Wie die Reduzierung der Staatsausgaben Schwedens große Depression beendete

3.3.2014 – von Per Bylund.

Per Bylund

Während der jüngsten Finanzkrise hat sich Schweden als eine der wenigen soliden Volkswirtschaften entpuppt. Die starke Position des Landes, die es von den anderen westlichen Nationen abhebt, macht es zu einem interessanten Beispiel dafür, was hätte getan werden können – oder sollen. Tatsächlich wies der frühere Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman mehrfach anerkennend darauf hin, dass die Gründe hierfür darin zu suchen seien, wie die Schweden die Finanzkrise in den frühen 1990er Jahren bewältigt haben. Er verweist insbesondere auf die Verstaatlichung einiger Banken während der Krise. Obwohl er durch seine Fokussierung auf kurzfristige anstatt längerfristige Maßnahmen – wie es das Markenzeichen des Keynesianismus ist – nicht zum Kern des Problems vorstößt, so hat er doch damit recht, dass Schweden einige Dinge richtig gemacht hat.

Im September 1992 erhöhte die „Riksbank“, Schwedens Zentralbank, den Leitzins mit einem Schlag auf 500 Prozent, um den festgelegten Wechselkurs der Schwedischen Krone halten zu können. Diese drastische Maßnahme wurde von massiven Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen begleitet, um den freien Fall der Wirtschaft des Landes aufzuhalten. Die Wirtschaftskrise war der Höhepunkt zweier Jahrzehnte des Niedergangs und hat die politische Situation in Schweden grundlegend verändert.

Schweden hat seit 1992 eine auf ganzer Linie konsequente Sparpolitik bei gleichzeitig zunehmender Beschränkungen bei den Sozialleistungen, eine Deregulierung der Märkte und der Privatisierung früherer Staatsmonopole erlebt. Das Land hat so eine neue Anreizstruktur in der Gesellschaft geschaffen, in der es sich wieder lohnt, zu arbeiten. Die Staatsverschuldung fiel von fast 80% des BIP im Jahre 1995 auf nur noch 35% im Jahre 2010.

In anderen Worten, Schweden hat seinen unhaltbaren, aber in der Welt renommierten, Wohlfahrtsstaat erfolgreich zurückgefahren. Das ist, entgegen Krugmans Wunschdenken, der wahre Grund für Schwedens Erfolg in der gegenwärtigen Finanzkrise.

Aufstieg und Niedergang des Wohlfahrtsstaates

Schweden erlebte von etwa 1870-1970 ein Jahrhundert hohen Wirtschaftswachstums, das aus einem der buchstäblich ärmsten Ländern Europas das viertreichste der Welt machte. Die erste Hälfte dieser Wachstumsperiode war von umfangreichen Reformen hin zu freien Märkten geprägt. Das Bemerkenswerte der zweiten Hälfte dieser Wachstumsperiode war, dass Schweden sich aus beiden Weltkriegen heraushielt und so von einer intakten industriellen Infrastruktur profitierte, als der Rest Europas in Schutt und Asche lag. Während der Wohlfahrtsstaat hauptsächlich in der Nachkriegszeit eingeführt und ausgebaut wurde, so wurde er doch hauptsächlich um kapitalistische Strukturen herum aufgebaut und hatte dadurch nur mäßige Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.

Aber die politische Situation veränderte sich. In den 1970er und 1980er Jahren entwickelte sich ein ausufernder Wohlfahrtsstaat. Mit neuen staatlichen Leistungen, der Einführung äußerst starrer Arbeitsmarktregulierungen, einer aktiven Förderung stagnierender Wirtschaftsbereiche und drastischen Steuererhöhungen auf teilweise mehr als 100%, lief dieser geradezu Amok. In einem Versuch, die Wirtschaft vollständig zu verstaatlichen, wurden 1983 ‚löntagarfonder‘ („Mitarbeiterfonds“) eingeführt, um Aktiengewinne von Privatunternehmen  zu „reinvestieren“. Diese wurden von staatlichen Gewerkschaften verwaltet.

