Der Wolkenkratzer-Fluch

24. August 2018 – Lesen Sie nachfolgend das Vorwort zu Mark Thorntons neuem Buch The Skyscraper Curse: And How Austrian Economists Predicted Every Major Economic Crisis of the Last Century (Auburn, AL: Mises Institute, 2018).

von Thomas E. Woods

Thomas E. Woods

Im Zuge der Finanzkrise 2008 hat der Beruf des Ökonomen Schaden genommen. Aber anders als die meisten seiner Kollegen fand Mark Thornton 2008 seine Bestätigung. Mark war eine Stimme der Vernunft in Zeiten, in denen die wilden Interventionen der Federal Reserve dazu führten, dass ansonsten vernünftige Menschen ihren Verstand verloren.

Eine Faustregel, die ich für mich übernommen habe, lautet: Wann immer die Idee, der Konjunkturzyklus könnte für allezeit gezähmt worden sein, beginnt, Mainstream zu werden, lauert der Bust bereits um die Ecke.

Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie sehen, warum. Mark diskutiert die sehr unterschiedlichen Schriften von Irving Fisher und Ludwig von Mises aus den 1920er Jahren – mit der damaligen Aussage (Ende 1929!) des Erstgenannten, die Aktienkurse hätten ein „dauerhaft hohes Niveau“ erreicht, und Mises’ Warnung, die Abrechnung für die gesamte künstliche Kreditschöpfung der Zentralbanken der Welt würde kommen.

Ende der 1960er Jahre verkündete der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Arthur Okun, dass mittels einer klugen Fiskal- und Geldpolitik Boom und Bust der Vergangenheit angehörten. Einen Monat, nachdem sein Buch zu diesem Thema veröffentlicht wurde, befanden sich die Vereinigten Staaten offiziell in einer Rezession.

Mit der Dotcom-Blase der 90er Jahre setzte sich dieses Muster fort. Der Vorsitzende der Federal Reserve, Alan Greenspan, spekulierte sogar, dass wir in ein Zeitalter eingetreten seien, in dem auf Booms nicht mehr unbedingt Busts folgen müssten.

Ich hoffe, Sie wissen, was als nächstes geschah.

Die jüngste Finanzkrise, die mit einer besonders zerstörerischen Immobilienblase verbunden war, brachte den gleichen verrückten Kommentar: Warum die Immobilienpreise nie fallen!

Ich hoffe, Sie wissen, was als nächstes geschah.

Tatsächlich war Mark Thornton einer der wenigen Ökonomen, die bereits 2004 vor einer Immobilienblase und ihren unvermeidlichen Folgen warnte. Das war damals eine einsame Haltung. Niemand wollte die Worte „unhaltbar“ oder „Blase“ hören, wenn er mehrere Immobilien kaufte und alleine dadurch der Weg zu Reichtum geebnet zu sein schien. Natürlich war Mark die Stimme, die am meisten geholfen hätte, denn hätten sich die Leute die Mühe gemacht, zuzuhören, dann wären Ihnen große Verluste erspart geblieben.

Aber wenn alle sogenannten respektablen Stimmen allen versichern, dass alles in Ordnung ist, dann ist es der Weise, der der Spinner zu sein scheint.

Nun war Mark für nichts anderes bekannt, als ein gewissenhafter Historiker dieser früheren Konjunkturzyklen und ein genauer Prognostiker der Immobilien- und Finanzkrise zu sein, was Grund genug wäre, ihn als einen Gelehrten zu respektieren, der unsere Aufmerksamkeit und unseren Respekt verdient.

Aber natürlich hat Mark noch viel mehr getan. In diesem Buch begegnen Sie zum Beispiel Marks Arbeiten über den sogenannten „Wolkenkratzer-Fluch“. Ich werde hier nicht Mark’s These zu diesem Thema offenbaren, denn der Autor eines Vorwortes sollte seinen Platz kennen, und dem Autor die Show zu stehlen, ist ziemlich unpassend.

