Lasst uns zu gutem Geld zurückkehren. Es ist möglich.

10.6.2015 – von Murray N. Rothbard.

[Aus »The Case for a 100 Percent Gold Dollar«, Seite 66 bis 73. Aus dem Englischen übersetzt von Arno Stöcker.]

Murray N. Rothbard (1926 – 1995)

Ist die Entscheidung einmal gefallen, zu einem hundertprozentigen Gold-Dollar zurückzukehren, sind wir mit Umsetzungsproblemen konfrontiert. Es steht außer Frage, dass die Übergangsphase, die notwendig ist, um unser Ziel zu erreichen, mit Schwierigkeiten verbunden ist. Ist aber erst einmal der Übergang abgeschlossen, haben wir die Genugtuung, die beste dem Menschen bekannte Geldordnung zu besitzen. Damit verbunden ist die Beseitigung von Inflation, von Konjunkturzyklen und der unökonomischen und unmoralischen Praktik, bei der andere sich auf Kosten von Produktiven bereichern.

Da wir beim gegenwärtig festgesetzten Gewichtsverhältnis weitaus mehr Dollar als Gold-Dollar im Umlauf haben, besteht im Wesentlichen die Wahl zwischen zwei alternativen, gegensätzlichen Herangehensweisen in Richtung 100 Prozent Gold: entweder erzeugen wir eine Deflation beim Dollarangebot bis der gegenwärtige Wert des Goldbestandes erreicht ist oder wir “erhöhen den Preis des Goldes” (sprich die Gewichtsfestsetzung des Dollars wird gesenkt), um den gegenwärtigen Bestand an Gold-Dollar zu 100 Prozent dem umlaufenden Dollarangebot anzugleichen. Selbstverständlich ist auch eine Kombination aus beiden Vorgehensweisen möglich.

Professor Spahr und seine Kollegen wollen den Goldstandard (wenn gleich auch nicht einen hundertprozentig goldgedeckten) zum aktuellen “Preis” von 35 US-Dollar pro Unze wiederherstellen und betonen dabei die Bedeutung der unveränderlichen Gewichtsnormierung des Dollars. Wäre dieser Vorschlag vor 1933 gekommen und wir hätten noch immer einen Goldstandard, mag er auch mit Defiziten behaftet sein, würde ich dem Vorschlag ohne Zögern zustimmen. Das Prinzip eines festen Gewichtes für den Dollar, und über all dem das Prinzip der Unverletzlichkeit von Verträgen, sind unverzichtbar für unsere Ordnung von Privateigentum.

Vor diesem Hintergrund wären die Schwierigkeiten einer starken Deflation durchaus vertretbar. Davon abgesehen haben wir die Deflation zu einem irrwitzigen Ungeheuer aufgebauscht und darüber die positiven Wirkungen einer deflationären Bereinigung von Fehlinvestitionen aus der Boom-Phase übersehen. Auch würden Menschen mit starren Einkommen, die von Jahrzehnten der inflationistischen Erosion hart getroffen wurden, durch ein deutliches Absinken der Preise eine überfällige Unterstützung erhalten. Eine starke Deflation würde außerdem helfen, die mächtige Anhäufung von monopolistischen Gewerkschaftsstrukturen und ihre potenziell zersetzende Wirkung auf die Marktwirtschaft zu durchbrechen. In dem Maße, in dem die Deflation nominell gesehen stark wäre, würde sie die Leute dazu anhalten, mehr von ihren gegenwärtigen Barbeständen zu sparen. Anstatt ihre Sparbeträge in Form von Bankguthaben zu halten, würden sie sie freiwillig durch den Kauf von Bankschuldverschreibungen erhöhen, wodurch sie wiederum das Wirtschaftswachstum begünstigen und somit die Härten der Deflation abmildern würden.

Hingegen gibt es derzeit keinen schlüssigen Grund, auf einen Umtauschkurs von 35 US-Dollar zu bestehen. Der existierende “Goldstandard” und die Festsetzung des Dollars gelten nur für ausländische Regierungen und Zentralbanken, soweit es die Bürger betrifft, sind wir bereits bei einem Fiat-Standard angekommen. (Zur Zeit des Bretton-Woods-Systems war es nur ausländischen (Zentral-)Banken gestattet, Dollar gegen Gold einzutauschen. Der private Goldbesitz war zwischen 1933 bis Ende 1974 in den USA verboten. Anm. d. Übersetzers.) Daher ist zu überlegen, ob wir nicht in einem vorausgehenden Schritt die Festsetzung des Dollars im Ganzen verändern, um so zu einem vollwertigen Goldstandard zurückzukehren, ohne damit den Grundsatz der Beständigkeit zu stören.

