Ein Augenzeugenbericht aus der G20-Hölle in Hamburg

14.7.2017 - Interview mit Steffen Krug, Gründer des Instituts für Austrian Asset Management in Hamburg, über seine Erlebnisse und Eindrücke rund um den G20-Gipfel.

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Steffen Krug

Herr Krug, wir wollen mit Ihnen nach ein paar Tagen Abstand auf den G20-Gipfel in Hamburg zurückblicken. Sie waren an dem Wochenende vor Ort in Hamburg, wie waren Ihre Eindrücke?

Einen ersten Vorgeschmack auf die sich abzeichnenden Krawalle bekam ich bereits einige Tage vor Beginn des G20 Gipfels zu spüren. Beim abendlichen Spaziergang mit meinem Hund wurde ich am Leinpfad im Hamburger Stadtteil Winterhude von einem Chaoten attackiert. Drei aus der Dunkelheit abgefeuerte Knallraketen explodierten direkt vor dem Hund. Aus dem Augenwinkel konnte ich noch erkennen, wie sich ein junger Mann mit Rucksack auf ein Fahrrad schwang und Richtung Stadtpark verschwand. Der Hund erlitt einen Schock und wagt sich im Dunkeln nun nicht mehr aus dem Haus.

Am folgenden Tag erfuhr ich, dass in Rucksäcken von linken Protestcampern aus dem Stadtpark Karten gefunden wurden, in denen Häuser rund um die Alster mit Geldsäcken unter der Überschrift „Bonzenviertel abarbeiten“ markiert waren. Das Zeltcamp im Stadtpark wurde glücklicherweise verboten. Auch wurde in der Nachbarschaft von aufmerksamen Anwohnern der Polizei ein am Straßenrand abgestellter Anhänger gemeldet, der voll beladen mit Eisenstangen, Raketen und sonstigem zerstörerischen Material war.

Im Nachhinein ist es wohl diesen beiden Umständen zu verdanken, dass den Stadtteilen nördlich der Alster eine größere Verwüstungswelle durch den Schwarzen Block erspart blieb. Dennoch war während des gesamten Wochenendes die Angst der Menschen vor einem Angriff des linken Mobs förmlich greifbar. Viele trauten sich nicht mehr aus dem Haus und in Winterhude formierte sich spontan eine 200 Mann starke Bürgerwehr, die über das Wochenende die Straßen patrouillierte. Von der Polizei war in den meisten Wohnvierteln während des Gipfels nicht viel zu sehen, da die Sicherheit der Politiker und G20 Gäste in der Innenstadt und rund um die Messehallen oberste Priorität hatte.

Haben Sie während des G20 Gipfels die Demonstrationen beobachtet?

Am Donnerstagabend wollte ich als Beobachter die G20-Großdemonstration am Fischmarkt live mitverfolgen. Als ich dort ankam, war diese jedoch bereits wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot aufgelöst. An der Hafenstraße versuchte die Polizei Tausende von Demonstranten am Weiterzug zu hindern. Der sogenannte Schwarze Block (ein Zusammenschluss von ungefähr 1000 gewalttätigen Linksautonomen aus ganz Europa mit einer überraschend hohen Frauenquote) stellte der Polizei über Lautsprecheranlagen immer wieder neue Ultimaten, mit den Provokationen aufzuhören. Die Stimmung war extrem aufgeheizt und am Straßenrand wurden in mehreren Krankenwagen verletzte Polizisten versorgt.

Nachdem auch ein zweiter Demonstrationszug auf der Reeperbahn von der Polizei gestoppt wurde, machten sich viele Demonstrationsteilnehmer auf den Weg Richtung Rote Flora im Schanzenviertel, dem Zentrum der Hamburger Linksautonomen. Auf dem Weg dorthin hörte ich plötzlich hinter mir eine Gruppe von 15-20 Personen „Davai! Davai!“ (in der Sowjetunion trieben stalinistische Aufseher Kriegsgefangene mit „Davai“ Rufen in die Arbeitslager) rufen. Innerhalb von wenigen Sekunden wurden zwei Polizeimannschaftswagen mit Eisenstangen und Pflastersteinen zerlegt und die Polizisten in die Flucht geschlagen. Die Koordination dieser mobilen Terrorgruppen lief über einen linksautonomen Informationskanal, der über Monitore in den Schaufenstern diverser Bars in St. Pauli und dem Schanzenviertel ausgestrahlt wurde (siehe Fotos).

