Die Bedrohung durch Gleichmacherei

28.10.2015 – von Llewellyn H. Rockwell Jr.

Llewellyn H. Rockwell Jr.

[Diese Rede wurde am Dallas-Ft. Worth Mises Circle „Against PC“ (Gegen die politische Korrektheit) am 3. Oktober 2015 gehalten.]

Ein Marsmensch, der die Erde besucht, würde in den Vereinigten Staaten zwei Beobachtungen machen – eine davon wahr, die andere nur oberflächlich wahr. Auf Grund pausenlosen Selbstlobes scheinen die Vereinigten Staaten für den Marsmenschen ein Ort zu sein, wo freies Denken gefördert wird und wo man Krieg gegen alle, einst durch reaktionäre Kräfte auferlegte, geistigen Schranken führt. Das ist die oberflächliche Wahrheit.

Die wirkliche Wahrheit, die unser Marsmensch entdecken würde, nachdem er das tatsächliche Verhalten der Amerikaner beobachtet hat, ist, dass die geduldete Meinungsbreite sehr viel schmaler ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Er wird entdecken, dass es bestimmte Ideen und Meinungen gibt, denen alle Amerikaner Glauben schenken und die sie befürworten sollen. Ganz oben auf der Liste ist die Idee der Gleichheit; eine Idee, für die es nie eine präzise Definition gibt, aber vor der jeder niederknien muss.

Ein Libertärer ist mit dem universellen Phänomen, dass Menschen unterschiedlich sind, völlig im Reinen. Er wünscht sich nicht das Gegenteil, er protestiert nicht dagegen, er tut nicht so, als würde es ihm nicht auffallen. Dieses Phänomen gibt ihm eine weitere Möglichkeit, ein Wunder des Marktes zu bestaunen – nämlich die Fähigkeit, so ziemlich allen Menschen einen Platz in der Arbeitsteilung zu geben.

In der Tat basiert das Konzept der Arbeitsteilung auf diesem Phänomen der menschlichen Unterschiede. Wir alle finden diese Nische, die am besten zu unseren Talenten und Fähigkeiten passt, und wir dienen unseren Nächsten am besten, indem wir uns auf dieses gewisse Etwas spezialisieren. Und unser Nächster spezialisiert sich ebenfalls darauf, was er am besten kann, und wir wiederum genießen die Früchte seines spezialisierten Wissens und seiner Fähigkeiten.

Ricardos Gesetz des komparativen Vorteils, welches Ludwig von Mises in seinem Vergesellschaftungsgesetz verallgemeinerte, besagt folgendes: Selbst wenn eine Person in sämtlichen Belangen besser oder talentierter als eine andere Person ist, so kann der weniger Talentierte dennoch in einem freien Markt erfolgreich sein. Ein Beispiel: Selbst, wenn der tollste und erfolgreichste Unternehmer, den man sich vorstellen kann, eine bessere Reinigungskraft und zeitgleich ein besserer Sekretär als jeder andere im Umkreis wäre, würde es für ihn keinen Sinn machen, sein eigenes Büro zu putzen oder die Öffentlichkeitsarbeit zu erledigen. Seine Zeit kann er viel effektiver in dieser Marktnische, in der er sich auszeichnet, einsetzen, so dass es absurd wäre, wenn er sie mit etwas anderem verschwenden würde. Tatsächlich müsste ihm jeder, der ihn als Reinigungskraft einstellen möchte, Millionenbeiträge dafür zahlen, dass er nicht mehr seiner extrem lukrativen Arbeit nachgeht. Also ist selbst eine durchschnittliche Reinigungskraft enorm viel wettbewerbsfähiger als unser fiktiver Unternehmer, da die durchschnittliche Reinigungskraft, sagen wir mal, 15 statt 15.000 Dollar die Stunde für seine Arbeit verlangt.

