Freier Handel schafft Wohlstand

16.3.2016 – von Georgi Vuldzhev.

Der politische Zirkus rund um die Präsidentschaftswahlen 2016 hat den alten, aber noch immer populären Irrglauben vom Protektionismus wieder auferstehen lassen. Gegenwärtig plädieren sowohl Donald Trump als auch Bernie Sanders für eine Ausweitung einer protektionistischen Handelspolitik. Beide argumentieren, freier Handel würde Arbeitsplätze „vernichten“ und den einheimischen Arbeitern und Unternehmen schaden, weil sie dadurch ausländischer Konkurrenz ausgesetzt würden. Beide Kandidaten offenbaren eine völlig falsche Vorstellung von der Wirtschaft als ein Nullsummenspiel, bei der die eine Seite eines Tausches nur etwas gewinnt, wenn die andere Seite etwas verliert. Selbstverständlich liegen beide damit vollkommen falsch.

Freier Handel vernichtet keine Arbeitsplätze

Wahr ist: Ein stärkerer Wettbewerb zwischen in- und ausländischen Arbeitern kann zu sinkenden Löhnen und möglicher Arbeitslosigkeit in einigen Wirtschaftsbereichen führen. Aber das ist nur ein kurzfristiger Effekt. Demgegenüber führt freier Wettbewerb zwischen in- und ausländischen Produzenten natürlicherweise zu sinkenden Preisen für Güter und Dienstleistungen, die nun uneingeschränkt vom Ausland importiert werden können. Während also auf der einen Seite das nominale Lohnniveau in einigen Wirtschaftsbereichen sinkt, steigt das reale Lohnniveau aufgrund der sinkenden Preise insgesamt für jeden in der Wirtschaft.

Dank des freien Handels geben die Konsumenten weniger Geld für bestimmte Güter und Dienstleistungen aus, was es ihnen wiederum erlaubt, mehr Geld für andere Dinge auszugeben. Dies führt zu einer steigenden Nachfrage und in der Folge zu Gewinnen in den betreffenden Wirtschaftssektoren, was wiederum dafür sorgt, dass dort Unternehmer verstärkt investieren. Diese höhere Investitionsquote führt auf natürlichem Weg zu mehr Arbeitsplätzen in diesen Sektoren und übersteigt dabei den vormaligen Anstieg der Arbeitslosigkeit, der eventuell aufgetreten ist.

Die Konsumenten können sich aber auch alternativ dafür entscheiden, das durch den Preisverfall verfügbar gewordene Einkommen zu sparen. Der Anstieg der Sparquote wird zu einem Absinken des Zinsniveaus führen, was manche langfristigen, kapitalintensiven Projekte profitabel werden lässt, die es zuvor nicht waren. Um die Chancen zu nutzen, die sich aus dem Anstieg der Ersparnisse ergeben, werden Unternehmer beginnen, sich das Geld zu leihen und es in diese langfristigen, kapitalintensiven Projekte investieren, was schon für sich genommen neue Arbeitsplätze entstehen lässt. Darüber hinaus führt diese Entwicklung aber auch zu einer gesteigerten Nachfrage nach Kapitalgütern, was die Erträge in der Kapitalindustrie steigen lässt und auch in diesen Wirtschaftsbereichen erhöhte Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Folge hat.

Freier Handel ist ein Gewinn für jeden

Freier Handel „vernichtet“ nicht nur keine Arbeitsplätze, vielmehr fördert er die Spezialisierung zwischen den Nationen, was die Effektivität und Produktivität der Arbeiter erhöht, und zu einem allgemeinen Anstieg der Lebensverhältnisse beiträgt. Handel ist kein Nullsummenspiel, bei der die eine Seite gewinnt, während die andere verliert.

Wenn beispielsweise zwei Länder wie die Vereinigten Staaten und China freien Handel miteinander treiben, werden ihre Bürger dazu angehalten, sich in den Produktionsbereichen zu spezialisieren, in denen sie einen komparativen Vorteil besitzen. Aufgrund von Unterschieden bei den naturgegebenen Produktionsfaktoren ist es das Beste für verschiedene Länder, sich auf die Art von Gütern und Dienstleistungen zu spezialisieren, die sie vergleichsweise am effektivsten produzieren können. Ein durch Skaleneffekte (economies of scale) ermöglichter höherer Grad der Spezialisierung macht die Produktion kostengünstiger.

