Es gibt noch Hoffnung

19.2.2016 – von Ron Paul.

Ron Paul

[Dieser Beitrag basiert auf einer Rede, die Ron Paul beim Mises Circle am 7. November 2015 in Phoenix gehalten hat.]

Die wichtigste Botschaft für mich heute ist, dass sich die Dinge ändern. Oft fragen mich die Leute bei Veranstaltungen wie dieser: “Ist das nicht anstrengend, ist das nicht aufreibend?” Aber das ist es nicht – im Gegenteil, ich mache das sogar ein bisschen aus Eigennutz, weil es mir Energie gibt, all diese jungen Menschen, die heute hier sind, zu treffen. Sicher gibt es hier alle Altersgruppen, aber es sind viele junge Menschen hier, und manche von ihnen kommen sogar zu mir und sagen “bei Ihnen habe ich diese Gedanken zum ersten Mal kennengelernt, als ich vor ein paar Jahren noch in der Schule war.”

Und es sind nicht nur die Menschen bei Veranstaltungen wie diesen. Als ich hier am Flughafen angekommen bin, sind zwei junge Leute auf mich zugekommen und haben mich angesprochen. Sie kannten sich nicht, aber beide sprachen mit ausländischem Akzent, und beide sagten, sie seien aus Afrika. Sie sagten, sie hätten von der Botschaft der Freiheit über das Internet erfahren, und sie würden mir seit 2008 zuhören.

Positive Trends

Das sind nur Beispiele, aber ich denke, sie stehen für einen größeren Wandel, der zur Zeit stattfindet. Die Dinge ändern sich dramatisch, und sie ändern sich zum Guten.

Wir befinden uns in einer Art Übergangszeit, in der sich die Einstellungen ändern. Über unsere Standpunkte kann man sich schon seit langem informieren, aber wir müssen wir uns fragen, wieso wir gerade jetzt bei so vielen jungen Menschen und zukünftigen Führungspersonen Erfolg haben. Teilweise liegt dies an der besseren Verfügbarkeit der Ideen. Das Internet hilft sicherlich, und Organisationen wie dem Mises-Institut schulden wir großen Dank, denn sie machen die Gedanken der Freiheit für viele Menschen leichter verfügbar. Auch habe ich es mir nie vorstellen können, dass meine Präsidentschaftskandidaturen für unser Denken so viel Aufmerksamkeit erzeugen könnten, wie dies der Fall war. Unser Erfolg dabei, junge Menschen in die Bewegung zu holen, hat alles übertroffen, was ich für möglich gehalten habe.

Es wird Veränderungen geben, egal ob es uns gefällt oder nicht

Diese Gedanken haben jedoch nicht nur mehr Erfolg, weil sie heute einfacher zu entdecken und nachzulesen sind. Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen – insbesondere junge Menschen – sehen können, dass die alten Ansätze nicht mehr funktionieren. Die junge Generation hat ein Chaos von den früheren Generationen vermacht bekommen, und sie kann sehen, dass vieles nicht stimmt, was ihnen gesagt wurde. Es ist nicht wahr, dass man einfach studieren und dafür eine Menge Schulden machen kann, und dann einen guten Job sicher hat. Die Jungen können sehen, wie unser gegenwärtiges Wirtschaftssystem die Mittelschicht zerstört. Und sie können sehen, wie unsere Außenpolitik scheitert. Ob es uns gefällt oder nicht, es wird Veränderungen geben. Unsere Soldaten werden heimkehren. Sie werden vermutlich nicht aus ideologischen Gründen heimkehren, sondern weil die Vereinigten Staaten pleite sind und sich all ihre Kriege nicht mehr leisten können.

Wir erleben außerdem, wie unser Wirtschaftssystem sich auflöst. Das alte keynesianische Wirtschaftssystem funktioniert nicht, und junge Leute erkennen das. Wenn es stimmt, dass wir uns mitten im Ende einer Ära befinden, stellt sich die Frage, was nach dem jetzigen System kommen wird. Es gibt immer noch jede Menge Sozialisten, die sehr beliebt sind, und sagen, wir bräuchten mehr staatliche Kontrollen und mehr Kriege, um die Wirtschaft und die Welt wieder ins Lot zu bringen. Es liegt also noch viel Arbeit vor uns, aber unsere Position ist, denke ich, besser, als sie es jemals war.

Wir brauchen keine Mehrheit

Bei all der Arbeit, die noch vor uns liegt, ist es wichtig, zu betonen, dass wir nicht die Unterstützung der Mehrheit brauchen. Wer darauf wartet, dass 51 Prozent der Bevölkerung sich als Libertäre bekennen und uns in allem zustimmen, wird dabei seinen Verstand verlieren. Um Erfolg zu haben, brauchen wir die intellektuelle Führung in einem Land, welche den Staat und die Gesellschaft im Allgemeinen beeinflussen kann. Und dort sehen wir den Fortschritt. Wir reden hier nur von sieben oder acht Prozent eines Landes, die nötig sind, um die Art von Einfluss auszuüben, die man braucht. Dies war während der Amerikanischen Revolution so, und es ist heute der Fall. Sie sind Teil dieser acht Prozent.