Ich wurde an diesem Abend also Zeuge, wie einige Dutzend dezentral organisierte Terrorgruppen im Straßenkampf tausende zentral gesteuerte Polizisten in Angst und Schrecken versetzen und anschließend ohne Widerstand ganze Stadtteile in Schutt und Asche legen konnten. Und das trotz des größten Polizeiaufgebots aller Zeiten!

In Politik und Medien schiebt man sich nun gegenseitig die Verantwortung zu. Wie sehen Sie die Lage?

Die aktuelle Debatte um die politische Verantwortlichkeit erscheint mir eher scheinheilig zu sein und geht am Kern der Sache vorbei. Der G20 Gipfel wurde der Stadt Hamburg gegen den Willen der großen Mehrheit der Bürger von Angela Merkel und Olaf Scholz aufgezwungen. Die Polizei hatte im Vorfeld des Gipfels sowohl den Hamburger Senat als auch die Bundesregierung darauf hingewiesen, dass man neben den G20 Teilnehmern nicht auch noch die Hamburger Bevölkerung gegen die militante, linksautonome Szene würde schützen können. So gesehen war alles, was letztes Wochenende im Schanzenviertel und diversen Hamburger Vororten passierte, keine Überraschung, sondern wurde vielmehr billigend von der Politik in Kauf genommen.

Weder Olaf Scholz noch Angela Merkel werden Konsequenzen ziehen und zurücktreten. Dafür wird die Bundesregierung jetzt endlich die europaweite Extremismus-Datei vorantreiben, und in Hamburg und anderen Bundesländern wird man nun ohne Widerstand die Polizeieinheiten aufstocken. Wie heißt es doch gleich: (Bürger)Krieg ist das Lebenselixier des Staates.

Die Demonstranten glauben, gegen den Kapitalismus demonstriert zu haben. Klären Sie sie doch bitte mal auf…

Der libertäre Youtuber Jens Böckenfeld (Grosse Freiheit TV) aus Hamburg hat zu diesem Phänomen im Rahmen des G20 Gipfels sehr erhellende Interviews mit vier Demonstranten aus dem antikapitalistischen Spektrum gemacht.

https://www.youtube.com/watch?v=0H45vx00fFg

Da gibt es das politisch-korrekte Paar, welches unreflektiert antikapitalistische Parolen nachplappert, mit denen es tagtäglich von den deutschen Mainstream-Medien bombardiert wird. Dann ist da der linksautonome Aktivist, dessen intellektueller Horizont sich auf kapitalismus-kritische Schulbücher sowie Karl Marx beschränkt und der von Ludwig von Mises und dessen Sozialismuskritik noch nie etwas gehört hat. Und natürlich liefen auf den Demonstrationen viele opportunistische Systemprofiteure mit, die – im Interview ein Gewerkschafter – mittels anti-kapitalistischer Gesinnung staatliche Transferleistungen abgreifen und im öffentlichen Dienst Karriere machen.

Jens Böckenfeld gab sich während der Demonstrationen als anarchistischer Youtuber aus und konnte so körperlich unbeschadet die Interviews durchführen. Anders erging es der libertären Aktivistin Lauren Southern aus Kanada. Der Journalist Sören Kohlhuber, der auf ZEIT ONLINE veröffentlicht, machte von ihr und einigen anderen alternativen G20 Berichterstattern ein Foto und deklarierte die Marktwirtschaftlerin als Faschistin um (da scheint es ohnehin für viele Linke keinen Unterschied zu geben). Das „Fahndungs-Bild“ lud er mit einer entsprechenden Aufforderung zum „Aussondern“ in den einschlägigen Social Media Plattformen der Antifa hoch. Was dann geschah, berichtet der deutsche Journalist Max Bachmann, der nur rein zufällig mit auf dem Bild abgebildet war:

https://www.youtube.com/watch?v=Q0FEyFWLKj0

Lauren Southern spricht in einem ausführlicheren Interview mit Stephan Molyneux unter dem bezeichnenden Titel: „The End of Germany“ über die Ereignisse in Hamburg und die linke Menschenjagd auf sie und ihre Kollegen:

https://www.youtube.com/watch?v=05slPcJ0s0I

Herr Krug, angesichts Ihrer Schilderung drängt sich das Bild auf, der Linksextremismus der 1930er Jahre ist in Deutschland wieder auferstanden, nur diesmal nicht in brauner Farbe, sondern in schwarzer und roter Farbe …