Also gibt es für jeden einen Platz in der Marktwirtschaft. Und da die Marktwirtschaft diejenigen belohnt, die in der Lage sind, preiswerte Güter für einen Massenmarkt zu produzieren, ist es genau der Durchschnittsmensch, an dem sich alle Industriekapitäne ausrichten müssen. Dieser Umstand muss gefeiert und nicht beklagt werden!

Die Verfechter des Egalitarismus sehen die Situation aber offenkundig nicht so und an dieser Stelle übergebe ich an den großen Anti-Egalitären Murray N. Rothbard. Murray befasste sich u.a. mit dem Thema der Gleichheit in seinem großartigen Essay „Freedom, Inequality, Primitivism, and the Division of Labor“ (Freiheit, Ungleichheit, Primitivismus und die Arbeitsteilung), aber sein Meisterwerk zu diesem Thema ist „Egalitarianism as a Revolt Against Nature“ (Egalitarismus als Aufstand gegen die Natur), das als namensgebendes Kapitel seines wundervollen Buches dient. Es war Murray, der mich bei meinen heutigen Argumenten inspirierte.

Murray wies darauf hin, dass die gegenwärtige Hingabe zur Gleichheit keinen geschichtlichen Ursprung hat:

Die gegenwärtige Verehrung der Gleichheit ist in der Tat eine sehr junge Idee in der Geschichte des menschlichen Denkens. Unter Philosophen und prominenten Denkern war die Idee vor der Mitte des 18. Jahrhunderts kaum vorhanden; wenn jemand sie zur Sprache brachte, dann nur aus Angst oder Spott. Das hochgradig anti-menschliche und gewaltsam zwingende Wesen des Egalitarismus wurde in dem einflussreichen klassischen Mythos des Prokrustes klargestellt. Prokrustes „zwang vorbeiziehende Reisende dazu, sich auf ein Bett zu legen, und wenn sie zu lang für das Bett waren, hat er die abstehenden Körperteile abgehackt und die Beine der zu Kleinen gestreckt.“

Was sollen wir unter dem Begriff der Gleichheit verstehen? Die Antwort: So genau kann man das gar nicht wissen. Die Befürworter nehmen sich kaum die Mühe, präzise offenzulegen, was sie vorhaben. Wir wissen nur, dass wir lieber daran glauben sollen.

Es ist genau dieses Fehlen von Klarheit, was die Idee der Gleichheit so attraktiv für den Staat oder die Regierung macht. Niemand ist ganz sicher, wozu ihn das Prinzip der Gleichheit bewegt. Und es ist noch schwieriger, mit den ständig wechselnden Forderungen mitzuhalten. Gestern noch zwei offensichtlich unterschiedliche Dinge können heute ganz genau gleich sein. Und du glaubst lieber daran, dass sie gleich sind, wenn du nicht willst, dass dein Ruf beschmutzt und deine Karriere zerstört wird.

Das war auch das Kernstück des berühmten Streites zwischen dem neokonservativen Harry Jaffa und dem paläokonservativen M.E. Bradford, der in den 1970ern in der Zeitschrift Modern Age ausgetragen wurde. Die Gleichheit ist ein Konzept, das nicht festgenagelt oder unterdrückt werden kann und wird. Bradford versuchte vergeblich, Jaffa klar zu machen, dass die Gleichheit ein Rezept für eine permanente Revolution war.

Meinen die Egalitären vielleicht, dass wir hinter der Idee stehen, dass jeder ein Astrophysiker sein kann, solange er im richtigen Umfeld aufwächst? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Manche glauben es bestimmt. Im Jahr 1930 behauptete die Encyclopaedia of the Social Sciences, „bei Geburt sind menschliche Kleinkinder, unabhängig ihren Ursprungs, so gleich wie Ford-Modelle.“ Ludwig von Mises dagegen behauptete:

„Es kann nicht bestritten werden, dass Menschen im Hinblick auf ihre physischen und geistigen Fähigkeiten ungleich geboren werden. Manche übertreffen ihre Nächsten in Gesundheit und Kraft, in Hirnmasse und Begabungen, in Energie und Entschlossenheit, und sind daher besser als der Rest der Menschheit dafür ausgestattet, ihren irdischen Angelegenheiten nachzustreben.“

Hat Mises hier ein Hassverbrechen begangen? Auch diesmal wissen wir es nicht wirklich.