Es warten jedoch in vielen Bereichen noch Aufgaben, die zu erledigen sind. Die Menschen fragen mich oft „Was soll ich tun.“ Meine Antwort lautet: „Tun Sie, was immer Sie tun möchten.“ Es gibt nicht den einen Weg. Manche Menschen können in die Politik gehen, andere widmen sich der Aufgabe der Bildung. Lew Rockwell hat beispielsweise das Mises-Institut gegründet. Was Sie für die Sache der Freiheit tun, liegt in Ihrem persönlichen Ermessen, und Sie müssen herausfinden, was für Sie Sinn ergibt. Außerdem kann niemand von vorneherein alle positiven Auswirkungen des eigenen Handelns kennen. Ich konnte sicher nicht wissen, welchen positiven Effekt ich auf die jungen Afrikaner hatte, denen ich am Flughafen begegnet bin. Und Sie können ebenfalls nicht immer wissen, welche Auswirkungen Ihr Handeln hat.

Wo soll man anfangen

Sagen wir nun, wir haben Erfolg, und unsere sieben oder acht Prozent gewinnen weiter an Einfluss. Was sollen wir tun? Ich denke, es gibt drei grundlegende Bereiche, in denen wir beginnen müssen. Als erstes sollten wir sicherstellen, dass es in den Vereinigten Staaten nie wieder eine Einkommenssteuer geben wird. Als zweites sollten wir die Federal Reserve und ihre gesamte Führung in die Mülltonne der Geschichte verbannen. Danach sollten wir ein Gesetz erlassen, das es der US-Regierung verbietet, Verbrechen zu begehen, für die andere Menschen bestraft werden. Es ist falsch, zu stehlen und die Beute an andere Menschen zu verteilen, egal wie viele Menschen dies tun, um den Beifall anderer zu bekommen. Und schließlich sollten wir alle Soldaten heimholen. Randolph Bourne hatte Recht, als er sagte, im Krieg blühe der Staat auf. Im Frieden hingegen blühen Freiheit und Wohlstand auf.

Wir brauchen Bescheidenheit

Zum Abschluss möchte ich betonen, dass Bescheidenheit und Toleranz ein wichtiger Teil unserer Bemühungen sein müssen. Ja, wir brauchen eine Außenpolitik auf der Grundlage der Bescheidenheit. Wir können nicht wissen, was für die Menschen auf der ganzen Welt richtig ist, und wir sollten ihnen ganz sicher nichts aufzwingen. Aber auch hier zu Hause brauchen wir Bescheidenheit. Tatsächlich beruht der Libertarismus auf Bescheidenheit.

Wir können nicht wissen, was für andere Menschen das Beste ist. Niemand kann das, und aus diesem Grund möchten wir, dass die Menschen die Freiheit haben, das zu tun, was sie für richtig halten. Dies ist natürlich auch in der Wirtschaft gültig. Glauben Sie, Janet Yellen wüsste, wie hoch der „richtige“ Zinssatz ist? Es gibt so vieles, das wirtschaftliche Zentralplaner nicht wissen können. Und aus diesem, und anderen Gründen gibt es so viele Dinge, die sie nicht tun sollten. Und ja, es gibt jede Menge Menschen da draußen, die ihr Leben auf eine Art und Weise leben, mit der wir nicht einverstanden sind.

Aber Intoleranz ist die Grundlage des Staates. Die extreme Linke ist sehr intolerant und hat Gefallen daran, anderen Menschen mit Waffengewalt ihren Willen aufzuzwingen. Wir müssen stets daran denken, dass andere Menschen, solange sie uns nicht schaden oder uns mit Hilfe des Staates ihren Willen aufzwingen, in Ruhe gelassen werden müssen. Im Gegensatz zu den Linken verlangen wir Toleranz sowohl gegenüber den Moralvorstellungen anderer Menschen als auch gegenüber ihrer Art, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und ihr Geld auszugeben. Wir brauchen mehr Toleranz und Bescheidenheit in allen Bereichen des Lebens – so erreichen wir eine freie Gesellschaft. Also lassen Sie uns alle an die Arbeit gehen und die Sache der Freiheit erhalten. Ich danke Ihnen vielmals.

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Aus dem Englischen übersetzt von Florian Senne. Der Originalbeitrag mit dem Titel Why I Have Hope ist am 10.1.2016 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Der ehemalige Kongressabgeordnete Dr. Ron Paul ist Distinguished Counselor des Ludwig von Mises Institute in Auburn, US Alabama. Er ist Gründer und Präsident des Ron Paul Institute for Peace und Prosperity.

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