„Ludwig von Mises – der kompromisslose Liberale“ – das neue Buch von Thorsten Polleit

7. November 2018 – von Andreas Marquart

Andreas Marquart

Wer sich mit den Schriften des herausragenden Ökonomen, Erkenntnistheoretikers, Gesellschaftsphilosophen und theoretischen Historikers Ludwig von Mises (1881-1973) beschäftigt, der wird nicht umhin kommen, in ihm eine Ausnahmepersönlichkeit zu sehen – und muss sich zwangsläufig mit der Frage beschäftigen, wie die heutige Welt in Gesellschaft und Wirtschaft wohl aussehen würde, hätten sich Politiker und Ökonomen vor etwa 100 Jahren nicht dem Keynesianismus und dem staatlichen Interventionismus, sondern den Ideen Ludwig von Mises‘ zugewandt.

Zweifellos wird das von Mises aufgestellte Theoriengebäude und seine Bedeutung für eine freiheitliche Gesellschaftsordnung nicht nur im deutschen Sprachraum nach wie vor unterschätzt, und ist in wirtschaftswissenschaftlichen Fachkreisen gar wenig bekannt.

In Lemberg, dem heutigen Lwiw, in der Ukraine geboren und in jungen Jahren nach Wien gekommen, fand Mises in Carl Menger (1840-1921) seinen Wegweiser. Menger, der als Begründer der Österreichischen Schule der Nationalökonomie gilt, hatte mit seinem Werk Grundsätze der Volkswirtschaftslehre (1871) Bahnbrechendes geleistet und dargelegt. Zum Beispiel, dass Güter ihren Wert allein durch die subjektive Wertschätzung der Menschen erhalten. Und er legte auch das „Gesetz vom abnehmenden Grenznuten“ dar, dass die Grundlage der Wert- und Preistheorie ist. Mises – der in seinen jungen Jahren – wie die meisten seiner Zeit – eher sozialistischen Ideen nachhing – wurde, wie er später schrieb, durch Menger zum Nationalökonomen.

Im Jahr 2007 legte der an der Universität in Anger in Frankreich lehrende Ökonom Jörg Guido Hülsmann eine mehr als 1.100 Seiten starke englischsprachige Mises-Biographie vor: Mises. The Last Knight of Liberalism. Im September 2018 hat nun Thorsten Polleit ein Buch veröffentlicht mit dem Titel Ludwig von Mises für jedermann: Der kompromisslose Liberale, erschienen in der Reihe „Ökonomen für Jedermann“ bei Frankfurter Allgemeine Buch. Mit seinen 270 Seiten könnte das Buch auf den ersten Blick vielleicht bescheiden wirken. Doch schon die Gliederung des Buches zeigt, dass es inhaltsstark ist, dass es mehr als nur eine Ein- und Hinführung zu Leben und Werk von Ludwig von Mises ist. Der Autor – er ist Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth – führt den Leser gut strukturiert und in verständlichen Worten durch den Inhalt von Mises‘ bedeutendsten Schriften.

Nach etwa zwei Stunden Lesevergnügen ist sich der Leser darüber im Klaren, warum der Sozialismus mit all seinen Spielarten undurchführbar ist, warum das staatlich regulierte Geldwesen üble Folgen hat („Boom und Bust“ verursacht), und warum es kein „Mittelding“, keinen „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Sozialismus geben kann.

Der Leser erfährt auch eine zentrale Einsicht, die Mises‘ Werke durchzieht: Dass nämlich die Volkswirtschaft keine Erfahrungswissenschaft, sondern eine Erkenntniswissenschaft ist. Anders als in der Naturwissenschaft, in der sich Experimente unter gleichen Rahmenbedingungen beliebig oft wiederholen lassen, ist ein solches Vorgehen, um Erkenntnisse zu gewinnen, in der Volkswirtschaft nicht möglich. Hier hat man es mit Menschen zu tun, die eben nicht immer auf die gleiche Art und Weise handeln – weil sie täglich dazulernen, neue Erfahrungen machen oder ihre Präferenzen und Ziele ändern.

Die logisch unangreifbare Einsicht, dass der Mensch handelt, steht der Anwendung der naturwissenschaftlichen Methode in der Nationalökonomie entgegen. Mises begründet, warum die Nationalökonomie widerspruchsfrei nur als – wie Polleit es formuliert – „apriorische Handlungswissenschaft“ verstanden werden kann. Die dafür geeignete wissenschaftliche Methode nennt Mises „Praxeologie“: die Lehre des menschlichen Handelns.

Von dieser zentralen Einsicht Mises‘, die Polleit nachdrücklich herausarbeitet, will aber damals wie heute die vorherrschende Mainstream-Ökonomik nichts wissen. Heute folgen die meisten Ökonomen der naturwissenschaftlichen Methode. Sie versuchen, den Wahrheitsgehalt von ökonomischen Theorien anhand von Daten „zu testen“. Mises zeigte nicht nur auf, dass das ein methodisch falsches Vorgehen ist und es falsche Ergebnisse hervorbringt. Er erkannte auch, dass die Ökonomen dadurch in einen „Skeptizismus“ und „Relativismus“ abgleiten, durch die sie sich letztlich auch ihrer politischen Unabhängigkeit berauben.

Es gelingt Polleit auch, dem Leser einen Blick auf Mises den Menschen zu geben. (Mises hat ja so gut wie keine persönlichen Zeugnisse hinterlassen.) Etwa indem er Mises‘ Frau Margit von Mises zu Wort kommen lässt, oder indem er Ausführungen von Mises vorlegt, die auf seine Wesenszüge rückschließen lassen. Der Leser kann sich ein Bild machen, unter welch widrigen Umständen Mises als Wissenschaftler gewirkt hat,  und darüber, dass er ein aufrichtiger Wissenschaftler war, der seine Integrität stets bewahrt hat, auch wenn ihm dies zuweilen in seiner wissenschaftlichen Karriere geschadet hat. Kurzum: Polleit skizziert Mises als „Role Model“ für die Ökonomenzunft.

Das Buch „Ludwig von Mises für Jedermann. Der kompromisslose Liberale“ ist zweierlei: Für den Neuling ist es eine erhellende Einführung in das Leben und Werk des wohl bedeutendsten Vertreters der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. Für alle die, die bereits über Kenntnisse in puncto „Austrian Economics“ verfügen, stellt die Lektüre in jedem Fall eine lohnende und umfassende Vertiefung dar.

Weil die Verbreitung der „richtigen“ ökonomischen Lehre so wichtig ist, wünsche ich mir, dass Polleits „Ludwig von Mises für Jedermann. Der kompromisslose Liberale“ eine möglichst weite Verbreitung findet – und dazu kann man beitragen, indem man beispielsweise das herannahende Weihnachtsfest zum Anlass nimmt, um das Buch zu verschenken!

Andreas Marquart ist Vorstand des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”. Er ist Honorar-Finanzberater und orientiert sich dabei an den Erkenntnissen der Österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie. Im Mai 2014 erschien sein gemeinsam mit Philipp Bagus geschriebenes Buch “WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen”. Zuletzt erschienen, ebenfalls gemeinsam mit Philipp Bagus: Wir schaffen das – alleine!

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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