Die Intellektuellen und der Sozialismus (Teil 2)

2.9.2015 – Der folgende Beitrag Die Intellektuellen und der Sozialismus von Friedrich A. von Hayek aus dem Jahr 1949 wird hier in drei Teilen veröffentlicht. Er ist entnommen aus The University of Chicago Law Review (Spring 1949) – hier finden Sie den englisch-sprachigen Originalbeitrag Intellectuals and Socialism. Die Intellektuellen und der Sozialismus (Teil 1) wurde am 26.8.2015, Teil 3 wird am 9.9.2015 veröffentlicht.

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Die Intellektuellen und der Sozialismus (Teil 2)

Friedrich August von Hayek (1899 – 1992)

Wenn wir diese eigenartige Voreingenommenheit eines großen Teils der Intellektuellen verstehen wollen, müssen wir uns über zwei Punkte im klaren sein. Erstens beurteilen sie generell alle Themen ausschließlich im Lichte gewisser allgemeiner Ideen; zweitens sind wirklich neue Ideen, die gerade entdeckt wurden, stets die Grundlage für die charakteristischen Fehler jeder Epoche. Sie bestehen in fehlerhaften Anwendungen neuer Verallgemeinerungen, die ihren Wert in anderen Bereichen bewiesen haben. Aus der vollen Berücksichtigung dieser Tatsachen schließen wir, dass die effektive Widerlegung solcher Fehler regelmäßig weiteren intellektuellen Fortschritt nötig macht – Fortschritt, der oft sehr abstrakte Probleme fern alltäglicher Fragen betrifft.

Es ist vielleicht das charakteristischste Merkmal des Intellektuellen, neue Ideen nicht nach ihrem Wert an sich zu beurteilen, sondern danach, ob sie zu seiner generellen Einstellung passen – zu seinem Bild der Welt, welches er als modern oder fortschrittlich betrachtet. Durch ihren Einfluss auf ihn und seine Meinungen zu bestimmten Themen wächst die Macht von Ideen zum Guten oder zum Schlechten proportional zu ihrer Allgemeingültigkeit, Abstraktheit, sogar ihrer Unbestimmtheit. Da er wenig von den speziellen Themen weiß, müssen seine Kriterien die Übereinstimmung mit seinen anderen Ansichten und ein nahtloses Einfügen in sein Weltbild sein. Dennoch schafft diese Auswahl aus der Vielzahl an neuen Ideen, denen er jederzeit begegnet, das Meinungsklima, die dominante Weltanschauung einer Epoche, welche manchen Meinungen mehr und anderen weniger wohlgesonnen ist, und welche den Intellektuellen dazu bringt, eine Schlussfolgerung sofort zu akzeptieren und eine andere zu verwerfen, ohne das Thema wirklich zu verstehen.

In mancherlei Hinsicht ist der Intellektuelle dem Philosophen näher als irgendeinem Spezialisten, und der Philosoph ist in mehr als einer Hinsicht eine Art von König unter den Intellektuellen. Obwohl sein Einfluss weiter entfernt ist von den praktischen Fragen, und entsprechend langsamer und schwerer zu verfolgen ist als der des gewöhnlichen Intellektuellen, ist er von derselben Art und langfristig sogar noch mächtiger. Es ist das selbe Streben nach einer Synthese, methodischer verfolgt, die selbe Beurteilung bestimmter Ansichten insoweit, als sie eher in ein generelles Gedankensystem passen als durch ihren spezifischen Nutzen, das selbe Streben nach einer konsistenten Sicht der Welt, welches für beide die Grundlage dafür bildet, Ideen anzunehmen oder zu verwerfen. Aus diesem Grund hat der Philosoph vermutlich größeren Einfluss auf die Intellektuellen, als irgendein anderer Gelehrter oder Wissenschaftler und bestimmt mehr als irgendjemand sonst, auf welche Weise die Intellektuellen ihrer Zensurfunktion nachkommen. Der allgemeine Einfluss des wissenschaftlichen Spezialisten fängt dann an, dem des Philosophen Konkurrenz zu machen, sobald er aufhört, ein Spezialist zu sein und über den Fortschritt seines Gebietes zu philosophieren anfängt, und üblicherweise erst, nachdem er von den Intellektuellen aus Gründen anerkannt wurde, die wenig mit seinem wissenschaftlichen Ansehen zu tun haben.

