Gefahren durch den Klimawandel? Warum zentrale Planung nicht die Lösung ist

8. August 2018 – von Ryan McMaken

Ryan McMaken

Über Jahrzehnte war die allgemeine Strategie der „Klima“-Aktivisten, die Voraussagen hinsichtlich Apokalypse, Tod und Zerstörung zu maximieren. Diese radikale Vorgangsweise wurde angewandt, um die Idee zu verankern, dass praktisch keine Kosten zu hoch sind, wenn es um die Implementierung globaler, staatlicher Kontrolle über sämtliche menschlichen Aktivitäten geht, im Dienste der Abwendung des Klimawandels. Schließlich ist eine Kosten-Nutzen-Analyse im Angesicht der Apokalypse wertlos.

Im Grunde ist die Botschaft simpel: Entweder wir geben die Kontrolle über die Wirtschaft in die Hände einer kleinen Elite von Klimaplanern oder wir werden alle sterben.

Diese Vision ist natürlich der Traum von Propagandisten, jedoch müssen in der Realität, wo ab und zu rationalere Akteure agieren, die Kosten jeglicher Regulierung den Opportunitätskosten von Alternativen gegenübergestellt werden.

Geht man davon aus, dass die meisten Prognosen über die globale Erwärmung zutreffen werden, sind nichtsdestotrotz einige Fragen zu beantworten, bevor man in Betracht zieht, sich die von Klimaaktivisten ersonnenen, wohlfahrtsdezimierenden Regulierungen aufzubürden:

  1. Wie hoch sind die Kosten des Plans für verschiedene Bevölkerungen hinsichtlich der Absenkung des Lebensstandards und der Auswirkungen auf das menschliche Leben?
  2. Übersteigen die Kosten des Plans die Kosten für alternative Lösungen, wie zum Beispiel einer sukzessiven Umsiedlung weg von gefährdeten Küstengebieten?
  3. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Plan Erfolg haben wird und falls nicht, warum er implementiert werden sollte, zugunsten von praktischeren Lösungen für akutere Nöte, wie sauberes Trinkwasser, Nahrung und andere grundsätzliche Notwendigkeiten?

Die Antwort auf diese Fragen lautet oftmals: „Du musst uns Vertrauen, du anti-wissenschaftlicher Höhlenmensch! Du vergeudest wertvolle Zeit. Falls ihr die Pläne nicht sofort implementiert, werden wir umso sicherer einen schrecklichen Tod sterben.“ In solch einer Situation ist die Hinterfragung der vorgeschlagenen Lösungen und Strategien indiskutabel. Es gibt entweder eine vorgefertigte, politische Agenda, die das Problem der globalen Erwärmung „lösen“ wird oder gar nichts. Wem das nicht passt, ist „anti-wissenschaftlich“, unbeachtet seiner tatsächlichen wissenschaftlichen Meinung.

Es überrascht jedoch nicht, dass selbst Menschen, die mit den Warnungen vor der globalen Erwärmung sympathisieren – und die kaum Libertäre und damit gegen jede Form von staatlicher Intervention sind -, diesen Ansatz als wenig konstruktiv empfunden haben.

Die Menschheit sucht bereits nach Lösungen für Umweltprobleme – ohne globale Klimabürokratie

Viele gut-informierte Beobachter der Thematik werfen ein, dass die Menschen mit ihrem Einfallsreichtum schon vielen großen und schwierigen Herausforderungen gegenüberstanden. Und obwohl die menschliche Geschichte kaum als Abfolge von großartigen Erfolgen bezeichnet werden kann, lassen sich in ihr doch genügend Erfolgsgeschichten finden, die möglicherweise darauf schließen lassen, dass der Narrativ einer kurz bevorstehenden Klimaapokalypse möglicherweise ein wenig hysterisch wirken könnte.

Neuerdings scheint es, als ob die Apokalypse-Partei allmählich den rhetorischen Kampf verliert.

Im März publizierte die Zeitschrift Scientific American den folgenden Artikel von John Horgan: „Should We Chill About Global Warming?“ – Sollten wir uns in Bezug auf die Globale Erwärmung entspannen? Der Autor bringt darin die Idee zum Ausdruck, dass kontinuierlicher Fortschritt in der Wissenschaft und in anderen Gebieten uns helfen wird, die Umweltprobleme zu überwinden.