Während dieser Zeit gab es reichlich Haushaltsdefizite und die Staatsschulden verzehnfachten sich zwischen 1975 und 1985 beinahe. Schweden erlebte eine hohe Preisinflation, die noch dadurch verschärft wurde, dass man mittels wiederholter Abwertung der Währung versuchte, die Exporte anzukurbeln: 1976 3%, Anfang 1977 6% und später weitere 10%, 1981 von 10% und 1982 von 16%.

Die Ausweitung des Wohlfahrtsstaates kann am besten am Verhältnis zwischen steuerfinanzierter und privatwirtschaftlicher Beschäftigung illustriert werden, die von 0,386 im Jahre 1970 auf 1,51 im Jahre 1990 stieg. Schweden war auf dem Weg in eine Katastrophe.

Schwedens große Depression

Eine beliebte Erklärung für den Finanzkollaps in den 1990er Jahren ist die Deregulierung der Finanzmärkte im November 1985. Aber wie unsere (noch andauernden) Forschungen vermuten lassen, war die Deregulierung lediglich ein Versuch, die wachsenden Probleme zu lösen, um die ohnehin schwache und sich weiter verschlechternde Finanzsituation der schwedischen Regierung beheben zu können. Allein im Haushaltsjahr 1984-85 betrugen die Ausgaben für Zinsen auf die Staatsschulden 29% der Steuereinnahmen – genauso viel wie die gesamten Staatsausgaben für die soziale Sicherheit. Die unhaltbare Finanzsituation des Landes machte eine Deregulierung notwendig.

Ein verbesserter Zugang zu den Finanzmärkten machte die verzweifelte Situation erträglicher. Allerdings erlebte Schweden einen immensen Kreditboom. Unsere Zahlen zeigen, dass die Bankkredite an nicht im Finanzsektor tätige Unternehmen Ende 1985 von 180 Milliarden auf 392 Milliarden Ende 1989 angestiegen sind. Das ist ein Anstieg von insgesamt 117 % bzw. von jährlich 21 %. Woher kam das ganze Geld? Ein Teil erklärt sich aus der Deregulierung und den damit verbundenen Zuflüssen. Aber es wurde auch durch Inflation ermöglicht.

Mehrere Faktoren wirkten während des kreditfinanzierten Booms von 1986-1990 zusammen, der zur Finanzkrise von 1990-94 führte. Einige Faktoren hatten keinen inflationären oder sogar einen deflationären Effekt. Aber andere Faktoren, speziell jene, die sich auf die Regulierungspolitik bezogen oder durch diese angetrieben wurden, wirkten stark inflationär und wesentlich stärker. Diese umfassen die steigenden Kredite der „Riksbank“ an Banken (eine Steigerung von 975% von 1985-89) und ein Ankauf von Staatsschulden und Staatsanleihen (eine Steigerung von 47% von 1985-87 gefolgt von einem Rückgang von 7% von 1987-89).

Schweden ist ein interessanter Studienfall. Wir können, wie Krugmann uns immer wieder erzählt, viel daraus lernen: von einer lang anhaltenden Ära des wirtschaftlichen Aufschwungs dank freier Märkte bis zum Aufstieg und Fall des Wohlfahrtsstaates. Die vor kurzem wiedererlangte Finanzstärke des Landes und seine Fähigkeit, einer globalen Rezession standzuhalten, basieren eben nicht auf einem starken Wohlfahrtsstaat, wie Krugman so gerne behauptet, sondern auf einem langfristigen Zurückfahren des ausufernden Wohlfahrtsstaates, den die Keynesianer so sehr rühmen.

Aus dem Englischen übersetzt von Uwe Werler. Der Originalbeitrag mit dem Titel How Government Cutbacks Ended Sweden’s Great Depression ist am 25.12.2013 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Per Bylund ist Professor an der Hankammer School of Business, Baylor University. Seine website ist www.perbylund.com.

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