Das „Meinungsklima“ jeder Epoche wird so im Wesentlichen durch sehr allgemeine vorgefasste Meinungen beeinflusst, anhand derer der Intellektuelle die Wichtigkeit neuer Fakten und Meinungen beurteilt. Diese vorgefassten Meinungen sind hauptsächlich Anwendungen dessen, was ihm als die wichtigsten Aspekte wissenschaftlichen Fortschritts erscheinen, ein Anwenden der Dinge auf andere Bereiche, die ihn in den Arbeiten von Spezialisten besonders beeindruckt haben. Man könnte eine lange Liste solcher intellektueller Moden und Schlagworte erstellen, die im Laufe von zwei oder drei Generationen nacheinander das Denken der Intellektuellen beeinflusst haben. Ob es nun der „Historismus“ oder die Evolutionstheorie waren, der Determinismus des neunzehnten Jahrhunderts und der Glaube an den dominierenden Einfluss der Umwelt- über Erbeinflüsse, die Relativitätstheorie oder der Glaube an die Macht des Unbewussten – jedes dieser allgemeinen Konzepte wurde zur Messlatte, an der Innovationen in anderen Bereichen gemessen wurden. Es scheint, als ob der Einfluss dieser Ideen um so größer ist, je unspezifischer oder unpräziser (oder je weniger verstanden) sie sind. Manchmal ist es nicht mehr als ein unbestimmter Eindruck, selten in Worte gefasst, der so einen enormen Einfluss ausübt. Überzeugungen wie die, dass absichtliche Steuerung oder bewusste Organisation auch in sozialen Bereichen immer den Ergebnissen spontaner, nicht durch Menschen gelenkter Prozesse überlegen ist, oder dass jede Ordnung auf der Grundlage eines vorher aufgestellten Plans  besser ist als eine durch das Ausbalancieren gegensätzlicher Kräfte  hevorgebrachte, haben so politische Entwicklungen entscheidend beeinflusst.

Nur scheinbar anders ist die Rolle der Intellektuellen, wo es um die Entwicklung besserer sozialer Ideen geht. Hier zeigen sich ihre seltsamen Neigungen im Äußern abstrakter Platitüden, im Rationalisieren und Zuspitzen gewisser Ambitionen, die ihren Ursprung in normalen menschlichen Interaktionen haben. Da Demokratie etwas Gutes ist, erscheint es ihnen um so besser, je weiter das demokratische Prinzip ausgedehnt werden kann. Die mächtigste dieser Ideen, die die politische Entwicklung in jüngster Zeit beeinflusst haben, ist natürlich das Ideal materieller Gleichheit. Es ist charakteristischerweise keine von den spontan entstandenen moralischen Überzeugungen, die zuerst in Beziehungen von bestimmten Individuen untereinander angewandt wurden, sondern eine intellektuelle Konstruktion, die ihren Ursprung im Abstrakten hat, und von zweifelhafter Anwendbarkeit in Einzelfällen ist. Trotzdem hatte diese Idee starken Einfluss auf politische Entscheidungen und übt einen ständigen Druck hin zu einer Sozialordnung, die noch niemand klar sieht. Dass eine bestimmte Maßnahme zu größerer Gleichheit führt, wird als so starkes Argument für sie betrachtet, dass wenig anderes bei ihrer Beurteilung berücksichtigt wird. Da es bei jeder konkreten Frage dieser eine Aspekt ist, bezüglich dem die Meinungsführer eine klare Überzeugung haben, hat das Gleichheitsideal den gesellschaftlichen Wandel sogar stärker beeinflusst, als es seine Fürsprecher beabsichtigt haben.