Dann gibt es die „Chancengleichheit“, aber selbst dieser gewöhnliche konservative Slogan steckt voller Probleme. Die offensichtliche Erwiderung ist, dass es umfassender staatlicher Intervention bedarf, um eine wahre Chancengleichheit zu erreichen. Wie kann jemand in einer armen Familie mit gleichgültigen Eltern ernsthaft die „gleichen Chancen“ wie die Kinder wohlhabender und zugleich fürsorglicher Eltern haben?

Dann gibt es die Gleichheit im kulturellen Sinne – dass jedermann die persönlichen Entscheidungen aller Anderen ratifiziert. Die kulturellen Egalitären meinen das natürlich nicht: Keiner von ihnen fordert, dass diejenigen, die keine Christen mögen, sich hinsetzen und scholastische Theologie lernen, um sie besser zu verstehen. Und hier entdecken wir eine wichtige Eigenschaft des ganzen egalitären Programms: Es geht nicht wirklich um Gleichheit. Es geht darum, dass manche Menschen Macht über andere Menschen haben.

In diesem Herbst hat das Office for Diversity and Inclusion an der University of Tennessee erklärt, dass die traditionellen englischen Pronomen für diejenigen, die sich mit ihrem „bei Geburt zugewiesenen Geschlecht“ nicht identifizieren, bedrückend sind und daher durch etwas Neues ersetzt werden sollten. Das Diversity-Amt empfiehlt als Ersatz für she, her, hers und he, him, his das folgende: ze, hir, hirs; ze, zir, zirs; und xe, xem, xyr. Wenn sie Menschen zum ersten mal begegnen, sollten Studenten also etwas sagen wie: „Schön, dich kennenzulernen. Welche Pronomen sollte ich verwenden?“

Als die ganze Welt im Anschluss in Spott und Gelächter zusammenbrach, hat sich die Universität schwer dabei getan, alle davon zu überzeugen, es seien nur Vorschläge gewesen. Die Gedanken, die jedoch nicht zu den Vorschlägen gehören, müssen zum Meinungsbild aller „richtig denkenden“ Menschen gehören. Diese Gedanken wurden nämlich von unseren Medien und der politischen Klasse diktiert.

Ein anderer Aspekt der Gleichheit, der in den letzten Jahren in den Medien thematisiert wurde, ist natürlich die Einkommensungleichheit. Uns wird gesagt, wie furchtbar es sei, dass manche Leute so viel mehr als andere bekommen sollten, aber wir werden selten gefragt, wie viel (wenn überhaupt) Extra-Wohlstand die egalitäre Gesellschaft zulässt, oder uns wird selten gesagt, auf welcher unwillkürlichen Grundlage solche Urteile gefällt werden könnten.

John Rawls war möglicherweise der einflussreichste politische Philosoph des 20. Jahrhunderts, und er versuchte, in seinem berühmten Buch A Theory of Justice unter anderem die Frage des Egalitarismus zu beantworten. Ich fasse sein Argument an dieser Stelle kurz zusammen: Er meinte, wir würden uns für eine egalitäre Gesellschaft entscheiden, wenn wir gefragt werden, unter welchen gesellschaftlichen Regeln wir leben möchten, ohne dabei zu wissen, wie wir dann in dieser Gesellschaft gestellt wären. Wenn wir nicht wüssten, ob wir männlich oder weiblich, reich oder arm, talentiert oder talentlos sein würden, würden wir uns absichern, indem wir eine Gesellschaft befürworten, in der jeder so gleich wie möglich ist. Sollten wir also in dem Fall Pech haben und die Welt ohne Talente, als Mitglied einer geächteten Minderheit, oder mit einer Behinderung betreten, sind wir uns in einer egalitären Gesellschaft dennoch eines gemütlichen, wenn nicht sogar luxuriösen Lebens sicher.

