Paris: Mehr Bomben werden das Problem nicht lösen

20.11.2015 – von Ron Paul.

Ron Paul

Wie vorauszusehen war, haben die furchtbaren Anschläge in Paris am vergangenen Freitag zu sehr vielen Überreaktionen und Forderungen geführt, jetzt verstärkt genau die Dinge zu tun, die die Menschen radikalisieren und sie dazu bewegen, uns anzugreifen. Das französische Militär verschwendete keine Zeit, um auf Syrien Bomben als Vergeltung für den Anschlag abzuwerfen, obwohl niemand weiß, woher genau die Angreifer kamen. Tausende IS-Kämpfer in Syrien sind keine Syrer, sondern kamen aus anderen Ländern dorthin – einschließlich Frankreich und den Vereinigten Staaten –, um die Assad-Regierung zu stürzen.

Ironischerweise war der Sturz Assads seit mindestens 2011 ebenfalls das Ziel der USA und von Frankreich.

Weil die USA und ihre Partner praktisch auf der gleichen Seite wie der IS und andere Gruppen stehen – sie alle wollen den Sturz Assads – gelangen viele der Waffen, die sie den „gemäßigten“ Gruppen schickten, in die Hände von Radikalen. Gemäßigte Gruppen sind immer und immer wieder radikaleren Gruppen beigetreten und nahmen ihr Wissen aus der amerikanischen Ausbildung und ihre amerikanischen Waffen mit. Andere gemäßigte Gruppen wurden gefangen genommen oder getötet; ihre US-amerikanischen Waffen gelangen ebenfalls zu den Radikalen. So wurden die radikaleren Gruppen immer besser ausgerüstet und besser trainiert, während sie ab und zu von amerikanischen Flugzeugen angegriffen werden.

Zweifelt wirklich irgendjemand daran, dass solche Handlungen zu der Art Desaster führen, wie wir es jetzt in Paris erlebt haben? Insbesondere die Franzosen haben sich sehr aktiv an der Bewaffnung von noch radikaleren Gruppen in Syrien beteiligt und auf mehr politischen Einfluss in der Region gedrängt. Warum weigern sie sich, an das Konzept von Rückschlägen zu glauben? Vielleicht deshalb, weil es die Erklärung „sie hassen uns, weil wir frei sind“ einfacher macht, im Ausland Eskalation zu betreiben und im Inland hart durchzugreifen?

Jetzt, wo die Menschen emotional reagieren und verstärkt Angriffe im Mittleren Osten fordern, ist es vielleicht unpopulär, das zu sagen, aber es gibt einen anderen Weg, an das Problem heranzugehen. Denn es gibt eine Alternative zum Einsatz von mehr militärischer Intervention, um mit einem Problem umzugehen, das durch militärische Intervention verursacht wurde.

Die Lösung ist, die Militaristen und Isolationisten abzulehnen. Die Lösung ist, die Strategie des „Regimewechsels“ zur Durchsetzung vermeintlicher US-amerikanischer und westlicher Ziele – sei es im Irak, in Lybien, Syrien, oder sonst wo – endlich abzulehnen. Die Lösung ist, die verrückte Idee abzulehnen, wir könnten Hunderte Millionen Euro und Dollar Waffen an „Gemäßigte“ im Mittleren Osten liefern und dabei erwarten, keine davon würde in radikale Hände fallen.

Mehr Bomben werden die Probleme im Mittleren Osten nicht lösen. Aber eine bessere Lösung steht momentan durch die Isolationisten in Washington unter Beschuss. Das Atomabkommen mit dem Iran beendet UN-Sanktionen und öffnet das Land für den internationalen Handel. Erst letzte Woche trafen sich die Präsidenten Frankreichs und Irans, um etliche Handelsabkommen zu verhandeln. Andere Länder zogen nach. Handel und Respekt vor nationaler Souveränität sind effektiver als Gewalt, aber die Politiker scheinen das immer noch nicht zu verstehen. Die meisten Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl 2016 stehen untereinander im Wettbewerb darum, wer gegen ein Abkommen mit dem Iran am lautesten mit der Faust auf den Tisch haut. Sie nutzen die Anschläge, um Propaganda gegen Handel mit dem Iran zu führen, obwohl der Iran die Anschläge verurteilt hat und ebenfalls ein Ziel des Islamischen Staates ist.

Hier ist die Alternative: Konzentriert euch auf Handel und freundliche Beziehungen, stoppt Waffenlieferungen, beendet die Politik der „Regimewechsel“ und andere Manipulationen. Respektiert nationale Souveränität, baut auf eine starke Landesverteidigung und beschützt die Grenzen vor denen, die uns Schaden zufügen wollen.

Wir sollten uns von der fehlgeschlagenen Politik der Vergangenheit verabschieden, bevor es zu spät ist.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel Paris and What Should Be Done ist am 15.11.2015 auf der website des Ron-Paul-Institute erschienen.

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Der ehemalige Kongressabgeordnete Dr. Ron Paul ist Distinguished Counselor des Ludwig von Mises Institute in Auburn, US Alabama. Er ist Gründer und Präsident des Ron Paul Institute for Peace und Prosperity.

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