Teslas Erfolg – der Marktwirtschaft sei Dank

22.4.2016 – von Mateusz Machaj.

Mateusz Machaj

Kürzlich sah sich die Autoindustrie mit einer neuen Bedrohung konfrontiert. In einer Hysterie, wie sie zuletzt bei Apple beobachtet werden konnte, standen Menschen gleich in mehreren US-amerikanischen Städten reihenweise Schlange, um ein Auto vorzubestellen, das bisher noch kaum jemand gefahren oder überhaupt gesehen hat. Mit der Auslieferung des Autos soll in etwa zwei Jahren begonnen werden (möglicherweise verzögert sich die Auslieferung noch weiter aufgrund der großen Anzahl an Vorbestellungen).

Die Erwartungen vieler Beobachter wurden mit über einer Viertelmillionen Vorbestellungen (inkl. Onlinebestellungen) für den Tesla Model 3 in weniger als drei Tagen bei weitem übertroffen. Um sich der Dimensionen bewusst zu werden: Diese Anzahl an Vorbestellungen machen mehr als 70 Prozent der Jahresverkäufe für die Mercedes Benz C-Klasse aus, dem Marktführer in diesem Segment.
Solch eine Schumpetersche Störung kann somit als ein Lehrstück für die Funktionsweise von Märkten dienen und dazu beitragen, langlebige Mythen über die wahre Bedeutung von marktwirtschaftlichem Wettbewerb neu aufzugreifen.

Lektion 1: Wo Konsumentenfreiheit herrscht, entsteht Wettbewerb auf allen Märkten

Die meisten wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbücher und Experten heben die Rolle von Wettbewerb auf dem Markt hervor. Trotzdem sind sie, aus unterschiedlichen Gründen, gegenüber einer vollkommen freien Marktordnung meist skeptisch eingestellt und sind der Überzeugung, manche Wirtschaftszweige erfüllten nicht die Voraussetzungen für eine wettbewerbliche Ordnung. Und warum? Weil in einigen Branchen hohe Markteintrittskosten (und Marktaustrittskosten) existieren weicht der Wettbewerbsprozess von seinem optimalen Verlauf ab – so jedenfalls glauben sie es.

Auf die Autoindustrie wird dabei oftmals als ein gutes Beispiel verwiesen: Enorme Investitionen sind notwendig. Skaleneffekte, wenn auch effizienzgetrieben, können eine Markteintrittshürde darstellen. Demnach sind nicht alle Branchen für den freien Wettbewerb geeignet.

Und plötzlich erschienen Elon Musk und sein Team rund um Tesla Motors vor 13 Jahren auf der Bildfläche und schafften etwas, von dem man sagte, dass es nicht passieren könne: Sie bauten ein Startup-Unternehmen für Autos auf.

Jetzt werden einige einwenden, Elon Musk und sein Unternehmen seien die Empfänger von staatlichen Subventionen und Steuervergünstigungen gewesen. Es ist wahr, die Analyse wird unglücklicherweise durch das Vorhandensein von staatlichen Interventionen gestört. Ähnliche Störungen lassen sich allerdings überall finden. Schlussendlich haben auch Teslas Konkurrenten (beispielsweise Ford, Chrysler und GM) seit Jahren Steuervergünstigungen und Subventionen von unterschiedlichen staatlichen Einrichtungen erhalten.

Dieser Umstand sollte allerdings nicht von der Tatsache ablenken, dass Tesla gegen viel größere Firmen in einer ähnlichen Marktumgebung konkurriert, und Tesla fortbesteht, obschon viele andere Firmen versucht haben, das zu tun, was Tesla derzeit versucht, und daran gescheitert sind. (siehe hierzu auch: „Nein, Steuerkürzungen sind keine Subventionen.“)

Selbst in einer Marktumgebung mit staatlichen Interventionen ist dennoch ein gutes Produkt notwendig, das den Kunden anspricht, um erfolgreich zu sein. Daher können auf allen Märkten, auf denen zumindest ein Stück Konsumentenfreiheit existiert, Unternehmer einen echten Wettbewerb erzeugen – selbst auf Märkten, auf denen große Marktteilnehmer mit Profiten dominieren, die größer sind als die kleiner Volkswirtschaften. Sobald ein Unternehmer Investoren davon überzeugt hat und den Kunden beweisen kann, dass sein neues Produkt innovativ und nützlich ist, sehen sich die etablierten Marktteilnehmer in der Branche mit einer realen Bedrohung ihres Fortbestehens konfrontiert. Es spielt keine Rolle wie groß sie sind, ein potentieller Wettbewerber kann hinter jeder Ecke lauern.

Lektion 2: Der Markt eignet sich bestens, um Verfahren für die Massenproduktion zu testen

Die Geschichte von Tesla Motors eignet sich als hervorragendes Anschauungsbeispiel, wie innovative Ideen auf dem Markt getestet werden und wie der innovative Prozess stetig durch den Unternehmensinhaber überprüft wird (ganz im Gegensatz zu politisch motivierten bürokratischen Ausgaben). Musk und sein Team haben klein angefangen, indem sie mit einem Sportwagen die grundsätzliche Machbarkeit von Elektroautos demonstrierten. Hierzu verwendeten sie ein bereits existentes Automodell (Lotus) und tauschten die bisherigen Teile (Motor usw.) gegen ein elektrisches Triebwerk mit Batterie aus. So konnte man geschickt einen Schritt nach dem anderen machen (budgettechnisch gesehen). Anstatt zu viel in ein größeres, risikoreicheres Projekt zu investieren, entschied das Unternehmen sich für einen ersten Testversuch. Das Interesse von Investoren wurde geweckt, es floss mehr Geld in das Projekt und damit war es möglich, das erste eigenständige Modell, den Tesla Model S, zu entwickeln und selbst zu produzieren.