Nicht nur moralische Ideale wirken auf diese Weise. Manchmal sind die Einstellungen der Intellektuellen gegenüber einem Gesellschaftsproblem das Ergebnis rein wissenschaftlichen Fortschritts, und in diesen Fällen scheinen ihre fehlerhaften Ansichten über bestimmte Themen von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen gedeckt zu sein. Es ist an sich nicht überraschend, dass echter wissenschaftlicher Fortschritt so manchmal zur Quelle neuer Fehler wird. Wenn neue Verallgemeinerungen nicht zu falschen Schlüssen führen würden, wären sie endgültige Wahrheiten, die nie wieder in Frage gestellt werden müssten. Obwohl solche neuen Verallgemeinerungen in der Regel lediglich zu falschen Schlussfolgerungen aufgrund früherer Ansichten führen, und so nicht zu neuen Fehlern führen können, ist es doch wahrscheinlich, dass eine neue Theorie genau so, wie ihr Wert durch gültige neue Schlussfolgerungen gezeigt wird, auch andere neue Schlussfolgerungen erzeugen wird, die weiterer Fortschritt als fehlerhaft entlarven wird. Aber in einem solchen Fall wird eine falsche Ansicht durch das gesamte Prestige neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse getragen. Obwohl auf dem speziellen Gebiet, auf den dieser Glaube angewandt wird, alle wissenschaftliche Erkenntnis gegen sie sprechen mag, wird sie doch vom Tribunal der Intellektuellen aufgrund der Überzeugungen, die ihr Denken beherrschen, als die Ansicht ausgewählt, die am ehesten dem Zeitgeist entspricht. Die Experten, die so zu öffentlichem Ruhm und großem Einfluss kommen, werden deswegen nicht die sein, die unter ihren Kollegen zu Ansehen gekommen sind, sondern es werden oft Leute sein, die die anderen Experten als Spinner, Amateure oder gar Betrüger betrachten, die aber trotzdem in den Augen der Öffentlichkeit zu den renommiertesten Fachleuten auf ihrem Gebiet werden.

Insbesondere kann es keinen Zweifel geben, dass die Art und Weise, auf die der Mensch in den letzten hundert Jahren die Kräfte der Natur zu organisieren gelernt hat, sehr viel zu dem Glauben beigetragen hat, dass eine ähnliche Kontrolle gesellschaftlicher Kräfte zu ähnlichen Verbesserungen der menschlichen Lebensumstände führen würde. Dass durch den Einsatz von Ingenieurstechniken die Lenkung aller menschlichen Aktivitäten gemäß einem einzigen kohärenten Plan gesellschaftlich genauso erfolgreich sein sollte, wie es dies in ungezählten Ingenieursaufgaben war, ist eine zu logische Schlussfolgerung, als dass sie nicht die meisten Menschen, ermutigt von den Errungenschaften der Naturwissenschaften, verführen könnte. In der Tat muss man zugeben, dass es starker Argumente bedarf, um diese naheliegende Schlussfolgerung zu widerlegen, und dass solche Argumente noch nicht angemessen vorgebracht worden sind. Es ist nicht ausreichend, die Fehler bestimmter Vorschläge aufzuzeigen, die das Resultat dieser Denkweise sind. Das Argument wird seine Überzeugungskraft nicht verlieren, bis nicht eindeutig gezeigt wird, dass das, was in so vielen Bereichen zu enormen Fortschritten geführt hat, in seiner Anwendbarkeit begrenzt ist und auch Schaden anrichten kann, wenn man es über diese Grenzen hinaus anwendet. Diese Aufgabe ist noch nicht zufriedenstellend erledigt worden. Das muss aber geschehen, bevor dieser besondere Impuls Richtung Sozialismus gestoppt werden kann.

Dies ist natürlich nur eines von vielen Beispielen für den Bedarf an weiteren intellektuellen Fortschritten, wenn die schädlichen Ideen der Gegenwart widerlegt werden sollen und wo der zukünftige Kurs letztendlich von der Debatte über sehr abstrakte Dinge abhängt. Es ist nicht genug, dass der Praktiker sich wegen seines Wissens auf seinem Fachgebiet sicher ist, dass die aus allgemeineren Ideen hergeleiteten sozialistischen Theorien sich als unpraktisch erweisen werden. Er mag vollkommen im Recht sein, und trotzdem wird sein Widerstand gebrochen werden und all die negativen Folgen, die er voraussieht, werden eintreten, falls keine Widerlegung der idees meres erfolgt. Solange der Intellektuelle die Oberhand in der allgemeinen Debatte behält, werden die stichhaltigsten Argumente bezüglich der Einzelfälle beiseite gewischt werden.

