganzen Tag, jeden Tag, und verdiene genug Geld, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können. Ihre Eltern wären sehr stolz auf sie und sie selbst freue sich über diesen Job und sei dem amerikanischen Unternehmen dankbar dafür, dass es ihr dies alles ermögliche.

Ihre größte Hoffnung sei es, genug Geld zu sparen, um zu reisen und die Welt zu sehen. Wir sprachen weiter über das Leben in Manila, über die Verkehrsprobleme, das Stadtleben und so weiter. Dann beendeten wir das Gespräch. Ich blieb zurück mit einem großen Glücksgefühl. In gewisser Weise hat mein Ticketkauf von diesem in Manhattan ansässigen Unternehmen einer Person in einem Land, in dem ich noch nie war, in dem es früher an wirtschaftlichen Möglichkeiten mangelte, finanziell geholfen. Es ist ein nachhaltiger Job, nicht nur eine einmalige Tat einer Wohltätigkeitsorganisation. Dieses Wissen macht mich glücklich.

Ich freue mich sehr, auch aus diesem Grund an den Märkten teilzunehmen. Mir gefällt auch die Idee, dass chinesische Arbeiter, die einst unter einem sozialistischen Regime litten wie nur wenige andere in der Geschichte, jetzt die Chance haben, in Fabriken für große Unternehmen zu arbeiten. Durch den Freihandel und die internationale Zusammenarbeit haben sie Zugang zu einem besseren Leben. Diese Menschen sind nicht unsere Feinde; sie sind Menschen, die das Recht haben, ein besseres Leben zu führen, genau wie Sie und ich.

Wünschen Sie sich, dass es allen Menschen auf dieser Welt gut geht? Freihandel ist eine wunderbare Möglichkeit, dies zu verwirklichen. Zölle enden nur damit, Elend zu verbreiten, ein klassischer Fall von Unmenschlichkeit von Menschen gegenüber Menschen. Je früher die US-Regierung dies erkennt, desto besser wird es allen gehen.

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Der Originalbeitrag mit dem Titel Make the Trade Truce Permanent ist am 3.12.2018 auf der website des American Institute for Economic Research erschienen.

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Jeffrey A. Tucker ist Redaktionsleiter des American Institute for Economic Research. Er ist Autor von vielen tausend Artikeln und von acht Büchern in 5 Sprachen. Er hält Vorträge zu den Themen Wirtschaft, Technik, Sozialphilosophie und Kultur.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: © Oleksiy Mark – Fotolia.com

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