Wie im Fall jeder Etablierung eines Gewichtsmaßstabes ist die ursprüngliche Festsetzung willkürlich und da wir bereits einem reinen Fiat-Standard nahe sind, sollten wir überlegen, ob nicht jeder Dollar in einer neuen Geldordnung eine ursprüngliche Festsetzung ist. Abhängig davon wie wir das Geldangebot definieren – ich würde den Kreis recht weit ziehen und alle Forderungen in Dollar entsprechend ihrem festgeschriebenen Umtauschkurs mit einbeziehen – müsste der Goldpreis etwa um das zehn- bis zwanzigfache steigen, um den Goldbestand zu 100 Prozent an die Gesamt-Dollar-Menge anzupassen. Dies hätte natürlich enorme Einmalgewinne bei den Goldbergwerkbetreibern zur Folge, die uns aber nicht zu interessieren haben. Ich glaube nicht, dass wir ein Angebot zu einem Masseneintritt in den Himmel nur deshalb ablehnen sollten, weil die Hersteller von Harfen und Engelsflügeln hierbei einmalige Gewinne erzielen könnten. Ganz sicher würde hingegen der Umstand Sorge bereiten, den eine solche Entwicklung auf die Goldförderung in den nächsten Jahren haben würde, sowie die Beeinträchtigung, die hieraus für den Welthandel entstehen könnten.

Welchen Weg wir wählen oder welche Mischung aus beiden Ansätzen, ist eine Frage für detaillierte Untersuchungen von Ökonomen. Offensichtlich wurden bisher allerdings wenig bis gar keine Untersuchungen in diese Richtung unternommen. Ich werde daher an dieser Stelle kein detailliertes Konzept vorlegen. Vielmehr wünschte ich mir, alle, die von einem hundertprozentigen Goldstandard überzeugt sind, würden zusammenkommen, um solch eine Untersuchung anzufertigen, wie der beste Weg aussehen würde, dieses Ziel unter den gegebenen Umständen zu erreichen. Ganz allgemein lässt sich das gewünschte Programm wie folgt zusammenfassen:

  1. Etablierung eines 100-Prozent-Gold-Dollar entweder durch eine Deflation des Dollars bis zu einem Gegenwert von 35 US-Dollar pro Unze oder durch eine Neubewertung des Dollars zu einem “Goldpreis”, der hoch genug ist, um den Goldbestand zu 100 Prozent an das Dollarangebot anzugleichen. Auch eine Mischform der beiden Ansätze ist denkbar.
  2. Den Goldbestand aus den Händen des Staats in die Hände von Banken und Menschen überführen und dabei gleichzeitig das Federal-Reserve-System auflösen und eine rechtliche Volldeckungspflicht für alle Eintauschansprüche etablieren.
  3. Die Übertragung der Notenemissionsfunktion vom Schatzamt und der Notenbank auf private Geldhäuser. Somit wäre es allen Banken erlaubt, Bankguthaben und Noten nach den Wünschen ihrer Kunden auszugeben.
  4. Physische Silberbestände und die sie repräsentierenden Silberzertifikate (welche dann von den Banken ausgestellt werden würden) sind von jeder Goldanbindung zu lösen. Silberunzen und ihre Lagerscheine würden wie alle anderen Güter frei auf dem Markt wahlweise in Gold und Dollar gehandelt werden, so dass “parallele” Gold- und Silbergelder entstehen würden, wobei der Gold-Dollar wahrscheinlich durch seine Recheneinheitsfunktion das eigentliche Hauptgeld bleiben würde.
  5. Letztendlich die Abschaffung der Bezeichnung “Dollar”, so dass nur Gewichtsbezeichnungen wie “Goldgramm” und “Goldunze” verwendet werden würden. Das oberste Ziel wäre die Rückkehr jeder nationalen Währung zu 100 Prozent Gold und dem allmählichen Übergang aller nationalen Währungen hin zu einer weltweit einheitlichen Gold-Gramm-Einheit. Dies war eines der erklärten Ziele der erfolglosen internationalen Währungskonferenzen im späten 19. Jahrhundert. In so einer Welt würde es außer zwischen Gold und Silber keine Wechselkurse mehr geben, da nationalstaatliche Währungsnamen für einfache Gewichtsbezeichnungen aufgegeben werden würden. Schlussendlich würde weltweit das Geld von staatlichen Interventionen befreit werden.
  6. Freie (wenn auch nicht kostenlose) private Münzprägung von Gold und Silber.