Dies ist jedoch noch nicht die ganze Geschichte. Die Kräfte, die über die Auswahl zukünftiger Intellektueller bestimmen, arbeiten in dieselbe Richtung, weshalb so viele der Fähigsten unter ihnen zum Sozialismus tendieren. Es gibt natürlich so viele Meinungsverschiedenheiten unter den Intellektuellen, wie unter anderen Menschen auch; aber es scheint wahr zu sein, dass es im großen und ganzen die Aktiveren, Intelligenteren und Originelleren unter den Intellektuellen sind, die am häufigsten zum Sozialismus neigen, während ihre Gegner oft nicht in der selben Liga spielen. Dies gilt insbesondere für die frühe Phase der Infiltration durch die sozialistischen Ideen; danach war unter Intellektuellen der Druck in Richtung Sozialismus so stark, dass es besonderer Stärke und Unabhängigkeit bedarf, ihm zu widerstehen, als dem zu folgen, was die anderen als moderne Ansichten betrachten, auch wenn es außerhalb intellektueller Kreise immer noch von Mut zeugt, sozialistische Ansichten zu äußern. Niemand, der beispielsweise mit einer Vielzahl an Universitätsfakultäten vertraut ist (und in dieser Hinsicht muss die Mehrzahl der Universitätsdozenten wohl eher als Intellektuelle denn als Fachleute eingestuft werden), kann die Tatsache ignorieren, dass heutzutage die brillantesten und erfolgreichsten Dozenten eher Sozialisten als etwas anderes sind, während diejenigen mit eher konservativen politischen Ansichten eher Mittelmaß sind. Dies ist an sich schon ein bedeutender Faktor, der die jüngere Generation zu den Sozialisten treibt.

Der Sozialist wird darin lediglich den Beweis dafür sehen, dass heutzutage intelligentere Menschen zwangsläufig Sozialisten werden. Aber das ist bei weitem keine notwendige oder auch nur die wahrscheinlichste Erklärung. Die Hauptursache dafür ist wahrscheinlich, dass für den außergewöhnlich begabten Menschen, der die gegenwärtige Ordnung akzeptiert, eine Vielzahl an Wegen zu Einfluss und Macht offenstehen, während für den Benachteiligten und Unzufriedenen eine Karriere als Intellektueller der erfolgversprechendste Weg sowohl zu Einfluss, als auch zu der Macht, zum Erreichen seiner Ideale beizutragen, ist. Sogar mehr noch: der eher konservativ eingestellte Mensch mit herausragenden Fähigkeiten wird üblicherweise nur als Intellektueller arbeiten (und den Mangel an materiellen Belohnungen erdulden, den diese Arbeit üblicherweise mit sich bringt), wenn er die Arbeit an sich genießt. Er wird deshalb eher ein wissenschaftlicher Experte als ein Intellektueller im besonderen Sinne des Wortes; während für denjenigen mit radikaleren Überzeugungen der Weg des Intellektuellen eher ein Mittel zum Zweck als ein Ziel an sich ist, ein Weg zu genau der Art von weitreichendem Einfluss, den der professionelle Intellektuelle ausübt. Es ist deshalb wahrscheinlich so, dass nicht die intelligenteren Menschen Sozialisten sind, sondern dass ein weitaus größerer Teil an Sozialisten unter den fähigsten Geistern sich der Aufgabe des Intellektuellen verschreibt, welche ihnen in der heutigen Gesellschaft entscheidenden Einfluss auf die öffentliche Meinung gestattet.[1]