Zu diesem Zeitpunkt beschränkte sich Tesla immer noch auf hochpreisige Luxusautos, die auf ein kaufkräftiges Publikum abzielten. Der Model S wurde produziert, um der Welt zu beweisen, dass das Unternehmen dazu in der Lage war, vollkommen eigenständig Autos zu produzieren. Das Modell war nicht primär dazu gedacht, Gewinn in einem Nischenmarkt zu erzielen, sondern Investoren dazu zu bewegen, eine Massenproduktion zu finanzieren. Der Tesla S machte Verluste, aber die viel günstigere Variante Model 3 wird vielleicht ein Erfolg – wenn die Konsumenten sich dazu entscheiden, es zu einem Erfolg werden zu lassen.

Die Geschichte zeigt auf anschauliche Weise, wie der Markt Unternehmern erlaubt, einen neues Produkt behutsam vorzustellen und es gleichzeitig bewerten zu lassen. Anstatt das ganze Projekt auf einmal anzugehen, hat Tesla einen rationaleren, langsameren Weg hin zu einer Massenproduktion eingeschlagen. Tesla macht Schlagzeilen mit seinen vielen Vorbestellungen, aber daneben gibt es eine Vielzahl von unbeachteten Fällen, wo Unternehmen schlechte Innovationen hervorbringen und deren Produkte im Verlauf der Testphase wieder vom Markt verschwinden. (Mit staatlicher Unterstützung würden sie einfach bis zur Unendlichkeit weiterbestehen.) Märkte weisen Mechanismen auf, mit denen Produkte, die nur wenige wollen, wieder vom Markt verschwinden.

Darüber hinaus lässt sich feststellen, wie Luxusprodukte mit der Zeit immer weniger luxuriös werden. Dank Kapitalbildung, im Zusammenspiel mit privaten Investitionen, werden Produkte, die einstmals teuer waren, in immer größeren Stückzahlen produziert. So war es mit Telefonen, Rechnern, Seifen, Traktoren und einer unendlichen Liste von anderen Produkten und Dienstleistungen. Mehr Wettbewerb und Massenproduktion führt zu einer Preisdeflation (oder einem Anstieg der Reallöhne).

Wie Ludwig von Mises immer wieder betonte: Die größten Gewinne lassen sich mit der Massenproduktion einfahren. Henry Ford verstand dies nur allzu gut und Tesla wird dies vielleicht wieder verdeutlichen.

Lektion 3: Patente schaden Konsumenten und verhindern Fortschritt

Ein weiterer, interessanter Aspekt bei Tesla Motors: Die Firma hält keine Patente und erlaubt es anderen Produzenten, ihre Technologie zu verwenden. Auch wenn dies vielleicht nur als ein Schachzug aus wohltätigen, humanitären Gründen aufgefasst werden kann, hat die Sache noch eine andere Seite: Es soll dazu beitragen, Teslas Gewinne zu steigern.

Tesla glaubt, es kann seine Technologie offen teilen, da die Firma von ihrem Produkt überzeugt ist und an ihr Produkt glaubt. Die Zuversicht resultiert aus der Überzeugung, niemand  könne auch nur ansatzweise in der Qualität produzieren, in der Tesla dies kann. Unter solchen Umständen macht es ökonomisch gesehen vollkommen Sinn, die Innovationen über den Markt hinweg zu verbreiten. Tesla versteht, dass die Einführung neuer Produkte und Technologien, die eingesetzt werden können, um Elektroautos zu verbessern, die gesamte Branche stärkt und Diversifikation zur Folge hat. Wenn man der Marktführer auf einem solchen Markt bleibt, sind Patente schlichtweg nicht notwendig. Die monopolartigen Privilegien, die durch Patente geschaffen werden, sind hauptsächlich für schwache Firmen wichtig oder für Firmen, die den Status quo erhalten wollen und nicht an einer Weiterentwicklung des Marktes interessiert sind. Versteht man sich selbst als den schnellsten Läufer im Feld, ist man darauf aus, so schnell wie möglich zu laufen, ohne seinen Mitbewerbern Steine in den Weg zu legen.

Letzen Endes kann Tesla Motors, wie jede andere Firma auch, schlicht und einfach scheitern. Oder aber sie wird zur größten Erfolgsgeschichte in der Automobilindustrie seit Ford. Ganz egal wie die Zukunft aussieht, eine Lektion lässt sich wieder einmal lernen: Wenn Konsumenten und Investoren die Freiheit besitzen, frei zu entscheiden, kann jeder Unternehmer, der bestrebt ist seinen Kunden zu dienen, selbst mit großen, etablierten Firmen konkurrieren. Mehr noch: Der Markt macht es möglich, den innovativsten und kundenorientiertesten Unternehmer zu belohnen.

*****

Aus dem Englischen übersetzt von Arno Stöcker. Der Originalbeitrag mit dem Titel Three Lessons Learned from Tesla’s Success ist am 7.4.2016 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

Dieser Beitrag könnte Sie auch interessieren … von Murray N. Rothbard: Der freie Markt: ein Segen, kein Fluch

————————————————————————————————————————————————————————

Mateusz Machaj ist Doktor der Volkswirtschaft und Gründer des Ludwig von Mises Institutes in Polen. Er ist Assistenzprofessor am Institute of Economic Sciences an der Universität Breslau.

*****

Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

Foto Startseite: Tesla Motors, Deutschland