Rawls war dazu bereit, einen gewissen Grad der Ungleichheit zuzulassen, aber nur, wenn diese den Armen zugute kommt. Mit anderen Worten, Ärzten könnte es gestattet sein, mehr Geld als andere Menschen zu kriegen, wenn dieser finanzielle Anreiz dazu führt, dass sich mehr Menschen für eine medizinische Laufbahn entscheiden. Wenn die Löhne und Einkünfte gleichgemacht werden, dann würden Menschen eher weniger wahrscheinlich die notwendigen Anstrengungen auf sich nehmen, um Arzt zu werden, und die Armen hätten keine medizinische Versorgung. So könnte Ungleichheit geduldet werden, aber nur auf einer egalitären Grundlage und nicht, weil die Menschen das Recht haben, Eigentum zu erwerben und es ohne Furcht vor Enteignung zu genießen.

Da niemand, der recht bei Verstand ist, einen kompletten Egalitarismus akzeptiert, geriet Rawls in unvermeidliche Schwierigkeiten. Eine Schwierigkeit fand sich in seinen Versuchen, mit Ungleichheit zwischen Ländern umzugehen. Selbst der engagierteste Verfechter des Egalitarismus, der in einem Erste-Welt-Land lebt, befürwortet nicht ernsthaft eine Gleichmachung des Wohlstands zwischen Ländern. Die Uni-Professoren, die tagsüber die moralische Überlegenheit des Egalitarismus lehren, wollen abends nicht auf ihren Wein und ihre Käseplatten verzichten.

Also dachte sich Rawls ein spannungsreiches und wenig überzeugendes Argument aus: Obwohl die Ungleichheit zwischen Personen abscheulich ist und nur dann gerechtfertigt werden kann, wenn sie den Armen hilft, ist die Ungleichheit zwischen Ländern schwer in Ordnung. Im Anschluss lieferte er dann Gründe, warum die Ungleichheit zwischen Ländern doch in Ordnung war, obwohl das genau die gleichen Gründe sind, aus welchen die Ungleichheit zwischen Individuen nicht akzeptabel sei.

Selbst wenn der Egalitarismus philosophisch verteidigt werden könnte, gibt es immer noch dieses kleine Problemchen, wie man ihn in der echten Welt implementieren soll. Nur ein Grund, warum der egalitäre Traum nicht wahr werden kann, ist das von Robert Nozick genannte Wilt-Chamberlain-Problem; James Otteson nannte es das „Tag-2-Problem.“ In Chamberlains Blütezeit genoss es jeder, ihm beim Basketballspiel zu sehen. Die Menschen haben bereitwillig gezahlt, um ihm zuschauen zu können. Aber nehmen wir mal an, wir fangen mit einer gleichmäßigen Wohlstandsverteilung an und im Anschluss kommt jeder, um Chamberlain beim Basketball zuzuschauen. Viele Tausende Menschen geben Chamberlain bereitwillig einen Teil ihres Geldes und er wird nun wohlhabender als jeder andere.

Mit anderen Worten: Das Muster der Wohlstandsverteilung wird gestört, sobald irgendjemand an einem Tausch oder Handel teilnimmt. Sollen wir jetzt die Ergebnisse all dieser Transaktionen aufheben und das Geld den ursprünglichen Eigentümern zurückgeben? Sollte man jetzt Chamberlain das Geld, welches ihm die Menschen aus freien Stücken im Austausch für Unterhaltung gaben, vorenthalten?

