Wirtschaftliche Freiheit – der Weg aus der Armut

3.11.2017 – von Chelsea Follett.

Chelsea Follett

Die Vereinten Nationen haben im vergangenen Monat die Welt aufgefordert, den Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut zu begehen und ihn mit dem Hashtag #EndPoverty in den sozialen Medien zu bewerben. Die UNO merkt zu diesem unglaublichen Fortschritt folgendes an:

Die Armut ist weltweit zurückgegangen: von 1,7 Milliarden Menschen im Jahr 1999 auf 767 Millionen im Jahr 2013, was einem Rückgang der weltweiten Armutsquote von 28 Prozent im Jahr 1999 auf 11 Prozent im Jahr 2013 entspricht. Die deutlichsten Fortschritte wurden in Ost- und Südostasien erzielt, wo die Quote von 35 Prozent im Jahr 1999 auf 3 Prozent im Jahr 2013 zurückging.

Leider jedoch scheint die UNO den Ursprung dieses Fortschritts zu verkennen. Sie argumentiert, der bemerkenswerte Rückgang der Armut sei dem Handeln von Regierungen und von oben geleiteten technokratischen Programmen zu verdanken. In der Erklärung der UN heißt es weiter:

Die Staaten haben Maßnahmen ergriffen, um die Armut zu beenden … Die Regierung Tansanias hat beispielsweise begonnen, ihr derzeitiges nationales Programm, die Tansania Productive Social Safety Nets, gründlich zu überarbeiten, um Menschen unter der Armutsgrenze zu erreichen.

Die Realität sieht anders aus

Tansania ist ein unbeabsichtigt lehrreiches Beispiel. Das Land hat beeindruckende Fortschritte bei der Armutsbekämpfung erzielt, was aber nicht daran liegt, dass die Regierung mehr Geld für Nahrungsmittel für die Armen ausgeben hätte. Tatsächlich betreibt die tansanische Regierung heute weit weniger Umverteilungspolitik als in der Vergangenheit – eine Umverteilungspolitik, die die ärmsten Tansanier dem Hungertod nahe brachte.

In 2011, dem letzten Jahr, für das die Weltbank Daten hat, lebten knapp die Hälfte der Tansanier in extremer Armut. Im Jahr 2000 waren es noch 86 Prozent.

Die wirkliche Ursache für diese Reduzierung ist dabei relativ einfach: Wirtschaftliche Freiheit.

Tansania hat die sozialistische oder „ujamaa“ -Wirtschaftspolitik des Diktators Julius Nyerere (1922 – 1999) nach dessen Rücktritt 1985 nach und nach abgebaut. Von linken Intellektuellen in den entwickelten Ländern wurde Nyerere häufig für seinen aufrichtigen Glauben an den Sozialismus, die relativ niedrige Korruption gelobt und dafür, dass er sein eigenes Volk nicht – wie so viele andere Diktatoren – vorsätzlich abschlachtete.

Aber Nyerere führte eine Politik ein, die laut Dr. John Shao in den 1980er Jahren zu einer enormen Nahrungsmittelknappheit, dem Zusammenbruch der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion, einer Verschlechterung der Verkehrsinfrastruktur, zu Wirtschaftskrisen und damit zu „allgemeiner Not bei der Bevölkerung“ führte. Nyerere verbot auch Oppositionsparteien, um seine Autorität zu festigen und eine Debatte über seine ruinöse Politik zu verhindern.

Nach Nyerere konnte Tansania sein Wirtschaftswachstum beschleunigen, indem es Preiskontrollen abschaffte, den Handel liberalisierte und den Menschen privates Unternehmertum ermöglichte.

Hilfsgelder stützen autoritäre Regierungen

Die Tatsache, dass die UNO Fortschritte den Regierungsprogrammen zuschreibt und auf der Bedeutung ausländischer Entwicklungshilfe beharrt, sollte nachdenklich machen, doch es überrascht auch nicht.

Nyerere konnte trotz seiner katastrophalen Politik dank Milliarden von Dollar an Hilfsgeldern so lange an der Macht bleiben. Wie mein Kollege Doug Bandow sagte:

„Die Weltbank hat, während es ihr sowohl an Gewissenhaftigkeit als auch an gesundem Menschenverstand fehlte, sein brutales ujamaa-System geradezu unterstützt.“

Staatliche Hilfen sind nicht nur im Vergleich zu marktwirtschaftlich getriebener Entwicklung ineffizient, sondern oft werden damit auch die Eigentumsrechte der Armen und die Notwendigkeit institutioneller Reformen ignoriert. Andere Beispiele für Diktatoren, die Hilfsgelder erhielten, sind Idi Amin aus Uganda, Mengistu Haile Mariam aus Äthiopien, Mobutu Sese Seko aus Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) und sogar der berüchtigte, brutale Pol Pot aus Kambodscha.

Die Gelder dienen oft autoritären Regimes, während diese zerstörerische Politiken verfolgen, wie beispielsweise den Diebstahl von Ackerland ihrer Bürger durch Verstaatlichung. Genau das war in Tansania der Fall, das Milliarden von Dollar ausländischer Hilfen erhielt, während seine sozialistische Regierung Hunderte von Farmen verstaatlichte, die landwirtschaftliche Produktion einschränkte und zu der oben bereits genannten massiven Nahrungsmittelknappheit führte. Die Regale waren leer, und die Leute warteten auf Essensrationen.

„Als ich in den 1980er Jahren nach Tansania kam, hatten wir früher für gewöhnlich ganze Stationen voller Kinder, die massiv unterernährt waren, einige so sehr unterernährt, dass sie nicht überleben konnten“, erinnert sich ein Mitarbeiter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, „jetzt findet man dort nur noch ein oder zwei Kinder. Und als Ursache dafür lassen sich für gewöhnlich soziale Hintergründe finden, wie einen alkoholkranken Vater oder es handelt sich um Waisen, oder sie wurden während der Schwangerschaft von ihrer Mutter mit HIV infiziert.“ Auf der Seite mit diesem Zitat heißt es weiter, dass das UN-Ernährungsprogramm „etwas verändert“ habe, aber der Grund dafür, dass heute wesentlich weniger Kinder auf das Programm zurückgreifen als in den 1980er Jahren, fehlt auffälligerweise.

Der Abbau von Handelsschranken ist weitaus wirksamer bei der Verbesserung der Lebensqualität der Menschen in den armen Regionen der Welt als die Entsendung von Hilfsgütern oder Technokraten, die bei der Gestaltung staatlicher Programme mitwirken. Wenn man es ernst meint mit der Beseitigung der Armut, sollten die Länder eine Politik der wirtschaftlichen Freiheit verfolgen. Denn letztendlich sind es nicht die Staaten, die die Armut bekämpfen. Es sind die Menschen, wenn sie frei von überbordenden Regulierungen sind und am globalen Handel teilnehmen können.

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Der Originalbeitrag mit dem Titel Why Won’t the UN Tell Us What Really Reduces Poverty? ist am 1.11.2017 auf der website der Foundation of Economic Education erschienen.

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Chelsea Follett ist in der Forschung des Cato Institute tätig und ist Managing Editor bei HumanProgress.org.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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