Konkret beschreibt Horgan die beiden Ansätze von Steven Pinker und Will Boisvert. Beide gehen davon aus, dass uns der Klimawandel große Schwierigkeiten bereiten wird, sind also vom Klimawandel überzeugt.

Sowohl Pinker als auch Boisvert können kaum als libertär bezeichnet werden, aber sie kommen beide zu dem Schluss, dass es aufgrund der Herausforderungen des Klimawandels keinerlei globalen Klimaregierung bedarf. Vielmehr sind die Gesellschaften bereits jetzt motiviert, die essentiellen Dinge zu erledigen, die notwendig sind, um die aufziehenden Herausforderungen des Klimawandels zu meistern.

Gemeint ist vor allem das Streben zur Erhöhung des Lebensstandards durch technologische Innovation, um mit dem Klimawandel umzugehen.

Boisvert beginnt seinen Essay „The Conquest of Climate“, veröffentlicht in Progress and Peril, folgendermaßen:

„Wie schlimm wird der Klimawandel werden? Nicht sehr schlimm…

Nein, das ist keine leugnende Tirade. Menschliche Treibhausemissionen werden den Planeten erwärmen, die Ozeane anheben und das Wetter verzerren. Die daraus resultierenden Hitzewellen, Fluten und Dürren werden verheerend sein, aber nicht apokalyptisch.

Während der Umbruch des Klimas enorm sein wird, werden die Konsequenzen für die menschliche Wohlfahrt gering ausfallen. Von einer breiteren Perspektive der ökonomischen Entwicklung aus betrachtet, wird der Klimawandel kaum den Fortschritt zur Erhöhung des Lebensstandards bremsen.“

Boisvert merkt auch an, dass die Herausforderungen, wie erhöhte Temperaturen, Dürren und die Verdrängung von Bevölkerungen aus Flutgebieten, am besten durch technologische Innovation gemeistert werden.

Innovation und Kapital werden mehr denn je benötigt

Im Fall von Dürren, zum Beispiel, zeigt die Erfahrung, dass das beste Werkzeug, damit umzugehen, die Förderung von Wohlstand ist. Boisvert bezieht sich spezifisch auf das Beispiel von derzeitigen Dürren im Nahen Osten und wie unterschiedlich sich diese auf Israel im Gegensatz zu allen anderen betroffenen Länder ausgewirkt haben, da Israel über mehr Kapital und Innovation verfügt.

Wohlhabendere, mehr marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaften können besser mit solchen und anderen Problemen umgehen. Schließlich ist es kein Zufall, dass die kommunistischen Regime des 20. Jahrhunderts die umweltschädlichsten Regime der Welt waren. Wohlstand erzeugt beides: Sowohl das Verlangen nach einer unberührten Natur, sowie die Mittel, um diese zu erreichen.

In seinem Essay „Enlightenment Environmentalism“ – Aufgeklärter Ökologismus – klagt Pinker den „Radikalismus und Fatalismus“ der Klimawandelbewegung an, gefährliche Ideologien zu befördern. Bemerkenswert findet er die Art von Ökologismus, die von Aktivisten wie Erz-Anti-Kapitalist Naomi Klein vertreten, die …

„ … in ihrem Bestseller aus 2014, This Changes Everything: Capitalism vs. The Climate, propagiert, die Drohung des Klimawandels nicht als Herausforderung zur Verhinderung des Klimawandels zu begreifen, sondern als Möglichkeit freie Märkte abzuschaffen, die Weltwirtschaft zu restrukturieren und das politische System umzuwandeln.“

Das Problem von Kleins Position, auf das Pinker hindeutet, ist, dass wohlhabendere Gesellschaften eher vorsichtiger mit Umweltproblemen umgehen als andere. Er zieht folgenden Schluss:

„Die Menschheit befindet sich nicht auf einem unabwendbaren Pfad in Richtung ökologischen Selbstmords. Je reicher und technologisch fortschrittlicher die Welt wird, desto mehr dematerialisiert, dekarbonisiert und verdichtet sie sich und verschont dabei Flora und Fauna. Mit Zunahme von Wohlstand und Bildung kümmern sich Menschen mehr um die Umwelt, finden Wege, um sie zu schützen und sind in einer besseren Lage, für diese Kosten zu bezahlen.“

Pinker illustriert diese Aussage mit zahlreichen empirischen Daten, um aufzuzeigen, dass reichere Gesellschaften tatsächlich sauberer und umweltfreundlicher sind. Die Regionen, die sich am meisten an der Marktwirtschaft orientieren, sind auch die Regionen, die sich am meisten mit Umweltschutz und Umweltsanierung befassen. Wir können in den weltweiten Armutsstatistiken erkennen, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Sanitärversorgung verbessert und sich der Hunger und die extreme Armut weltweit verringert hat, während die Weltwirtschaft im selben Zeitraum expandierte.

