Goldgeld sorgt für gerechte Verteilung

15.7.2015 – von Mark Thornton.

Mark Thornton

Das Thema „Ungleichheit“ ist in diesem Jahr vor allem wegen der Unruhen in Baltimore, der Mindestlohndebatte und Thomas Pikettys Kapital im 21. Jahrhundert eine der Top-Schlagzeilen. Und jetzt tritt noch der Sozialist Bernie Sanders im Rennen um das Amt des US-Präsidenten an.

Die Linken verlangen mehr Sozialhilfe, bessere Schulen, kostenlose Universitäten, verbesserte Fortbildungsmöglichkeiten und mehr. Die Rechten verlangen eine Reform der Sozialhilfe, Privatschulen, eine Steuerreform – nicht zu verwechseln mit Steuersenkungen – und den Einsatz der negativen Einkommenssteuer.

Beide Seiten liegen falsch. Beide verstehen weder wirtschaftliche Ungleichheit, noch was sie verändert. Neulich habe ich angesprochen, dass das Problem städtischen Wildwuchses durch zu viel Staat verursacht wird, und dass die Lösung des Problems darin liegt, den staatlichen Einfluss an bestimmten Stellen zu verringern, um neue Arbeitsplätze und unternehmerische Möglichkeiten zu schaffen. Das gleiche gilt für die wirtschaftliche Ungleichheit: Den staatlichen Schieberegler in die eine oder die andere Richtung zu schieben, wird das Problem nicht lösen.

Ungleichheiten wird es immer geben

Als erstes muss man erkennen, dass Ungleichheit ein natürliches Vorkommnis in allen Gesellschaften ist, sei sie libertär, sozialistisch oder primitiv. Eine hoch entwickelte libertäre Gesellschaft tendiert dazu, einen großen Mittelstand, eine kleine Unterschicht und eine sich erneuernde Oberklasse zu haben. Die Unterschicht ist klein, da es keine rechtlichen Hürden zum Gründen neuer Betriebe gibt und es Anreize dafür gibt, Geld zu verdienen, sparsam zu leben und unternehmerisch tätig zu sein. Die Oberklasse „erneuert sich“, da es keine Monopolprivilegien oder Bail-outs gibt, um den Wohlstand zu bewahren.

Als zweites ist festzustellen, dass politische Maßnahmen Wirkungen auf die natürliche Ungleichheit der Gesellschaft nehmen. Nehmen wir beispielsweise an, dass ein Staat allen Ärzten und Anwälten zur Ausübung ihrer Berufe eine Lizenz vorschreibt und im Anschluss die Anzahl dieser Lizenzen begrenzt. Bingo! Ärzte und Anwälte sind jetzt fast augenblicklich reicher geworden, weil sie die Gesetze genutzt haben, um ihren Wettbewerb zu begrenzen, was sich für diese geschützten Berufe in Form höherer Honorare und Gehälter auszahlt.

Das Sichtbare und das Unsichtbare: Staatlich verursachte Ungleichheit

Offensichtlich haben die Größe und die Form der politischen Maßnahmen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Ungleichheit. Der Auftrag eines jeden Ökonomen ist es, für das Verständnis zu sorgen, dass politische Maßnahmen nicht nur sichtbare, sondern auch unsichtbare Auswirkungen haben. In den meisten Fällen sind die sichtbaren Auswirkungen irgendeine Art von direkter Begünstigung für eine bestimmte Gruppe Menschen. Genauso haben die unsichtbaren Auswirkungen weitläufige indirekte, mit der Zeit wachsende negative Konsequenzen für eine große Gruppe von Menschen. Frédéric Bastiat meinte: „Die endgültigen Konsequenzen sind verhängnisvoll.“

Wenn der Staat armen Menschen großzügige Mittel zur Verfügung stellt, ist das eine offensichtliche direkte Begünstigung für die armen Menschen, die das Geld erhalten. Aber um diese Zahlungen zu tätigen, ist es notwendig, produktive Bürger zu besteuern, wodurch ihre Motivation, produktiv zu sein, verringert wird. Wenn Armut die Bedingung dafür ist, Geld vom Staat zu erhalten, dann haben die Menschen weniger Anreize dafür, produktiv zu sein und der Armut zu entkommen. Langfristig gibt es dann mehr arme Menschen, eine permanente Armutsschicht und einen kleineren „wirtschaftlichen Kuchen“, um die Bevölkerung zu unterstützen.

