Mit ‚weniger Staat‘ gegen die Auswirkungen des Corona-Virus

6. März 2020 – von Peter C. Earle und Jeffrey Tucker

Peter C. Earle

Die Möglichkeit einer Pandemie – insbesondere einer Pandemie mit so vielen Unbekannten wie bei COVID-19 – sorgt dafür, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Der sprichwörtliche Wendepunkt war für US-Amerikaner anscheinend der Aschermittwoch 2020. An diesem Tag ging die öffentliche Meinung von ‚dies ist nicht wirklich eine Bedrohung‘ zu ‚dies könnte schnell sehr ernst werden und alles ändern‘ über. Asche zu Asche, in der Tat.

All die merkwürdigen Obsessionen der politischen Klasse – vom Verlangen, Milliardäre zu plündern, bis zur Leidenschaft für die Einebnung von Handelsdefiziten – erscheinen auf einmal sehr unwichtig, wenn ein Massensterben durch eine Krankheit möglich scheint.

Wenn der führende Reporter der New York Times für medizinische Themen zugibt, dass er Lebensmittel und Masken hortet, scheint die Lage wirklich ernst zu sein.

Vor nicht einmal einem Monat erwähnte das AIER (American Institute for Economic Research) eine Tatsache, die den meisten Menschen wohl unbekannt ist: Der US-Staat besitzt zur Zeit das Monopol bei der Bekämpfung von Pandemien. Daraufhin tweeteten die Menschen, wir seien Alarmisten. Am Aschermittwoch nun weigerte sich der Präsident, China-ähnliche Maßnahmen bei der Bekämpfung von COVID-19, wie die Quarantäne ganzer Städte, auszuschließen.

Jeffrey Tucker

Die wirtschaftlichen Auswirkungen solcher Maßnahmen könnten verheerend sein. Lieferketten würden unterbrochen. Reisemöglichkeiten würden eingeschränkt und mancherorts sogar gestoppt. Lebensmittel- und Medikamentenlieferungen könnten nicht mehr befördert werden. Arbeiter säßen für Monate in ihren Wohnungen fest. Und es geht hier nicht nur darum, was der Staat von uns verlangt. Es geht auch darum, was die Menschen bereit sind zu tun, um die Gefahr der eigenen Ansteckung zu verringern. Wenn es um Leben und Tod geht, werden die Menschen auf einmal sehr risikoscheu. Sie neigen auch zu unkontrollierter Panik.

Unternehmen schränken schon jetzt internationale Reisen ein. Ladengeschäfte leiden unter der Angst der Menschen, mit anderen in Berührung zu kommen. Restaurants, die Unterhaltungsindustrie, Messen, Sportveranstaltungen, Konzerte, die gesamte Tourismusbranche und noch viele mehr sind davon betroffen. Die Spielzeughersteller spüren schon jetzt die Auswirkungen.

Es gibt auch schon Folgen für die Finanzmärkte. Was wird mit den Einzelhandelspreisen geschehen? Uns könnten hier unvorhersehbare Schwankungen bevorstehen. Schon jetzt sind 60% der globalen Produktion auf internationalen Handel angewiesen, und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Wir sehen überhaupt nicht, wie sehr die unglaublich komplexen Produktionsstrukturen auf funktionierende Märkte angewiesen sind, die nun empfindlich gestört werden könnten.

Es gibt bis jetzt nur wenige Untersuchungen über die möglichen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Eine Untersuchung des Congressional Budget Office aus dem Jahr 2006 hat ergeben, dass eine Pandemie von den Ausmaßen der Grippe von 1918 zur Senkung des weltweiten BIP um 4,25% führen würde. Die Folge wäre eine schmerzhafte Rezession.

Die Reaktionen der Politik blieben bis jetzt beschränkt auf die Bitten örtlicher Behörden um mehr Geld für Vorbereitungen. So berichtet das Wall Street Journal:

Mittlerweile bemüht sich der New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo um weitere staatliche Mittel für die Vorbereitung. Beamte des Staates Connecticut berichten, dass Knappheit an medizinischen Handschuhen und Masken besteht. Gemeinden in Kalifornien – so auch San Francisco und San Diego – haben die Menschen gewarnt, sich auf einen möglichen Ausbruch vorzubereiten.

Wie wäre es mit folgender Idee: Senkt Steuern, Zölle und andere Handelsbarrieren, und zwar sofort und in genügendem Maß. Jetzt ist nicht die Zeit, künstliche Barrieren aufrecht zu erhalten. Reißt sie ein, und zwar jetzt. Dabei handelt es sich nicht um künstliche Stimulierung. Dies sollten wir auch unabhängig von der aktuellen Situation tun. Allerdings ist die Angelegenheit angesichts einer durch eine Epidemie ausgelösten Rezession noch viel dringender. Dies ist eine weit bessere Methode als eine lockere Geldpolitik oder mehr staatliche Mittel, die beide weder Handel noch Produktion aufrechterhalten können.