Obwohl weder Pinker noch Boisvert Vertreter von unbehinderten Märkten sind, erkennen beide, dass Märkte die Innovation und den Wohlstand erzeugen, aus denen die notwendigen Technologien hervorgehen, um die Umweltproblematiken zu lösen. Boisvert schließt daraus, dass – falls die Menschheit kontinuierlich ihre Technologien weiterentwickelt – …

„wir mehr Nahrung anbauen, mehr Wasser fördern, uns besser kühlen, neue Landschaften urbar machen, neue Städte errichten und alte erneuern werden. Wir werden technologische Durchbrüche nützen, aber vor allem werden wir bereits bestehende Technologien verbessern und diese intensiver anwenden. Wir werden all das nicht unbedingt wegen der Globalen Erwärmung tun, sondern wegen drängenderen Herausforderungen wie dem Bevölkerungswachstum und dem Verlangen nach höheren Lebensstandards. Die Mittel, um mit spezifischen Problemen des Klimawandels umzugehen, scheinen also nicht die scheinbar tadellosen Vorschläge der „nachhaltigen Entwicklung“ von Grünen et al zu sein, sondern vielmehr die herkömmliche Entwicklung, die uns bisher immer erhalten hat.“

Die letzten zwei Sätze sind am wichtigsten. Es sind keine neuen, speziellen, weltverändernde Regulierungen oder globale Regime, die die Menschheit in einer Welt, die von Globaler Erwärmung betroffen ist, florieren lassen. Es ist die „herkömmliche Entwicklung“, basierend auf dem alltäglichen Verlangen nach einer höheren Lebensqualität, die die notwendigen Technologien hervorbringt, um mit Umweltproblemen umzugehen.

Im Gegensatz zu den Forderungen radikaler Klimawandelaktivisten ist es daher nicht notwendig, den Kapitalismus zu zerschlagen, primitive Lebensstile aufzunehmen oder die menschliche Gesellschaft nach den Vorstellungen von Zentralplanern zu revolutionieren. In Wirklichkeit wollen die Menschen bereits jetzt alles, was das Leben erträglich und lebenswert in einer erwärmten Welt macht. Die dafür notwendigen Anreize sind bereits vorhanden. Menschen wollen bereits jetzt Technologien, die die Energieeffizienz erhöhen, die Luft reiner halten und sie wollen Strände ohne Ölflecken. Was viele Umweltschützer nicht zugeben wollen, ist, dass der Markt die treibende Kraft hinter den Technologien ist, die diese Lösungen hervorbringen werden.

Zurück zu unserer Anfangsfrage. Wie hoch sind die Kosten der Implementierung eines globalen Klimaplans, der Märkte beschränkt und einen „nachhaltigeren“ (also geringeren) Lebensstandard über die globale Bevölkerung verhängt? Falls Pinker und Boisvert richtig liegen, ist man dazu gezwungen, daraus zu schließen, dass die Kosten extrem hoch ausfallen würden. Falls radikale Umweltregulierungen beschlossen würden, ist es wahrscheinlich, dass marktbasierte Innovation und Kapitalbildung davon höchst negativ betroffen sein werden. Während Anti-Kapitalisten dem zujubeln würden, ist das wahrscheinlichste Resultat die Zerstörung derjenigen Mittel, die wir brauchen werden, um die Umweltherausforderungen, die auf uns zukommen werden, meistern zu können.

Aus dem Englischen übersetzt von Mathias Nuding. Der Originalbeitrag mit dem Titel Fear Global Warming? Markets Offer Our Best Chance for Survival ist am 24.4.2018 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Ryan McMaken ist Editor von Mises Daily und The Free Man. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft an der University of Colorado.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: © John Smith – Fotolia.com

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