Inflation ist immer und überall ein Übel: 10 Gründe

13.8.2014 – von Andreas Marquart.

Andreas Marquart

Inflation – also die ungedeckte Ausweitung der Geldmenge – ist ein elementares Übel, immer und überall. Sie ist die verkannte Kernursache für zahlreiche Missstände in Wirtschaft und Gesellschaft. Zehn Aspekte sollen dies verdeutlichen.

Inflation…

1. … verursacht Boom und Bust

Das Ausweiten der Geldmenge per Kreditvergabe bedeutet, dass neues Geld geschaffen wird durch Kredite, die nicht durch Ersparnisse gedeckt sind. Das lässt den Zins tiefer sinken, als es ohne Geldmengenausweitung der Fall gewesen wäre. So entsteht ein künstlicher, wirtschaftlicher Aufschwung (Boom), zur allgemeinen Freude von Politik und Bevölkerung. Es werden Investitionen angestoßen, die nicht getätigt worden wären, hätte das Investitionskapital zuvor angespart werden müssen. Zur Fertigstellung aller begonnenen Projekte sind aber nicht genügend Ressourcen vorhanden. Zudem werden von Natur aus knappe Ressourcen nicht in die am dringendsten benötigen Projekte investiert. Wenn die Zinsen wieder ansteigen, treten die Fehlinvestitionen zu Tage und es kommt zur Krise (Bust). Zu deren Überwindung wird die Notenbank das Zinsniveau erneut absenken. Eine Bereinigungskrise wird nicht zugelassen. Sie ist politisch unerwünscht.

2. … verteilt Vermögen und Kaufkraft um

Eine ungedeckte Ausweitung der Geldmenge lässt die Preise für Güter und Dienstleistungen ansteigen. Die Erstempfänger neu geschaffenen Geldes profitieren. Sie können noch zu unveränderten Güterpreisen kaufen, während die späteren Geldempfänger erst in den Genuss des neuen Geldes kommen, wenn die Güterpreise bereits angestiegen sind. Sie werden benachteiligt und verlieren relativ zu den Erstempfängern. Mancher Marktteilnehmer erhält vom neu geschaffenen Geld nichts. Erstempfänger sind Banken, Staat und Großunternehmen. Dieser Effekt tritt auch dann ein, wenn die Güterpreise mittels Geldmengenausweitung stabil bleiben und ohne Geldmengenausweitung ansonsten abgesunken wären. In diesem Fall ist Inflation besonders hinterhältig.

3. … verhindert ein Absinken der Güterpreise

Höhere Produktivität und vermehrte Arbeitsteilung in einer Volkswirtschaft lassen die Menge produzierter Güter und Dienstleistungen ansteigen. Bliebe die Geldmenge unverändert – oder würde in geringerem Ausmaß als die Gütermenge steigen -, führte dies zu einem absinkenden Preisniveau. Das Ausweiten der Geldmengen verhindert diese Preisrückgänge. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen Referenzwert definiert, um den die am breitesten gefasste Geldmenge M3 im Idealfall ansteigen soll. Dieser Referenzwert liegt gegenwärtig bei 4,5 Prozent pro Jahr. Argumentiert wird stets mit der Wahrung der Preisstabilität. Deflation, fälschlicherweise interpretiert als ein Absinken der Güterpreise, sei schädlich für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Breiten Bevölkerungsschichten wird so eine gerechte Teilhabe an Produktivitätsfortschritten und verstärkter (internationaler) Arbeitsteilung verwehrt.

4. … lässt den Wohlfahrtsstaat wachsen

Die Ausweitung der Geldmenge ermöglicht es dem Staat, sich leichter und zu tieferen Zinsen zu verschulden als es ohne Geldmengenausweitung möglich wäre. Es lassen sich so Ausgaben finanzieren, die sonst nur über eine Erhöhung der Steuereinnahmen hätten finanziert werden können. Vor allem vor Wahlen macht die Politik sich dies zu Nutze. Sie kann so im Grunde nicht finanzierbare Wohltaten versprechen. Die Menschen lassen sich gerne ködern,  versuchen in erster Reihe an den Fleischtöpfen zu sitzen – nicht wissend oder verdrängend, dass sie es im Grunde selbst sind, die das „große Fressen“ finanzieren.