Die Auswirkungen von Steuern und Sozialabgaben auf die Einkommensverteilung sind weitgehend bekannt. Dennoch werden diese bekannten Auswirkungen hauptsächlich von denjenigen, die „etwas gegen die wirtschaftliche Ungleichheit tun wollen“, missachtet oder ignoriert.

Das Geldsystem spielt eine Rolle

Geld ist ein wichtiger Faktor, der von den politischen Linken und den politischen Rechten gleichermaßen ignoriert wird. Dennoch haben Geldsystem und Geldpolitik offensichtliche und geschichtlich bewiesene Auswirkungen auf die wirtschaftliche Ungleichheit.

Ein Geldsystem, das von einer Zentralbank dominiert wird und auf „fiat-money“ beruht, wird erwartungsgemäß bestimmte Personen, wie Banker und verschuldete Menschen, begünstigen. Gleichzeitig wird das System, da es inflationär ist, Arbeitern und Sparern schaden. Es ist zu erwarten, dass solch ein System den unteren und mittleren Schichten schadet und diejenigen in der Finanzindustrie und den oberen Klassen begünstigt.

Hartes Geld und das Gute an der Deflation

Historisch betrachtet zeigt ein Goldstandard die Tendenz, deflationär zu sein. Das bedeutet, dass Gehälter, Bargeldbestände, Ersparnisse und Anleihen mit der Zeit tendenziell an Kaufkraft gewinnen. Diese Art von Geldsystem belohnt die hart arbeitenden und sparsamen Schichten, was zu einer Ausweitung des Mittelstandes führt.

Dieses Diagramm des Pew Research Center liefert Beweise für die unterschiedlichen Auswirkungen von Gold und Papiergeld:

Anteil der Einkommensgruppen am Gesamtjahreseinkommen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Diagramm zeigt, dass die wirtschaftliche Ungleichheit in den Vereinigten Staaten zwischen 1917 und den frühen 1970ern zurückging, bis Nixon den Goldstandard beseitigte. Die dunklen Flächen des Diagramms repräsentieren die 99 Prozent, während die hellste Fläche ganz oben die höchsten 1 Prozent darstellt. Die wirtschaftliche Ungleichheit wurde in den inflationären 1920ern größer, aber die Geringverdiener sind im Vergleich zu den obersten 1 Prozent schnell aufgestiegen, als der Goldstandard nach dem 2. Weltkrieg wiederhergestellt wurde. Das Diagramm zeigt zwischen dem Ende der 40er Jahre bis zu den frühen 70ern gleichzeitig Verbesserungen und Stabilität beim Beseitigen der wirtschaftlichen Ungleichheit. Seitdem besteht ein Trend zu einer stärkeren wirtschaftlichen Ungleichheit.

Die „Austrians“ stehen nicht für irgendeine bestimmte Einkommensverteilung, außer derjenigen, die von der Marktwirtschaft bestimmt wird. Ein Teil der Lösung für das Problem der wirtschaftlichen Ungleichheit ist die Rückkehr zu einem ehrlichen und guten Geldsystem, inklusive – aber nicht darauf beschränkt – des Goldstandards.

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Aus dem Englischen übersetzt von Vincent Steinberg. Der Originalbeitrag mit dem Titel Gold and Economic Inequality ist am 16.6.2015 auf der website des Mises-Institute, Auburn, US Alabama erschienen.

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Mark Thornton ist Senior Resident Fellow des Ludwig von Mises Institute in Auburn, Alabama und Redakteur des Quarterly Journal of Austrian Economics. Er ist Autor von “The Economics of Prohibition”, Koautor von “Tariffs, Blockades, and Inflation: The Economics of the Civil War” sowie Herausgeber von “The Quotable Mises”, “The Bastiat Collection” und “An Essay on Economic Theory”.

 

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