Aber der Grund, warum der Staat die Gleichheit als moralisches Ideal anstrebt, ist ja genau die Tatsache, dass sie unerreichbar ist. Wir können ewig nach ihr streben, aber wir können sie nie erreichen. Welche Ideologie könnte also aus Sicht des Staates nützlicher sein? Der Staat kann sich als unentbehrliche Kraft der Gerechtigkeit präsentieren, während er gleichzeitig bei der Ausübung des egalitären Programms mehr und mehr Macht und Ressourcen sammelt – über das Bildungswesen, den Arbeitsmarkt, die Wohlstandsverteilung, und so ziemlich jeden Teil des gesellschaftlichen Lebens oder der Wirtschaft. „Gleichheit ist außerhalb einer Tyrannei unvorstellbar“, sagte Montalembert. Die Gleichheit sei, so sagte er: „nichts als die Heiligsprechung des Neides, [und sie] war nichts anderes als eine Maske, die ohne die Beseitigung aller Verdienste und Tugenden nie zur Wirklichkeit werden könnte.“

Im Streben nach Gleichheit weitet der Staat seine Macht auf Kosten anderer Formen der menschlichen Verbände aus, einschließlich der Familie. Die Familie war dem egalitären Programm immer das Haupthindernis. Allein schon die Tatasche, dass Eltern Unterschiede in ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten und ihrer Hingabe zum Nachwuchs haben, bedeutet, dass keine zwei Kinder in unterschiedlichen Haushalten „gleich“ großgezogen werden können.

Der Soziologe Robert Nisbet von der Columbia University hat sich offen gefragt, ob Rawls ehrlich genug wäre, um zuzugeben, dass sein System, sollte man es zum zwingenden Schluss ausüben, zur Abschaffung der Familie führt. Nisbet sagte: „Ich war immer der Meinung, dass die Behandlung der Familie ein exzellenter Indikator für das offene oder latente Ausmaß von Pflichteifer und Autoritarismus in einem Moralphilosophen oder politischen Theoretiker ist.“ Er identifizierte zwei Denktraditionen in der westlichen Geschichte. Eine ging von Plato über Rousseau: Die Familie ist eine gefährliche Barriere, die der Realisierung von wahrer Gerechtigkeit im Weg steht. Die andere, die die Familie als zentrales Bestandteil von Freiheit und Ordnung sah, ging von Aristoteles über Burke und Tocqueville.

Rawls selbst schien zugegeben zu haben, dass die Logik seines Arguments in die Richtung der Plato/Rousseau-Denktradition tendiert, obwohl er sich schlussendlich – und auf nicht sehr überzeugende Weise – davon abwandte. Hier sind Rawls Worte:

Es scheint, dass wenn eine Chancengleichheit (wie sie definiert wurde) erreicht ist, dann wird die Familie zu ungleichen Chancen zwischen Individuen führen. Soll die Familie daher abgeschafft werden? An sich neigt die Idee der Chancengleichheit in diese Richtung. Aber innerhalb des Kontexts der Gerechtigkeitstheorie als ganze ist dieser Kurs nicht so notwendig.

Nisbet war von Rawls‘ armseligen Versprechen nicht sonderlich beeindruckt. Kann Rawls, so fragte er sich,

die Familie im Bezug zur Ungleichheit als ganzes verwerfen? Rousseau war mutig und konsistent, während Rawls sich zurückhält. Wenn die jungen Menschen am Busen der Gleichheit aufwachsen, „früh daran gewöhnt, ihre eigene Individualität nur in ihrer Beziehung zum Staat zu sehen, ihre eigene Existenz sozusagen nur als Teil der Existenz des Staates wahrzunehmen“, dann müssen sie vor dem gerettet werden, was Rousseau als „Intelligenz und Vorurteile der Väter“ bezeichnet.

Kurz gesagt: Diese Besessenheit von Gleichheit untergräbt jeden Gradmesser für den Gesundheitszustand, nach dem wir in einer Zivilisation suchen. Sie ist so ein Wahnsinn, dass sie, obwohl sie mit der Zerstörung der Familie flirtet, niemals anhält, um sich zu fragen, ob dieser Rückschluss bedeuten kann, dass der gesamte Gedanke von Anfang an geistesgestört ist. Sie führt zur Zerstörung von Standards – wissenschaftliche, kulturelle und Verhaltensstandards. Sie basiert auf Mutmaßungen anstatt Beweisen, und versucht, Halt nicht durch rationale Argumente, sondern durch das Einschüchtern von Gegnern bis zum Mundtod zu gewinnen. Das egalitäre Programm ist in keinster Weise ehrenhaft oder bewundernswert.