Durch die Spezialisierung auf bestimmte Wirtschaftsbereiche und den anschließenden Tausch der erzeugten Güter und Dienstleistungen gegen Güter und Dienstleistungen, auf die sich andere spezialisiert haben, können die Menschen eines bestimmten Landes ihren Lebensstandard spürbar steigern, weil dem Anstieg der Produktivität natürlicherweise ein wachsendes Angebot von Gütern und Dienstleistungen folgt und somit die realen Einkommen steigen. Auf diese Art und Weise erlaubt der freie Handel das Aufblühen von dem, was man eine „internationale“ Arbeitsteilung nennen könnte. So wie ein größerer Grad an Arbeitsteilung zu einer starken Zunahme bei der Produktivität und den realen Einkommen auf intranationaler Ebene (beispielsweise innerhalb eines Landes) führt, kann dies auch auf einer internationalen Ebene der Fall sein.

Protektionismus macht arm

Wenn der internationale Handel beschränkt ist, beispielsweise durch eine protektionistische Gesetzgebung, die Einfuhrzölle auf bestimmte Produkte erhebt, ist dieser Spezialisierungsprozess gestört und die Vorteile aus der Produktionseffizienz werden gemindert. Durch einen künstlichen Preisanstieg von Importen erlauben es Zölle den ineffizienten und ansonsten nicht wettbewerbsfähigen inländischen Unternehmen, ihre Geschäfte fortzuführen. Konsumenten sind gezwungen, höhere Preise für die andernfalls importierten Güter zu bezahlen, die nun durch die Zölle verteuert werden, und dies hat nichts anderes als eine Umverteilung von Ressourcen vom Konsumenten hin zum inländischen Produzenten zur Folge.

Noch wichtiger aber ist, dass Protektionismus den zuvor beschriebenen Spezialisierungsprozess behindert und damit einen langfristigen Anstieg des Lebensstandards verhindert, oder – schlimmer noch – sogar zu einem Absinken des Lebensstandards führt. Durch die Stützung von Gewinnen von nicht wettbewerbsfähigen inländischen Produzenten und dem künstlichen am Leben halten dieser Unternehmen verhindern Zölle den Wechsel von Arbeitskräften von den ineffizienten Wirtschaftsbereichen in die wettbewerbsfähigeren Sektoren. Folgerichtig können die Vorteile aus der Spezialisierung nicht erzielt werden, da ein höherer Spezialisierungsgrad verhindert wird – im schlimmsten Fall kann die Spezialisierung sogar umgekehrt werden. Die Produktivität steigt nicht (oder zu mindestens nicht in demselben Maße, wie sie es könnte) und somit steigen auch die Realeinkommen nicht.

Entgegen der derzeitig weitverbreiteten politischen Rhetorik „vernichtet“ der Freihandel keine Arbeitsplätze. Der freie Handel kann nur zu einer Umschichtung von Ressourcen (Arbeit, Kapital und anderen Faktoren) von einem nicht wettbewerbsfähigen, inländischen Wirtschaftsbereich oder einer Gruppe solcher Sektoren, zu einem wettbewerbsfähigeren Sektor führen. Dieser Spezialisierungsprozess hin zu den wettbewerbsfähigeren Produktionsbereichen vernichtet nicht nur keine Arbeitsplätze, sondern ermöglicht viel mehr große Effektivitäts- und Produktivitätszuwächse, die zu einem Anstieg der Realeinkommen beitragen. So gestaltet sich der freie Handel nicht etwa zum Schaden der einheimischen Arbeiter, sondern ganz im Gegenteil, zu ihrem Vorteil – er macht sie reicher. Vielmehr ist es der Protektionismus, der ineffiziente Unternehmen künstlich stützt, und dabei jeden, Arbeiter eingeschlossen, ärmer werden lässt und Fehlallokationen von Ressourcen und einen sinkenden Lebensstandard für jedermann zur Folge hat.

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Aus dem Englischen übersetzt von Arno Stöcker. Der Originalbeitrag mit dem Titel Free Trade Is the Path to Prosperity ist am 7.3.2016 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Georgi Vuldzhev ist Student der Volkswirtschaft und ehemaliger Praktikant am Institute for Market Economics in Sofia, Bulgarien. Seine Artikel zu den Themen „Volkswirtschaft“ und „Politik“ sind von den European Students for Liberty, der Foundation for Economic Education und verschiedenen bulgarischen Zeitungen veröffentlicht worden. Seine Interessensgebiete sind die Österreichische Konjunkturtheorie, internationaler Handel und Geldtheorie.

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Hinweis: Die Inhalte der Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Ludwig von Mises Institut Deutschland wieder.

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