Warum Regierungen das Bargeld hassen

4.9.2015 – von Joseph T. Salerno.

Joseph T. Salerno

Im April wurde in Griechenland angekündigt, für Bargeldabhebungen würden zusätzliche Gebühren eingeführt, um die Bürger davon abzuhalten, ihre Konten leer zu räumen. Jetzt müssen die Griechen einen Euro pro 1.000 Euro Barabhebung bezahlen, also 0,1 Prozent. Das scheint keine große Summe zu sein, aber das Prinzip dahinter ist von enormer Bedeutung. Im Endeffekt wird der Wechselkurs zwischen einer Geldeinheit auf dem Konto und einer Bargeldeinheit gebrochen.

Warum tut man so etwas? Warum will man so etwas überhaupt tun? Nun, es gehört zu einer der Maßnahmen gegen das Bargeld, die die Mainstream-Ökonomen so hartnäckig fordern.

Den Weg für negative Zinsen freimachen

Um die Berechnungen einfacher zu machen und die Auswirkungen zu demonstrieren, nehmen wir einfach an, diese griechische „Gebühr“ sei 10 Euro pro abgehobener 100 Euro, um. Statt 1 Euro Bankguthaben in 1 Euro Bargeld umzutauschen zu können, ist man nur noch in der Lage, 1 Euro Bargeld mit 1,10 Euro Bankguthaben einzufordern. Gewissermaßen ist das ein Satz von minus 10 Prozent. Das ist, als würde man sagen, man könne nur dann einen Euro von der Bank abheben, wenn man bereit ist, 1,10 Euro dafür zu bezahlen. So erhält man nur 90 Cent für jeden Euro, den man abheben wollte, und das ist von entscheidender Bedeutung, weil es vergleichsweise teurer wird, mit Bargeld statt mit Guthaben zu zahlen.

Gleichzeitig wird die griechische Regierung natürlich nicht dafür sorgen, dass man 1,10 Euro Bankguthaben für jeden eingezahlten Euro Bargeld erhält.

Das System ist so darauf ausgerichtet, das Geld in den Banken festzuhalten. Denn was können die Banken jetzt tun? Wenn man bei jeder Abhebung 10 Prozent verliert, können sie die Zinssätze auf beispielsweise minus 5 oder minus 6 Prozent herunterschrauben. Man hat weiterhin keinen Anreiz, Geld abzuheben, selbst wenn die Zinsen in den negativen Bereich gehen.

Wir sind Zeuge eines Krieges gegen Bargeld, in dem es Staaten entweder illegal oder unpraktisch machen, Bargeld zu verwenden. Das wiederum ermöglicht es ihnen, finanzielle Transaktionen umfassender auszuspionieren und zu regulieren, und gibt ihnen mehr Spielraum bei der Manipulierung der Geldmenge.

Der Ursprung des Krieges gegen das Bargeld

Der Krieg gegen das Bargeld begann 1970 mit dem US-amerikanischen Bank Secrecy Act, der Finanzinstitutionen innerhalb der Vereinigten Staaten dazu verpflichtet, den Regierungsbehörden dabei zu helfen, Geldwäsche zu enthüllen und vorzubeugen. Das war der Sinn dahinter. Genauer gesagt verpflichtet dieses Gesetz Finanzinstitutionen, Bargeldzahlungen zu dokumentieren und Zahlungen in Höhe von mehr als 10.000 Dollar pro Tag zu melden. Natürlich wurde die Maßnahme so verkauft, als würde sie der Verbrechensbekämpfung dienen.

Die US-amerikanische Regierung nutzt darüber hinaus noch andere Mittel im Kampf gegen das Bargeld. Bis 1945 zirkulierten 500-Dollar-Scheine, 1.000-Dollar-Scheine und 10.000-Dollar-Scheine. In den 1930er Jahren gab es sogar einen 100.000-Dollar-Schein, mit welchem der Zahlungsverkehr zwischen Banken erfolgte. Die US-amerikanische Regierung hörte 1945 damit auf, diese Scheine zu drucken, und bis 1969 wurden sämtliche von ihnen aus dem Zahlungsverkehr entfernt. Verkleidet als Maßnahme gegen organisiertes Verbrechen und Geldwäsche machten es diese Aktionen sehr unpraktisch, Bargeld zu verwenden. Ein heutiger 100-Dollar-Schein hat in Dollar von 1969, als die letzten großen Scheine entfernt wurden, nur 15,50 Dollar Kaufkraft.

Das Problem ist international

Der Krieg gegen das Bargeld ist in Schweden wahrscheinlich am weitesten fortgeschritten; skandinavische Regierungen sind generell bekannt dafür, gegen das Bargeld vorzugehen. In schwedischen Städten können Fahrscheine für öffentliche Busse nicht länger bar bezahlt werden; sie müssen im Voraus über das Handy oder per SMS – also über ein Bankkonto – gekauft werden.

Vor seiner Pensionierung vor ein paar Jahren prahlte der stellvertretende Leiter der Schwedischen Zentralbank damit, das Bargeld würde überleben „wie das Krokodil“, obwohl sein Lebensraum immer weiter eingeschränkt wird.

Der Vergleich ist treffend, da drei der vier schwedischen Großbanken in insgesamt mehr als zwei Dritteln ihrer Filialen kein Bargeld mehr akzeptieren oder auszahlen. Diese drei Banken wollen den Umgang mit Bargeld in ihren Filialen schnellstmöglich beenden und haben diesen Vorgang 2012 eingeleitet.

