Bankeinlagen sind nicht sicher

9.2.2018 – von Marcus Fritsch.

[Dieser Artikel ist Teil einer Informationskampagne zu EDIS. Weitere Informationen finden Sie unter www.stoppt-edis.de.]

Marcus Fritsch

„Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein.“ Spätestens seit dieser bemerkenswerten öffentlichen Erklärung vom 05.10.2008, zu der sich Kanzlerin Angela Merkel und ihr damaliger Finanzminister in der Hochzeit der Finanzkrise genötigt sahen, ist das Thema Einlagensicherung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Das zitierte Versprechen ließe sich nach heutigen Maßstäben ohne weiteres als riesiger Bluff bezeichnen – denn weder zum Zeitpunkt der Aussage gab es für die unbegrenzte Sicherung der Bankeinlagen durch die Bundesregierung eine rechtliche Grundlage, noch wurde diese nachträglich geschaffen.

Tatsächlich ist aufgrund einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2009 jedes Mitgliedsland dazu verpflichtet, auf nationaler Ebene eine gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 € pro Sparer zu gewährleisten. In Deutschland gibt es darüber hinaus noch freiwillige Sicherungseinrichtungen wie beispielsweise der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken, der mindestens 1 Million € pro Bank und Kunden beträgt.

Seit einiger Zeit wird im Zuge der Europäischen Bankenunion (gemeinsame Bankenaufsicht und -abwicklung) unter dem Namen EDIS (European Deposit Insurance Scheme) über einen gemeinschaftlichen europäischen Einlagensicherungsfonds diskutiert, der in drei Stufen bis 2024 eingeführt werden soll. Eine gute Gelegenheit, einmal grundsätzlich die Thematik der Einlagensicherung zu hinterfragen.

Sind Einlagen wirklich Geld?    

Weit verbreitet ist die Annahme, Geld liege sicher auf einem Bankkonto und der Kunde könne jederzeit darüber verfügen. Tatsächlich handelt es sich bei einer Bankeinlage jedoch um einen Darlehensvertrag, bei der der Sparer Gläubiger und die Bank Schuldner ist. Der vermeintlich risikobewusste Einleger findet sich nun als Fremdkapitalgeber gegenüber einer Bank mit einer Eigenkapitalquote im einstelligen Prozentbereich wieder.

Den Kredit, den die Bank auf diese Weise gegenüber ihrem Kunden aufgenommen hat, gibt sie ihrerseits als Kredit an andere Kunden weiter. Deshalb können von den Einlagen bei der Bank niemals alle Einlagen sofort als Bargeld ausgegeben werden – völlig unabhängig davon, ob eine Bank gesund oder insolvenzgefährdet ist. Es handelt sich schlicht um das typische Geschäftsmodell einer Bank. Dass es funktioniert, liegt am Kundenverhalten: Da in einem halbwegs funktionierenden Bankensystem in der Regel nicht alle Kunden zeitgleich all ihre Einlagen in bar abheben wollen, können Banken die Einlagen für andere Zwecke produktiv nutzen.

Sparer – die gutgläubigen Spekulanten

Im Glauben, die denkbar sicherste Anlageform für das Ersparte gewählt zu haben, gehen Bankeinleger folglich in dreierlei Hinsicht (unbewusst) eine Wette ein. Erstens hoffen sie, dass ihre Einlagen im Fall der Insolvenz einer Bank nicht verloren sind. Zweitens gehen sie davon aus, dass die überwiegende Anzahl der anderen Sparer ihre Einlagen nie gleichzeitig in großem Umfang abzieht. Drittens setzen die darauf, dass die Kaufkraft ihrer Einlagen auch künftig ausreicht, ihre Bedürfnisse zu befriedigen.

Denn das ungedeckte Papiergeld, das sogenannte Fiat-Geld hat keinen Substanzwert. Es ist nicht durch zugrundeliegende Sicherheiten gedeckt. Früher war diese zugrundeliegende Sicherheit Gold, doch im modernen Papiergeldsystem wurde diese Deckung aufgegeben. Dieses Geld ist vom rechtlichen Rahmen und dem kollektiven Glauben an seine Kaufkraft abhängig. Die Gefahren, die damit einhergehen, sollte man nicht unterschätzen. In Deutschland kam es im vergangenen Jahrhundert mehrmals zum vollständigen Kaufkraftverlust des ungedeckten Geldes. Dies wäre bei einer gedeckten Währung kaum möglich gewesen.

Im modernen Papiergeldsystem steht der Sparer zu allem Übel auch noch am Ende der „Rendite-Nahrungskette“: für Zinsen nahe der Nulllinie stellt er aktuell Banken sein Geld quasi kostenlos zur Verfügung, das diese wiederum mit positiven Kreditzinsen an die Realwirtschaft weiterreichen.

Einlagensicherung – Fakten oder Gefühl?

Die Bereitschaft, als Privatperson einer Bank zu solchen Konditionen Geld zur Verfügung zu stellen, ist ohne die Existenz einer Einlagensicherung schwer vorstellbar. Doch verdient dieses Sicherungssystem wirklich ein solches Vertrauen? Sowohl die bestehenden nationalen Sicherungsfonds als auch der geplante europäische Einlagensicherungsfonds sind mit bis zu 0,8 Prozent der versicherten Einlagen (alle privaten Einlagen bis 100.000 Euro) ausgestattet. Der nationale Sicherungsfonds wird seit 2015 durch obligatorische Beiträge der Banken gespeist und muss gemäß EU-Einlagensicherungsrichtlinie erst Mitte 2024 den Zielwert von 0,8 Prozent erreicht haben. Die eingezahlten Beträge würden wahrscheinlich nicht einmal für die Sicherung der Einlagen einer einzigen in Schieflage geratenen Großbank genügen. Es drängt sich folglich der Verdacht auf, dass statt der tatsächlichen Absicherung von Einlagen die Prävention von Schalterstürmen, sogenannten „Bank Runs“, und die Erzeugung eines öffentlichen Sicherheitsgefühls im Vordergrund stehen.

Wege zum mündigen Sparer

Eine solche institutionalisierte psychologische Steuerung der Bürger ist jedoch höchst bedenklich. Wünschenswert wäre daher ein finanzwirtschaftlich aufgeklärter Bürger, der weiß, dass Bargeld und Einlagen eben keine risikolosen Wertaufbewahrungsmittel sind. Sie sind aber hocheffiziente Zahlungsmittel, ohne die unser heutiges Wirtschafsleben unmöglich wäre. Als solche sollten sie auch primär genutzt werden.

Wer trotzdem nicht umhinkommt, einen Teil seines Vermögens (zeitweise) in Geld aufzubewahren, sollte dabei aber einen zentralen Grundsatz des Investierens beherzigen: Diversifikation. Nie war es leichter und günstiger, Geld über Konten bei verschiedenen Banken zu streuen und so objektiv das persönliche Verlustrisiko zu senken. Bei der Auswahl könnte man hier zudem Banken mit konservativem Geschäftsmodell und hoher Eigenkapitalquote den Vorzug geben. Ein solches Vorgehen wäre sicherer und selbstbestimmter, als das Vertrauen in unzureichend ausgestattete Einlagensicherungsfonds – ganz gleich ob auf nationaler oder europäischer Ebene.

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Marcus S. Fritsch ist Bankenberater bei einer führenden internationalen Management- und Technologieberatung und hat im Rahmen seiner Masterthesis an der Zeppelin Universität über die Gefahren innerhalb des Euro-Geldsystems geforscht.

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