Die Auswahl der Intellektuellen ist außerdem eng verbunden mit dem überwiegenden Interesse, dass sie an generellen und abstrakten Ideen zeigen. Spekulationen über die Möglichkeiten, eine komplett neue Gesellschaftsordnung zu schaffen sind viel eher nach dem Geschmack Intellektueller als die eher praktischen und kurzfristigen Überlegungen derer, die die schrittweise Verbesserung der bestehenden Ordnung anstreben. Sozialistische Ideen verdanken ihre Beliebtheit bei jungen Menschen insbesondere ihrem visionären Charakter; alleine der Mut, utopische Gedanken zu verfolgen, stellt in dieser Hinsicht eine Quelle der Kraft für die Sozialisten dar, die der traditionelle Liberalismus nicht besitzt. Dieser Unterschied bedeutet einen Vorteil für die Sozialisten, nicht nur weil Überlegungen zu generellen Prinzipien Menschen ohne viel Wissen über aktuelle Dinge eine Möglichkeit bieten, der Phantasie freien Lauf zu lassen, sondern auch, weil er einen legitimen Drang danach, die Grundlagen allen menschlichen Zusammenlebens zu verstehen, befriedigt und diesem schöpferischen Drang ein Betätigungsfeld bietet, was der Liberalismus nach seinen großen Siegen kaum mehr getan hat. Wegen all dieser Veranlagungen ist der Intellektuelle an technischen Details oder praktischen Schwierigkeiten nicht interessiert. Was bei ihm gut ankommt sind die großen Visionen, das weitläufige Verständnis der Gesellschaftsordnung als Ganzes, die ein planwirtschaftliches System verspricht.

Die Tatsache, dass die Überlegungen der Sozialisten den Geschmack der Intellektuellen besser trafen, stellte sich als tödlich für die liberale Tradition heraus. Als die grundlegenden Forderungen der liberalen Programme einmal befriedigt schienen, wandten sich die liberalen Denker Detailfragen zu und vernachlässigten die Entwicklung einer umfassenden Philosophie des Liberalismus, weswegen der Liberalismus aufhörte, ein Thema alltäglicher Überlegungen zu sein. So kam es, dass seit einem halben Jahrhundert alleine die Sozialisten so etwas wie ein konkretes Programm der gesellschaftlichen Entwicklung besitzen, ein Bild der zukünftigen Gesellschaft, auf das sie hinarbeiten und grundlegende Prinzipien, nach denen sie im Einzelfall entscheiden. Obwohl ihre Ideale an unüberbrückbaren Widersprüchen leiden, wenn ich Recht habe, und jeder Versuch, sie in die Tat umzusetzen, völlig andere als die erwarteten Resultate liefern muss, ändert dies nichts an der Tatsache, dass ihr Programm für einen Wandel das einzige ist, welches tatsächlich die Entwicklungen gesellschaftlicher Institutionen beeinflusst hat. Sie haben als einzige Erfolg darin gehabt, die Vorstellungen der Intellektuellen zu inspirieren, weil sie die einzige konkrete und umfassende sozialpolitische Philosophie besitzen, hinter der eine große Gruppe steht – das einzige System oder die einzige Theorie, das neue Fragen aufwirft und neue Horizonte öffnet.

[1] Damit verwandt ist ein weiteres Phänomen: es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass herausragende Fähigkeiten zu originärer Geistesarbeit unter Nichtjuden weniger verbreitet sind, als unter Juden. Und trotzdem kann es wenig Zweifel geben, dass Menschen jüdischer Abstammung fast überall einen überproportionalen Anteil an Intellektuellen in unserem Sinn stellen, also an den professionellen Ideenvermittlern. Dies mag ihre spezielle Gabe sein, und es ist sicher ihre Chance in Ländern, in denen Vorurteile ihnen in anderen Bereichen Hindernisse in den Weg legen. Wohl eher weil sie einen so hohen Anteil an Intellektuellen stellen, als aus irgendeinem anderen Grund, scheinen sie für sozialistische Ideen so viel empfänglicher zu sein, als Menschen anderer Abstammung.

Die Intellektuellen und der Sozialismus (Teil 3) wird am 9.9.2015 veröffentlicht.

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Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne.

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Friedrich A. Hayek absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften sowie der Staatswissenschaften. 1929 erfolgte seine Habilitation an der Universität Wien. Sein Lebensweg führte ihn an verschiedene Universitäten in London, New York, Chicago, Freiburg sowie Salzburg. In den Dreißigerjahren wurde Hayek zu einem Hauptkritiker des Sozialismus. 1974 erhielt er den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Als sein berühmtestes Werk gilt das 1944 zunächst in englischer Sprache erschienene “The Road to Serfdom” – “Der Weg zur Knechtschaft”.

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