Soviel aber kann ich sagen: Obwohl ein Zusammenhang zwischen dem Erreichen neuer Wolkenkratzerrekorde einerseits und dem Eintauchen in eine Rezession andererseits von einigen Autoren festgestellt worden war, wurde der Zusammenhang im Allgemeinen nur ein wenig mehr als ein merkwürdiger Zufall abgetan. Mark hingegen hat gezeigt, wie die beiden Phänomene zusammenhängen – natürlich nicht in dem Sinne, dass hohe Wolkenkratzer den Konjunkturzyklus auslösen, sondern dass sie zahlreiche Merkmale der von der österreichischen Konjunkturtheorie beschriebenen Boomphase verkörpern.

Die österreichische Konjunkturtheorie ist wahrscheinlich der wichtigste Part betreffend Informationen über das Wirtschaftsgeschehen und das Verständnis diesbezüglicher Zusammenhänge – für die Menschen hierzulande und natürlich gerade heute für die ganze Welt. Auch hier überlasse ich Mark die gesamte Darlegung. Nur soviel vorab: Nach Ansicht der Ökonomen der österreichischen Schule ist das gewohnte Muster von Wirtschaftsbooms und -busts nicht in der Marktwirtschaft verankert, sondern das Produkt der Intervention der Währungsbehörden in die Wirtschaft. Wenn nämlich die Zentralbank die Zinsen unter das Niveau senkt, das sich auf dem Markt eingestellt hätte, setzt sie eine Reihe von Reaktionen bei Investoren und Verbrauchern in Gang, die sich als unvereinbar erweisen werden. Das Ergebnis ist die Rezession, die die Wirtschaft wieder gesunden lässt: Die unhaltbare Struktur der Wirtschaft wird aufgelöst, und die Ressourcen (einschließlich Arbeit) werden auf Produktionslinien umverteilt, die im Hinblick auf Ressourcenverfügbarkeit und Verbraucherpräferenzen sinnvoll sind.

Auf den folgenden Seiten erklärt Mark die Theorie, wendet sie auf verschiedene historische (und gegenwärtige) Fälle an und rekonstruiert die häufigsten Einwände.

Kurzum, dieses Buch dient dem wertvollen Zweck, die Marktwirtschaft gegen die herkömmliche Auffassung zu verteidigen, die Freiheit hätte versagt hat und wir bräuchten noch mehr Kontrolle. Wir hatten bereits am Vorabend der Finanzkrise viele Regeln und Bürokraten. Was hat es uns geholfen? So gut wie keiner von ihnen sah die Probleme am Horizont, und die Bündel der Regeln und Vorschriften zielten in die falsche Richtung: Indem der Privatsektor wie in einem Kafka-Roman handelte, konnte die Federal Reserve ihren Unfug ungehindert ausführen.

Und hier noch ein verrückter Gedanke: Vielleicht ziehen wir dieses Mal einen wirklich freien Markt, mit gesundem Geld und marktwirtschaftlichen Zinsen in Betracht und schaffen die riesige Luftblasenmaschine ein für allemal ab. Lesen Sie Mark Thornton und lassen Sie sich von diesem und anderen verbotenen Gedanken unterhalten.

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Der Originalbeitrag mit dem Titel When Mainstream Economics Was Wrong, Mark Thornton Was Right ist am 11.8.2018 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Tom Woods ist Senior Fellow des Mises Institute und Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschienen Real Dissent: A Libertarian Sets Fire to the Index Card of Allowable Opinion. Zu seinen weiteren Büchern gehören die New York Times Bestseller The Politically Incorrect Guide to American History und Meltdown. Mit seinem Buch The Church and the Market: A Catholic Defense of the Free Economy gewann er den ersten Preis bei den Templeton Enterprise Awards. Seine Artikel sind in zahlreichen populären und wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen und seine Bücher wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Er moderiert die Tom Woods Show, einen libertären Podcast, der jeden Wochentag eine neue Episode veröffentlicht. Zusammen mit Bob Murphy moderiert er Contra Krugman, einen wöchentlichen Podcast, der Paul Krugmans New York Times Kolumne widerlegt.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

 

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