Außerdem müssen die Preise für wichtige Güter (zur Zeit Masken) steigen können, ohne dass wegen „Preistreiberei“ dagegen vorgegangen wird, damit die Produktion dort ausgeweitet werden kann, wo die höchsten Gewinne winken, und so die Nachfrage befriedigt werden kann.

Zur Zeit haben die USA ca. 50 Milliarden US-Dollar an Zöllen gegen Importe aus China verhängt, was zu chinesischen Vergeltungszöllen in Höhe von 112 Milliarden Us-Dollar geführt hat.

Die Staaten sind oft die letzten, die eine Krise kommen sehen, und ihre Antwort verschlimmert sie oft noch oder sorgt für neue Krisen, oder beides. Das Beste, was Regierungen angesichts von Krankheitswellen, Naturkatastrophen und anderen Krisen tun können, ist, sich fern zu halten – als erstes in Bezug auf Politik.

Etwas, das wir außerdem tun können, und tun sollten, ist, Freiheit zu verbreiten. Die totalitäre Regierung Chinas, dem Ursprungsland der Coronavirus-Pandemie, hielt Informationen zurück und führte Beobachter aus anderen Ländern in die Irre, bis dies nicht mehr möglich war.

Um die Illusion des allwissenden Staates aufrecht zu erhalten, werden noch viel mehr Menschen innerhalb und außerhalb Chinas sterben müssen, und unermesslicher wirtschaftlicher Schaden wird dafür außerdem noch in Kauf genommen. Und wir sollten nicht vergessen, dass die wahrscheinlichste Quelle des Coronavirus – der Verzehr exotischer Tiere – in China lag, wo über 150 Millionen Menschen unterernährt sind.

Die Aussicht auf Quarantäne oder andere Formen staatlicher Einschränkungen können die Menschen davon abhalten, Informationen zu teilen, wenn dies am nötigsten ist. Sie fördern außerdem eine Form von Paranoia: Was ist es, das wir nicht wissen? Natürlich spielen auch Menschenrechtsfragen eine Rolle. Eine komplette Stadt abzuriegeln und die Menschen dort der Krankheit auszusetzen, ist sicher nicht verfassungsgemäß. Bei einer echten Pandemie nützt das außerdem wenig, und könnte zudem noch zu Massenpanik führen.

Der beste Ansatz, gegen eine weltweite Krise wie eine Pandemie mit hoher Sterblichkeitsrate vorzugehen, sind freie Märkte und das schnellstmögliche Abschaffen von Handelsbarrieren. So könnten wir zumindest den Schaden begrenzen, Waren und Dienstleistungen zu denen gelangen lassen, die sie dringend brauchen, die Menschen beruhigen, und Händler und Investoren dafür belohnen, dass sie Normalität und Wachstum soweit wie möglich bewahren.

Die Situation in Bezug auf COVID-19 ist bereits ernst, und könnte schnell noch ernster werden. Wir sollten auch eine ernsthafte politische Antwort bereithalten, die Gesundheit, Freiheit, Eigentum, Frieden und Wohlstand in schlechten Zeiten schützt.

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Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne. Der Originalbeitrag mit dem Titel Economic Policy Must Prepare for Pandemic Disease ist am 27.2.2020 auf der website des American Institute for Economic Research erschienen.

Peter C. Earle ist Wirtschaftswissenschaftler und Autor, der 2018 zur AIER kam und davor über 20 Jahre als Händler und Analyst an der Wall Street auf den globalen Finanzmärkten tätig war. Seine Forschung konzentriert sich auf Finanzmärkte, monetäre Fragen und Wirtschaftsgeschichte. Er wurde im Wall Street Journal, Reuters, NPR und in zahlreichen anderen Publikationen zitiert. Pete hat einen MA in angewandter Wirtschaft der American University, einen MBA (Finanzen) und einen BS in Ingenieurwesen der United States Military Academy in West Point. Folgen Sie ihm auf Twitter.

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Jeffrey A. Tucker ist Redaktionsleiter des Amerikanischen Instituts für Wirtschaftsforschung. Er ist Autor von vielen tausend Artikeln in der wissenschaftlichen und populären Presse und acht Büchern in 5 Sprachen, zuletzt The Market Loves You. Außerdem ist er Herausgeber von The Best of Mises. Er hält zahlreiche Vorträge zu Themen der Wirtschaft, Technologie, Sozialphilosophie und Kultur.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto: Adobe Stock

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