Murray meinte, das Aufzeigen des egalitären Irrsinns sei ein guter Anfang, aber noch lange nicht genug. Wir müssten zeigen, dass es bei dem sogenannten Kampf für Gleichheit in Wahrheit nur um die Macht des Staates und nicht um Hilfe für die Unterdrückten geht. Er schrieb:

Um dem herrschenden Egalitarismus unserer Zeit gegenüber eine wirksame Antwort vorzubringen, ist es notwendig, aber noch lange nicht ausreichend, die Absurdität, die anti-wissenschaftliche Haltung, das in sich selbst widersprüchliche Wesen der egalitären Doktrin, so wie auch die verheerenden Konsequenzen des egalitären Programms aufzuzeigen. All diese Schritte sind schön und gut, gehen aber nicht auf den Kern der Sache, wie auch auf das effektivste Kontra-Argument gegen das egalitäre Programm ein: Das egalitäre Programm muss als getarnter Machtkampf für die jetzig regierenden linksliberalen Intellektuellen und Medien-Eliten aufgedeckt werden. Da diese Eliten ebenfalls die bisher unangefochtenen Meinungsbilder in der Gesellschaft sind, kann ihre Herrschaft nicht entgleist werden bis die unterdrückte Öffentlichkeit, die den Eliten instinktiv, aber nur rudimentär Widerstand leistet, das wahre Gesicht dieser immer mehr gehassten Mächte sieht. Um die Slogans der Neuen Linken vom Ende der 1960er zu verwenden: Die herrschende Elite muss „entmystifiziert“, „entmächtigt“, und „entweiht“ werden. Nichts kann mehr als die öffentliche Erkennung des wahren Wesens der egalitären Slogans zur Entweihung beitragen.

Der einzige Rothbard’sche Begriff, der diesen mitreißenden Rückschlüssen fehlt, ist einer von Murrays Lieblingsbegriffen: „entwirren“. Das hat die höchste Priorität. Das Mises-Institut hat über die Jahre hinweg viele Dinge erreicht: Das Vorantreiben der Wissenschaft durch akademische Konferenzen und Journale, das Bilden von Studenten der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, und die Öffentlichkeitsarbeit, um den Menschen eine freie und kostenlose Bildung zu geben, die weit mehr wert ist als das, wofür viele Leute sechsstellige Summen ausgeben. Aber das alles zusammengenommen ist vielleicht die größte Entwirrungsaktion aller Zeiten. Sobald man die österreichische Nationalökonomie und die Philosophie der Freiheit nach Rothbard’scher Tradition versteht, wird man alles – den Staat, die Medien, die Zentralbank, die politische Kaste – anders sehen als zuvor.

Helft uns, unsere Entwirrungsmission voranzubringen, während wir mehr und mehr Programme und Reichweite zur Öffentlichkeit entwickeln und eine neue Generation kluger junger Studenten mit den Werkzeugen ausstatten, die sie brauchen, um einem Regime, das die Menschen bis zum Mundtod einschüchtert, Widerstand zu leisten und die Stirn zu bieten. Ihre Methoden sind Gewalt, Neid, und Zerstörung. Unsere sind Frieden, Freiheit, und Schöpfung. Mit Ihrer Hilfe können wir die freundliche Fassade des Staates, die so viele Menschen verwirrt hat, abreißen und allen zeigen, dass es sich bei dem einzigen Sieger der staatlichen Kreuzzüge um den Staat selbst handelt.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel The Menace of Egalitarianism ist am 8.10.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Llewellyn H. Rockwell Jr. ist Gründer und Präsident des Ludwig von Mises Institute in Auburn, US Alabama.

 

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