Sozialismus: Eine schlechte Idee, die bekämpft werden muss

7. Juli 2021 – Buchempfehlung „Sozialismus: Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt“. 

von Andreas Tögel

Andreas Tögel

Wer nach dem Untergang des Realsozialismus in Osteuropa an den totalen Sieg des Kapitalismus glaubte, lag völlig daneben. Von einem „Ende der Geschichte“ (Francis Fukuyama) – dem unumkehrbaren Endsieg des westlich-liberalen, marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaftsmodells, kann seither wirklich keine Rede sein – und das hat nicht nur mit dem Aufstieg des autoritär und selbstbewußt geführten Reiches der Mitte zu tun. Nie zuvor waren sozialistische Ideen im einst freien Westen derart populär und bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen wie heute. Das gilt beiderseits des Atlantiks und ist, angesichts der verheerenden Bilanz der bisher vollbrachten roten Experimente, mehr als erstaunlich.

Rund zwei Dutzend Versuche, den „wahren Sozialismus“ zu verwirklichen, hat es seit der Oktoberrevolution gegeben. Sie alle sind – gemessen an den von ihren Protagonisten erhobenen Ansprüchen und Versprechen – fulminant gescheitert. Die meisten davon nicht ohne Leid, Elend und zum Teil beachtliche Leichenberge zu hinterlassen. Bemerkenswert ist, daß jeder einzelne dieser Versuche vom begeisterten Beifall westlicher Intellektueller begleitet wurde – zumindest zu deren Beginn. Nach der Phase einer von vereinzelten Anfangserfolgen verursachten Euphorie folgte, sobald die ersten Probleme und Rückschläge einsetzten, regelmäßig die der Ernüchterung und einer damit einhergehenden Schweigsamkeit, gefolgt von jener der immer gleich lautenden Distanzierung: Das sei leider doch kein „echter“ Sozialismus gewesen.

Das gegen jedwede Kritik auf geniale Weise zuverlässig immunisierende Prinzip: „Echter“ Sozialismus zeichne sich dadurch aus, das Paradies auf Erden zu verwirklichen. Da aber die Experimente von Lenin, Stalin, Mao, Kim Il Sung, Castro, Pol Pot, Mugabe, Ortega, Chavez & Genossen das verheißene hierarchie- und gewaltfreie Arbeiterparadies offensichtlich nicht verwirklicht haben, konnte es folglich auch kein „echter“ Sozialismus gewesen sein. Klar soweit?

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Auf die Idee, dass ein zentral organisierter Sozialismus, dank der systembedingten Abwesenheit von Marktpreisen, zwangsläufig am ihm immanenten Informations- und Kalkulationsproblem scheitern muß, ist anscheinend noch keiner seiner Apologeten gekommen – obwohl zu dieser Tatsache eine Menge wissenschaftlicher Literatur existiert. Hier sei etwa Ludwig von Mises´ 1944 erschienene, schonungslose Abhandlung über „Die Bürokratie“ genannt. Sozialistische Systeme sind demnach zur Ressourcenvergeudung verurteilt und bewegen sich unweigerlich auf den kollektiven Mangel zu. Die Einsicht, daß ein System, das nur dann funktionieren kann, wenn alle ohne zu murren mitspielen, die unvermeidlichen „Spielverderber“ zum Mitmachen zwingen und daher unausweichlich zur Gewaltanwendung führen wird, scheint sich westlichen Intellektuellen auch nicht so recht erschließen zu wollen.

Auf die Frage, wie ein dezentral organisierter Sozialismus aussehen könnte, gibt es übrigens bis heute keine Antwort, die sich nicht in hochfahrenden Abstraktionen und phantasievollen Wunschbildern verliert. Konkrete, handfeste Vorstellungen für entsprechende Organisationsstrukturen und -Regeln existieren jedenfalls nicht. Die Gescheiteren unter den Sozialisten, wie beispielsweise der französische Philosoph Jean Francois Revel, haben das Problem schon vor Jahrzehnten adressiert und eine „totalitäre Versuchung“ diagnostiziert, der die Protagonisten des Sozialismus zu erliegen drohen. Die Geschichte ist ja auch voller einschlägiger Beispiele – gegenwärtig seien Nicaragua und Venezuela genannt, wo linke Regime mit immer repressiveren Methoden gegen ihre von den Segnungen des Sozialismus nicht mehr restlos überzeugten Bürger vorgehen.

Das Resümee des Buchautors lautet, daß der Sozialismus sich – im Gegensatz zum „kalten“ Kapitalismus – einfach gut anfühlt. Wer findet schließlich die Vorstellung nicht großartig, daß jedermann in Freiheit und Wohlstand leben und dennoch zu jeder Zeit tun und lassen kann, was ihm beliebt? Alle Welt lebt im roten Utopia im Überfluß. Jeder wird seiner teilhaftig. Wie gesagt, das Paradies auf Erden. Daß eine fraglos unperfekte marktwirtschaftliche Realität mit Wunschvorstellungen einer sozialistischen Utopie kontrastiert wird, läßt die erstere natürlich in besonders trübem Licht erscheinen. Der Frage, warum denn nicht längst ein erfolgreicher Versuch zur Schaffung des Himmels auf Erden unternommen wurde, wird mit den oben genannten Stereotypen begegnet.

Dass die meisten Sozialisten dem ebenso verhassten, wie konkurrenzlos produktiven Marktsystem ihre schiere Existenz verdanken, ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte. Und weil Gefühle die Vernunft jederzeit schlagen, wird es die „anthropologische Konstante“ des Sozialismus (Igor Schafarewitsch) auch in Zukunft leicht haben, als Wunschbild weiterzuleben.

Sozialismus bedeutet den Versuch, durch den Glauben an die Kraft des Willens den Verstand zu schlagen: Zurück hinter die Errungenschaften der Aufklärung. Deprimierend, dass dieser haarsträubende gedankliche Sondermüll nicht längst auf dem Misthaufen der Geschichte liegt.

Wer sich einen wohlfundierten Überblick über die Geschichte des Sozialismus im 20. und 21. Jahrhundert verschaffen will, sollte sich diese Lektüre nicht entgehen lassen.

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Sozialismus: Die gescheiterte Idee, die niemals stirbt
Kristian Niemietz
Finanzbuchverlag
317 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-95972-440-1
22,99 Euro

 

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist gelernter Maschinenbauer, ausübender kaufmännischer Unternehmer und überzeugter “Austrian”.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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