An dieser Stelle muss ich dem Vorschlag von Professor Mises und Henry Hazlitt widersprechen, wonach es für eine Rückkehr zum Goldstandard zuerst notwendig ist, einen “freien Markt” für Gold durch eine komplette Loslösung des Dollars vom Gold zu schaffen, um dann nach mehreren Jahren festzustellen, welcher Goldpreis sich auf dem Markt einstellen würde. Zum Ersten würde dies die letzte dünne Verbindung vom Dollar zum Gold auflösen und uns einem totalen Fiatgeld ausliefern. Zweitens wäre dies schwerlich ein “freier” Markt, da sich beinah alles [US-amerikanische] Gold in der Hand des Staates befindet. Ich denke es ist wichtig, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Schließlich war es gerade die [US-amerikanische] Bundesregierung, die 1933 das Gold der Bürger unter dem Vorwand eines temporären Notfalls beschlagnahmt hatte. Es ist sowohl aus ökonomischen als auch aus moralischen Gesichtspunkten wichtig, den Menschen zu erlauben, sich so schnell wie möglich ihr Gold zurückzuholen.

Ich glaube, da das Gold immer noch als Geisel für den Dollar gehalten wird, sollte die offizielle Bindung und Konvertierbarkeit zwischen Gold und Dollar, so schnell wie man den US-Kongress überzeugen kann, wiederhergestellt werden. Da man streng genommen davon sprechen muss, dass der Dollar nichts weiter als eine Gewichtseinheit für Gold darstellt, ist es gar nicht notwendig, einen “Markt” zwischen Gold und Dollar zu errichten; ebenso wenig wie es einen “Markt” für den Tausch von Ein-Dollar-Noten und Fünf-Dollar-Noten bedarf.

Es hat wenig Sinn die Tatsache zu bestreiten, dass das hier vorgeschlagene Programm für die meisten Menschen als zu “radikal” und “unrealistisch” gilt. Jeder Vorschlag, der das Ziel hat, den Status quo zu verändern, kann immer von irgendjemanden als zu radikal betrachtet werden, so dass der einzige Ausweg dem Vorwurf der Undurchführbarkeit zu entgehen darin besteht, niemals für eine Veränderung einzustehen, mag sie auch noch so klein sein.

Wählt man jedoch diese Herangehensweise, bedeutet dies die menschliche Vernunft aufzugeben und stattdessen in einer tierähnlichen – oder pflanzlichen – Art und Weise sich im Strom der Gegebenheiten treiben zu lassen. Professor Philbrook wies vor einigen Jahren in einem herausragenden Aufsatz darauf hin, seine politischen Überzeugungen über die beste Vorgehensweise auszuarbeiten, um danach zu versuchen, andere von diesen Zielen zu überzeugen und nicht schon in die politischen Überzeugungen Überlegungen einfließen zu lassen, was für andere Leute akzeptabel sein könnte. Jemand muss, im Gegensatz zu dem, was als politisch angebracht erscheint, die Wahrheit in der Gesellschaft verbreiten. Wenn Wissenschaftler und Intellektuelle hierbei scheitern, wenn sie versäumen, ihre Überzeugungen zu erklären, geben sie die Wahrheit preis und damit ihre raison d’être, ihren Daseinszweck schlechthin. Jede Hoffnung auf sozialen Fortschritt wäre dann verloren, da weder neue Ideen vorangebracht werden würden, noch Anstrengungen unternommen werden würden, andere von ihrer Richtigkeit zu überzeugen.

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Murray N. Rothbard wurde 1926 in New York geboren, wo er an der dortigen Universität Schüler von Ludwig von Mises wurde. Rothbard, der 1962 in seinem Werk Man, Economy, and State die Misesianische Theorie noch einmal grundlegend zusammenfasste, hat selbst diese letzte Aufgabe, die Mises dem Staat zubilligt, einer mehr als kritischen Überprüfung unterzogen.

 

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