5. … zerstört die Familien

Niemand formulierte es je treffender als der Ökonom und Philosoph Hans-Hermann Hoppe in Demokratie. Der Gott, der keiner ist: „Jede Form der Regierungswohlfahrt […] senkt den Wert der Mitgliedschaft einer Person in einem ausgedehnten Familien-Haushaltssystem als einem sozialen System gegenseitiger Kooperation sowie der Hilfe und der Unterstützung. Die Ehe verliert an Wert. Für die Eltern reduziert sich der Wert und die Wichtigkeit einer »guten« Erziehung (Bildung) ihrer eigenen Kinder. Entsprechend werden Kinder ihren eigenen Eltern weniger Wert beimessen und ihnen weniger Respekt zukommen lassen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

6. … korrumpiert die Menschen

Vor die Wahl gestellt, eine nach einem Boom erforderliche Bereinigungskrise mit all ihren Konsequenzen zuzulassen oder diese mittels neuer Kreditausweitung auf der Zeitachse nach hinten zu verschieben, befürwortet oder akzeptiert die Mehrheit der Bevölkerung letzteres. Zu hoch ist die Verschuldung vieler Marktteilnehmer, um in einer Deflationskrise die Belastungen noch schultern zu können. Zu groß ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Zu abhängig sind viele Menschen von staatlichen Zahlungsströmen, staatlichen Subventionen oder staatlichen Aufträgen.

7. … lässt die Staatsbürokratie wachsen

Jede nach einem Boom eintretende Rezession lässt Fehlinvestitionen zutage treten. Die Bürger rufen nach dem Staat und fordern, die Politik solle es „wieder richten“. Sie solle eingreifen und die Missstände beheben. Politiker folgen diesen Rufen sehr gerne, können sie so doch ihr eigenes Dasein legitimieren. Jeder staatliche Eingriff aber hat notwendigerweise einen weiteren staatlichen Eingriff zur Folge und lässt ein regelrechtes Gestrüpp aus Interventionen entstehen. Am Ende durchdringen und erdrücken staatliche Regulierungen in Form zahlloser Gesetze und Verordnungen Wirtschaft und Gesellschaft.

8. … macht die Menschen materialistisch, neidisch und egoistisch

Inflation zehrt an der Kaufkraft der Einkommen und der angesparten Vermögen. So muss beispielsweise bei der Anlage von Vermögen viel Zeit aufgewendet werden, um die durch Geldentwertung entstehenden Verluste zu kompensieren. Nur mit viel Mühe und Geschick kann dies gelingen, meist gelingt es nicht. Die Kaufkraft zerrinnt den Menschen zwischen den Fingern. So jagen viele im wahrsten Sinne des Wortes jedem Euro hinterher, beneiden den Nachbarn um seinen Besitz, nicht wissend, dass dieser vielleicht bis zur Halskrause verschuldet ist. Die Spenden- und Hilfsbereitschaft der Menschen nimmt ab, kommt man doch selbst gerade noch so über die Runden. „Außerdem zahlen wir ja schon genug Steuern, soll sich der Staat doch um die Hilfsbedürftigen kümmern“, so wird vielfach argumentiert.

9. … macht die Menschen depressiv

Vor allem für die Bezieher niedriger Einkommen wird es in einem inflationären Umfeld zunehmend schwierig oder gar unmöglich, durch Sparen zu einem Vermögen zu kommen. Die Preise – beispielsweise für Energie und Lebensmittel – steigen beständig an. Sozialer Aufstieg gelingt immer seltener. Anschaffungen sind für viele nur noch mit Hilfe von Krediten möglich. Die Bedienung der Kredite erzeugt zusätzlichen Druck. Die Menschen sind über ihre – häufig ausweglose – Situation frustriert. Nicht selten führt dieser Weg in Überschuldung und Insolvenz.

10. … führt zur Verschwendung und Verteuerung von Ressourcen (Bodenschätzen)

Ressourcen und Zeit sind knapp. Der durch Inflation ausgelöste, künstliche Boom führt zu Investitionen, die sonst nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt in Angriff genommen worden wären. Müssen wegen nicht ausreichender Ersparnisse und / oder steigender Zinsen Projekte abgebrochen werden, sind knappe Ressourcen verschwendet worden und zum Teil unwiederbringlich verloren. So müssen beispielsweise mehr Bodenschätze abgebaut werden, als es sonst erforderlich gewesen wäre. Die Preise für Rohstoffe werden tendenziell ansteigen. Überdies wird die Umwelt dadurch unnötig geschädigt. Auch durch inflationsinduzierte Infrastrukturprojekte, für die bei realistischer Betrachtung häufig kein Bedarf besteht, wird das Ökosystem unnötigerweise belastet.

Fazit: Inflation ist ein Übel, immer und überall.

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Andreas Marquart ist Vorstand des “Ludwig von Mises Institut Deutschland”. Er ist seit 16 Jahren in der Finanzberatung tätig und orientiert sich dabei an den Erkenntnissen der Österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie.

Anfang Mai ist sein gemeinsam mit Philipp Bagus geschriebenes Buch “WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN … und welche Rolle der Staat und unser Papiergeld dabei spielen” erschienen.

 

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