In Frankreich wollten die Gegner des Bargelds 2012 ein Gesetz verabschieden, das die Obergrenze für Bargeldzahlungen von 3.000 Euro auf 1.000 Euro absenkt. Das Gesetz scheiterte, aber dann geschahen die Angriffe auf Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt, also wurden sie von der Regierung erfolgreich benutzt, um die Obergrenze von 1.000 Euro durchzusetzen. Warum? Weil die Befürworter sagen, diese Angriffe seien teilweise mit Bargeld finanziert worden.

Diese Terroristen nutzten Bargeld, um einige der Dinge, die sie brauchten, zu bezahlen. Zweifellos trugen diese Mörder auch Schuhe und Kleidung und nutzten bei der Planung und Ausführung ihrer Verbrechen Handys und Autos. Warum verbietet man all diese Dinge nicht einfach? Ein nackter, barfüßiger Terrorist ohne Kommunikationsmittel ist definitiv weniger gefährlich als ein vollständig bekleideter Terrorist mit Ausrüstung.

Schlussendlich hat die Schweiz, einst eine starke Festung der wirtschaftlichen Freiheit und finanziellen Privatsphäre, unter dem Druck der US-amerikanischen Regierung nachgegeben. Die Schweizer Regierung hat sämtliche Bargeldzahlungen in Höhe von mehr als 100.000 Franken (ungefähr 93.000 Euro) verboten, einschließlich Zahlungen für Uhren, Immobilien, Edelmetalle und Autos. Der Hintergrund dafür ist eine Ausschlussdrohung von der Organization of Economic Development, hinter der zweifellos die Vereinigten Staaten stehen. Transaktionen in Höhe von mehr als 100.000 Franken müssen jetzt durch das Banksystem erfolgen. Der Grund dafür ist natürlich das Verhindern des Standardverbrechens überhaupt – der Geldwäsche.

Die Chase Bank ist seit Neuem ein Mitstreiter im Krieg gegen das Bargeld. Das Tochterunternehmen von JP Morgan Chase & Co. ist die größte Bank in den Vereinigten Staaten und laut Forbes das drittgrößte Privatunternehmen auf der Welt. Auch hat sie von der US Treasury Bail-out-Gelder in Höhe von 25 Milliarden Dollar erhalten. Seit März beschränkt Chase die Nutzung von Bargeld in bestimmten Bereichen. Neue Bestimmungen sollen bei der Begleichung fälliger Zahlungen die Verwendung von Bargeld einschränken, und vermehrt über Kreditkarten, Hypothekenkredite, Kontokorrentkredite und Autokredite abgewickelt werden.

Chase verbietet sogar die Aufbewahrung von Bargeld in ihren Schließfächern. In einem Brief an ihre Kunden von 1. April 2015 bezüglich “aktualisierter Bankschließfachbestimmungen” lautet einer der Unterpunkte: „Sie stimmen zu, kein Bargeld oder Münzen aufzubewahren, die keinen Sammelwert haben.“ Ob das auch für Gold und Silber ohne Sammelwert gilt, wird nicht erklärt, aber natürlich tut es das. Ein Beobachter der Geschehnisse warnte: „Diese Maßnahmen sind ungewöhnlich, aber weil Chase die größte Bank dieses Landes ist, wäre ich nicht sonderlich überrascht, wenn es davon noch mehr Fälle in dieser Ära voller Sensitivität gegenüber Terroristenfinanzierung und anderen illegalen Dingen geben wird.“ Holen Sie also Ihr Geld, Ihr Bargeld und vielleicht sogar Ihr Gold und Silber, aus diesen Schließfächern.

Nur (überwachter) Konsum ist erlaubt

Gregory Mankiw, ein prominenter Makroökonom, dachte sich 2009 ein Schema aus: Ein Jahr nach der entsprechenden Ankündigung zieht die Federal Reserve eine Zahl von 0 bis 9 aus einem Hut. Alle Scheine mit einer Seriennummer, die mit dieser Zahl enden, würden augenblicklich ihren Status als gesetzliches Zahlungsmittel verlieren, was für das Halten von Bargeld eine Rendite von minus 10 Prozent bedeuten würde. Das würde es der Fed ermöglichen, die Zinssätze ein Jahr lang oder länger unter Null zu setzen, weil Menschen lieber Geld für -2 oder -4 Prozent verleihen würden, als 10 Prozent zu verlieren.

Der Grund, der von den Machthabern hinsichtlich der Unterdrückung von Bargeld  angeführt wird, ist, um die Gesellschaft vor Terroristen, Steuerhinterziehern, Geldwäschern, Drogenkartellen und anderen echten oder imaginären Bösewichtern zu beschützen. Das tatsächliche Ziel ist es, die Öffentlichkeit dazu zu zwingen, Zahlungen über das Finanzsystem zu tätigen. Das ermöglicht es den Staaten, ihre Spionage- und Überwachungsmöglichkeiten über die privatesten Finanzgeschäfte ihrer Bürger auszuweiten, um ihnen jeden letzten Cent Steuergelder zu nehmen, von denen der Staat meint, dass sie zu zahlen sind.

Andere Gründe, um das Bargeld zu unterdrücken, sind (1) das instabile Teilreservebanksystem aufrecht zu erhalten, das sich auf dem ganzen Globus im Stadium des Zusammenbruchs befindet und (2) Zentralbanken die Macht zu geben, Negativzinsen durchzusetzen. Um Sie also dazu zu bewegen, Geld auszugeben, indem man Ihnen Geld abzieht – an jedem Tag, an dem Sie Geld auf Ihrem Bankkonto lassen und kein Geld ausgeben.

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[Dieser Beitrag wurde als Vortrag am New York Area Mises Circle in Stamford, Connecticut gehalten.]

Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel Why Government Hates Cash ist am 24.8.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Dr. Joseph T. Salerno ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Pace Universtity, New York. Er ist zudem Academic Vice President des Ludwig von Mises Institute, Auburn, US Alabama.