Ja, das ist ein treffender Vergleich. Der Schriftsteller Ignazio Silone soll bereits Ende des 2. Weltkriegs gesagt haben: „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›“. Wäre Silone noch am Leben und hätte am Wochenende in Hamburg gesehen, wie ein von linken Mainstream-Journalisten via Fake-News aufgestachelter schwarzer Mob blutige Hetzjagden auf ausländische Journalisten veranstaltet, wüsste er spätestens jetzt, dass er mit seiner damaligen Prophezeiung richtig lag.

Was halten Sie von folgender These? Der G20-Gipfel ist in Wirklichkeit ein Treffen der Anti-Kapitalisten und Interventionisten und die irrige Annahme der Menschen, nicht nur der Demonstranten, wir würden im Kapitalismus leben, ist das Ergebnis jahrzehntelanger, falscher ökonomischer Lehren …

Im Kapitalismus befinden sich die Produktionsmittel im Privateigentum und es gilt Vertragsfreiheit. Entsprechend müssen Kapitalisten für ihre wirtschaftlichen Aktivitäten persönlich haften. Es gibt weder staatliche Privilegien, noch gibt es staatliche Subventionen. Wenn also Merkel, Erdogan, Putin & Co. Kapitalisten wären, könnten sie die Kosten ihrer Aktivitäten anderen Menschen nicht mehr aufzwingen. Ohne das staatliche Gewalt- und Geldmonopol hätten sie auch keine Macht mehr, dies trotzdem zu versuchen. Wenn man sich beispielsweise die betriebswirtschaftlich-messbaren Aktivitäten von Politikern wie Olaf Scholz (u.a. Hapag Lloyd, HSH Nordbank, Elbphilharmonie) anschaut, erkennt man schnell, dass die heutigen Machthaber im Kapitalismus wohl nicht einmal in der Lage wären, einen Straßenkiosk profitabel zu betreiben und somit nur einen entsprechend minimalen gesellschaftlichen Einfluss hätten.

Kapitalismus ist die einzige friedliche Chance, die staatlichen Kriegstreiber und chronischen Pleitegeier dieser Welt unschädlich zu machen. Dass Schülern und Studenten an staatlichen Schulen und Universitäten seit Jahrzehnten das genaue Gegenteil erzählt wird, ist wenig verwunderlich, wenn man berücksichtigt, wer die Lehrer und Professoren bezahlt. Das Ludwig von Mises Institut Deutschland wird also auch zukünftig in Sachen ökonomischer Aufklärungsarbeit alle Hände voll zu tun haben.

Da haben Sie wohl recht, Herr Krug, vielen Dank.

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Das Interview wurde am 13. Juli 2017 per mail geführt. Die Fragen stellte Andreas Marquart.

Fotos: Steffen Krug

Brennende Schanze

Infobox der linksautonomen Szene

Rote Flora

Jungfernstieg

Haspa

Schanzenparolen

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Dipl. Volksw. Steffen Krug arbeitete nach seinem Studium als Wertpapierspezialist bei einer Hamburger Bank. Seit 2001 ist er als bankenunabhängiger Vermögensberater (www.lacruche.de) tätig. Er entwickelte den Investmentstil Austrian Asset Management und gründete im Jahr 2009 das Institut für Austrian Asset Management (www.ifaam.de), welches auf Basis dieses Ansatzes bankenunabhängige Investmentlösungen für Privatanleger entwickelt. Krug veranstaltet einmal im Jahr die Hamburger Mark Banco Anlegertagung, auf der unabhängige Kapitalmarktexperten und Kenner der Österreichischen Schule der Ökonomie ihre aktuellen Investmentstrategien vorstellen. Zudem wird dort die jährliche Roland Baader Auszeichnung (www.roland-baader.de) verliehen.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.